Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 37 (12.9.1902)
- Article
- Sehr geehrte Redaktion!
- Date
- 1902-09-12
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
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37 „Die 30[ Welt66 Seite 9 Zeitungen und ist daher zur Agitation sehr geeignet. Preis per Exemplar 4 Heller. 100 Stück inklusive Porto 3 Kronen, Bestellungen gegen Voreinsendung des Betrages in Briefmarken sind an Herrn Bernard Grünhut, Wien, VIL, Lindengasse 24, zu richten. * Sehr geehrte Redaktion! In dem vom Brünner „Jüdischen Buch- und Kunstverlag" soeben herausgegebenen Kalender finde ich trotz meines vorher eingelegten Protestes meine Kongresskarte abgedruckt, und zwar"in höchst unzulänglicher Ausführung und ohne den Namen des Autors. Ich protestiere hierdurch gegen diese Art, das geistige Eigentum eines Künstlers — (den Literaten gegenüber wird auch in dem erwähnten Kalender die anstandsgemässe Rücksicht genommen) — als Cliche, als Ware, und vogelfrei zu behandeln. Sie werden mich sehr verpflichten ♦ . . . Hochachtungsvoll ergebenst E. M. Lilien. Erklärung. Iq Nr. 36 der „Israelitischen Rundschau" finde ich unter der Rubrik „Sprechsaal* einen Protest des Herrn E. M. Lilien, in welchem er die Aufnahme seiner Kongresskarte in dem „Jüdischen Volkskaiend er" in abfälliger Weise bespricht. Ich bitte höflichst um Aufnahme folgender Richtigstellung: 1. Es ist unwahr, dass Herr E. M. Lilien vorher gegen die Aufnahme der von ihm entworfenen Kongresskarte in den „Jüdischen Volkskalender" protestiert hat. Er hatte ja von der beabsichtigten Aufnahme keine Ahnung. 2. Ich habe vor längerer Zeit vom Sekretariate des Kongressbureaus das Cliche und das Recht der freien Verfügung erhalten. 3. Gerade in der Reproduktion der Kongresskarte ist der Name des Autors deutlich lesbar; die nochmalige Anführung des Namens L i 1 i e n s erschien daher ganz überflüssig. Sein mehr oder minder berechtigter Künstlerstolz, sollte damit nicht getroffen werden. 4. Auf die Ex offo-Verteidigung der „ersten Meister", den Protest und die Motive, denen er entsprungen sein dürfte, gehe ich hier nicht ein. Eingeweihte werden sich ihr Urteil wohl bilden können. Für die freundliche Veröffentlichung bestens dankend, zeichne mit Zionsgruss Brünn, 10. September 1901. M a x H i c k 1. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Jüdische Hochschul-Zeitung/ Organ der zionistischen Studentenschaft. Am 1. Jänner 1903 erscheint monatlich in Wien eine jüdische Hochschul-Zeitung, welche die national-jüdische Propaganda in dtn Kreisen der jüdischen Studentenschaft zu betreiben und für die Vertiefung der zionistischen Idee in der zionistischen Studentenschaft zu wirken bestimmt ist. Die wirtschaftliche und soziale Lage des jüdischen Studenten, seine geistigeu und gesellschaftlichen Interessen, Berufs- und Standesangelegenheiten, seine Stellung an den Hochschulen zu den anderen nationalen Gruppen, VVohlfahrtseinrichtungen (Jüdisches Studentenheim, Lektionenvermittlung u. s. w.) und alle anderen studentisches Leben und Streben berührenden Fragen sollen in objektiver, würdiger Weise besprochen und gefördert werden. Eine Tribüne wird Gelegenheit zur sachlichen Diskussion aller Streitfragen des Tages geben. Der mangelnde Kontakt der jüdischen Studenten-Korporationen wird durch die Hochschul-Zeitung hergestellt, welche unter dem Zeichen der Solidarität aller jüdisch-nationalen Studenten die gemeinsamen Interessen dieser vertreten wird. Auskünfte erteilt bis auf weiteres die Redaktion der „Jüdischen Volksstimme" in Brünn. * Unser Gesinnungsgenosse Herr L. Gottlieb in Märamaros-Sziget gibt seit kurzem unier dem Titel „Zion" ein recht lebhaft redigiertes Wochenblatt im Jargon heraus, das sich die Aufgabe stellt, den Zionismus unter den Juden des östlichen Ungarn zu verbreiten. Unsere besten Wünsche begleiten das ueue Blatt auf seinem Wege. » Unter der Redaktion des Gesinnungsgenossen Sal. Segall erscheint in Bukarest eine neue zionistische Wochenschrift im Jargon, die den Namen „Dorsche Zion" führt und der wir ebenfalls bestes Gedeihen wünschen. Die „Amerikanisch-jüdische Historische Gesellschaft", welche gegenwärtig 227 Mitglieder zählt, veröffentlicht wie alljährlich den 9. Band ihrer „Publicatiqns". Derselbe reiht sich, was Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit betrifft, den früher erschienenen Bänden ebenbürtig an. Den Reigen der in diesem Bande enthaltenen Arbeiten eröffnet Professor Dr. Cyrus Adler, derzeit Präsident der Gesellschaft, mit einer grossangelegten Rede, in der er die Aufgabe der Gesellschaft zur klaren Darstellung bringt. Ihm folgt J. Jacobs mit einigen Winken für die projektierte Amerikanisch-jüdische Historische Ausstellung. Professor Richard Gott heil behandelt nach einer in Sevilla von ihm aufgefundenen Relation einen Geistliehen aus Havanna namens Josef Diaz Pimienta, der nach verschiedenen Wandlungen sich zum Judentum bekannte und mit fünf anderen Marranen am 25. Juli 1720 in Sevilla zum Feuertode verurteilt wurde. Von Interesse sind die durch Gottheil wieder zum Abdruck gebrachten Verzeichnisse der jüdischen Plantagenbesitzer in Surinam. L. Hübner weist nach, dass die ersten Juden, welche sich in New-York ansiedelten, aus Recife in Brasilien, das von den Portugiesen erobert worden war. vertrieben, nach einem kurzen Aufenthalt auf einer Iasel Westindiens nach New-Amsterdam oder New-York gekommen sind. Eine neue Phase in der Geschichte der Juden Amerikas bildet die Einwanderung der deutschen Juden, welche viel früher begonnen hat, als gewöhnlich angenommen wird. In New-York und anderen Städten siedelten sich schon im Jahre 1712 Juden aus Deutschland, Ungarn und Polen an und in New-York, Philadelphia u. a. legten deutsche Juden zu Anfang des vorigen Jahrhunderts den Grund zu mehreren heute blühenden Gemeinden; die Gemeinde Ansehe Chesed in New-York, viele Jahre die grösste in den Vereinigtem Staaten, wurde spätestens 1830, wahrscheinlich noch früher gegründet. In eingehender Weise behandelt J. D. Eisenstein die 1852 gegründete erste russisch-amerikanischjüdische Gemeinde in New-York, deren erster Rabbiner der aus dem Grossherzogtum Posen eingewanderte Rabbiner Asch mit einem Gehalt von monatlich zwei Dollars und deren erster Maggid oder Prediger Josua Falk Cohen aus Komik war. Falks 1800 in New-York erschienener Kommentar zu dem Traktat Aboth war das erste in Amerika gedruckte jüdisch-wissenschaftliche Werk in neuhebräischer Sprache. * Die galizische Tageszeitung „Slowo polskie" bringt in ihier Nummer vom 31. August an erster Stelle einen Leitartikel über den Zionismus. „Unsere Presse", schreibt das polnische Blatt, „unterlässt es, über eine neue jüdische Angelegenheit zu sprechen, die als eine für uns brennende zu "bezeichnen ist, das ist der Zionismus. Unsere Presse verschweigt diese Bewegung, als ob sie dieselbe gar nichts anginge, und vergisst dabei, dass die heutigen Juden nicht dieselben wie vor 50 Jahren sind. Im wesentlichen haben wir von dieser Strömung zu wenig Information. Die Antisemiten sind bei uns derart naiv, dass sie an die Aufrichtigkeit der Uebersiedlungsabsicht aller Juden nach Palüstina glauben. Der „Glas Naroda" gibt seiner Freude Ausdruck, dass die Zionisten eine Niederlage erlitten haben, indem der Sultan die Projekte ihres Führers Dr. Herzl, welche die Kolonisation der Juden in Palästina anstreben, verworfen hat. Der Zionismus habe also keinen realen Boden. Wir sehen also, dass der Zionismus — trotzdem er keinen realen Boden haben soll — sich doch unter den jüdischen Massen in allen Ländern, ganz besonders aber in Russland, mit geradezu rapider Schnelligkeit verbreitet. Es ist ihm gelungen, sich in Russland an den berufensten Stellen Sympathien zu verschaffen, wofür schon der Umstand Zeugnis gibt, dass den Zionisten gestattet wurde, Kongresse und Versammlungen abzuhalten. Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese Bewegung nach einem ganz genau festgestellten Plane unter sehr tüchtiger und kluger Leitung sich enorm rasch ausbreitet. Und was ist der Gedanke dieses Planes? Eine Organisation des gesamten Judentums der ganzen Welt zum Zwecke der Wiederherstellung eines jüdischen Staates. In erster Linie musste aber das Territorium für diesen Staat ausfindig gemacht werden, und als solches wurde Palästina auserkoren. Dass die gesamten jüdischen Massen auf diesem