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Die Welt · 1902-09-12 · 37 (12.9.1902) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
37 (12.9.1902)
Article
Kremsier [Nachricht]
Date
1902-09-12
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 57 „Die s*s Weit6^ Seite 11 Schwäche der sich duckenden, sich erniedrigenden Juden geisselr, andererseits einen Ausblick in die Zukunft des jüdischen Volkes gewährt, das durch seinen Zionismus gleichsam ergänzt wird. Es ist schwer, in diesem knappen Rahmen alle Schönheiten dieser neuen Donath'schen Dichtung, deren Aufbau lyrisch-dramatisch ist, zu analysieren. Das, wollen wir den berufenen Kritikern überlassen. Wir wollen nur ganz besonders unsere studentischen Gesinnungsgenossen auf diese Dichtung, die sicherlich bei ihrem Erscheinen sowohl in literarischen wie politischen. Kreisen das grösste Aufsehen erregen wird, aufmerksam machen. Sadagora. Der Verein „Zion" veranstaltete Sonntag den 24. August ein Volksfest, das einen glänzenden Verlauf nahm. Kein Jude fehlte. Gemäss dem Programme sang zuerst ein starker Männerchor unter Leitung des Herrn J. Fischbach mehrere Chöre. Der Konservatorist Herr J. Zimbler mit noch drei guten Musikern spielten vorzügliche Quartette. Eine Kapelle, Graphophone, Konfettiwerfen, ein Photoplastikon und eine Tombola sorgten für Unterhaltung. Eine spannende Schönheits-Konkurrenz der Damen brachte Fräulein Lola Allerhand den ersten, Fräulein Bertha Zimbler den zweiten und Fräulein Gisela Fischbach den dritten Preis. Am Abend begann ein flottes Tanzkränzchen, an das die jungen Leute noch einen fröhlichen Kommers anreihten. Die Vorsitzenden des Vereines, die Herren Rosenblatt, Ritter, Picker und Ausländer, sowie der Bürgermeister Herr Dr. R u n e s wurden mit einem Morgen Ständchen gefeiert. Czortkow. Am 24. v. M. veranstaltete die hiesige jüdische Studentenschaft eine Bar Kochba-Feier, welche sich grossen Zuspruches sowohl der hiesigen Bevölkerung, wie auch auswärtiger Gäste erfreute. Um 8 Uhr eröffnete ein aus den Veranstaltern bestehender Chor mit dem Bundesliede der „Zephira" die Feier, worauf Abiturient Schneidmann eine zündende Begrüßungsrede hielt. Unter Beifall trug dann M. Waldmann eine deutsche Deklamation vor. Hierauf gelangte das Theaterstück „ Renaissance14 zur Aufführung, welches von den Herren Lande, Bäume und Schor sehr gut gespielt wurde, Hierauf hielt Abiturient Lande die Tendenzrede. Er verglich die Zeit des Bar Kochba-Aufstandes mit der modernen zionistischen Bewegung. Anhaltender Beifall folgte der Rede. Nach einer Pause sang Herr Mayer owicz hebräische Lieder. Nachher gelangte die Posse „Mitten in der Nacht" zur Aufführung, welche von den Herren Bäumer und Schor unter grossem Beifall gespielt wurde. Nach einer polnischen und Jargon-Deklamation gab Herr B e r 1 i n e r ' einige humoristische Vorträge zum Besten; dann hielt Herr Bäum er unter Beifall die Söhlussrede, worauf der Chor „Hatikwah* eang. Das Reinerträgnis fällt teils jüdischen zionistischen Zwecken, teils Armen und den rumänischen Auswanderern zu. Deutschland. Berlin. Der „Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens" in Berlin eröffnete am 27. v. M. .im Vereinslokale seine diesjährige Wintersaison mit einer überaus zahlreich besuchten Propagandaversammlung, in welcher Di\ Julius Moses aus Mannheim in einem kurzen Vortrage über die von ihm vorgeschlagene Agitation berichtete. Es sollen zunächst die hiesigen jüdischen Handwerker in dem Rahmen des obigen Vereines in umfassender Weise organisiert werden. Es sollen ferner alle hier bestehenden Handwerkervereine gleichzeitig mit dem Verein für Arbeitsnachweis an einen neuzugründenden Zentralverband jüdischer Handwerkervereine angeschlossen, dann aber auch die Agitation in die grossen Städte und Gemeinden Breslau, Posen, Hamburg, Frankfuit a. M., Köln. München u, s. w. hineingetragen werden. Die Vorarbeiten zu diesem letzteren Schritte sind bereits in vollem Gange, überall hat der Verein Vertrauenspersonen zu gewinnen gesucht, so dass diese auswärtige Agitation mit der einheimischen gleichen Schritt hält und unmittelbar nach den hohen Festtagen die erste grosse auswärtige Propagandaversammluüg in Breslau einberufen werden wird. Im Laufe des Winters wird dann hier in Berlin ein Delegiertentag der jüdischen Handweikervereine aus ganz Deutschland stattfinden, auf dem dann über einen ganz Deutschland umfassenden Zentralverband beraten werden soll. Die Versammlung erklärt sich nach lebhafter Diskussion mit diesem Vorschlage einverstanden, Berlin. Am Dienstag den 29. Juli fand die Schlusskneipe des „V e r e i n e s Jüdischer Studenten" (im B. J. C.) unter grosser Beteiligung von Gästen statt. — Im verflossenen Semester wurde das Hauptgewicht auf die Ausbildung der Mitglieder gelegt. In der vom Alten Herrn Dr. B i r am geleiteten Fuchsenstunde besprach derselbe die Tendenzen des Vereines, wiederholte die jüdische Geschichte und behandelte ausführlich aiie jüdischen Tagesfragen. Viele Mitglieder nahmen an dem hebräischen Sprachkurse teil, für dessen Leitung wir Herrn Rabbinatskandidaten Wilh. Levy zu Dank verpflichtet sind. Im Anschlüsse an seinen Geschichtskurs „Ueber die Juden des XIX. Jahrhunders" richtete Alter Herr Dr. Th, Zlocisti ein historisches Seminar ein, um den Mitgliedern die Technik wissenschaftlich-historischen Arbeiters (Benützung, Bewertung und Verarbeitung von Quellenmaterialien) geläufig zu machen. Als Ausgangspunkt wurde Muses Hess' „Rom und Jerusalem" gewählt. Die Arbeit, die im nächsten Semester fortgesetzt werden soll, war in der Weise gegliedert, dass durch Einzelreferate und Besprechungen eine eindringliche Kenntnis des Werkes erstrebt wurde und durch grössere Studien anliegende Probleme behandelt werden sollten. — An den regelmässigen Vortragsabenden, die meist von zahlreichen Gästen besucht waren, sprachen: 1. Herr Dr. Nossig „Ueber jüdische Statistik", 2. Alter Herr Dr. Th. Zlocisti „Ueber die Methode selbständiger Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte" (als Einleitung in seine historischen Hebungen), 3. Alter Herr Dr. M. Eschelbacher: -„Der Judenstaat" von Th. Herzl, 4. Derselbe: „Die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutsch-österreichischen Ländern" von S c h e r er, 5. Verbandsbruder Holz: „Antisemitismus und Rechtspflege" 6. Verbandsbruder Emil Cohn: ,Die wissenschaftliche' Begründung des Zionismus durch Mathias A c h e r'£, 7. Verbandsbruder E. Rosenkran z: „Die jüdische Moderne11 von Mathias A c h e r, 8. Verbandsbruder Eugen Zlocisti: „Zur Charakterisierung der Reformbewegungen", 9. Verbandsbruder F. Jacobsohn: 1 „Emanzipation der Juden am Ende, des XVIII. Jahrhunderts14 (aufGrund von Friedländers „Sendschreiben" und der Antworten hierauf). — An die Vorträge schloss sich eine ausgedehnte Debatte, — Neben diesetheoretischeWeiterbildungtratin diesem Stmester zum erstenmale derVersuch, die Mitglieder in die tätige Mitarbeit an den modernen jüdischen Institutionen einzuführen. So beteiligte sich eine grössere Anzahl an den Arbeiten des von Herrn Dr. Nossig begründeten Vereines für jüdische Statistik, andere hielten Vorträge in den Fortbildungskursen, die der deutsch-israelitische Gemeindebund für die Insassen der Arbeiterkolonie Weissensee eingerichtet hat etc. Durch dieses praktische Eingreifen ins jüdische Leben soll dem „Vereine Jüdischer Studenten" die Möglichkeit gegeben werden, nicht nur aus Vorträgen und Büchern, sondern aach aus eigener unmittelbarer Anschauung das Leben des modernen Judentums kennen zu lernen. — Turnen und Fechten, sowie* die Pflege der Geselligkeit wurden, wie in den Semestern, nicht vernachlässigt. — Zu provisorischen Chargierten für das kommende Semester wurden gewählt: med. Moses X (Klaudiusstrasse 6), jur. Zucker XX* jur. Holz XXX* med. Saline er, Kassenwart, hist. art. Julius Cohn, Turn wart. Leipzig. Den Bemühungen der hiesigen Ziomsten ist es gelungen, auch in unserer Stadt einen jüdischen Turnverein ins Leben zu rufen, dessen Konstitution sich am 26. August a. c. mit einem Mitgliederbestand von zirka 60 Personen vollzog. Wir wünschen dem jungen Vereine ein kräftiges Blühen und Wachsen; möge er sich der Aufgabe voll bewusst sein, nach Kräften auch das Selbstbewußtsein unter den Juden Leipzigs zu heben. Rumänien. Falticeni. Noch am 17. Juli 1. J. kam Herr O. Goldenthal, abgesandter Volksredner der zion. Zentrale, in unsere Stadt. In einer Zusammenkunft, in der er über den Zionismus sprach, gelang es ihm, hier eine zionistische Sektion unter dem Namen „M a x Nordau" zu gründen. Die Sektion zählt bereits zirca 100 Mitglieder. Am 26. Aupust 1. J. war die General-Versammlung und es wurde folgendes Komitee gewählt: Ehrenpräsident Rabbiner Osias F. F. Wolfsohn, Präsident J. L. H u t m a n n, Vicepräsident J. C a t z, Kassier N. M i c h e 1 s o h n, Kontrollor H.Hab ermann, Sekretär J. Hermann, Ausschussmänner A. Ellenbogen, H. Jurmann, H. Hermann, E Moscovici, H. Weismann, J. Weingarten. Mihaileni. Am 1. August a. c. konstituierte sich in Mihaileni eine zionistische Sektion. Ins Komitee wurden gewählt: I. L. St ei n b e r g, Ehrenpräsident; L. Löwensohn, Präsident; J. Bracher, Vicepräsident; N. N a d 1 e r, Kassier; A. Weissmann, Kontrollor; H. L. T e c u c e » i, Sekretär; M. Schwartz, M. Rothenberg. M. C u z a, N. Jacovici, H. Schwartzfeld und H. Polae als Beisitzer.

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