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Die Welt · 1902-09-12 · 37 (12.9.1902) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
37 (12.9.1902)
Article
[Kommentar]
Date
1902-09-12
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite tO „Die Welt" Nr. 37 kleinen Territorium Platz finden könnten, ist ein Ding der Unmöglichkeit Wie wir ganz bestimmt wissen, wurde deshalb daneben auch Südamerika als Siedlungsgebiet der Juden ins Auge gefasst. Leute von weitem Blick unter den Zionisten haben aber ihre Aufmerksamkeit auch nach anderer Richtung gelenkt, und zwar auf ein Gebiet in dem der allergrösste Teil des jüdischen Volkes schon jetzt sesshaft ist, nämlich Polen. Die Bestrebungen gehen nun dahin, die Juden in Polen zunächst sich als Nation konstituieren zu lassen, sie dann zum Bewusstsein ihrer Uebermacht in unserem Lande zu bringen und so — bevor nach der chimärische jüdische Staat in Palästina gebildet ist — Polen zu einer jüdischen Domäne zu machen, zum Besitztum der jüdischen Nation umzuwandeln. Wir dürfen unsere Augen der Tatsache nicht verschliessen, dass die Assimilation bei uns keine,Fortschritte macht. Die jüdische Intelligenz, welche sich an unsere Nation anschliessen will, hat auf das jüdische Volk gar keinen Einfluss. Dagegen beherrscht der Zionismus die breiten Volksschichten komplett. Wir weräen unsere Taktik dieser Bewegung gegenüber jedenfalls ändern müssen . . .* Wrir haben diesem hellen Unsinn Raum gegeben des Kuriosums halber. Da die Zeitung selbst zugesteht, nicht genügend informiert zu sein, ist es schwer, mit ihr zu polemisieren. Sie befolge zuerst ihren eigenen Rat, ändere die Taktik gegenüber dem Judentum, und allem, was ihm nahegeht, studiere diese Frage, und dann — werden wir weiter reden. Ifas dcp J§e^egui)£. Gedenket des Schekels! Liverpool. Mittwoch den 10. September fand in der „Hope Hall" eine grosse zionistische Demonstrations- Versammlung statt Folgende Herren haben Ansprachen an die Versammlung gerichtet: Josef Cowen, Governor des Jewish Colonial Trust; Abdullah Q u i 1 i a m Effendi, Seheik-ül-Islam der Britischen Inseln; L. J. Greenberg und Dr. Max Bern stein. Den Vorsitz führte Mr. W. S. Robson, Parlamentsmitglied, unterstützt von Stadtrat und Friedensrichter Dr. Charles D r ey fu s (Manchester) und Friedensrichter J. Moser (Bradford). Mehrere Liverpooler Stadträte nahmen an der Versammlung teil. Die Versammlung hatte hauptsächlich den Zweck, das christliche Publikum über den Zionismus aufzuklären und für denselben zu interessieren. (Wir werden selbstverständlich über die Versammlung noch eingehend berichten Die Red.) Deutschland. Köln. Das Zentral-Komitee hat, entsprechend den Beschlüssen des Mannheimer Delegiertentages, die Errichtung von fünf Distriktsbureaux beschlossen. Dies« Bureaux sollen ihren Sitz in Berlin, Hannover, Köln, Mannheim und Strassburg haben. Zu Berlin gehören die Gruppen in Ost- und West-Preussen, Pommern, Posen, Schlesien und Brandenburg, zum Bureau Hannover die Gruppen in Hannover, Braunschweig, Oldenburg, den Hansastädten, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Provinz und Königreich Sachsen, den thüringischen Staaten und Hessen-Nassau ohne Wiesbaden und Frankfurt a. M., zum Bureau Köln die Gruppen in Rheinland und Westfalen, zum Bureau Mannheim die Gruppen in Bayern, Baden, Hessen und Württemberg, ferner Wiesbaden und Frankfurt a. M., zum Bureau Strassburg die Gruppen in Elsass-Lothringen. Der nächste deutsche Delegiertentag wird im Frühjahr 1903 in Hamburg zusammentreten. Die Vorbereitungen sind einem Komitee, bestehend aus Dr. Klee-Berlin, Doktor G r o n e m a n n-Hannover, Gustav G. Cohen-Hamburg, Dr. Fran k-Alto na und Dr. K a 1 m u s-Lübeck übertragen worden. — Die letzten Wochen brachten Erfolge in Oberschlesien, wo eifrige Freunde aus Gleiwitz in einigen kleinen Orten wacker arbeiten, am Rhein, wo die Mainzer Gesinnungsgenossen die Gründung eii er Ortsgruppe in Gross-Gerau veranlassten, in Freiburg, wo Doktor Pazmanik aus Genf sprach, und im Elsass, wo in Colmar dank der Bemühungen der Strassburger eine neue Gruppe entstand. Von der Befolgung einer Resolution der letzten Sitzung der Zentrale: „Die Bureaux werden ersucht, bei der Propaganda mehr als dies bisher geschehen ist, ihr Augenmerk der Agitation in den kleinen Landgemeinden zuzuwenden*, verspricht man sich manchen Erfolg. — In Berlin hat sich ein zionistischer Synagogen- Verein „Ahawath Zion" (Synagoge Saarbrückerstr.) gebildet. d. Schweden. Malmö. Hier hat sich ein Zionisten-Ver ein unter dem Präsidium des Herrn Kantors H. Hurwitz gebildet. Griechenland. Larissa Hier hat Gesinnungsgenosse J, M. C a 1 e f, der im Auftrage des Zentralkomitees der bulgarischen Zionisten eine Agitationsreise durch Griechenland und Mazedonien macht, einen Vortrag gehalten. Infolge seiner Rede hat sich die Gesellschaft „Zion" neu organisiert und hat ihre einhellige begeisterte Zustimmung zum Baseler Programme kundgegeben. Voranzeigen. Wien. (Hebräische Sprach schule.) Nach vierwöchlicher Unterbrechung beginnt wieder der Unterricht an der hebräischen Sprachschule im Lokale derToynbee-Halle, XX., Karajangasse 3. Daselbst finden auch Einschreibungen für Neueintretende jeden Sonntag von 9—10 Uhr vormittags statt. Wien. (Verein jüdischer Handelsangestellter.) Beitrittserklärungen und Anfragen, welche obigen in Gründung begriffenen Verein betreffen, sind zu richten an Kollegen Gustav Kohn, II, Grosse Sperlgasse 21 und Leo Wurm an n, IL, Scholzgasse 6. (Siehe »Berichte*.) Wien. (Jüdischer Verein jugendlicher Arbeiter.) Programm der Vortragsakademie im „Weilandhof", XX., Kiosterneuburgerstrasse 33, am 14. d, M., 3 Uhr nachmittags. I. Abteilung: 1. Prolog, verfasst und gesprochen von Kollegen Samuel S t r a u s s. 2. Gesangsvortrag (Jüdische Volkslieder) von Herrn Oberkantor Beia Oesterreicher, mit Klavierbegleitung von Herrn Kapellmeister Ignaz Reidinger. 3. Rezitation von Herrn Emil Strauss, 4. Kiaviervortrag (Jüdische Lieder) von Kollegen Adolf Rohr. 5. Rezitation jüdisch-nationaler Gedichte, verfasst und gesprochen von Kollegen Hugo Philipp. II. Abteilung: 1. Violinsolo von Herrn Berthold Salander. 2. Rezitation zionistischer Gedichte von Kollegen Wilhelm Quartner. 3. Heitere Vorträge des beliebten Gesangshumoristen Philipp Sonnenfeld. Klavierbegleitung Josef Sonnenfeld. 4. Rezitation des Herrn Edi S e k 1 e r, Mitglied des Hoftheaters in Weimar. Aenderungen im Programme vorbehalten. Entree 4-0 Heller (Mitglieder 20 Heller). Berichte. Oesterreich-Ungarn. Wien. Montag den 4. d.M. versammelten sich Hand elsangestellte der verschiedensten Branchen, um an die Gründung eines neuen Handlungsgehilfenvereines zu schreiten. Durch die Anwesenheit einiger Nichtzionisten wurde eine längere Debatte herbeigeführt, nämlich darüber, ob die Organisation in den Statuten den Passus enthalten solle, dass dieselbe unter anderem die „Propagierung und Förderung der zionistischen Idee" bezwecke. Nachdem Kollege Gustav Kohn, Mitglied des niederösterreiehischen Distrikts-Komitees, den erwähnten „Jüdisch-Nationalen'* einige Aufklärung über den Zionismus erteilt hatte, wurde einstimmig beschlossen, den Verein auch offiziell als zionistisch zu bezeichnen. In das Gründungs-Komitee wurden gewält: Gustav Kohn, Leo W u r m a n n, Hugo Philipp, Bernard Grünhut, Julius N e u m a n n, Robert Blau, Josef Heller und Samuel Strauss. Kremsier. (Ferialverein ,,Ossid"). Unser am 31. August 1902 stattgefundener Kommers erhielt dadurch eine ganz besondere Bedeutung, dass Adolf Donath, dessen Heimat bekanntlich Kremsier ist, zum erstenmale vor seinen Landsleuten seine Gedichte vortrug. Sein für diesen Abend gewähltes Programm umiasste die „Judenlieder", ,.Die Jüdin'', „Rabbi Amnon" und eine bisher noch nicht veröffentlichte Dichtung: „Der Prophet". War der Beifall, den Donath nach dem Vortrage jedes einzelnen Gedichtes erntete, schon sehr gross, so war der Eindruck, den „Der Prophet" auf die ungemein zahlreichen Festbesucher und Gäste übte, nahezu überwältigend. Und als dem Dichter ein prächtiger Lorbeerkranz mit Schleifen in den jüdischen Nationalfarben vom „Qssid" überreicht wurde, wollte des Beifalls kein Eade werden. „Der Prophet" Donaths verherrlicht die zionistische Idee, indem er einerseits die

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