Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 40 (2.10.1902)
- Article
- Neujahr 5663
- Date
- 1902-10-02
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaction und Administration: m&H IX., Türkenstrass9 Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag, Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscrlpte nicht zurückgesendet. Preist dar Anztigtn: laut aufliegendem Tarif. Der Inserateiitheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. -<* Sprechstunden der Redaction täglich von 7J2—-Va' Uhr. joniißjfla » Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—9 halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das ■jöJUClöC» Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17,—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 40. Wien, 2. Oktober 1802 — 1. Tischri 5663. 6. Jahrgang Neujahr 5663. Und wieder ist ein neues Jahr gekommen, und wieder beten Millionen Juden um Milde und Verzeihung, um Freiheit und um Glück. Da' blitzen viele bunte Hoffnungen auf, zittern viele heisse Wünsche, indes die Posaune dreimal erschallt, bald „lang anhaltend, bald kurz abbrechend, bald schmetternd, bald gezogen ..." Gleich Rufen des Schicksals sind diese Töne. Sie mahnen an die Vergangenheit, da das Volk im Glänze seiner Grösse erstrahlte, sie rütteln an der Gegenwart, die von Hass und Brotneid durchtränkt ist und zaubern die Zukunft vor, das goldene Land der Sehnsucht ... Und immer wieder glaubt man die Frage zu hören: *pbön tiö — Wann herrschest Du wieder in Zion . . .? Und immer wieder flackert der Wunsch auf: *]ttnpa rrs D*»bwn\bi nnr ^vy p^b uiram — Bringe uns nach Zion im Jubel, und nach Jeruscholajim, Deinem heiligen Tempel, zur ewigen Freude . . .! Millionen Juden beten heute um die Erfüllung dieser Bitte. Arme und Reiche, Kranke und Starke, Mütter, Väter und Kinder. Sie alle eint das hohe Fest, der erhabene Ernst der Gottesidee, die starken Wurzeln der jüdischen Volks kraft. Ob sie wohl alle fühlen, dass ihre Bitte gleichsam , ein Schwur ist, zusammenzuhalten in Treu und Glauben? Ob sie es alle wohl weiter fühlen, wenn die Feste verrauscht sind und der Alltag wieder zur Arbeit ruft . . „? Die Frage überhört heute noch mancher. Einstwird er sie hören Die zionistische Zentrale in Südafrika als Konsulatsersatz. Wir erhalten aus Kapstadt eine freudige Nachricht, die ein ehrendes Zeugnis von dem ganz ausserordentlichen Vertrauen ablegt, die unsere dortigen bewährten Gesinnungsgenossen sich bei der Regierung erworben haben, und die nicht verfehlen dürfte, in der ganzen Welt Aufsehen zu erregen. Wir erinnern daran, dass unsere südafrikanische Zentrale viele tausende Mitglieder besitzt und in häufigen Versammlungen mit immer gleich feurigen zionistischen Kundgebungen und opferfreudigen Leistungen für unsere grosse Sache vor die Oeffentlichkeit tritt. Herr S, Stern, Präses der zionistischen Zentrale in Cape Town (Hope Street 27), teilt uns im Auftrage der Zentrale mit: „Den hier eingeführten Kriegsgesetzen gemäss darf niemand ohne Unterschied nach Transvaal oder Oranje ohne einen vom Permit-Office ausgegebenen Pass, und zwar weder hinein noch heraus. Zur Erlangung dieser Pässe hat sich jeder an sein Konsulat zu wenden, das allein den Pass nach sehr eingehender Untersuchung vermittelt. Mit diesem wertvollen und ehrenden Amte ist die südafrikanische zionistische Zentrale von S. Exc. dem High Commissioner Lord Alfred Milner für die ganze südafrikanische jüdische Bevölkerung betraut worden. Jeder Jude, der also nach oder von den bezeichneten Gegenden reisen will, hat sein Gesuch bei dem Präsidenten der S. A. Zionist Federation, Herrn A. Goldreich in Johannesburg, einzureichen." Die Anerkennung der zionistischen Zentrale als Repräsentanz der Judenschaft ist eine Tatsache von weittragender Bedeutung. Im Anschlüsse hieran wird uns noch mitgeteilt, dass in einer am 7. September in Johannesburg stattgehabten zionistischen Massenversammlung der Präsident einen Brief Lord Milners verlas, in welchem dieser erklärte, dass seine besten Freunde strengreligiöse Juden sind und ersucht, das zur allgemeinen Kenntnis zu bringen.