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Die Welt · 1902-08-29 · 35 (29.8.1902) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
35 (29.8.1902)
Article
Bulgarischer Zionistentag
Date
1902-08-29
Page
10 (sequence 1)
Language
German
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Seite 10 ,^te # Welt*6 m 35 Bulgarischer Zionistentag. In Anwesenheit von 44 Delegierten aus allen Teilen des Landes, wie vieler Gäste und Vertreter der Behörden, wurde am 14. d. M. vormittags die III. Konferenz der in Bulgarien lebenden Zionisten feierlich eröffnet. Nach Beendigung der von den Delegierten mit Applaus aufgenomenen Eröffnungsrede des Präsidenten Persiado Romano und Absendung von Begrüssungsdepeschen an unseren Führer und Se. K. Hoheit den Fürsten von Bulgarien wurde zur Wahl des Bureaus geschritten, welche als Resultat Persiado Romano als Präsidenten, Dr. Marko Romano und Karl Herbst als Vizepräsidenten, Sigmund Rintel und Michael Buyerano als Sekretäre ergab. Der starke Andrang des Publikums bedeutet einen Sieg über die antizionistischen Tendenzen der Rustschuker sephardischen Gemeinde. Der W ert des Telegrammes, Fr.23.20, wird an denNationalfonds abgeführt werden. Präsident Persiado Romano. Russland. Confercnz der drei Städte. tober Initiative der Zionisten von Bialystok fand am 18. und 1'.». August d. J. in dieser Stadt eine Konferenz statt, an weleiier Delegierte dei drei bedeutendsten Städte des Rayons von Sopotzkin: Brest.. Grodno und Bialy-tok teilnahmen. Die Konferenz i*t Donnerstag um 5 Uhr nachmittags eröffnet worden. 22 Jdelegierte nahmen daran offiziell teil, ausserdem wohnten viele Zuhörer, darunter Vertreter der Zionisten der kleineren Orte des Bezirkes., der Versammlung bei. D. S u c hovois k y eröffnete die Versammlung namens der Organisatoren mit einer warmen Ansprache. Darauf wurde das Bureau wie folgt gewählt: Vorsitzender Leen Paperin, dessen Stellvertreter L. Kosent h a 1 und 31. A n z e 1 e v i t c h - Grodno; Schriftführer Mille r- Grodno, S e h e i n e rm a n n - Brest. Lt Paperin behandelte hierauf in einem längeren Referate die Finge der Organisation. Der Schekel sei keine Gabe, sondern vielmehr eine Steuer und ein Bekenntnis der Zustimmung zum Baseler Wogramme. Man dürfe daher die 40 Kopeken nicht von jedem nehmen, der sie geben wolle. Wir sind gewohnt, als unzweifelhafte wahre Zionisten die Mitglieder der Vereine anzusehen. Darum zähle die allgemeine Organisation nicht mit den Schekelgebern. sondern mit den Vereinen. Die Kongressdelegierten werden tat-lieblich von den Vereinen und nicht von den Schekelgebern* gewählt. Aber es sei notwendig, dass alle Schekel - geber an der zionistischen Arbeit teilnehmen. Darum müsse in jeder Stadt die Generalversammlung der Sehekelgeber die höchste zionistische Instanz bilden. Diese Versammlung müsse ein Zentralkomitee nominieren, welches für die betreffende Stadt das einzig kompetente Aktionsorgan bilden müsse. Dieses Prinzip ist seit zwei Jahren in Bialystok zur Anwendung gelangt und funktioniert tadellos und mit sehr grossem Erfolge. Darum empfiehlt der Referent die Anwendung der gleichen Organisation für die beiden anderen Städte. Was die Vereine anbetrifft, mögen dieselben Schulen für den Zionismus werden, in welchen Pionniere der Propaganda ausgebildet und von welcher die Propaganda ihren planmiissigen Ausgang nehmen möge. Der Bericht wurde mit grossem Interesse angehört und diskutiert. Ks wurde beschlossen, den Bericht im Jargon drucken und verbreiten zu lassen. Die Organisationsanträge wurden einstimmigzum Beschlüsse erhoben. Die um halb 10 Uhr abends eröffnete Abendsitzung leitete M. B o s e n t Ii a 1 mit einem Berichte über die Union der drei St :i d t e ein. Der fünfte Kongress hat bei Neuschaffung der Organisation sich vom Prinzipe leiten lassen: Organisation von unten nach oben. In diesem Geiste empfahl der Referent Vereinigungen naheliegender Gebiete zu kleineren Verbänden, Es würde hierdurch die zionistische Arbeit gekräftigt und die Siiehe bedeutend gefördert werden. Er empfiehlt daher di«e Union Bre-t-Bialystok-Grodno. Periodische halbjährige Konferenzen sollten die gemeinsamen Prägen und Angelegenheiten besprechen und entscheiden. Ausserdem schlägt Redner vor, die kleineren Städte und Ortschaften (mestezki ) an diese drei Zentren zu gruppieren. Er schlägt zu diesem Behufe vor. dass jedes dieser Zentren die Repräsentanten der Umgebung zu periodischen Versammlungen zusanimenberufe und an der Arbeit teilnehmen lasse. Dieser Berieht, welcher eigentlich der Hauptzweck der Konferenz war, entfesselte eine Debatte, die bis halb 1 Uhr nachts währte. Die Neuheit der Sache provozierte zwar manche Bedenken und Einwände, allein zum Schlüsse wurde mit Einstimmigkeit beschlossen, die Union unter dem Namen „ H i s aclidu s s c h 1 e s c h o hauöfes zu gründen..; Für die erste Periode-von sechs Monaten wurde Bialystok zum Vororte der Union gewählt. Das eingesetzte Komitee besteht aus drei in Bialystok wohnenden Mitgliedern und je zwei in jeder der beiden anderen Städte. In der Sitzung am zweiten Tage referierte Herr B r i a n s k y über die Propaganda. Von den verschiedenen Vorschlägen, die er machte, sind insbesondere zwei von allgemeinem Interesse: der eine Vorschlag bezweckt die Schaffung einer Zentralbibliothek für die. drei Städte, welche den Unionstädten die gesamte zionistische Literatur billigst besorgen, ferner eine Propaganda- Literatur schaffen soll : billige, eventuell kostenfrei zu verteilende Propagandaschriften, Flugblätter etc. Es soll die Gründung auf Basis auszugebender Anteilscheine zu 5- und 10 Rubeln erfolgen. Der zweite Vorschlag tendiert die Bestellung eines gemeinsamen Redners (Maggids) für die Unionstädte. Auch diese Anträge wurden zum Beschlüsse erhoben. Herr T r e i v i s c h , Advokat in Bialystok, schlug vor, an den Gouverneur von Grodno eine Deputation zu entsenden, welche diesem Funktionär ein Memorandum über den Zionismus unterbreiten und um Gewährung weiterer Versammlung«- und Vereinsfreiheiten für den Zionismus petitionieren soll. In die Deputation winden nebst dem Antragsteller Dr. Peres-Bialystok und die Doktoren Horowitz und Anzelevitz-Grodno gewählt. Herr Varschavitz referierte dann über die in Bialystok akzeptierte Art der Share-Klubs. Das Komitee verkauft Marken zu 10 Kopeken, welche die Mitglieder auf eigene Kosten kleben.!H> dieser Marken geben das Recht auf eine Aktie der Kolonialbank. Im Zeiträume von acht Monaten wurden in Bialystok über JKK) solcher Karten plaziert, was ebensoviele neue Aktionäre der Bank bedeutet. Sie rekrutieren sich aus den ärmsten Schichten der Stadt. In Bre>t gibt'man Quittungen zu 10, 15 und 25 Kopeken. Die Versammlung nahm für die Union (mit Ausnahme von Brest) das Bialystoker System an. Herr Neimark (Grodno) schlug ein Ehrengericht für die Zionisten der drei Städte vor. Der Antrag wurde dem Komitee zum Studium und zur Berichterstattung überwiesen. Verschiedene Fragen von minderer Bedeutung wurden noch diskutiert. Mit begeisterten Worten schloss der Präsident die Konferenz, während die Versammlung noch die Nationalhymne „Hatikwa" sang. Samstag abends fand ein Bankett zu Ehren der Delegierten statt. Diese Konferenz könnte das Vorbild ähnlicher anderer Gruppierungen sein, welche eine weitere Ausbildung unserer Bewegung bedeuten winden. Hazioni. Jahresversammlung des Odessaer Share-Klubs. Sonntag den 2t. Juli wurde die erste Jahres-Generalversammlung des Odessaer Share-Klubs abgehalten. Besonders bemerkt wurde die Anwesenheit des Direktors der Jüdischen Kolonialbank Herrn Barbasch. Der Vorsitzende Herr Dr. Dorf mann eröffnete die Versammlung und brachte in wenigen Worten die G schichte der Entstehung des Share-Klubs in Erinnerung. Der Klub wurde vor einem Jahre auf Beschluss des Odessaer Zentralkomitees gegründet. Die Mitglieder desselben, von denen jeder drei Rubel beizusteuern hatte, rechneten bei weitem nicht auf solche glänzende Erfolge, wie sie der Klub während dieses Jahres aufgewiesen hat, wie aus dem nachstehenden Kassabericht zu entnehmen ist. Seinen besonderen Dank spricht der Herr Vorsitzende im Namen des Ausschusses den Sammlern des Share-Klubs aus, denen ja der Klub seinen Erfolg hauptsächlich zu verdanken hat. Diese unermüdlichen Förderer unserer heiligen Sache sammelten kleine Beiträge von 20 Kopeken und brachten der Kasse des Share-Klubs Hunderte zu. Dadurch erhielten erstens viele arme Aktionäre die Möglichkeit, ihre Aktien zu bezahlen; andererseits wurden der J. K.-B. Tausende zugeführt. Besonders ist in dieser Beziehung die erfolgreiche Arbeit der Herren Konstantinowsky, Schapira, Faitels o h n, Epstein, K1 e z k y, S t o t z i g und des Fräulein Salpberg hervorzuheben. Der Vorsitzende spricht ferner auch sämtlichen Mitgliedern seinen Dank aus, woraut die Mitglieder dem Vorsitzenden Herrn Dorf mann ihren Beifall für seine erfolgreiche und opferwillige Tätigkeit bekunden. Besonderen Dank spricht der Vorsitzende Herrn Barbasch aus, der eifrig bestrebt war, die Tätigkeit des Klubs zu fördern. Die Revisions-Kommission, aus den Herren Frankfeld und Schapira bestehend, weist auf einige technische Fehler in der Berichterstattung und in der Buchführung hin und empfiehlt der Versammlung, den Bericht des Ausschusses zu approbieren. Das geschieht einstimmig. Herr Barbasch dankt im Namen der J. K.- B. dem Share-' Klub für seine Tätigkeit. Die meisten der anwesenden

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