Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 36 (5.9.1902)
- Article
- Kursk [Nachricht]
- Date
- 1902-09-05
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 „Die Weit^ Seite 7 Kurator des Charkower Lehrbezirkes auf* künftighin jüdischen Gymnasiastinnen keine Urlaubseheine zum Aufenthalte im Innern Russlands auszustellen. Der Kurator hat nun sämtliche Lehranstalten des Bezirkes angewiesen, Massnahmen zu treffen, dass solche Fälle nicht mehr vorkommen sollen. * Kreslawka. (Gouvernement Witebsk)- Das an das Finanzministerium vor wenigen Monaten gerichtete Gesuch der, hiesigen jüdischen Gemeinde um Erlaubnis zur Gründung eines „Spar- und Vor schuss verein es" wurde nunmehr vom Finanzministerium ohne Angabe von Gründen abgewiesen. * Minsk. Wie der „Minskij Listok* meldet, wurden in diesem Jahre bei der Aufnahme von jüdischen Zöglingen in die Elementar-Schule für Juden neue Bestimmungen geschaffen, welche den Juden den Zutritt in die Schule sehr erschweren. Die Geburtsscheine müssen nunmehr vom Gemeinderate bestätigt, Ausweise über Charakter und Beschäftigung der Eltern müssen vorgelegt werden. Das alles ist mit Kosten verbunden, welche die armen Eltern der die Schule besuchenden jüdischen Zöglinge nicht bestreiten können. 4h Rostow am Don. Infolge der unlängst erfolgten Vereinigung dieser Stadt mit der Ortschaft Nachitschewan und Uebergabe derselben an die Verwaltung des Don'sehen Kosakengebietes wurden viele Juden aus Rostow ausgewiesen. * Lutschinetz im Gouvernement Podolien. Wie die Zeitschrift „Juschnoje Obosrenje" meldet, spielte sich unlängst in der Nähe der katholischen Kirche von Lutschinetz ein Vorfall ab, der in der ganzen Umgebung der Stadt viel besprochen wird. Während einer kirchlichen Prozession stürzte der Geistliche Dobröwols.ki auf den auf dem Trottoir stehenden Juden F. und befahl ihn niederzuknien und sich zu bekreuzen Als der Jude dies nicht erfüllen wollte, schlug der Geistliche mit einem Leuchter auf das Haupt des Juden und warf ihm zu Boden. Nur mit Mühe gelang es dem Juden, sich weiteren Misshandlungen durch die Flucht zu entziehen. Der Jude hat nun dem Gerichte eine Klage gegen Pater Dobrowolski überreicht, über welche demnächst verhandelt werden wird. Budapest, (Absage des internationalen Studenten-Kongresses.) Der für Ende September in Budapest anberaumte internationaleStudenten- Kongress wird in diesem Jahre nicht abgehalten werden. Als Grund der Absage gibt das Komitee bekannt, dass einzelne Teilnehmer die Besprechung der politischen und nationalen inneren Angelegenheiten Ungarns und der benachbarten Staaten planten und Demonstrationen beabsichtigten. (Der wahre Grund ist, dass die zionistische Studentenschaft ankündigte, sie werde sich die beabsichtigte Unterdrückung ihres Antrages: Es möge eine jüdische Sektion gegründet werden, nicht gefallen lassen, und weil sie trotz erst zugesagter, dann verweigerter Freikarten 150 Mann zum Kongresse anmeldete. D. Red.) * Dem „Jewish Chronicle" wird aus Johannesburg von autoritativer Seite telegraphiert, dass bei einem demnächst einzuberufenden Meeting die ungeheuer wichtige Korrespondenz zwischen Sr. Exzellenz dem Administator Lord Milner und den Führern der Transvaaler Zionisten öffentlich bekanntgegeben werden soll. Es soll diese Korrespondenz von weitreichender Bedeutung für die jüdische Frage in Südafrika sein. * In einer am vergangenen Freitag in London stattgefundenen Versammlung berichtete Mr. A. T. Williams, der Sekretär der Liga der britischen Brüder, dass Major Evans Gordon, der Präsident dieser Liga, sich nach Russland begeben hat, um die Lebensverhältnisse der Juden daselbst zu studieren. Auswanderung jüdischer Handwerker aus Palästina. Die „Alliance Israälite* hat endlich beschlossen, ihre Werkstätten von Jerusalem an einen anderen Ort zu verlegen, um den bitteren Klagen der Jerusaiemer Gewerbsleute über die Konkurrenz, die ihnen von diesen Werkstätten gemacht wurde, Rechnung zu tragen. Hätte sich die „Alliance0 zu diesem Schritte früher entschlossen, so wäre die traurige Tatsache nicht eingetreten, dass hunderte jüdischer Handwerker Jerusalem verlassen mussten, um in der Fremde Abeit zu suchen. * Rumänisches. Die assimilatorischen Blätter tun sich neuestens etwas zugute darauf, dass ein hervorragender rumänischer Jurist, die Stellung der rumänischen Juden als die krasse Ungerechtigkeit bezeichnet, die sie ja wirklich ist. Seine Auslassungen werden so breitgetreten und behaglich wiedergegeben, dass man deutlich die Tendenz heraus erkennt, das auf diese Art wieder ein Schlafpülverchen für die westeuropäischen Juden fabriziert werden soll. Zu bedauern ist nur, dass trotz aller Worte pro und contra das Elend der rumänischen Juden täglich wächst, während die berufenen jüdischen Zeitungen leere Phrasen dreschen, statt einen Ausweg anzugeben, wie die ewige Wunde, das ist die östliche Judennoth, geschlossen werden kann. Pepsonalnacbricbten. Unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse Herr Hugo Schachtel hat sich am 2. d. M. in Thorn mit Fräulein Frieda Schachtel vermählt. * Minsk. (Gouverneur Fürst NikolaiTrubetzkoj gestorben). Auf der Rückreise von Kisslowodsk, dem bekannten Kurorte im Kaukasus, nach seinem Dienstorte Minsk ist|in Moskau vorige Woche der langjährige Gouverneur von Minsk, Generalmajor Fürst Nikolai Nikolajewitsch Trubetzkoj, infolge eines Herzschlages plötzlich gestorben. Durch den Tod dieses an Herzens- und Geisteseigenschaften hervorragenden Mannes haben die Juden in Russland und auch unsere zionistische Sache einen schweren Verlust erlitten. Fürst Trub etzkoj, geboren am 27. August 1837 im Gouvernement Twer, betrat nach Absolvierung des Moskauer Gymnasiums die militärische Laufbahn. Er diente im Poltawaer Infanterie-Regiment, später im Orenburger Kosakenheere und wurde schlieslich 1862 zum Chef der Truppen in Beschkirien ernannt. Seine administrative Thätigkeit eröffnete der Verstorbene im Jahre 1874 als Chef der Kommission der Bittschriften im Kriegsministerium. Im Jahre 1886 wurde Fürst Trubetzkoj zum Gouverneur von Minsk ernannt, und seit dieser Zeit bis zu seinem erfolgten Ableben blieb er seinen humanen Anschauungen in Bezug auf die Juden und deren Bestrebungen treu. Gerade um die Zeit seiner Ernennung arbeitete man in Petersburg emsig an der Schaffung neuer Beschränkungen der Juden, aber Fürst Tru b e t zkoj verstand es immer, die Last dieser Beschränkungen zu mildern und den Bedürfnissen unserer Volksgenossen Rechnung zu tragen. Die Gründung der jüdischen landwirtschaftlichen Schule in Minsk ist ausschliesslich dem verstorbenen Fürsten zu verdanken, ebenso wie er viele andere humanitäre und kulturelle Bestrebungen der Juden förderte und unterstützte. Als die zionistische Bewegung die Juden in Russland ei griffen hatte, war Fürst Trubetzkoj der erste, welcher Verständnis für die Ziele der Bewegung bekundete und ihnen seine vollste Sympathie entgegenbrachte. Die erste allrussische Zionisten-Conferenz, welche demnächst in Minsk zusammentritt, war der letzte Beweis der Sympathie, welche der Verstorbene dem Zionismus gab. Er erwirkte