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Die Welt · 1902-08-29 · 35 (29.8.1902) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
35 (29.8.1902)
Article
Wie weit es gekommen ist [Nachricht]
Date
1902-08-29
Page
7 (sequence 1)
Language
German
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N*. 39 &fä% WMk: Seite 7 Wie weit es gekommen ist. Im East-End von New-York wird jetzt der Plan ernstlich ventiliert, eine Art jüdischer Miliz zur Selbstverteidigung im Notfalle zu bilden. Nachdem die Vorfälle beim Leichenbegängnisse des Ober- Eabbinners Joseph bewiesen haben, dass die Juden bei der Polizei im Falle eines Angriffes keinen Schutz finden, sondern im Gegenteile diese sich den Angreifern anschliesst, wollen die Juden rechtzeitig zur Organisation der Selbstverteidigung schreiten. Personalnachrichten. Am 17. August verschied im Bade Homburg Fabrikant S. J. Sachs aus Dwinsk. Der Verblichene, der sich aus den kleinsten Anfängen zu grossem Wohlstande emporarbeitete, war seiner Familie ein hingebungsvoller Vater, der auch seine ganze Arbeit galt. Herr Sachs nahm auch an der zionisten Bewegung regen Anteil. Er gehörte dem ersten Direktorium der Jüdischen Kolonialbank an. ^Fibäi)e. An die jüdischen Hutfabrikanten und Huterzeuger Wiens. Wir appelieren zum wiederholtenmale speziell an die jüdischen Hutfabrikanten WTiens, von ihren Prinzipien zu lassen und keinen Unterschied bei der Aufnahme ihres' Arbeitspersonals zwischen jüdischen und christlichen Arbeitern zu machen. Wir verlangen nicht, unsere Stammesgenossen den anderen vorzuziehen, aber ihnen dieTür derArbeitsstube lediglich darum zuverschliessen, weil sie Juden sind, ist eines jüdischer Arbeitgebers unwürdig. Solche Fälle aber haben sich in der letzten Zeit gehäuft. Das Verlangen nach einer Aenderung dieses Prinzips ist umso eher berechtigt, als das Absatzgebiet der jüdischen Fabrikanten meist nur jüdische Kaufleute sind und wir hoffen, dass diese unglaublichen Zustände bald verschwinden werden. Stanisla u. Verein jüdischer Handelsangestellter „Ach w a". Anregungen für den Nationalfonds. Glückwunsch-Ablösungen Geehrte Re daktion! Da ich der Ansicht bin, dass wir endlich Energie genug haben sollten, um auf konventionelle Aeusserlichkeiten zugunsten unserer nationalen Institutionen zu verzichten, erlaube ich mir vorzuschlagen : 1. Jeder Jude, dem die Sache des Jüdischen Nationalfonds ans Herz gewachsen ist, möge für den Fonds eine Spende leisten in der Höhe des Betrages, den er alljährlich für Glückwunschkarten und -Briefe an seine Verwandten und Bekannten ausgibt. 2. Diese Spendenleistung berechtige zur Veröffentlichung eines Kollektiv-Glückwunsches in einem zionistischen Blatte. 3. Die zionistischen Blätter aller Sprachen müssten es als heilige Pflicht ansehen, dieses Bestreben zu fordern, indem sie ihren Leserkreis durch spezielle Artikel darauf aufmerksammachen und ihre Bereitschaft erklären sollten zum Abdruck solcher Glückwunsch-Ablösungen in der Zeit von Mitte Elul bis Mitte TUschri, und zwar in Extra-Beilagen, die nach der alphabetischen Reihenfolge des Wohnortes der Spender geordnet sein mögen. 4. Die zionistischen Vereine, insbesondere aber die Leiter der einzelnen Landesorganisationen mögen diese Anregung in ihren Zirkularen, in Flugblättern u. s. w. verbreiten und sich mit den Redaktionen der national-jüdischen Blätter diesbezüglich ins Einvernehmen setzen. 5. Da dieses Jahr das erste seit der Begründung des Natiönalfonds ist, wäre es am Platze, dass sämtliche zionistischen Vereine sich aus diesem Anlasse ins „Goldene Buch" eintragen lassen sollen. Hochachtugsvoll Z i o n i. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Das Zentr al-Komitee der vereinigten 17 Vereine in Ekaterinoslaw (Vorsitzender M. Ussischkin, Sekretär B. Toparowsky, Kassier Ch. Katznelsohn) 1)5 Rubel. Verein „Chowewei Zion* in Gulj ai (Gouvernement Ekaterinoslav) 95 Rubel. Jacob Popylsky in Smolensk 10 Pfd. Stg. Welt-Übponik Rumänisches, Die in Bukarest erscheinende Jargonzeitschrift ,,Der wahre Hajoetz" berichtet über folgenden haarsträubenden Fall rumänischer Komnmnaljustiz : Am 24. Juli d. J. kam der Subpräfekt von Recacun, Distrikt Putno, auf einer Inspektionsreise in die Gemeinde Dragasan. Der dortige Primär, der Ortsgeistlicbe und ein gewisser Constantin begleiteten den Subpräfekten und hetzten ihn zu einem Aus Weisungsdekret gegen die in der Ortschaft ansässigen Juden auf. Der Subpräfekt willfahrte ihnen bereitwillig und meinte: ,,Ihr könnt mit den Juden machen, was Ihr wollt.'* Daraufhin begaben sich die drei Honoratioren des Dorfes zum Juden Isaak Goldenberg, liessen ihn, seine Frau und Kinder fesseln und so lange prügeln, bis sie alle bewusstlos und blutüberströmt auf dem Boden lagen. Mittlerweile kam der erwachsene Sohn des Isaak Golden berg vom Felde nach Hause, ohne von dem Vorgefallenen eine Ahnung zu haben. Die entmenschten Schergen der rumänischen Dorfjustiz stürzten sich nun auch auf ihn, banden ihn an Händen und Füssen und prügelten ihn so lange, bis auch er das Bevvusstsein verlor. Dann luden sie die ganze Familie gefesselt auf einen Wagen fuhren mit ihnen auf die Landstrasse, die nach Focsani führt und warfen sie dort in einen Strassen graben. Isaak Goldenberg gelang es, sich seiner Fesseln zu entledigen und nach Focsani zu entkommen, während seine Angehörigen länger als 24 Stunden in gefesseltem Zustande, arg zerschunden und ohne Nahrung im Strassen graben liegen blieben. Die übrigen jüdischen Familien der Ortschaft wurden aufgefordert, diese am nächsten Tage zu verlassen, widrigenfalls auch mit ihnen wie mit der Familie Goldenberg „summarisch'' verfahren werden würde. Die fünf jüdischen Familien der Ortschaft Dragasan, vor kurzem noch wohlhabend, sehen sich nun ihres ganzen Vermögens beraubt und in das grösste Elend versetzt. Von den Cambridger Studenten. Die jüdischen Studenten der Universität in Cambridge (England) haben die dauernde Abhaltung jüdischen Gottesdienstes daselbst angeregt und durchgeführt. Jüdische Frauenarbeit. Jüdische Frauen, die ein Gewerbe ausüben, gibt es im russischen Ansiedlungsgebiete 70.548, davon 61.614 in Lithauen und Südrussland, 14.031 in den polnischen Gouvernements. Das grösste Kontingent unter den jüdischen gewerbetreibenden Frauen stellen : die Schneiderinnen. Unter diesen sind 0191 selbständig und beschäftigen 12.630 Arbeiterinnen und 11.502 Lehrmädchen. Insgesamt gibt es also 33.419 Schneiderinnen, das heisst 4t 70 der gewerbetreibenden Frauen,Die Zahl der selbständigen Näherinnen beträgt 7161, welche 5090 Arbeiterinnen und 5080 Lehrmädchen beschäftigen, zusammen 17.331 Näherinnen, gleich 21°/o« Die Zahl der selbständigen Strumpfstrickerinnen beträgt 3633, die der Arbeiterinnen 1077, die der Lehrmädchen 1029, zusammen 5730, gleich S°/0. Selbstständige Modistinnen gibt es lOSü, Arbeiterinnen 1436, Lehrmädchen 040. zusammen 4062, ungefährl"/0. Zigarettenmacherinnen gibt es: selbständige 001, Arbeiterinnen 471, Lehrmädchen 251, Summe 1731, gleich c2%. Handschuhniacherinnen gibt es: selbständige 182, Arbeiterinnen 180, Lehrmädchen 119. zusammen 481. In anderen gewerblichen Berufen sind 13.803 Frauen, ungefähr 20°/o. Der Perzentsatz der gewerbetreibenden Frauen unter den jüdischen Gewerbetreibenden überhaupt beträgt 15, das heisst, unter je 1 )() jüdischen Gewerbetreibenden gibt es durchschnittlich 15 Frauen. Assimilattonsblüten. Eine Anzahl orthodoxer Juden hatten sich in Greenpoint bei New-York zusammengefunden und hielten ihren Gottesdienst in Mietsräumen ab. Ais die Gemeinde grösser wurde, wollte sie das Haus kaufen. Man bezahlte 500 Dollars und sollte bald darauf noch 3000 zahlen, was aber nicht pünktlich geschah. Während der folgenden Unterhandlungen kauften, benachbarte Reforrnjuden das

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