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Die Welt · 1902-09-12 · 37 (12.9.1902) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
37 (12.9.1902)
Article
Ankauf Palästinas [Kommentar]
Date
1902-09-12
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 37 „Die # Welt" Seite 5 bilden würde, könnte aus dem Chaos, das durch Rückschritt un d fortschrittsfeindlichen Fanatismus verursacht ist, eine Republik zu Ehren Christi erstehen lassen; kannte die berühmten biblischen Stätten wieder erstehen lassen zu bedeutenderer als ihrer alten Grösse und das ganze Land durch Infusion unserer westlichen christlichen Zivilisation regenerieren. Durch Erbauung eines dringend notwendigen sicheren Hafens in Jaffa,, durch Anlegung guter Strassen im ganzen Lande und die im Gefolge hiervon unzweifelhaft entstehende Entwicklung der wunderbaren natürlichen Hilfskräfte würde Palästina wieder ein Land werden, in dem „Milch und Honig fliesst", und ein einziger Ruheplatz in der ganzen Well: für die an Körper und Geist müden Pilger. Ich bin mir bewusst, dass der Ankauf des heiligen Landes nicht ohne Ueberwindung grosser Schwierigkeiten bewerkstelligt werden kann; aber wir alle wissen^ class kein grosses Unternehmen je vollendet wurde, ohne auf seinem Wege scheinbar unübersteigbaren Hindernissen begegnet zu sein- Est ist mir ferner geglückt, verschiedene reiche Leute für das Palästina-Ankaufs-Projekt zu interessieren. Sie haben mir die Zusicherung finanzieller Unterstützung gegeben und werden gestatten, dass ihr Name genannt wird, wenn eine eigene internationale Gesellschaft zum Zwecke der Aufbringung der nötigen Mittel organisiert sein wird. Wenn die Gesellschaft gebildet sein wird, seheinen die Chancen des Erfolges nicht Chimäre zu sein. Die Christenheit ist fabelhaft reich. Von ihr fliesst Geld gleich Wasser für jede irgendwie würdige Sache und wenn erst die Christon der ganzen Welt von der Notwendigkeit und Pflicht, das ruhmreiche, herrliche Land Palästina unter christlichen Einfluss zu. bringen, überzeugt sein werden, wird auch das Geld im XJeberfluss in die Kassen der Gesellschaft fHessen. Eine Untersuchung wird jetzt gepflogen, um uns in den Stand zu setzen, einen approximativen Voranschlag für das notwendige Geld aufzustellen. Sobald die Gesellschaft gebildet sein und das genügende Gehl haben wird, damit sie entsprechend solch einer erhabenen Sache auftreten kann, wird an eine christliche Macht oder an die christlichen Mächte mit dem Ansuchen herangetreten werden, mit der Türkei wegen Ankauf Palästinas im Namen der Christenheit zu unterhandeln. Paliistina soll dann, zur Republik gemacht werden, und die Machte sollen seine Unabhängigkeit, Neutralität und Integrität garantieren. Es soll ein lebendes Beispiel des Friedens auf Erden abgeben. Wenn wir von dem Ankauf des heiligen Landes durch die Christenheit sprechen, soll damit nicht gesagt werden, (Tass Menschen anderen Glaubens aus dem Lande ausgeschlossen werden sollen. Nein, die Christen haben bloss das erste und kräftigste Recht darauf. Die Selmsucht der Christenheit ist es. Palästina zu seiner früheren Grösse und zu seinem früheren Gedeihen wieder zu bringen und Tlie Geburtsstätte Christi mit dem Mantel dc Bruderliebe zu bedecken/*' Der Herausgeber von „Pearsons Magazine*' fügt diesem Artikel folgende Fussnote hinzu: Einige physikalische Tatsachen, das Ii eil ige Land betreffend, werden zur Beleuchtung der vorstehenden interessanten Anregung beitragen. Das Land ist 150 Meilen lang und zwischen 23 und 80 Meilen breit. Die gesamte Bodenfläohe ist gegen 10 000 Ouadratmeilen. Es ist ein sehr bergiges Land: das Hochland des Libanon erstreckt sich fast über das iranze Land. Aber zwischen den Bergrücken liegen fruchtbare Täler. Tm Westen liegen die reichen Ebenen Philistaea und Saron. Das Land kann alle halbtronischen Produkte geben, besonders Zitronen, Früchte und Olivenöl. Palästina war ursprünglich von den Kanaanitern bewohnt, bis es die Israeliten eroberten, welche das Land unter ihre zwölf Stämme teilten. Nach manchen Wechsel füllen wurde Palästina ein Teil des römischen Reiches. Tm Jalire 037 wurde es vom Kalifen Omar erobert. Während der Kreuzzüge bildete es durch 88 Jahre einen 'teil des Lateinischen Kaiserreiches: dann fiel es wieder den Sarazenen zu und ist seitdem dem türkischen Sultan gehörig. Seine gegenwärtige Bevölkerung wird auf 650 000 Seelen geschätzt, meist dem syro-arabi sehen Stamme an gehörig. Jüngst ist von den Zionisteu eine Bewegung ins Leben gerufen worden, um in Palästina jüdische Kolonien zu gründen. Gegenwärtig1 bestehen 22 jüdische Dörfer im Laude, die 02 000 Acre Land bebaut haben." * Das grosse Londoner Tagblatt „Daily Express" hatte den Artikel voll abgedruckt, und erhielt in echt englischer Weise schon am folgenden Tage mehrere Briefe aus dem Publikum, welche den Widerhall in demselben veranschaulichen. Einige dieser Briefe lauten: * „Mein Herr! Nach meiner Meinung kann der vorgeschlagene Plan zu Lebzeiten der gegenwärtigen Subskribenten nicht ausgeführt werden — höchstens dass es Ihnen gelingt, den deutsehen Kaiser zu veranlassen, an die Spitze der Gesellschaft zu treten, in welchem Falle ich mich mit Vergnügen ebenfalls dem Unternehmen anscHliessen werde. Carlton-Club. I. Henniker Heaton." * W. T. S t e a (1, der bekannte Publizist und Friedensapostel, schreibt: „Ich glaube, Mr. Greenes Anregung ist nicht sehr originell. Vor einigen Jahren haben einige Grund-Spekulanten in Chicago sich. Optionen für das Land um den Galiliiischeu See verschafft in der sicheren Erwartung, dass die Prophezeiungen gerade, jetzt in Erfüllung gehen Genien, und ein kolossaler Aufschwung in den Bodenpreiscn im heiligen Lande zu erwarten sei. Ich weiss nicht, was die Leute beute von dieser Spekulation denken, aber sicherlich würde ich niemandem der sein Kapital realisierbar Halten will, raten, es in diese Spekulation zu investieren. Wenn Mr. Greenes Vorschlag sich verwirklichen und die notwendigen Millionen zur Stelle sein werden, und der Sultan geneigt wäre, Palästina einem Syndikate zu verkaufen — lauter .Dinge, die ich für unmöglich halte — dann würde ein europäischer Krieg das Endresultat sein." * Ein dritter Brief von dem berühmten Dichter II. Ridcr IT aggard lautet: ,, Jedermann nniss mit dem Wunsche sympathisieren, dass das heilige Land in die Hand der Christen übergehe. Aber weleher Christen? Wie ich in meinem Buche „Eine. \Viider-PiIgerfahrtu ausgeführt habe, sind die eifersüchtigen liivalitüten der verschiedenen Sekten, welche oft in Tätlichkeiten ausarten, Gegenstand, des Spottes der Mösl im und der Juden. Wenn die Mitglieder des protestantischen Zweiges des Glaubens in der ganzen Welt von Palästina l>esitz nehmen könnten, wäre es für sie und für alle Christen der verschiedenen Schattierungen und Ansichten gut, denn sie könnten Vertrauen haben, gerecht behandelt zu werden. Aber wenn dieser Besitz in andere Hände fallen wird, wäre — ich bin dessen sicher — die Lage der Protestanten der verschiedenen Nationen einfach unmöglich. Eher als das eintreten sollte, wäre es viel besser, dass die Macht hei den Türken bliebe, welche die verschiedenen Sekten der Christenheit mit einer gewissen geduldigen!TnParteilichkeit ansehen, die in vollständiger Verachtung ihren Cnmd bat/* Die Juden in New-York. Wir haben jüngst bereits von der Bemühung des New-Yorker neuen Jargonblattes „Jewish World" Mitteilung gemacht, die Zahl der Juden in dieser Stadt annähernd festzustellen. Nachdem in dieser Stadt amtlicherseits keine Angaben über Religion gefordert werden, ist man nur auf Konabination und Berechnung angewiesen. Der „Jewish World" stellte zunächst die Zahl der jüdischen Beerdigungen im Jahre 1901 fest. Es waren deren 7097. Und da der Perzentsatz der Todesfälle in dem meist von Juden bewohnten Distrikte etwas über 15 per Tausend beträgt, würde eine Bevölkerungszahl von 533.133 für das Jahr 1901 sich ergeben. Nachdem aber seit 1901 Dicht weniger als 39.225 Juden in New-York gelandet und geblieben sind, während andererseits der Ueberschuss der Geburten über die Todesfälle eine Zunahme um weitere 12.400 Seelen ergibt, so hätten wir eine Totale von 5S£.788. Dass durch diese Ziffer der wirkliche Stan i der jüdischen Bevölkerung von New- York eher unterboten als überboten wird, hat der „Jewish World" durch verschiedene andere Untersuchungen nachgewiesen. Die Zahl der jüdischen Hochzeiten in Manhattan*) aliein betrug 1901 5062, was bei einer wahrhaft sehr hohen Annahme von 10°/ü0 eine Bevölkerungsziffer von 506.200 ergeben würde. Fügt man noch die 70.000 Juden von Brooklyn hinzu, ferner den Zuwachs durch Einwanderung und den Ueberschuss an Geburten, so ergibt sich eine noch viel höhere Ziffer, nämlich 627.825. Der hohe Perzentsatz von Hochzeiten ist der Tatsache zuzuschreiben, dass ein grosser Teil der jüdischen Einwanderer unverheiratet ist — drei unverheiratete Männer auf zwei unverheiratete Frauen! Weiters wird seit 1881 die Zahl der jüdischen Einwanderer festgestellt und zwar sind seit diesem Jahre bis zum Zählungsjahre 627.950 eingewandert, von denen 459.055 in New-York geblieben sind. Fügt man die 45.000 Juden hinzu, welche im Jahre 1881 in New-York gelebt haben und die mit 105.903 sich ergebende natürliche Vermehrung durch Ueberschuss der Geburten über die Todesfälle, so *) Die Insel, auf der das eigentliche New-York liegt, während die Zwillingstadt Brooklyn auf Long Island liegt.

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