Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 36 (5.9.1902)
- Article
- Bielitz [Nachricht]
- Date
- 1902-09-05
- Page
- 11 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3315959-3315996--34536-3324503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Durban 2× ep/1044467
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Nr. 36 „Die Welt64 Seite 11 Bieiitz. Das .von der Prerauer Diötrikts-Versammlung gewählte D.-K. für Mähren und Schlesien mit dem Sitze in Bieiitz hat sich am v. M. konstituiert und besteht aus den Mitgliedern r Ör. Wahrhaftig, O bmann; Paul B r a f f, Obmann-Stellvertreter; Alfred H e r s z 1 i k i e w i c z, Schriftführer. Zuschriften zu richten an: Alfred Herszlikiewitz, Bieiitz* Schiesshausstrasse 1. Südafrika. Durban. Dem »Jewish Chronicle« wird von hier folgendes berichtet: Bemerkenswert ist die grosse Wertschätzung und Zustimmung, welche der Zionismus in Südafrika, wo alles mehr oder/weniger durch den Kampf ums Dasein absorbiert wird, findet. Besonders bemerkenswert ist die stramme Gefolgschaft, welche der Zionismus in Durban findet. Der Verein daselbst zählt volle 3oo Mitglieder und ist eine ausgezeichnete Institution. Derselbe hat prachtvolle Lokalitäten, welche immerwährend offen sind und eine Bibliothek, die englische, hebräische und Jargonbücher und dabei die wichtigsten Zeitschriften enthalt. Wöchentliche Vorträge sind eingeführt worden und was nur gemacht werden kann, um die geistigen Fähigkeiten der Mitglieder zu fördern, ist hier geschehen. Mr. L. Goldberg und Mr. B. Shlom, der Präsident" und Vizepräsident des Vereines sind diejenigen, welchen diese Zustände zu verdanken sind. Aber auch dem Sekretär des Vereines, Mr. S. ^Cohen hat für seine unermüdliche Arbeit und Energie der Zionismus in Durban viel zu verdanken. Die jüdische Gemeinde von Maritzburg beschloss, sich als Filiale des Durbaher Zionisten-Vereines zu konstituieren und diesem Vereine seine Schkolim und sonstigen Beiträge zu übermitteln. Voranzeigen. Wien. (Jüd. Verein jugendlicher Arbeiter Wiens.) Die in der vorigen Nummer dieses Blattes angekündigte Vortrags-Akademie findet Sonntag den 14. d. M. (nicht am 7. d. M.) statt. Da das eventuelle Reinerträgnis der Ortsgruppe Brigitten au zufLiesst, und der Eintrittspreis ein äusserst geringer ist (40 Heller), so ist eine zahlreiche Beteiligung zu erwarten. Karten sind noch erhältlich im „Weilandhof", Klosterneuburgerstr. 33. Schriftliche Bestellungen auf Karten sind an Herrn Julius Fuchs, XX., Hannovergasse 11, T. 10, zu richten. Das Festkomitee. Berichte. Oesterreich-Ungarn. Pilsen. In Pilsen hat sich ein vorberatendes Komitee des „Zion", jüdischer Volks verein gebildet und seine Statuten eingereicht. Da sich allgemein ein reges Interesse kundgibt, hoffen wir in der Ende September stattfindenden konstituierenden Versammlung, in weicher Herr Dr. L. Kahn samt werter Frau Gemahlin das Referat zu halten liebenswürdigst versprach, einige hundert Mitglieder zu erwerben. Pilsen hat 700 jüdische Familien. Tlumacz. Am 17. v. M. veranstaltete der jung-zionistische Klub des Vereines „Tikwath Israel" ein Nationalfest zum Andenken an den 9. Ab. Dabei wurde Goldfadens „Sulamith" sehr gut zur Aufführung gebracht. Die Glanzrolle spielte Frl. T a b ak und entzückte als „Sulamith" das Publikum, wofür ihr hier der beste Dank seitens des Vereines ausgesprochen wird. An der Aufführung beteiligten sich Gebrüder Epstein, B. A b e n d, L. Lukaczer und Seh. Streit. Der Reinertrag (100 Kr.) wurde für den Gründungsfonds der ins Leben zu rufenden Volksbank bestimmt. Deutschland. Posen. In Posen hat sich jüngst ein jüdischer Turnverein gebildet, der bereits 180 Mitglieder zählt. Gründer und Vorsitzender ist Herr Dr. KarU er em ias. > Russland. Odessa. Samsrag den 23. August, am Vorabend der Jahrzeit des sei; Dr. Josef ben Alexander Marmorek, versammelten sich sämmtliche Mitglieder des Vereines „Neifes Zion Brüder Marmorek" in der zionistischen Synagoge „Jabneh". Kantor Levin rezitierte das Seelengebet für den Verstorbenen in Gegenwart der Mitglieder und minderten von- Zionisten, die aus diesem Anlasse erschienen waren. Sodann würdigte Dr. M. Awinowitzky in einer pietätvollen Gedenkrede die Verdienste des Verblichenen. Er wies auf die Wichtigkeit der jüdischen Kindererziehung hin, durch die allein uns treue Streiter für die Volkssache gleich den Brüdern Marmorek erstehen können, die alle dem Ideal der nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes mit Leib und Seele ergeben sind. Am Abend versammelten sich sämtliche Mitglieder zu einer ausserordentlichen Sitzung im Hauseeines Mitgliedes. Die Sitzung war ganz dem. Andenken des Verblichenen geweiht, dessen. schwarz drapiertes Bildnis den Saal schmückte. Dr Awinowitzky verlas ein eigens zu dieser Gelegenheit verfasstes Stimmungsbild: «Der Zionismus und das Vermächtnis Mosis an die Kinder Israel." Die Versammlung trug überhaupt den Charakter solenner Trauer. Zum Schlüsse wurden Nationalfondsmarken abgesetzt, und das Vereinsmitglied Dr. Awino w itzky übergab 11 Rubel für den Nationalfonds nebst dem Erlös der abgesetzten Marken. Es wurde beschlossen, der Familie Marmorek eine Beileidskundgebung zukommen zu lassen. Rumänien. Dorohoi. Die unlängst gegründete zionistischen Sektion „Dorul Sionului Sectia Dr. Th. Herzl" hat Sammlungen für den Nationalfonds veranstaltet. Dem aus unten genannten Herren bestehenden Komitee ist es in kurzer Zeit gelungen, 150 Frcs. zu sammeln, welche sofort der Bank uberwiesen wurden behufs Eröffnung eines Kontos, um, so bald 250 Lei vollbezahlt sein werden, sich in das Goldene Buch eintragen zu lassen. Ferner streben wir, durch Veranstaltung von zionistischen Diskussions-Abenden und in den städtischen Synagogen abgehaltenen Vorträgen die hiesige Bevölkerung für die zionistische Sache zu gewinnen, um die Sektion stark zu vergrössern. Das Komitee besteht aus den Herren: W. Weissberg, Sch. Glückmann, M. Lara, J. Rapaport und S. Kantar. Feuilleton- Herscheie. Frei nach einer Erzählung von Sjemien JusMjewitscJi. Von Julie Goldbaum. Auf der „Jüdischen Zeile'r, der Hauptstrasse des Jiidenviertels der Bezirksstadt N., herrschte das gewohnte geschäftige Treiben. An beiden Seiten der langen und sehr breiten Strasse reihten siel die verschiedensten Buden und Geschäfte aneinander/auf der je nach den Witterangsverlältnissen staubigen oder kotigen Strasse tummelten sich kleine barfüssige Knaben und Mädchen in Gesellschaft von Hunden, Enten und Hühnern. An der Strasse selbst sassen unter breiten schützenden Schirmen jene von der Glücksgöttin minder bedachten Verkäufer und Verkäuferinnen, denen die wenigen Rubel für die Miete einer kleinen Bude etwas ganz Unerreichbares schienen. Diese Verkäufer von Nadeln, Zwirn, Zuckerwerk, Schuhen, Leinenzeug etc. brachten durch ihr Geschrei und durch die Zungenfertigkeit, mit welcher sie ihre Ware an die christliche Bevölkerung, die diversen Köchinnen, Dienstmädchen, Hausfrauen und Handwerker, welche mit besonderer Vorliebe ihre Einkäufe in der „Jüdischen Zeile" besorgten, anpriesen, Leben und manchmal auch Heiterkeit in die sonst öde Strasse. Und über der Strasse dehnte sich der ewige, ruhige Himmel und blickte gutmütig auf seine Auserwählten herab und hörte ihren Schwüren und Beteuerungen, ihren unschuldigen Notlügen zu, woll wissend, dass Lüge und Wahrhaftigkeit;' Geschrei und Flehen, der Wünsch, seine