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Die Welt · 1902-10-10 · 41 (10.10.1902) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
41 (10.10.1902)
Article
[Kommentar]
Date
1902-10-10
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die j£ Weit84 Nr. 41 darauf hin, dass das politische Gerede der Polen nur eigentlich eine neue Auflage der alten Geschichte ist. Die Polen hatten immer ihren „Juden** und möchten ihn auch jetzt haben, um in ihrem politischen, . meist unsauberen Treiben sich an ihn lehnen zu können. Ja manche Duckmäuser unter den Juden, manche kleine, enge Knechtseelen werden vielleicht die „Juden" für die Polen abgeben, aber der kräftige, gesunde Teil der jüdischen Bevölkerung wird sich mit Verachtung abwenden und wird unverdrossen zu seinem Ziele weiterschreiten. Das, was der„Wschöd" betreffs der Polen sagt, könnte man auch manchen anderen Nationen sagen. Ueberail finden sich Kritiker, ja sogar in Russland (Pet.„Now." Art. „Zionismus U.Nationalismus4'), die im Namen der „Humanität" den Zionismus bekämpfen. Dissen unberufenen Kritikern möchten wir sagen: Schuster, bleib' bei deinem Leisten. Der „Izraelyta" aus Warschau vom 1. Oktober bringt einen Artikel über die „Gesellschaft für Verbreitung der Bildung unter den Juden in Russland". Der Verfasser dieses Artikels ist entzückt von der Tätigkeit der Gesellschaft. Im Janre 1901 erhielten Unterstützung seitens der Zentralabteilung in Petersburg lc2 Schulen. Es sind ziemlich erhebliche Summen aufgeteilt worden. So nur in Petersburg 37.137 Rubel (ungefähr 90.000 Kronen). Die Gesellschaft zählt unter ihren Mitgliedern „die reichsten und angesehensten Männer der russischen Judenschafi". Wir sind aber nicht der Meinung, dass die Gesellschaft wirklich auf der Höhe ihrer Mission steht. So zum Beispiel tut sie gar nichts, um das Leben der jüdischen Studenten aus Russland im Auslande zu erleichtern. Sie teilt das Geschick so vieler jüdischer Institutionen: sie bleibt starr an den einmal gestellten Aufgaben und rechnet weder mit dt-r Z^ir, noch mit den Verhältnissen. Die „Jüdische Frauenwelt" fe^nj^nä jn0"Tp)> die im Jargon geschrieben ist, bringt m der Nummer vom 10 Oktober einen trefflichen Leitartikel von Doktor Ch. Gurewitz über die ,.jüdische Arbeiterin". Es zeigt sich nämlich, dass die jüdischen Arbeiterinnen einen grossen Perzentgehait der gesamten Zahl der jüdischen Arbeiter ausmachen. Von den jüdischen Handwerkern in Russland (ausser Polen) sind 15% Frauen; unter den 33,000 Fabriksarbeitern sind 9586 Frauen und 2475 kleine Mädchen — also 27%. Der Verfasser hebt die hohe ökonomische und moralische Bedeutung dieser neuen Erscheinung im jüdischen Leben hervor und schliesst, dass trotz der vielen Nachteile die der Anteil der Frauen an der Arbeit hat, dieser doch den Vorteil hat, dass die Frau die Arbeit und den Kampf ums Dasein und die mit ihnen verbundenen gesellschaftlichen Fragen kennen lernt. Die „idea Sionista" das Organ der italienischen Zionisten, bringt in der Juli-Nummer einen interessanten Artikel vom Adv. F. Ravenna über den Zionismus in Italien. Bemerkenswert sind folgende Worte: „Die Juden in Italien, man muss es sich offen gestehen, bilden den Typus einesParvenü". Wir folgen nicht nur im öffentlichen Leben, sondern auch im häuslichen den Sitten unserer katholischen Mitbürger; die Resultate sind bekannt; wir s^hen in den letzten Jahren in den öffentlichen Aemtern ein Bestreben, die Juden aus ihren Stellungen zu verdrängen, auch im persönlichen Verkehr wird das Wachwerden der Antipathie der Christen den Juden gegenüber bemerkbar.. / Jude in Italien zu sein soll nicht nur den religiösen Sinn, sondern auch den nationalen heben, soll auch darauf abzielen, das geistige Niveau der Juden des Westens zu heben — das tut in Italien der Zionismus. „De Joodsche Courant* in Amsterdam bringt in seiner Nummer vom 1. Oktober einen Auszug aus dem statistischen Jahrbuch von Amsterdam (Statisch Jaarbook van Amsterdam). In Amsterdam gibt es nach den Angaben des Jahrbuches 60.000 Juden, die meistenteils in speziellen Judengassen unter sehr ungünstigen hygienischen Verhältnissen wohnen. Ueberhaupt merkt man einen gewissen Verfall sowohl im geistigen, als im moralischen Leben der Amsterdamer Juden. Der „Joodsche Courantu zieht aus den statistischen Angaben folgenden Schluss: Vorn hygienischen Standpunkte zeigt sich die Assimilation der Juden sogar mit einem so kerngesunden Volke, wie das niederländische, schädlich für sie. Um die hebräische Jugendschrift „Olam Katan" für die jüdische Jugend verständlicher und zugänglicher zu machen, beschloss der Verlag „Tuschija" in Warschau, die Zeitschrift vom Beginn des Jahres 5663 an durchgehends punktiert drucken zu lassen und den Bezugspreis auf 4 Rubel jährlich herabzusetzen. Ferner wird als Beilage für Eitern und Lehrer eine pädagogische Monatschrift betitelt „Hapadgog" (Der Pädagog) erscheinen, welche für die Abonnenten des „Olam Katan" für nur 2 Rubel jährlich erhältlich sein wird. Wir beglückwünschen den wackeren Verlag zu diesen den Interessen der nationalen Erziehung entgegenkommenden Einführungen. Die Redaktion des „Hamagid" ist von Krakau nach London übersiedelt. (Adresse: London, N. E., 55 Amhurst Rd. Hackney). $fas dcF J§eii?egüf)jS* Gedenket des Schekels! Warnung. Die Organisationen werden vor einem Manne gewarnt, der unter dem Namen Ti s chl e r aus Amsterdam sich in Prag in zionistische Kreise einzuschmuggein versuchte und als Schwindler entlarvt wurde. Wien. (Innerösterreichische Distriktsversammlung.) Die diesjährige innerösterreichische Distriktsversammlung fand Samstag den 27. v. M. im Kongress-Bureau unter reger Teilnahme der Wiener Vertrauensmänner statt. Unter anderem hatten sich Vertreter der Vereine „Innere Stadt", „Leopoldstadt-Praterstrasse", „Leopoldstadt-Taborstrasse"., Wieden-Margarethen", „Mariahilf-Neubau", „Fünfhaus*, des „Frauer,Vereines" und der Verbindungen ,Maccabaea% „BarKochba" und „Erez Israel" eingefunden. Zu Beginn der Sitzung fand zu Ehren der dahingeschiedenen Gesinnungsgenossen Friedrich Fuchs und Dr. I. Rülf eine Trauerkundgebung statt. Nachdem dem abtretenden D.-K. das Absolutorium erteilt und der Dank ausgesprochen worden war, wurden die Neuwahlen vorgenommen. Nachstehende Personen wurden in das innerösterreichische D.-K. entsandt: In Vertretung der Frauen- und Mädchenvereine:. Frau Fanny Weiss. In Vertretung der Bürgervereine: die Herren : Dr. Meisel, Dr. M ens e, Ehrlich, Norbert Rapp ap ort, Dr. Bernhardt, Rudolf Pick, Direktor Weber. In Vertretung der Studenten vereine: die Herren : Haas, Alt, Meisel In Angelegenheit der rumänischen Emigration und der Wiener Kultuswahlen wurden wichtige Beschlüsse gefasst. Berichte. Oesterreich-Ungarn. Wien.(Jüd is ch-n ationaler Arbeiterverein.) Sonntag den 7. September fand in L. Diamants Saal ein heiterer Unterhaltungsabend des Jüdisch-nationalen Arbeitervereins bei sehr starker Beteiligung statt. Der Abend wurde durch einen dramatischen Vortrag des Herjn Deutsch eingeleitet, der meisterhaft einen Teil aus dem Schauspiel „Familie Wawroch* rezidierte. Kollege G. Kaupy überraschte allgemein als Gesangshumorist durch seine drollige Darstellung, Herr Frey als Charakterdarsteller und Vortragender. Viele Anerkennung wurde dem als Gast erschienenen Schauspieler Herrn Gust. Schiel zuteil, der sich in der Posse „Im Heirats-Bureau", besonders auszeichnete. Ein flottes Tanzkränzchen schloss den gelungenen Abend. Göding. Die jüd. akad. Ferialverbindung „Gamala" in Göding veranstaltete am 21. d. M. ihren Gründungskommers unter lebhafter Beteiligung der hiesigen Judenschaft. Nach dem von med. M. Rosenzweig verfassten und gesprochenen Prolog begrüsste Her Präses ehem. R. S t e r nlicht die Versammlung, darunter die zahlreich erschienenen Vertreter der akad. Verbindungen „Unitas", „Ivria", „Veritas" und der Ferialverbindungen „Achiwah", „Laetitia'^Hessi anac< und „Massada". Jur. J. K o r n f e 1 d hielt die Festrede. Hierauf ergriff als Vertreter der Österreichs sehen Parteileitung Herr Dr. Bernhardt das Wort und legte in klarer, sachlicher Weise Wesen und Ziele des Zionismus dar. Nachdem noch die Vertreter der einzelnen Verbindungen ihre Glückwünsche überbracht hatten, schloss ing. Eisinger den offiziellen Teil des Kommerses mit einem Toast auf die Führer der zionistischen Bewegung. Der darauf folgende Gesangsvortrag des Frl. W a 1 d e k, am Klavier begleitet von Frl. Grünwald, boten dem Publikum hohen Genuss. Es folgte ein Tanzkränzchen. Hoffentlich werden die Bestrebungen der wackeren Gamalenser auch mit Erfolg gekrönt sein und das heiss umstrittene Gebiet von Göding dem Zionismus erobert werden. Zu

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