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Die Welt · 1902-09-26 · 39 (26.9.1902) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
39 (26.9.1902)
Article
Petersburg [Nachricht]
Date
1902-09-26
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die # Wem Nr. 39 werk ausgeübt hat. Viermal hat der Senat befohlen, das Wohnrecht Kohans zu prüfen, die Gouvernementsverwaltung van Livland hat alle viermal diese Hechte dennoch annulliert und Eohan nach dem jüdischen Ansiedlungsrayon ausgewiesen . . . Desgleichen ist vielen anderen jüdischen Handwerkern widerfahren. Kleine Anzeichen in England. Der „Daily Mail" teilt folgende, in England noch neuartige Vermietungsanzeige in dem Fenster einer leeren Wohnung in Stepney im East-End von London mit: „Dieses Haus ist zu vermieten. Juden mögen nicht anfragen'." Ausschluss der Juden aus einem amerikanischen Hotel. Ein Freund sendet uns aus Chicago die dort erscheinende „Sunday Tribüne" vom 7. September 1. J. Dieselbe bringt unter obiger Spitzmarke folgendes Telegramm aus Boston, Mass., 6. September: „Den direktesten Affront, welchen die wohlhabenden Juden von Boston und Neu-England je erhalten haben, ist der, welcher ihnen vom Atlantic-House am Nantasket-Strand geboten wurde. An augenfälliger Stelle jeder Seite des Hotel-Eintragebuches steht in Riesenlettern folgendes Aviso: „Die Gönnerschaft von Juden ist nicht erwünscht." Manch wohlhabender Jude ist im Laufe des Sommers, als er im Begriffe war, seinen Namen in das Buch einzutragen, durch diese aufreizende Notiz veranlasst worden, sich anderswo um Unterkunft umzusehen. J. Linfield Dämon, der Hotel-Eigentümer, sagt, „er wolle sein Möglichstes tun, um die Juden von seinem Hotel fernzuhalten". .* Behandlung judischer Studenten an deutschen Universitäten. Heidelberg, Anfang September. Der engere Senat der Universität Heidelberg hat die jüdische Verbindung „Badenia" (lauernd aufgehoben; den dagegen eingelegten Rekurs hat das badische Ministerium auf Grund eines Berichtes des Senates abgewiesen. Schon vor einem Jahre war die Korporation für ein Semester suspendiert worden, weil ihre Mitglieder gröbliche antisemitische Beleidigungen tätlich erwidert hatten. Die damalige .Disziplinierung erfolgt auf Grund einer von mehreren Korpo- ( rationen ausgehenden Denunziation, in der bis auf einen einzigen . Fall, wo Ba denen zugegebenermassen der schuldige Teil waren, nichV einmal die Namen der beiderseits Beteiligten oder Zeugen genannt waren. In der Gegenschrift der „Badenia", die für jeden Vorfall Zeugen namentlich aufführt, waren die antisemitischen Korporationen aufs schwerste belastet. — Einzig auf das sich in den wesentlichsten Punkten völlig widersprechende Aktenmaterial hin, ohne jedes Verhör der Beteiligten oder Zeugen, erfolgte die Entscheidung zu Ungunsten der „Badenia", die gegnerischen Korporationen blieben straflos. — Die zur Begründung des nunmehrigen dauernden VerTwtes angeführten Vorfälle sind grösstenteils so geringfügiger Natur, dass sie dem mit den UniversitlitsverliU.ltnisser Vertrauten wie mit den Haaren herbeigezogen erscheinen, umsomehr, als gerade in Heidelberg von Mitgliedern anderer Korporationen weit mehr und weit schwerere die öffentliche Ordnung ernstlich gefährdende Verfehlungen erfolgt sind, ohne dass gegen die Korporationen disziplinarisch eingeschritten wurde. Bedenklieh erscheint auch, dass ein harmloser Studentenstreich ohne jegliche tatsächliche Feststellung lediglich in mysteriösen Andeutungen zur Urteilsbegründung herangezogen wird. Die Vermutung ist deshalb nicht von der Hand zu weisen, dass für den Senat in der Hauptsache andere Gründe als die in der Motivierung der Aufhebung angegebenen entscheidend gewesen sind. Das eigentliche Motiv ist übrigens ziemlich offenherzig zugestanden worden: Als Kurz vor der Suspension zwei Badenen bei dem Universitätsrichter über antisemitische Beleidigungen seitens inkorporierter Studenten, von denen sie anderweitige Genugtuung nicht erhalten konnten. Beschwerde erhoben, erklärte dieser unter Hinweis auf eine Bestimmung, wonach eine Verbindung suspendiert werden kann, wenn durch ihr Bestehen die akademische Disziplin gefährdet wird: Seines Erachtens müsse die „Badenia" aufgehoben werden1, weil ihre Existenz den anderen Korporationen Anlass gehe, sie zu insultieren, und dadurch der akademische Friede gestört werde; er wisse, dass der Senat tun werde, was er sage. Der einzige Ausweg sei die Ablegung der die Provokation verursachenden Kuleur. — Die^e Aeusserungen kennzeichnen die Sachlage: die antisemitischen Korporationen nehmen an der blossen Existenz einer Jüdischen Verbindung, besonders aber an ihrem Kuleurtragen, das sie als Schändung des ganzen Knien rwesons betrachten, Anstoss. Die dadurch entstehenden Störungen des Friedens sind dem Senat lästig. Anstatt aber nun die antisemitischen Korporationen für ihre Provokationen zu bestrafen und dadurch Buhe zu erzwingen, beseitigt der Senat die alleinstehende jüdische Verbindung, ohne durch deren Verhalten triftige Veranlassung dazu zu haben! Dieser Standpunkt steht auf einer Höhe mit der Logik des Richters, von dem Chamisso erzählt, dass er den Juden zum Ersatz des eingeworfenen Fensters verurteilte, weil der Stein an dessen Kopf und nicht ins Fenster geflogen wäre, wenn er mit dem Kopfe stillgehalten hätte. („Frankfurter Ztg.«) f)ei*soi)a1i)acbricf)tei). Dr. Josef M ohilewer, ein Enkel des verehrten Babbi Samuel Mohilewer zum Rabbiner in Bialystok gewählt worden. * Wir haben auch das Vergnügen, von der ehrenvollen Anerkennung eines anderen Gesinnungsgenossen und Mitarbeiters der „Welt* berichten zu können. Dr. Walter Friedemann ist zum Dramaturgen des Stadttheaters in Lübeck ernannt worden. Zugleich ist sein Drama „Hannibal" zur Aufführung an diesem Theater angenommen worden. * Wien. Sonntag den 28. September d. J. um 3 Uhr nachmittags findet im isr. Tempel Wien, X., Humboldtplatz 7, die Trauung unseres geschätzten Gesinnungsgenossen A. H. der „Kadimah" med. Dr. Philipp Schwarz mit Fräulein Ida Seligmann statt. Gratulation bis 5 Uhr „Hotel Europe". * Wien. Tief erschüttert gibt der Einzelverein „Fünf haus* des „Zi o nÄ Nachricht von dem Ableben seines Ausschussmitgliedes, des Kaufmannes und Hausbesitzers Herrn Friedrich Fuchs, der eine Stütze unseres Vereines, ein tätiges Mitglied der Wiener Organisation, hervorragend als Parteimann und uns allen ein treuer, verlässlicher Freund gewesen war. Im 43. Lebensjahre starb er, tief betrauert von allen, die ihn kannten, bei uns ein ewiges Gedenken hinterlassend. Welt-ÜSbi'ODlV Die chittitische Sprache. Die Chittiter spielen in der Frage der Urbevölkerung Palästinas eine grosse Rolle. Bei den palästinensischen Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte wurden viele chittitische Denkmalreste und Inschriften gefunden, aber bisher war man nicht in der Lage, diese zu entziffern. Man wusste über Abstammung und Herkunft dieses mächtigen Volksstammes so viel wie nichts und vermutete bloss — gestützt auf Abbildungen auf egyptischen Denkmälern — dass sie zur mongolischen Rasse gehörten. Nun teilt Piofessor Sayce, der berühmte englische Erforscher der kanaanitischen Urgeschichte, mit, dass er nach jahrzehntelanger Arbeit auf dem Wege der Entzifferung der chittitischen Schriften zu sein glaube. Der Inhalt der bisher gelesenen und gedeuteten Stücke sei bedeutungslos, dagegen habe er die staunenerregende Entdeckung gemacht, dass die Sprache dem Griechischen ausserordentlich ähnlich sei. Die einzige Erklärung, die er hierfür geben könne, sei die, dass Griechisch eine gemischte Sprache sein müsse, das Produkt frühester Berührung eines indo-europäischen Dialektes mit den eingeborenen Sprachen an der Küste von Klein-Asien. O. M. Türken und Rumänen. Die türkische Regierung entsendete eine Kommission zum Studium der Agrikultur-Verhältnisse in Rumänien. An der Spitze dieser Kommission steht Vitalis Effendi, ein Jude. Fremdeneinwanderung in England. Der übliche Bericht über die vom Kontinent in den Häfen Grossbritanniens Landenden im letzten Monat (August) und seit Beginn des Jahres 1902 ist kürzlich ausgegeben worden. Die Zahl der Einwandernden — welche nicht angeben auf dem Wege nach Amerika oder anderen Weltteilen zu sein — betrug im August 8034 gegen 7417 im gleichen Monate des Vorjahres. En route waren im August 10.311, gegen 6447 im Vorjahre. Seitdem 1. Jänner bis Ende August 1902 sind in England 138.302 Personen gelandet (gegen 105.099 in der gleichen Periode des Vorjahres). Ein Teil davon ist wieder nach Amerika oder nach anderen Weltteilen abgereist. Die Mehrzahl der Wandernden sind Juden. Man ersieht daraus, dass die Juden Wanderung im Zunehmen begriffen ist. Synagogen in New-York. Es wurde konstatiert, dass es in New-York 190 öffentliche Synagogen und Gotteshäuser gibt

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