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Die Welt · 1902-08-29 · 35 (29.8.1902) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
35 (29.8.1902)
Article
Hameliz [Kommentar]
Date
1902-08-29
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 35 JDie afr Weit66 Seite 9 Kolonien durch Ankauf benachbarter Grundstücke .vergrössert werden. Ueber den Stand des Schul- und Erziehungswesens in den Kolonien äussert sich Herr Ettinger sehr befriedigt Nahezu in jeder Kolonie sei Vorsorge getroffen, dass die heranwachsende Generation zu praktischen Landwirten herangebildet werde. Die Kenntnis der hebräischen Sprache verbreite sich von Tag zu Tag. Die Nachrichten über die in einzelnen Kolonien herrschenden Krankheiten seien stark übertrieben. In den meisten Kolonien sei der Gesundheitszustand durchaus befriedigend. In ,.Hazefirah" (Nr. 178) bespricht J. Labiner die Broschüre des Eabbiners Dr. Frank in Köln „Die kulturelle Tätigkeit der „Älliance israelite universelle". Er gelangt zu folgenden Konklusionen: „Den „Schöpfungen der „Alliance israelite" fehlt es an jüdischer Seele. Sie glänzen mehr, als sie dem Volke Nutzen bringen. Der Fehler, der allen Werken unserer „zivilisierten* Brüder anhaftet, dass in ihnen nämlich das Dekorative vorherrscht, dass sie auf eine prunkende Statistik berechnet sind, welche den Nichtjuden imponieren soll, dieser Fehler heftet sich auch an die Tätigkeit der „Alliance". Allein deswegen braucht man nicht ins Extrem zu verfallen und diese Tätigkeit ganz zu verwerfen. Einzelnes darin ist ohne Zweifel sehr nützlich. Es wird eine Zeit kommen, wo die „Alliance" nolens volens das System der oberflächlichen dekorativen Tätigkeit aufgeben und eine höhere Stufe ersteigen wird: Die der tiefen und gründlichen nationalen Arbeit." * Rumänien. Die Lage der rumänischen Juden beginnt doch endlich die ganze europäische Presse zu beschäftigen. Der rumänische Geschäftsträger am italienischen Hofe, Herr Zaufirescu, hat sich veranlasst gefühlt, auf die in der römischen „Tribun a" erschienenen Angriffe in einem Briefe zu antworten, in welchem zur Rechtfertigung des Verhaltens der Rumänen alle rumänischen Juden als Parasiten und Wucherer bezeichnet werden. Die „Tribuna" führt bei Veröffentlichung dieses Briefes aus, dass diese Beschuldigungen zu allgemein sind, um ernst genommen zu werden. Wo immer Juden je bedrückt wurden, sind immer phantastische Gründe hierfür angegeben worden. In Wirklichkeit aber nehmen gerade in Rumänien die Juden den kleinsten Platz unter den Wucherern ein. Die wahren Wucherer, jene, welche ein-, zwei- oder auch dreihundert Perzent sich zahlen lassen, sind Christen. Auch Rumänen von Rang und Stellung, öffentliche Funktionäre üben in Rumänien den Wucher; entweder direkt oder durch Mittelspersonen und es kommt auch vor, dass Antisemiten sich hierbei armer Juden bedienen. * Das numerische Anwachsen der Juden in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und das rege Interesse, das innerhalb derselben den jüdischen Angelegenheiten entgegengebracht wird, offenbart sich auch in der stetig zunehmenden Ziffer der jüdischen Blätter und in der Tatsache, dass dieselben mehr oder weniger allesamt ihr Publikum finden. Eine jüngst erschienene Zusammenstellung dieserOrgane der amerikanisch-jüdischen Oeffentlichkeit dürfte daher von allgemeinem Interesse sein. Darnach sollen in den Vereinigten Staaten gegenwärtig sechsundfünfzig jüdische Wochenrespektive Monatsschriften und Tageszeitungen eisen einen. Davon in englischer Sprache: „Jewish Messenger", „The American Hebrew" und „Hebrew Standard" t^New-York), „Amerikan Israelite" (Cincinnati), „Chicago Israelite* und „Reform Advocat" (Chicago), „Amerikan Hebrew News" (Portland), „Jewish Comment" (Baltimore). „Jewish Chronicle" (Mobile), „Jewish Voice" (St. Louis), „Jewish Exponent" (Philadelphia), „J. Ledger" (New Orleans), „J. Criterion" (Pittsburg), „J. Record" (Kansas City), „Advocat Review and Observer" (Cleveland), , Jewish Sentiment" (Atlanta), „J. Spectator" (Memphis), „J. Times and Observer*, „Hebrew Occident", „Hebrew" und „Emanuel" (San Francisco), „Amerikan J. Sentiment" (Little Rock), „B'nai Brith Advocat Review" '(Houston), „B'nai Brith Messenger" (Los Angeles), „Jews Americana (Detroit), ferner die Monatsschriften : „Menorah", „Helpful Thoughts", „Monthly Journal [of the Young Mens Hebrew Association", „Alliance Review" (New-York), „Israels Home Journal", (Pbrtland). „Hebrew Union College Journal" (Cincinnati), „Modern Builder" (Kansas City) und die Halbmonatsschrift „Twice-a-MonthK (Louisville). In deutscher Sprache erscheinen: „Ordens-Echo" (New-York) und die Beilage zum „Hebrew" (San Francisco); in hebräischer Sprache: „Ha-Ibri* und monatlich „Ha-Modia Chadaschim" (New- York); im Jargon: die Tageszeitungen „Jüdisches Tageblatt*, „Vorwärts", „Abendblatt", „Arbeiter-Zeitung", ,Jüdisches Journal", „Die jüdische Welt", „Morgen-Journal", „New- Yorker Abendpost", ferner (wöchentlich) „Jüdische Gazetten", „Freie Arbeiter-Stimme", „Abendpost", „Der Volks-Advokat" und (monatlich) „Freie Gesellschaft41, „Die Nation" (sämtlich # in New-York), „Der jüdische Courier", „Der jüdische Kol" und das „Chicagoer Wochenblatt* (Chicago), „Der Volksfreund" (Pittsburg) und „Der Wegweiser" (Baltimore). Diese Liste dürfte aber sehr unvollständig sein. Vermissen wir doch in derselben beispielsweise das Organ der „American Zionist Föderation" „The Maccabaen" und die Jargon-Zeitschrift »The Jewish World". * Der Segen des Friedens, der nunmehr in Südafrika wieder eingezogen ist, beginnt sich auch in den jüdischen. Kreisen wieder zu zeigen. Allenthalben werden die so lange geschlossen gewesenen Geschäfte und Läden wieder eröffnet und mancher, der „mit einem Blick nach dem G-rahe seiner Habe" von hier wegging, ist mit erneuten Hoffnungen, wenn auch oft ohne das früher besessene Vermögen, wieder hierher zurückgekehrt. Auch das jüdische, im russischen Jargon geschriebene Blatt, das früher in Johannesburg erschien, ist wieder zu neuem Leben erwacht und die erste Nummer ist nach zweijährigem Schlafe unter dem alten Titel „Der jüdische Telegraph" dieser Tage herausgekommen. Mit dem Herausgeber, dem bewährten Schriftsteller N. Hoffmann, wünschen wir, dass er „zu immer besserem. Gedeihen unserer Brüder in Südafrika beitragen möge". Zeitlingsstimmen über die Bilanz der „loa". „Hamagid" veröffentlicht die in unserer heutigen Nummer abgedruckte „vertrauliche" Bilanz der „Ica" und bemerkt, dass diese Ziffern vielsagend seien; sie erzählen uns, wie unsinnig das Erbe des Baron Hirsch, welches der jüdischen Gesamtheit zugedacht ist, vergeudet werde. Eine weitere Bemerkung lasse sich diesen Zahlen nicht hinzufügen; man könne die Verwalter der Baron Hirse h'schen Fonds ob ihrer kopflosen und fahrigen Gebarung nur bedauern. Die in London erscheinende hebräische Wochenschrift „Hayehoody" knüpft an die Veröffentlichung der Bilanz der „Ica" folgende Bemerkungen: „Wenn wir diese Art von Wohltätigkeit sehen, drängt sich uns die Frage auf, ob wohl der Erblasser die Vorsteher der „Ica" in dieser Absicht zu Kuratoren seines Vermächtnisses eingesetzt hat? Baron Hirsch hat sich niemals mit derartigen kleinen Spenden abgegeben, sondern strebte immer Grosses an und wollte mit seinem Gelde dem jüdischen Volke oder doch einem grossen Teil desselben helfen, während seine posthumen Kuratoren sein Vermögen zerbröckeln und „in sieben Meere streuen", damit es der Allgemeinheit ja keinen Nutzen bringe. Woher leiten die Herren von der „Ica" das Recht ab? die Stiftung des Baron Hirsch gegen seine Intentionen zu verwalten?" Die Jargonzeitschrif „Der Jude" schreibt über die Bilanz der „Ica*: „Aus diesem Berichte ersehen wir, wie die „Ica" Hundertausende nach allen Seiten hin ausstreut, während sie für Palästina nur ein paar Groschen übrig hat. Die einzelnen hochmögenden Kuratoren der „Ica" wollen auf das Volk und dessen Forderungen keine Rücksicht nehmen, und anstatt die grossen Kapitalien für ein grosses Ziel zu verwenden, wie das Volk wünscht, geben sie das Geld für Almosen aus, erziehen Schnorrer und geben sich mit tausenden von kleinen Geschäften ab." ftas dei* J|e^c§ut)§. Gedenket des Schekels! Zionistische Flugblätter. Im Verlage des Vereines „Erez Israel", Wien, Türkenstrasse i)? erseheint demnächst ein volkstümliches Plugblatt im Jargon über den Jüdischen Xationalfonds. Es ist ein Separatabzug eines Artikels von C h. W o r t s m a n n aus dem Lemberger Jüdischen Volkskalender. Das Flugblatt ist bis auf das Porto kostenlos.

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