Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-09-26 · 39 (26.9.1902) · p. 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
39 (26.9.1902)
Article
[Kommentar]
Date
1902-09-26
Page
8 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
table
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3315999--34857-3324998
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 8 „Die Welt1* Charaktereigenschaften geradezu augenfällig. Und darum die Liebe, die beide erwecken mussten und erwecken. In der Vorlesung, die Dr. Friedenwald vor dem Gratz College hielt, zitiert er als Zeugnis der Reinheit des Maimonides, der wegen seines medizinischen Wissens ebenso berühmt war wie wegen seines talmudischen, die folgenden Worte, die dieser seinem täglichen Gebete vor Antritt seiner ärztlichen Tätigkeit anschloss: „Beschütze, o Herr, die Kraft meines Körpers und meiner Seele, auf dass ich immer frohbereit sei, beizustehen und zu helfen, reich und arm und denen, die meine Freude sind. Lass mich, o Gott, im Kranken nur den Menschen sehen.* In seiner eindrucksvollen Adresse an den Zionisten- Kongress machte Dr. Mandelstamm eine ganz ähnliche Schilderung der physischen Lage xder Juden in Russland, wie fast gleichzeitig Dr. Frieden wal d in. seiner obzitierten Vorlesung. So sehen wir denn den Juden, Arzt und Menschen in Aron Friedenwald zu einem herzlichen Akkord vereint, wie um der Welt die Idendität dieser Eigenschaften zu bekunden.* * Wir haben bereits von dem Erscheinen eines neuen jüdischen Blattes in Berlin unter dem Titel „General-Anzeiger für die gesamten Interessen des Judentumstf,redigiert von Dr. Julius Moses, unseren Lesern Mitteilung gemacht. Aus dem Artikel, welcher das Programm des neuen Blattes entwickelt, seien folgende Sätze herausgegriffen: „Das Judentum ist keine Altertumsforschung, es beruht nicht auf Ausgrabungen und hat nicht bisher unter einem Schutthaufen gemodert. Wir sind mit unserer Zeit durch tausend Fäden verknüpft. Ein jüdisches Blatt muss den Pulfsschlag des Lebens fühlen und alle Zeitfragen, sofern sie die Judenheit und das Judentum berühren, mit regem Eifer verfolgen. Es soll sich nicht mit einigen armseligen Notizen begnügen, sondern zu allen Angelegenheiten Stellung nehmen. Ein jüdisches Blatt darf sich nicht den Ereignissen nachschleppen; es muss die Führerschaft übernehmen. Es war geradezu ein Verhängnis für die heutige Judenheit, dass sie so wenig für die Entwicklung der ZeitgeschichteVerständnis hatte und sich von den Ereignissen, die doch wahrlich nicht über Nacht gekommen sind, überraschen 1 i e s s. Während man sich in der Judenheit über nichtige, kleinliche, für einen sehr engen Kreis bestimmte Dinge eifrig unterhält, brach für uns eine neue Zeit heran. Viel wichtiger als mancher Streit über die Form des Gottesdienstes, über ein paar Worte, die in der Synagoge gesagt oder nicht gesagt werden sollen, wäre es jedenfalls gewesen, die Frage zu erörtern, wie man die heranwachsende Jugend dem Judentum erhalten und was man zu Besserung der wirtschaftlichen Lage der Juden tun soll ....Der Fortbestand des Judentums ist ohne den festen Glauben an seine Zukunft undenkbar. Sofern wir nun unerschütterlich und treu im Judentum ausharren, müssen wir auf dessen Zukunft bedacht sein. Es ist wohl wahr, dass die Zukunft auch ohne unser Hinzutun sein wird; aber ebenso wie ein verständiger und tatkräftiger Mensch sich seine Zukunft zu schaffen bemüht zeigt, soll auch eine grosse Menschenklasse sich nicht dem Zufalle überlassen, und nicht das werden, was andere aus ihr machen wollen. Die Judenheit muss selbst in ihrSchicksal eingreifen; sie muss sich an der Schaffung ihrer Zukunft mit allen Kräften selbst beteiligen. Andernfalls wird sie der Spielball des Zufalls werden. Der jüdische Stamm muss sieh auf sich selbst stützen. Für diese Arbeit, die wichtigste, die uns obliegt, muss ein jüdisches Blatt das ernste Verständnis, das grösste Interesse zeigen. Es muss zum Forum werden, in dem alle Fragen, die unsere Zukunft berühren, eingehend und liebevoll besprochen werden .... Ein jüdisches Blatt soll daher nicht das Organ der Synagoge und der Gemeindestuben sein, sondern das der Judenheit und des Judentums . . Wir senden unserem neuen Kollegen die herzlichsten Grüsse und Wünsche. * Der bekannte hebräische Dichter Josef Massel in London ediert ein Sammelwerk, das die Porträts und Biographien aller hebräischer Dichter und Dichterinnen des 18. und 19. Jahrhunderts enthält. $fas dep ^ei&cgung. _ Gedenket des Schekels! _ ~ - ~ =-'V Zionismus und Patriotismus. Oa p s t a d t, den 20. August 1902. Sonntag den 3. d. M. fand in der „Dorshei Zion"- Halle unter dem Vorsitze des Herrn S. Stern eine Versammlung statt, in welcher Herr A. M. Salomon einen Vortrag über das Thema „Palästina in der Zukunft" hielt. Dem Redner gelang es, ein interessantes Bild der Zukunft, gestützt auf die geographische Lage Palästinas, ausführlich zu entwerfen. Eine lebhafte Diskussion folgte dem Vortrage und mit Absingen des Liedes »Dort wo die Zeder" wurde das Meeting geschlossen. Sonntag den 10. d. M. veranstaltete der „Dorshei Zion" Verein im Good Hope-Theatre ein Krönungsfest, welchem über 1000 Personen beiwohnten. Herr J. Schwarz, Präsident, eröffnete die Tagung und erklärte deren Bedeutung. Dann betete Rev. Hoffenberg das Königsgebet und darauf folgte die Ansprache des Herrn L. Lionel Goldschmid (Redakteur des „S. A. Jewish Chronicle4'), der die Geschichte der Freiheit der Juden in England in eleganter Rede darlegte. Hierauf hielt Herr S. Stern eine Ansprache an die Versammlung und sagte unter anderem: Wie schrecklich ist das Gefühl, wenn wir uns erinnern, dass wir hier oft auf die Knochen unserer Brüder Zionisten treten werden, für welche Herr Mendelsohn ein Monumentin derSynagogein Kimberley aufgerichtet hat! Der afrikanische Boden ist jetzt noch feucht und warm vom jüdischen Helden blute derer, die freiwillig für Englan d ihr Leben aufopferten! Dieser teure Beweis muss genügen, jeden Zweifel darüber zu beseitigen, ob man guter Zionist und seinem Adoptivvaterlandegleichzeitig treubleiben kann. Ferner erklärte Herr S. Stern die Wichtigkeit des Nationalfonds, wobei er von den Herren Genusow und Turbowitz unterstützt wurde. Der Hon. Sekr. verlas einen Brief von Dr. Th. Herzl, dem grosser Applaus folgte. Zum Schluss folgte eine Kollekte, die 48 Pfd. Sterl. für den Nationalfond s brachte, darunter 10 Pfd. Sterl. vom Vereine „Benoth Zio n". Mit dem Absingen der Nationalhymne und zionistischer Lieder wurde das Meeting in begeisterter Stimmung geschlossen. Voranzeigen. Wien. (Der Jüdisch-nationale Arbeiterverein) macht hiermit auf folgende Kurse aufmerksam: Tanz- und Anstandsieh re, jeden Sonn- und Feiertag, in L. Diamants Saal, V., Margarethenplatz 7, von 2—4 Uhr für Anfänger und von 4—6 Uhr nachmittags für Vor-, geschrittene. Beginn des Tanzkurses Sonntag, 14. Sept. 2 Uhr nachmittags. Regiebeitrag 30 h für Damen und Herren. — Für Damen: Kurs für Schnittzeichnen von Leib, Aermel und Schoss für den Familiengebrauch. Vier Stunden wöchentlich. Beginn Mitte Oktober. -—Turnsektion jeden Montag und Donnerstag von 8—9 Uhr im Springer'schen Waisenhaus, XIV., Goldschlagstrasse 84. — Mitgliedsbeiträge: L Klasse, Humanitäre Institutionen: Für Herren 40 h wöchentlich. Arbeitslosen- Unterstützung K 6.— wöchentlich- Die Mitglieder der I. Klasse sind vom Regiebetrag befreit. — II. Klasse: Bildungs- Abteilung. 10 h wöchentlich für sämmtliche Bildungseinrichtungen des Vereines. Ein schreibegebühr 50 h. — Jeder jüdische Arbeiter und Angestellte, der sich als Jude fühlt, hat die Pflicht, dem Vereine beizutreten und zu agitieren! Prag. Der jüdische Gesang- und Musikverein in Prag eröffoete bereits seine Tätigkeit, und zwar am 8. September 1. J. Um den erhöhten Ansprüchen gerecht zu werden, fühlte sich die Vereinsleitung veranlasst, eine grössere Lokalität aufzunehmen und finden die Proben nunmehr in Heines Grand-Restaurant (kleiner Saal) statt. Auch heuer wird es Aufgabe des Vereines verbleiben, den kunstgemässen Chorgesang zu pflegen, die jüdischen Feste in würdiger Form zu begehen, sowie für gesellige Unterhaltung seiner Mitglieder zu sorgen. Nebst den allmonatlich stattfindenden kleineren Unterhaltungsabenden beabsichtigt der Verein, seine dritte Gründungsfeier

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.