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Die Welt · 1902-10-02 · 40 (2.10.1902) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
40 (2.10.1902)
Article
Bonn / Bodenheimer
Date
1902-10-02
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 Die # Welt" Nr. 40 Seit dieser Zeit hat er rastlos und unentwegt für unsere Sache gearbeitet, in zahlreichen Versammlungen gesprochen und die Herzen gewonnen. In Leipzig, Berlin, Wiesbaden, Prankfurt, wohin man ihn rief, war er zur Stelle, ja selbst nach Antwerpen und Manchester eilte er, um für die zionistische Sache neue Anhänger zu werben. Bei allen Sitzungen des Zentral-Komitees war er ein wertvoller Berater und Freund. Wenn wir missmutig oder matt wurden, spornte er uns an und wenn wir zu stürmisch wurden, mahnte er zur Vorsicht und Geduld. Gross ist die Lücke, die sein Tod in unsere Reihen gerissen, schmerzerfüllt sehen wir uns um und fragen mit Bangen: Wer wird ihn ersetzen? Wer wird seinen Platz ausfüllen können? Sein Name war uns ein Panier und wir können ihn nicht schöner und besser ehren, als indem wir Zionisten an seinem Grabe den Treuschwur für unsere grosse Sache erneuern. Es verdorre unsere Rechte, wenn wir Dein vergessen, Jerusalem! Und so nehmen wir denn trauernden Herzens Abschied von den irdischen Resten unseres Führers und Freundes Isaac Rülf; in unserer Mitte wird er ewig leben! f>ersooal nacbHcbten. Der A. H. der akademischen Verbindung „Kadimah", Dr. jur. Bernhard S i 1 b er m an n-Neu-Sandec, hat sich mit Fräulein Gisela Herzb au m-Tarnow verlobt. Dienstag den 30. September 1902 promovierte im grossen Festsaale der k, k. Universität unser Gesinnungsgenosse Herr Alfred Grosner zum Doktor der gesamten Heilkunde. W*fts2tbisc>i)i1<. Emile Zola. Aus Paris wird die Todesnachricht dieses grossen Dichters gemeldet. Wir Juden beklagen nicht nur den Heimgang eines grossen Geistes, sondern auch eines begeisterten Anwaltes der Gerechtigkeit. Wir brauchen nicht daran zu erinnern, dass Zola es war, der gegen die dunklen Gewalten aufstand, die einen Juden sonder Fug und Recht vernichten wollten. Diese Tat wächst in unseren Augen durch die traurige Erfahrung, dass noch mancher nur durch sein Judentum Schuldige in Qualen schmachtet, ohne dass einer der vielen Berufenen gegen das Unrecht protestiert. Letzteres tat Zola und stellte seine Volkstümlichkeit für einen Juden auf die Schneide. Und das vergrössert seinen Rulim bei uns. Der neue Bürgermeister von London. Für die nächste Funktionsdauer wurde Sir Marcus Samuel zum Lordmayor gewählt. Er ist aus der Zunft der Brillenmacher und der sechste jüdische Bürgermeister Londons, Jüdische Aerztinnen. Frl. Emma M o 1 c o, eine eingeborene Jüdin, welche in Italien ihre Studien absolviert hat, und Frl. G. Gordo n, eine russische Jüdin, die in Paris studiert hat, üben die ärztliche Praxis in der Stadt Tunis aus und werden insbesondere von den mohammedanischen Frauen viel aufgesucht. Zahl der Juden in Gaüzien. Nach den neuesten Berechnungen eines ruthenischen Blattes im Lemberg gibt es in Gaüzien SO(),2(r2 Juden. Darunter sind einige hundert Feldarbeiter, 1,50 Farmer, 1000 mittlere Gutsbesitzer, 300 bis 100 Grossgrundbesitzer; über 200,000 leben injden Städten. Sie betreiben freie Berufe als Bankiers, Aerzte, Advokaten u. s. w. Sie erfreuen sich einer ziemlich guten Lebensstellung. 300,000 sind Träger, Handwerker, Kommissionäre und fristen ein kümmerliches Dasein, und schliesslich leben über 500,000 Juden in schrecklichster Not und erhalten sich von Almosen. Hurrah und Halali! In deutschen Zeitungen ist ein Streit über die Etymologie und Bedeutung dieser beiden Ausruf« ausgebrochen. Die raffiniertesten und unmöglichsten Deutungen sind versucht worden, bis ein Hebraist dieselben aufs einfachste erklärt. „Uri! Uri!" war der Aufruf zum Kampfe, war die Einleitung zum Siegesliede der Deborah, ist überall im Pentateuch und in den Propheten angewandt, sobald eine „Aufmunterung", ein .,Erheberf", „Erwachen" angestrebt wird. ..Halali'4, also der Freuderuf nach beendeter Jagd, entstammt wohl dem „Hallel" der Psalmen, „Halleluja", „Hallelu, rühmet, preiset Ihn!" ^i*ibüt)e. Berlin, 22. September 1902. , Sehr geehrte Redaktion! : Auf meinen, gegen den „Jüdischen Buch- und Kunstverlag" in Brünn gerichteten Protest antwortet mir der mir unbekannte Herr M a x H i c k 1 mit einer kürzeren Erklärung in der „Israelitischen Hundschau" und einer längeren in der „Welt", deren Inhalt mich zu einer Erwiderung zwingt, obwohl die Form der in der „Welt4' enthaltenen Erklärung mich eigentlich von jeder Kontroverse mit dem genannten Herrn abhalten sollte. 1. Der genannte Herr erklärt, ich hätte unmöglich gegen den Abdruck meiner Kongresskarte im Brünner „Jüdischen Volkskalender" protestieren können, da ich von der beabsichtigten Reproduktion vorher nichts wusste. Wenn er sich hinter die Tatsache des vollzogenen Druckes verschanzt, mit der er mich eines Tages überraschte, so hat er sich nur aus einer unrechtmässigen Position in eine andere begeben. Leider aber bedauere ich diese Art von Naive tat nicht als Rechtstitel gelten lassen zu können. Denn schon zur Zeit, als ich den Auftrag, ein Signet für den Brünner Verlag zu zeichnen, ablehnen musste, weil ich nicht die volle Ueberzeugung von seinem künstlerischen Ernst gewinnen konnte, habe ich aus denselben Motiven, auf Grund von Ankündigungen, die ich zufällig las, beim Kongressbureau unter deutlichem Hinweise auf den genannten Verlag w i e d e r h o 11 dagegen Verwahrung eingelegt, dass meine Arbeiten in unkünstlerischer Form gedruckt und als namenlose Ware behandelt werden. Ich weiss auch", dass das Kongressbureau nicht verabsäumt hat, den genannten Herrn wiederholt genügend zu instruieren. 2. Der genannte Herr glaubt den Anlass benutzen zu dürfen. „KUnstierstolz" als das Motiv meines Protestes Heranzuziehen und gestattet sich als Kunstkritiker, ihn „mehr oder minder berechtigt" zu nennen. Ich kannte, bisher nicht die literarischen und künstlerischen Qualitäten des genannten Herrn und weiss auch nicht, ob es meine Schuld ist. dass sie mir unbekannt geblieben sind. Aber wenn ich angesichts der Reproduktionen des ..Jüdischen Volkskalenders", die im Zeichen „Jüdischer Kunst" in die Öffentlichkeit geschickt werden, gegen eine verantwortliche Vorwohl feilung/ unter der ich zu leiden hatte,, mit einem Satze protestierte "und daneben noch ein Wort sozusagen im Namen der Kunst für andere eingelegt habe, so ist das einem anderen Künstlcrstolz entsprungen, als es der ist, den der genannte Herr mir einreden möchte. Jenem zionistischen Künstlerstolz, der die teure, aber zarte und empfindliche Pflanze „Jüdische Kunst", die eben erst mit der grössten Mühe und Hingabe ans Licht gelockt und von kundigen und liebevollen Händen behutsam gepflegt wird, nicht rücksichtslos durch derbes Zugreifen im ersten Erblühen misshandeln lassen möchte. Doch darüber will ich mich nicht weiter an dieser Stelle und nicht mit dem genannten Herrn auseinandersetzen. Die jüdischen Künstler müssen es als ihre nationale Pflicht betrachten, die ..Jüdische Kunst" von jeder Art einer bewussten oder unbewussten. aber immer gefährlichen Missachtung zu schützen, und auch ich wollte und will mich dieser Pflicht nicht entziehen. Und nur weil ich als Mitglied der Leitung des „Jüdischen Verlages" in Berlin einem anderen jüdischen Verlags- Unternehmon gegenüberstand, habe ich mich im vorliegenden Falle mit dem kurzen Proteste begnügt, zu dem Icli geradezu herausgefordert und gezwungen wurde, und habe alles andere versehwiegen. Ich hätte u. a. als künstlerischer Beirat von „Ost und West"' auch dagegen protestieren müssen, dass das Klischee der in Xr. 3, Jahrg. I. S. 203 dieser Zeitschrift erschienenen Illustration, darstellend ..Rumänische Auswanderer"', mit einer verblüffenden Skrupellosigkeit, die eines grausamen Humors nicht entbehrt, im ..Jüdischen Volkskalender" unter der Marke „Jüdische Turnerr* gebracht wird. "Freilich, der genannte Herr hat auch in diesem Falle die Möglichkeit, mir oder dem Verlage von ..Ost und West" vorzuwerfen, dass wir das Recht auf einen Protest verwirkt hätten, da wir von der beabsichtigten Reproduktion im ..Jüdischen Volkskalender" — „vorher nichts hätten wissen können". Vielleicht ist es mir gelungen, zu überzeugen, dass es national-jüdische Motive waren, die mich veranlassten, meinen seinerzeit igen Protest so kurz zu halten, und die mich auch heute über manches hinweggehen lassen. — Genehmigen Sie, verehrte Redaktion, den Ausdruck des Dankes und der Hochachtung Ihres ergebenen E. M. Lilien. Jüdischer Nationalfouds. Das goldene Buch. Dr. Josef Winter, Verteidiger in Strafsachen, in Ung.-Hr adisch Kr. 240.— J.H.E11 mann für Sektion „Bneh Z i o n" in Tulcea Lei 250.

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