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Die Welt · 1902-09-26 · 39 (26.9.1902) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
39 (26.9.1902)
Article
Ung.-Hradisch [Nachricht] / Klein, Karl
Date
1902-09-26
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die & Weit** Nr, 39 Frage aufgerollt und zu deren möglicher Lösung mit so viel Hingabe beigetragen hätten. Der Alte Herr Dr. M. Schmitz führte aus, dass der wahre Zionist auch im praktischen Leben dem Zionismus nicht untreu werde und die zionistische Bewegung sich durchaus nicht ~ wie so gerne von gegnerischer Seite behauptet wird — als eine Bewegung der schwärmerischen akademischen Jugend darstelle. Die Glückwünsche der Ferialverbindung „Gamala" in Göding übermittelte Gesinnungsgenosse ehem. Sternlicht, den Toast auf die Festgäste hielt Bundesbruder jur. B. Spiegier. Den Schluss des wohlgelungenen Abends bildeten Vorträge des bekannten Violinvirtuosen jur. J. Wein er und des ausgezeichneten Sängers med.Th. Kohn, die in bester Weise von den Damen Frl. Königstein und Frl. Fried mann auf dem Klavier begleitet wurden. Auf dem Kommers folgte ein Tanzkränzchen. cand. ing. Karl Klein, derzeit XXX- Budapest. Der Verein „AhawathZion" veranstaltete Sonntag den 1. September anlässlich seines zum drittenmale wiederkehrenden Grün dun gstages ein glänzendes Fest, Obschon der Eintritt nur geladenen Gästen gestattet war, da öffentliche Versammlungen antisemitischen Exzessen ausgesetzt sind, war der Saal zahlreich besucht. Die Feier wurde durch den von Vereinsmitgliedern vorgetragenen Vereinsmarsch eröffnet. Nach der Begrüssungsanrede des Präsidenten J. Kann er, der die Wirksamkeit des Vereines im verflossenen Jahre darlegte, erfreute Herr S. Mend elsohn die Gäste durch seinen Violinvortrag. Die Klavierbegleitung wurde von Herrn Kin bäum sehr gut besorgt. Die Festrede hielt Herr med. J. Tepp er. Redner sprach über die Ursachen des Zionismus, über die Feinde desselben und über dieAufeaben der Frau in der zionistischen Bewegung mit grossem Erfolge. Die offizielle Feier endigte mit einem vom Chore der Malbim-Schule schön gesungenen Schlussmarsche. Erst als der Morgen graute, verabschiedete sich die Jugend, die dem Tanze gehuldigt hatte. — Der Verein „Ahawath Ziontt, der Männer und Frauen in seiner Mitte hat, zählt bereits 150 Mitglieder. Behufs Einschreibung in das Goldene Buch wird derselbe baldigst 250 Frcs. für den Nationalfonds einsenden. J. England. London. Als charakteristisches Zeichen der Ausbreitung des Zionismus sei mitgeteilt, dass die Schüler des Cheders von Mr. Cohen, Ruland Street, E., unter Führung ihres Lehrmeisters, sich als zionistischer Verein konstituiert haben, aus ihren Ersparnissen zwei Kolonialbank-Shares gekauft haben und für den Nationalfonds sparen und sammeln. London. Arn vorletzten Sonntag fand die jährliche Versammlung des Vereines „ßenoth Z i o n" statt. Frau Schapiro führte das Präsidium und hielt eine ausgezeichnete Eröffnungsrede. DieEhrensekretärin FrLR.Mauerberger verlas den Bericht. Sie hob die Schwierigkeiten hervor, die sich bei der Gründung des Vereines ergaben und protestierte gegen die Angriffe, welche gegen den Verein gerichtet wurden, und verteidigte sein Prinzip, keine Manner als Mitglieder aufzunehmen. Der Verein zählt 150 Mitglieder. Die Einnahme war 52.3,9 Lstr. Ausser den Ausgaben hat der Verein 18 Inhaberaktien gekauft und hat beschlossen, 10 Lstr. nach Wien zu senden um ins Goldene Buch eingeschrieben zu werden. Der Verein hat auch einen Share-Klub, der 84 Mitglieder zählt. Im ganzen ist im Head Office der Joint Share-Clubs für Marken 35.12,0 Lstr. eingezahlt worden, 14 Mitglieder haben ihre Shares erhalten. Herr Dr. Fuchs, Redakteur des „Hamagid" hielt eine Rede über die jüdischen Frauen der alten Zeit und die der Gegenwart. Unter anderen sagte der Redner, dass, wenn ein Geschichtsschreiber darangehen wird, unser Jahrhundert zu beschreiben, er schwerlich jüdische Heldinnen finden dürfte, die für ihr Volk gekämpft, gelitten und gewirkt haben. Auch Herr Wortsmann, der seit einigen Monaten in London weilt, hat das Wort ergriffen. Er hat mit seiner Rede die anwespnden Damen betrübt, da er, anstatt zart und gefühlvoll die schwachen Seiten der Damen zu schildern, bittere und scharfe Kritik geübt hat. Frl. Mauer berger, die Tätigste und Wirksamste im Verein, hat alle dem Vereine gemachten Vorwürfe geschickt zurückgewiesen. In der That könnte die Wirkung des Vereines eine grössere sein, da er der einzige Frauen verein in London ist Wir wollen hoffen, dass das nächste Woche zu wählende Komitee alles aufbieten wird, den Verein sowohl materiell als geistig zu stärken und die Anzahl der weiblichen Mitglieder zu vergrössern. L. S. Feuilleton. Das Schwert des Damokles. Eine Studie über das Leben der Juden in Italien. Von A. Goralnik (Florenz). (ScMuss.) Wie man aus diesen wenigen statistischen Zalilangaben entnehmen kann, sind die meisten Juden Italiens Städter und Kaufleute oder Industrielle. Die besonderen Bedingungen, unter denen die Judenschaft sich" entwickelte, hatten auch zur Folge, dass die Juden sich in sehr reiche und sehr arme teilen, eine mittlere Klasse gibt's beinahe nicht. Während also einerseits die reichen Juden den Geldmarkt beherrschen, leben die armen, wie in so vielen anderen europäischen Ländern, vom Hausieren und Trödeln. Die reichen Juden Italiens, die bürgerlichsten aller Bürgerlichen, der Bourgeoisie, sind alle streng konservativ in der Politik, hängen sie. treu am savoyischen Hause und verstehen es übrigens gründlich, sich beim Volke unpopulär zu machen. Ohne von Sonnino zu sprechen, der sich glücklicherweise getauft hat, dem Sonnino, der ein TJltrakoiiservativer ist und dessen Politik Schreckensregime bedeutet, spielen alle anderen jüdischen Abgeordneten und "Staatsmänner (mit wenigen Ausnahmen) allen möglichen konservativen Parteien, ja sogar der klerikalen, in die Hand. S* sind — um ein schlagendes Beispiel zu bringen — während der letzten Administrativ-Wahlen in Florenz (am 22. Juni) zwei Juden von den Klerikalen vorgeschlagen und durchgesetzt worden, um dadurch die Liberalen und die Volkspartei zu schwächen. Sogar diejenigen Juden, welche an der Spitze der Regierung stehen, wie der jetzige Kriegsminister Ottolenghi, gemessen wegen ihres herrischen Benehmens, wegen ihres Konservatismus weder Sympathie noch Beliebtheit seitens der liberalen Parteien9). Während also die höhere Klasse der jüdischen Gesellschaft .-den Volk'sparteien, Sozialisten und Republikanern nicht allzulieb ist, können, auch die unteren Klassen ihre Sympathie sich nicht zuziehen. Die sozialistische Partei, die sieh auf Arbeiter stützt, deren erstes und letztes Wort Arbeit ist, kann die armen jüdischen Trödler und Hausierer von Rom oder Livorno nicht als die ihrigen betrachten, hat mit ihnen nichts gemein ocler schaut sie; vielmehr mit scheelen Augen an. Was mit den Volksparteien der Fall ist, ist nicht viel anders bei den anderen Parteien, und den ersten Platz nehmen selbstverständlich die Klerikalen ein. Die gegenwältige Regierung Italiens, die sich nach dem bekannten Wahlspruch des grössten Staatsmannes Italiens, Camillo Cavour, von der „freien Kirche im freien Staate" richtet, strebt dem Einflüsse des Papsttumes, dieses Erbfeindes der italienischen Einheit und Freiheit, entgegenzuarbeiten und ihn zu schwächen. Und so wie Emanuel Philibert, der Begründer der savoyischen Dynastie, die Juden in seinem Lande Hess, „da es dem Lande zum Nutzen gereicht", vorfahren auch seine Nachkommen, das savoyische Haus und seine Anhänger, indem sie die Juden mit hohen Aemtem bekleiden, sie mit an die Spitze des Landes stellen, weil sie in ihnen treue Allierte finden. So verfuhren einst auch die römischen Machthaber, die, um den Stolz und die Bedeutung des Senats zu brechen und ihre eigene Stellung zu sichern, viele ,,homines novi", die grösstenteils ihre Kreaturen waren, in den Senat einführten.' Die klerikale Partei verhehlt, wie es leicht begreiflich ist, ihren Missnmt und ihren Unwillen nicht und sucht durch alle ihr zugebote stehenden Mittel ihre Gegner zu bekämpfen. Bis jetzt gelang es ihr nur im geringen Masse, weil sie eben noch ihre eigene Stellung nicht begriffen hat. Aber nun beginnt die schmiegsame, biegsame, schlaue Jesuitenpolitik ihrem früheren Gegner, dem Haus von Savoyen, gegenüber gute Miene zu machen, sie beginnt auch mit den Volksparteien zu liebäugeln und dehnt ihre Macht allmählich wieder aus, drängt sieh den Wählern bei den Wahlen auf (wie es in den letzten Wahlen geschah, wo in vielen Orten und am meisten im Venetianischen, die Klerikalen die Oberhand behielten) und sich scheinbar in ihr Geschick fügend und auf die weltliche Herrschaft des Papstes Verzicht leistend, 9) Vgl. den „Secolo" vom 30. Juni 1. J.

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