Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 34 (22.8.1902)
- Article
- Die Sommerwohnung
- Date
- 1902-08-22
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 „Die # Welt44 Seite 15 Verlegenheit bemerkt haben, denn er beeilte sich, hinzuzufügen : „Wir erfüllen nur , die Befehle der obersten Behörde. Früher war es anders . . . Jetzt hat man uns angewiesen, so vorzugehen. Ich kann also nichts machen . . . " Und er entnahm der auf dem Tische liegenden Tasche ein Dokument in schwedischer Sprache und zeigte es uns, Wir schwiegen. Was konnte man dagegen einwenden? „Aber .... aber .... " sagte der Arzt verlegen, warum will Kaschnnen mir mein Angabegeld nicht rctournieren?"' Der Lehensmann warf wiederum einen Blick auf den Kommissär. Dieser fing abermals an, in finnischer Sprache etwas auseinanderzusetzen. „Der 'Kommissär hat Kaschunen erlaubt, das Angabegeld zu behalten. Hätten Sie doch nicht gesagt, dass Sie Jude sind, folglich sind Sie schuldig . . . " sagte der Lehensmann. Und die Mütze mit der Kokarde auf das Haupt setzend, machte der Lehensmann eine Handbewegung, die zu sagen schien, dass die Audienz zu Ende sei. In tiefer mordischer Niedergeschlagenheit verliessen wir das rote Häuschen mit dem vergitterten Fenster. Der Arzt konnte seine Aufregung kaum bemeistern. Von einer Beschwerde an das Gericht wollte er nichts wissen. Und wohin hätte sie auch geführt? Wir hätten höchstens auch vom Richter dasselbe zu hören bekommen. Und der Arzt verliess gleich darauf Finnland. Abends ging ich vor dem Hause des Kaschunen vorüber. Eine Gruppe von Finnländern, darunter Kaschunen selbst, führte ein lautes Gespräch. Ich hörte den Namen des Arztes nennen, hörte auch, wie Kaschunen sich zu rechtfertigen suchte und einigemale wiederholte: „Ich bin unschuldig." Kaschunens kleine Tochter Anna Mary, ein Mädchen von ungefähr neun Jahren mit einem flachsweissen Kopfe, sass in einer kleinen Entfernung auf einem Steine und las ein Buch. „Was liest du?" fragte ich das Kind. Anna Mary blickte mich mit ihren blauen Augen an und reichte mir das Buch. Es war ein Buch von Jupelius, des berühmten finnischen Dichters, das in allen Schulen Finnlands als Lehrbuch für Kinder dient. Ich warf einen Blick auf die offene Seite und las dort Folgendes: „In Finnland leben mit den Zigeunern auch Juden (iudarne). Das ist ein armes und jammererregendes Yolk. Wir müssen mit diesem Yolke Mitleid haben, weil es kein Vaterland hat. Die Juden gleichen einem Menschen, der sich im offenen Meere befindet: er sieht weder ein Ufer noch einen Hafen; er lebt und stirbt als Fremder auf der Erde......u Ich streichelte das weisse Köpfchen des finnländi sehen Mädchens und eilte davon. Ein schweres Gefühl bedrängte mein Herz, meinen Augen entströmten Tränen, welche meine Wangen suchten, um auf fremden Boden niederzufallen .... Mitteilungen des Landeskomitees. Bureaus tun den täglich von 6-8 Uhr abends im Bureau, Wien, IX., Türkenstrasse 9, Tür 36. Sitzungen des L.-K. am 1. und 15. September. An diesen Tagen sind die Miglieder des L.-K. im Kongressbureau von 7—*/28 Uhr abends zu sprechen. Alle Bestellungen auf N.-F.-Marken sowie Anregungen für die N.-F.-Koinmission sind an den Kassier des L.-K. Dr. Hugo Benedikt, I., Tiefer Graben 25, zurichten. Verschleissartikel sind bei Sekretär Adolf P o 11 a k, IX., Türkenstrasse 9, erhältlich. Das L.-K» hat an die sieben D.-K. eine Instruktion über das Verhalten der ZLonisten in Sachen der rumänischen Durchwanderung erlassen und von den D.-K. Gutachten über das demnächst zu veröffentlichende zionistische Kultusgemeinde-Programm eingeholt Das Referat Lederers vom Bielitzer Parteitage „Unsere Stellung zu den nichtzionistischen Gruppen in Oesterreich" erscheint demnächst im Jüdischen Buch- und Kunstverlag Brünn als 10 h-Broschüre. Briefkasten. Rumänien und die Mächte. In der vorigen Nummer hat sich im obigen Artikel ein Druckfehler eingeschlichen. Statt Rumänenfond des Aktions-Komitees, soll es richtig heissen: der Hilfs - Komitees. Fritz M.: Unverwendbar. S. F. Steiner, Karlsbad: Wir können über den Herrn nichts bringen. Besten Dank. 0. Sp., Graz : Dankend abgelehnt. L. K. in Väg-Ujhely, F. M, in Bohorodczany: Verlag M. Popelauer, Berlin, genügt. L. L, Gaiizien. Sie sind zu wenig auf die Tatsachen eingegangen. Wenn Sie solche mitteilen können, werden wir sie gerne bringen. A. S., Bukarest. XV1IL, Haizingergasse 29. Schw., Zioczow. Leider unverwendbar. A. M. L: Diese Vorschläge sind längst schon Praxis geworden. Siehe Spenden-Verzeichnis. L. Br„ Suczawa : Dankend abgelehnt. „Chowewe Zion", Rreszöw : Bitte sich an Frau Doktor Kahn, Wien, VII., Lindengasse, zu wenden. Gesinnungsgenossen! Agitiert beizeiten für den Vertrieb von Palästina-Ethrogim.! inKi nna bsn o^vaen utw ibanttr p* ^nnx rrrpö nma nsna ups lbinwn Spenden. Für den jüdischen Nationalfonds: Dr. Theodor Herzl zum Andenken seines Vaters Jacob Herzl Kr. 1000.—, Josef Winter, Verteidiger in Strafsachen, Ung.-Hradisch 241—, „Bnei Zion Kadimah" in Frumosica 240.—, Sammlung bei einem Vortragsabend des Vereines „Emunah % Bielitz 5.—, Sammlung bei einer Agitatationsversammlung in Schian (A. Löwner, Kultusvorsteher Kr. 1.—, E. Katz 1.—, B. Stein 1.—, S* Taussig 1.—, E. Lekner 1.—, ab Porfco) Kr. 4.97, Abraham Mencer in New-York aus Erkenntlichkeit gegen Dr. Moskovici in Braila 4.75, Braila (Leopold Fischl Lei 2.—, S. Schwarz 10.—)= Kr. 11.40, Philozionist Alexander v.B. in St. Petersburg anlässlich der Beförderung des Ein jährig-Frei willigen Hans I. Sachs zum Unteroffizier im kaiserlich russischen Dragoner-Kegiment Wolhynien Nr. 17 12.60, Sammlung Miron Zelikin in Smolensk auf der Hochzeit seiner Schwester Anna Zelikin mit H. Lunz (J. Papylsky Rubel 3.—, Märe Zelikin 3.—, Dr. G. B. Zelikin 3.—, Sophie Zelikin 3.-, A. Lunz 3.—, N. N, 2.—, zus. 22.—, Check) Kr. 55.—, Sammlung bei KL Max Schatz in Bonn a. Rh. anlässlich Brith Milah seines Sohnes 23.25, Frau Schönberg aus Galatz anlässlich des Geburtstages ihres Enkelkindes Elsa Schönberg 9.97, Anlässlich Verlobung des H. Meier Goldberg aus Strij mit Frl. Blima Lorberbaum aus Medeniee (Helene Goldberg —.50, Alexander Zeiler—.50) 1.—, Frl. Elsa Kohnberger, Baden 2.—, Tarok-Partie „Hotel Königstein", Strassnitz 2.39, Sammlung des Verein es „Ezrath Israel" in Raducaneni 13.52, Wien: Familie K. 1.—, Familie O. M. 1.—, Dr. O. K. —.40, L. W. —.40, Dr. L. K. —.30, Ingenieur J. S. —.40, „Erster zionistischer Frauenverein" 1.—, Dr. Sch. —•20, M. Sch. —.10 4.80, J. L., Wien, anlässlich Ablebens des H. Aaron Weiss in Aussig 6.—, Dr. E. Z., Wien, aus gleichem Anlasse 1.—, Prerauer Delegierten-Tag 4.40, Eduard Jampol und Frau in Ustrzyki anstatt Telegramm zur Hochzeit des Abner Stern mit Frl. Gisela Nebenzahl — .60, Focsani (Sammlung durch H. David Käs und Frl. Mathilde Käs Lei 18.05, durch H. Pinkas Goldring und Albert Käs gelegentlich Vermählung des Frl. Jeannette Rappaport mit H. Isak Segal 14,65, zus. 32.70) Kr. 31.12,