Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 41 (10.10.1902)
- Article
- Ein Brief von Oberst Goldsmid (London)
- Date
- 1902-10-10
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 9,DJe # Welt" Nr. 41 und lange nachdem sie die Schule verlassen haben, bleiben sie in Verbindung mit der Brigade und ihren Offizieren und werden dadurch davon abgehalten, auf schlechte Wege zu geraten. Auf dem Kontinente, wo mehr oder weniger die gesamte erwachsene Bevölkerung gesetzlich den Militärdienst zu leisten hat, ist eine militärische Organisation unnötig. Wir sind erfreut, zu sehen, dass Sie durch die Bildung athletischer und turnerischer Vereinigungen in derselben Richtung wie wir wirken ... .. . Ich verbleibe, sehr geehrter Herr, Ihr ganz ergebener Albert E. Goldsrnid Oberst Kommandeur der „Jüdischen Jugendwehr". (Jüd. Turnztg.) Zolas Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer grandiosen Huldigung für den Meister der Feder und den grossen Menschen, der, ein Nichtjude, aus Wahrheitsgefühl einer der aufrichtigsten Freunde des jüdischen Volkes war. Unterrichtsminister Chaumie sagte in seiner Trauerrede : „Zola war auch der richtige Mann für sein Werk. Wenn eine Sache ihm als gerecht erschien, so betrachtete er es als seine gebieterische Pflicht, zu ihrer Verteidigung der unvernünftigen oder perfiden Wut zu trotzen, den wütenden Schmähungen, dem ungerechten Hasse, den schmerzlichsten Angriffen standzuhalten. Kein Opfer erschien ihm zu hoch, um dem Schrei seines Gewissens zu folgen. Schon legte sich das Geheul der Gegner* Jene, die entstellten oder verleumdeten, erschienen in den Augen aller in ihrem wahren Lichte. Der Tod, der Frieden und Klarheit bringt, hat die Stunde der Gerechtigkeit beschleunigt. All die, deren Seele fähig ist, wahre Grösse zu empfinden und welches auch bisher ihre Partei im Kampfe gewesen sein mag, haben sich vor diesem Sarge gebeugt! Die Geringen, die Unglücklichen, die Enterbten, die, zu deren Schmerzen er sich beobachtend und mitleidsvoll herniederbückte, fühlen, dass sie einen grossen Freund verloren haben und [mengen ihre Dankbarkeit und Trauer in die Trauer und Bewunderung derjenigen, die den ungeheuren Verlust empfinden, der die .Literatur betroffen hat.* Prinz Max von Sachsen, der bekanntlich katholischer Priester ist, hielt im katholischen Bezirksverein in Stuttgart einen Vortrag über die Makkabäer, die er als Vorbilder im Glaubenskampfe hinstellte, den sie mit unbefleckten Waffen kämpften. Skandale im New-Yorker Einwanderungsamt. Aus Berlin wird unter dem 3. d.M. geschrieben: Wie über London gemeldet wird, enthält der am 1. d. M. in New-York publizierte Bericht des dortigen Einwanderungskommissärs eine Reihe Aufsehen erregender Enthüllungen. Der Bericht konstatiert, dass auf der Aufnahmsstation für Einwanderer auf Ellis Island unglaubliche Missbräuche herrschten. Die unteren Beamten hätten ihre Befugnisse ganz willkürlich ausgeübt, indem sie Einwanderer, wie es ihnen gerade beliebte, von der Immigration ausschlössen oder sie zuliessen, je nachdem dieselben entsprechend zahlten oder nicht. Die ärmeren Immigranten wurden gefüttert wie Tiere, in enge, schmutzige Pferche eingesperrt und gezwungen, dort ohne Löffel, Gabel oder Messer zu essen. An manchen Einwanderern, die ihr Geld versteckten, wurden förmliche „Leibespfändungen" vorgenommen. Wohlhabenden Immigranten dagegen wurde es ermöglicht, sich der Zollpflicht zu entziehen und namentlich Juwelpn, auf denen ein hoher Eingangszoll liegt, gänzlich unversteuert in grossen Massen einzuschmuggeln. Diese im Beamtenkörper eingerissene Korruption habe in der letzten Zeit zu strenger Ahndung gedrängt, so dass zahlreiche Beamte vom Einwanderungsamte vom Regierungskommissär strafweise entlassen oder versetzt wurden. Die Wohnungsverhältnisse der Juden in London. Wir lesen in „Scribner's Magazine": Das System der Aftermiete hat unter den Juden in London eine unglaubliche Ausdehnung erhalten. Es kommt vor, dass in dem einen Raum, der schon von einer zahlreichen Familie bewohnt wird, noch zwei, drei oder mehr Aftermieter aufgenommen werden. Es kommt häufig vor, dass die Kinder u n t e r dem Bette schlafen müssen, während das Bett selbst vermietet ist. Ferner wird manchmal dasselbe Bett solcher sogenannter Wohnungen an eine Reihe von Mietern vergeben, so dass der eine dasselbe von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens zu benützen das Recht hat, während von () Uhr an ein anderer After mieter in diese Rechte bis 2 Uhr tritt und endlich ein dritter wieder von 2 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends davon Besitz nimmt! Automobile in Syrien und Palästina. Der Konsul der Vereinigten Staaten in Beyrut berichtet an seine Regierung: Nur ein Exemplar eines Automobils, eine minderwertige französische Maschine, ist bisher in Syrien und Palästina gesehen worden; aber bei dem Mangel an Eisenbahnen und der Schwierigkeit für Wagen und Pferde würden Automobile in diesen Ländern von grossem Vorteil sein. Eine neue Strasse wird gegenwärtig zwischen Sidon und Beyrut gebaut zum Ersatz des alten Reitweges. Während diese Strasse horizontal sein wird, sind die anderen in dieser Gegend steil und machen zahlreiche scharfe Wendungen. In diesen Gegenden leiden die Pferde ungemein von der Hitze. Diese Unzukömmlichkeiten würden bei einer Maschine nicht eintreten. Die Zahl der Touristen hat sich in Syrien während der letzten zehn Jahre verdoppelt. Die meisten, welche in Beyrut landen, nehmen den Weg nach Baalbek und Damaskus. Die Vorliebe für Galiläa ist in steter Zunahme begriffen. Neulich hat der „Celtic" mit 820 amerikanischen Touristen vor Beyrut Anker geworfen. Die„Augusta Viktoria" brachte einige 700. Das Automobil würde die Touren erleichtern und daher die Zahl der Touristen bedeutend vermehren. Der Wert eines Bartes. Infolge eines Unfalles der Strassen-Eisenbahn in New-York war Kantor Simon Kurtz gpzwungen, sich seinen Bart abnehmen zu lassen. Er klagt die Bahngesellschaft auf 10.000 Dollars Schadenersatz, da er wegen des abgenommenen Bartes nicht mehr in der Lage ist, seinen Beruf in der Synagoge weiter auszuüben. Tribüne. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Erklärung. Zum Zwecke endgiltiger Aufklärung einer Angelegenheit, die den Lesern zionistischer Blätter bekannt sein dürfte, erlaubt sich der Gefertigte folgendes auszuführen : In der „Welt" und der „Israel. Rundschau" erschien ein „Eingesendet" des Herrn E. M. Lilien, worin derselbe gegen die Reproduktion der von ihm gezeichneten Kongresskarte imBrünner,, Jüdischen Volkskalender"Stellung nahm, dieselbe ais widerrechtlich bezeichnete, nachdem er bereits vor dem Erscheinen des Kalenders gegen eine derartige Reproduktion Protest erhoben habe. Als Antwort auf diese und andere an gleicher Stelle erhobene Vorwürfe veröffentlichte der Unterzeichnete als Inhaber des „Jüdischen Buch- und Kunstverlages" in Brünn in genannten Blättern die Erklärung, dass — abgesehen davon, dass Herr Lilien zu einem derartigen Protest überhaupt nicht berechtigt sei, da die Kongresskarte Eigentum des Kongressbureaux ist und der Unterzeichnete von demselben das freie Verfügungsrecht über die fragliche Karte erhalten hat — die Behauptung des Herrn Lilien, vor der Veröffentlichung des Kalenders gegen die Aufnahme der Kongresskarte im „ Jüdischen Volkskalen der* protestiert zu haben, nicht auf Wahrheit b eruhe und als Beweis angeführt, dass er ja von der Veröffentlichung im ,Jüdischen Volkskalender" früher nicht Kenntnis haben konnte. Als Antwort auf dieses erwiderte der genannte Herr in einem neuerlichen „Eingesendet" m i t so viel Glück, als eben v e rzweifelteReklameundKonkurrenzmanöver zu haben pflegen. Den Vorwurf, dass er unwahre Behauptungen aufgestellt habe, ignoriert Herr Lilien — wohl mehr klugerals honorigerweise — gäüzlich;das würde schlieslich jedem Unbefangenen zur Bildung eines passenden Urteils über das Vorgehen des genannten Herrn genügen. Um aber dem widrigen persönlichen Klatsch, den Herr Lilien in dieser nämlichen Erklärung auftischt, einfür allemal zu begegnen, bringt der Unterzeichnete folgendes zur Kenntnis der zionistischen Oeffentlichkeit: In Gegenwart des Herrn N. Gross, Mitglied des österreichischen Landeskomitees, hat der Sekretär des Kongressbureaus dem Unterzeichneten die Erklärung abgegeben, dass das Kongressbureau das Kongressbild vom Herrn Lilien käuflich erworben habe. Bei Abnahme der 30.000 vom Kongressbureau (zu den Herstellungskosten) gekauften Kongress- und Goluskarten hat der Unterzeichnete das Klischee der Kongresskarte zur freien Verfügung erhalten. Daraus ist wohl zu ersehen, dass der Unterzeichnete nicht die geringste Veranlassung hatte, mit Herrn Lilien in irgendwelche Verbindung zu treten. Dass weiter Herr Lilien keinen Gruad hatte, gegen die Art der Reproduktion zu protestieren, geht daraus hervor, dass die Reproduktion