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Die Welt · 1902-09-05 · 36 (5.9.1902) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
36 (5.9.1902)
Article
Juden als Holzflösser auf dem Czeremoszflusse
Date
1902-09-05
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr, 36 JDfe WeW« Seite 9 Juden, hineingedrängt und, behaupten siegreich das Feld. Die ersten Versuche seitens der Juden, in dieses ihnen noch fremde Gebiet einzudringen, waren öfters mit heissen Kämpfen verbunden, in denen die Juden zumeist den kürzeren zogen. Mit der Zeit legten sich die Wogen und man hat sich mit dem Gedanken, die Juden als blosser zu sehen, bereits vertraut gemacht. Heute wird man sehr oft den in der Kleidung vom Huzulen sich gewaltig unterscheidenden Juden in gemeinsamer Beschäftigung mit dem Huzulen auf dem Flosse sehen. Auf diese- Weise haben die Juden es soweit gebracht, dass gegenwärtig etwa 100 Mann, das ist beinahe die Hälfte sämtlicher Flösser, der semitischen Rasse angehören. Das Arbeitsverhältnis hat sogar die Gemeinschaft der Interessen gebracht. Die jüdischen Flösser stammen aus Kuty in Galizien und Wiznitz in der Bukowina, in welchen Städten viel jüdisches Proletariat vorhanden ist. Der Mangel an anderweitiger Beschäftigung war die Veranlassung zum Betreten eines für die Juden bis jetzt vollständig fremden Gebietes^ in welchem sie sich vorläufig mit dem Vertriften der fertiggestellten Flösse befassen. Nun fragt man sich, ob die Juden zu dieser Art der Arbeit sich geeignet zeigen und da rmissbekräftigt werden, dass dieselben ihre Arbeit ebensogut und sogar noch besser verrichten als die bisherigen Flösser. Die diesbezüglichen Angaben der Holzhändler stimmen alle darin überein, dass die Juden bessere Flösser sind als die Huzulen. Sie verflossen grössere Mengen Holz auf einmal, welcher Umstand von grosser Wichtigkeit für den Holzbesitzer ist. Oft habe ich gesehen, dass ein jüdischer Flösser zwei Tafeln gleichzeitig, mit einem Gehilfen 3—4 Tafeln geführt hat. Mit dem Binden der Flösse befassen sie sich nicht. Diese Arbeit verrichten noch die Huzulen. Die Juden übernehmen die von den Huzulen fertiggestellten Flösse und entlohnen die Arbeit sofort an Ort und Stelle. Der Hauptgewinst beim gesamten Flössereibetriebe ist jedoch nicht beim Binden, sondern beim Flössen zu finden. Das diesbezügliche Entlohnungsverhältnis steht etwa 1 : 2 (Binden : Flössen) und findet seine Begründung in dem Risiko beim Flössen. Auf diese Weise findet der Jude leichtere, gleichzeitig aber auch besser entlohnte Arbeit. Infolge seiner eifrigeren Tätigkeit ist auch der tägliche Verdienst des jüdischen Flössers höher als derjenige des Huzulen. Während nämlich der Huzule mit täglich 2—3 Kronen sich zufriedenstellt, verdient der judische Flösser 5—6 Kronen täglich. Vom sozialökonomischen Standpunkte ist es jedenfalls vorteilhafter, wenn der Jude in wirklicher Arbeit seinen Erwerb findet; dies ist ja sogar wegen der rascheren Mehrung des Volksvermögens erwünscht. Anders aber verhält sich die Sache, wenn man den jüdischen Flösser mit dem Huzulen bezüglich der Intelligenz vergleicht. Der Jude steht verhältnismässig auf einer höheren Stufe der Bildung, er ist unternehmungslustig und da er auch als Flösser gewisse Vorzüge hat, so ist die dem bisherigen Flösser erwachsende Konkurrenz gar nicht zu missachten. Der Huzule ist nicht unternehmungslustig, besitzt keinen Sparsinn und kann das gegebene Versprechen beinahe nie einhalten. Diese Eigenschaften eines Ackerbauers stehen im krassen Gegensatze zu den Vorzügen eines Gewerbsmannes und deswegen befindet sich der Huzule gegenüber einem Juden im Nachteile." Das neue Rathaus in München. Hoch drohen in dem Giebel des neuen Rathausbaues, der sich in der Landschaftsstrasse über dem Erker beim Anschluss an den alten Teil erhebt,, schauen als Konsolen zwei Judenköpfe hernieder, ein Mann und eine Frau mit charakteristischen Zügen und Spruchbändern in den Händen, darauf allgemein giltige Worte eingemeisselt sind. Zunächst völlig unbeachtet, erregten die Bildwerke erst vor kurzem grössere Aufmerksamkeit, da sie Veranlassung waren zu gehässiger Auslegung und zu vom Künstler nicht beabsichtigten Witzen. Denn nichts liegt dem Meister ferner, als durch den Bildschmuck, den er harmlos über das Gebäude verteilt* irgend jemandes Gefühle oder Interessen zu verletzen. Er ist aber wohl der Ansicht, dass ein Gebäude, wie das Rathaus, gleich wie es berufen ist, in seinen Hallen die gegemvärtige und kommende Geschichte der Stadt sich abspiegeln zu sehen, so auch der Erinnerung an die Ereignisse früherer Jahrhunderte dienen müsse. So haben denn auch der Jude und die Jüdin;, welche dort angebracht sind, gerade an dieser Stelle ihre tiefere Bedeutung. Sie schauen aus der Landschaftsstrasse über das Häusergewirr und das schmale ZwischengässcEen hinüber in die heutige Gruftstrasse, an die S teile, wo einst vor vielen hundert Jahren die damalige Kultusstätte der Juden lag. I)enn die heutige Landschaftsstrassc, zusammen mit der Gruftstrasse, bildeten vor alters das Judenviertel der Stadt, dessen Mittelpunkt, die Synagoge, dort stand, wo heute der östliche Flügel des königlichen Polizeigebäudes sich erhebt. Die Geschichte des Ortes ist blutig und ernst. Bereits 1285 zerstörten die München er anlässlich einer Juden Verfolgung das Gebäude und verbrannten in ihm an 180 Juden jeden Alters und Geschlechts; die Trümmer aber blieben Jahrhunderte lang öde lie-. gen, bis Herzog Albrecht IV. nach 1440 d. g. Z. den Platz seinem und seiner Gemahlin Anna von Brannsehweig Leibarzt Dr. Hans Hartlieb schenkte. Dieser Mann baute zunächst das „/untere Gewölbe" zu einer Kirche um, die so zahlreichen Zuspruches sich erfreute, dass sie erweitert werden niusste. Später^ 1494, kamen Haus und Kirche an das Kloster Andechs, das 1753 eine gründliche Renovierung vornahm, wobei in einem mächtigen, noch aus der alten Synagoge stammenden Pfeiler ein merkwürdiges, ewig brennendes Licht in einer gläsernen Phiole gefunden wurde. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Büchereinlauf. Jewish Colonisation Association. Rapport de FAdministration Central au Conseil d*Administration pour l'Annee 1901. Presente aux Actionnaires a PAssemblee Generale du 22 Juirj 1902. Paris, Imprimerie R. Veneziani, 8 Rue Menartlu Jüdische Sagen und Legenden. Von Dr. Bernhard Kuttner. I. Bändehen. Verlag von J. Kauffmann, Frankfurt a. M. M. Gfrunwald: Portugiesen-Gräber auf deutscher Erde. Beiträge zur Kultur und Kunstgeschichte. Hamburg, Alfred Janssen. Die Jüdische Turn-Zeitung", herausgegeben vom jüdischen Turnverein „Bar Kochba" (Berlin). Inhalt: Dr. Max Besser: Die positiven Leistungen des Zionismus. Hermann Jalowicz: Heinrich Heine und die deutsche Turnerei. Richard Blum: Das Turnen der Mädchen und Frauen. (Fortsetzung.) — Aus der jüdischen Turn er weit. Literarisches. — Vermischtes.— Briefkasten. — Die Nummer enthält auch ein Kapitel des neuen Romanes von Herrn Dr. Herzl („Altneuland"). Jüdischer Volkskalender iür das Jahr 5663 (1902/3), I. Jahrgang. Verlag der „Jüdischen Volksstimme", Brünn, Krautmarkt. Der Kalender steht turmhoch über den farblosen Behörden- und Marktanzeigern, die von Geschäftsleuten alljährlich in jüdischen Familien verbreitet werden. Das Buch wurde mit der Absicht ausgegeben, seinen Namen „Jüdisch" zu verdienen. Demgemäss finden wir darin Skizzen, Berichte und Pläne für das jüdische Leben und jüdische Politik. Anregende, ofc glänzende Erzählungen wechseln mit nationalen Anregungen, Gedichten und Illustrationen. Von den vertretenen Autoren führen wir Namen wie Z an g will, Dr. Ehrenpreis, Zlocisti, Architekt und die Doktoren Alexander und J. M a r m o r e k, P e r e z, M. Rosenfeld, Dr. Farbstein, Feie r berg, Donath, Dr. Jeremias, Dr. Elias, Ing. Lau, S. Frug an, die nebst vielen anderen die Gewähr des Guten und Nationalen geben. Ein einziger kleiner Fehler liegt im Buche, das ist eine störende Zusammenstellung. Das Kaiend arium ist minutiös ausgeführt, der Bilderschmuck reich und gut. Die gute Ausstattung und der Druck stehen weit über den Erzeugnissen, die sonst für denselben Preis (7011) geboten werden. Der Kalender bietet sich als eine sehr empfehlenswerte, reichhaltige Unterhaltungsquelle und als vorzügliche nationale Unterhaltungsbroschüre dar. Wir können ihn bestens empfehlen. Der „Jewish Comment" in Baltimore bringt einen Aitikel über den rapiden Fortschritt des Zionismus in Deutschland, insbesondere unter den Intellektuellen. Aus dem überaus sachlichen und verständnisvollen Artikel möge ein Wort herausgegriffen werden, welches wie ein Blitz die Rabbiner-Konferenz in Frankfurt a. M. beleuchtet und kennzeichnet: „Keine einzige religiöse Frage stand auf der Tagesordnung und der Diskussion über den Zionismus wurde ängstlich ausgewichen; man kann also sagen, eine Rabbiner -Konferenz mit Ausschluss von Religion und Zionismus*. ftas dei* Jie^egai)j|. Gedenket des Schekels! Zionistische Versammlung in Kapstadt in Sachen der rumänischen Juden. Auf Anregung des Herrn 1). Goldblatt wurde in der Goede Frouw Hall in Kapstadt in Gegenwart eines überaus zahlreichen Publikums unter dem Vorsitze des Adr. M. Alexander eine Massenversammlungabgehalten, um der englischen Eegierung den Dank dafür auszudrücken, dass sie die Regierung Rumäniens an ihre im Berliner Vertrage übernommenen Pflichten erinnerte. Nack Eröffnung der Sitzung bemerkte der Vorsitzende, dass gegenwärtig der Moment sei. der üfaniilie des sei. Rabb. Joel Ra-

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