Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 34 (22.8.1902)
- Article
- Die erste allrussische Zionisten-Konferenz in Minsk
- Date
- 1902-08-22
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 „Die & Welt** Nr. 34 schattigen: 1. Organisation des Zionismus in Russland: Berichte der Bezirksbevollmächtigten und ihrer Gehilfen; Rechensch aftsablegung der zionistischen Gemeinschaften; Protokolle des Zentral-Komitees, Bildung eines Landes- Komitees und eines Bureaus, durch dessen Vermittlung die Gemeinschaften sich über ihre gegenseitige Tätigkeit unterrichten können, und Organisation von Bezirks-Kongressen. 2. Bildung eines nationalen Fonds: Ausarbeitung eines Modus für die Sammlung freiwilliger Spenden. 3. Die Jüdische Kolonialbank: Verbreitung der Aktien derselben. 4. Kultur: die kulturelle Tätigkeit der Zionisten, Hebung des intellektuellen Niveaus der Juden, populäre Vorlesungen, Bibliotheken und Lesehallen, Verbreitung von Büchern in hebräischer Sprache über die Geschichte der Juden, Referate der Vertreter der Gemeinschaften über deren Tätigkeit auf diesen Gebieten. 5. Die finanzielle Lage der Organisation; Verwendung der Geldmittel, Landkauf in Palästina und Unterstützung des Komitees. 6. Kolonisation Palästinas: Erörterung der Frage hinsichtlich des Verhaltens der Zionisten zu dem in Odessa bestehenden Unterstützungsverein für jüdische Handwerker und für die Ackerbauer in Syrien und Palästina. 7. Agitation: Methoden der Verbreitung der zionistischen Idee, Massnahmen zum Kampfe gegen den Fanatismus und die Gegner der Bewegung. —- Zum Kongresse werden etwa 400 Teilnehmer erwartet. Jaroslau, Am 28. u. 29. v. M. fand im hiesigen Vereine „Bnei Zion" der zweite galizische Abituriententag der zionistisch gesinnten Jugend bei einer zahlreichen Beteiligung der Kollegen statt Nach jedem gut bearbeiteten Referate („Kulturzionisrnus'Koll.T a r t a k o w er aus Brody, „ Organisation" Koli. Aschken asy aus Lemberg, r Agitation- Koll. Glück er aus Tarnopol) lolgte eine rege Diskussion, die folgende Beschlüsse zur Folge hatte: 1. Bildung hebräischer Jugendkurse. 2. Bildung gymnastischer Jugend vereine. 3. Bildung einer Organisation aller Hochschüler Galiziens. Der dritte Punkt konnte nicht zu Ende geführt werden, daher ging man zur Wahl einer fünfgliedrigen Kommission über, welche den Plan der entworfenen Organisation dem zweiten Lemberger jüdischen Studententage (anfangs Oktober) unterbreiten soll. R. M. Voranzeigen. Wien. (Jüdischer Verein jugendlicher Arbeiter, Zentrale.) Sonntag den 24. d. M. Exkursion in die Telephon-Zentrale. Zusammenkunft der Teilnehmer IX., Türkenstrasse 9 (Kongress-Bureau), um 1j2i0 Uhr vormittags. —- Sonntag den 24. d. M. im Kongress-Bureau IX., Türkenstrasse 9, Vorlesung und Rezitation zionistischer Dichtungen vom Vereinsmitgliede Kollegen Koilmann. Beginn 2 Uhr nachmittags. Gäste herzlich willkommen. Prag. Der Verein absolvierter jüdischer Handelsakademiker „Fraternitas" veranstaltet am 31. August eine grosse öffentliche Versammlung in Raudnitz a. d.E. und richtet an alle Gessinnungsgenossen Böhmens die dringende Aufforderung, sie in diesem ihrem Bemühen tatkräftigst zu unterstützen. Kremsier. Der jüd.-akad. Ferialverein „Ossid* veranstaltet am Sonntag den 24. August 1902 im Saale des „Hotel Bradna" in Kojetein einen Kommers mit nachfolgendem Tanzkränzchen, wozu Gäste willkommen sind. Bern. Als Ferien-Kommission der „Kadimah" (Bern), sind die Herren Drd. phil., J. M. S a 1 k i n d, X N. J a k o bsohn, cand. ehem., XX und David, Drd. ehem. gewählt. Alle Zuschriften, welche die Verbindung betreffen, wie Anfragen über Berner Studienverhältnisse u. dgl., sind an folgende Adresse zu richten: Valangen pres de Neuchatel, „Hotel Guileaum Teil", Monsieur J. M. Salkind. Drd. phil., für die J. N. St. V. „Kadimah". Berichte. Oesterreich-Ungarn. Suczawa. (Verein „Z i o n"). Am 10. d. M. ist hier unser Mitglied Herr David Cibener nach langem Leiden im 36. Lebensjahre verschieden. Mit ihm ist ein treuer Anhänger unserer Partei verloren gegangen. Friede seiner Asche! Eger. Auf Einladung des Vereines „Ahawath Zion" hielt Herr Dr. Kahn (Wien) Mittwoch den 13. d. M. im Hotel „Kronprinz Rudolf" einen Vortrag über das Thema „Gibt es eine Lösung der Judenfrage?*, während Frau Dr. Kahn über die „Stellung der jüdischen Frau" referierte. Sowohl der Kultus vorstand als auch der jüdische Frauenverein forderten durch Zirkulare zum regen Besuch auf und tatsächlich fanden sich sich über 200 Juden aller Stände ein, um zum erstenmale über jüdische Angelegenheiten reden zu hören oder selber nachzudenken. Der Obmann Herr S. Pergamenter, eröffnete den Abend mit einer Begriissung der Gäste, des Herrn Kultus Vorsteher Beck und der Vertreter sämtlicher Egerer jüdischen Vereine, sowie der erschienenen Gesinnungsgenossen der Brudervereine aus Wien3 Prag, Pilsen, Karlsbad und Budapest. Hierauf ergriff Dr. Kahn das Wort und führte in meisterhafter Weise aus, dass es eine akute Judenfrage gibt, dass die versuchten Lösungen verfehlt oder verächtlich seien und dass die einzige gesunde Judenpolitik auf dem Zionismus basiere. Die Beredsamkeit, sowie die feine Satire des Redners machten grossen Eindruck, die grosse Gewandtheit im jüdischen Gesetze und das fliessende Hebräisch fanden allgemeine Bewunderung. Zahlreiche Anwesende, darunter alte und hochangesehene, meldeten sofort ihren Beitritt zum Zionsverein. Frau Dr. Kahn fesselte die Zuhörer durch ihre warmen Worte und ihr Appell an die jüdischen Frauen, mitzubauen am herrlichen Werke, ging allen zu Herzen. Im Nu waren an 60 Kronen Nationalfondsmarken verkauft. Von den Gegnern, die sonst so ofe am Biertisch den Zionismus mit Witzen und souveräner Geringschätzung abgefertigt hatten, meldete sich leider niemand zum Worte. Die Sozialdemokraten, die in ihrem Organe ,VolkswiUe* eine akademische Diskussion über den Zionismus beantragt hatten, schickten nach mehrmaliger Aufforderung einen Redner ins Treffen, der den Referenten über die Sonntagsruhe im Judenstaate interpellierte. Tableau! Marienbad. Donnerstag den 14. August, halb neun Uhr abends, veranstalteten die zur Zeit in Marienbad weilenden Zionisten im grossen Saale des „Hotel Walhalla" (Löwenthal) einen mit Vorträgen verbundenen Zionisten-Abend, der durch Plakate angekündigt war. Das Arangement wurde seitens des Vorbereitungskomitees, das aus den Herren Eaygrodzki (Lodz), Rudolf Perl (Frag), Massarek (Filsen), Brainin (Berlin) bestand, unserem Gesinnungsgenossen, dem Redakteur der „Ungar. Wochenschrift* Herrn Julius Gabel übertragen, der seiner Aufgabe sehr gut gerecht wurde. Der Saal, der 6—700 Personen fasst, war schon um sechs Uhr bis aufs letzte Plätzchen gefüllt, so dass zirka 500 Gäste Raummangels wegen umkehren mussten. Den Glanzpunkt des Abends bildete der Vortrag des Herrn Dr. L. K a h n (Wien). Die übrigen Vortragender, unter denen in erster Reihe der Schriftsteller R. Brainin und der Tragöde des Herzogl. Meiningen'schen Hoftheaters Herr Maurice Morrison genannt zu werden verdienen, gaben sich redliche Mühe, den Abend zu verschönern. Banjaluka. Am Samstag den 9. d M. hielten die Zionisten Banjalukas in der Restauration der Militärbahn eine Versammlung behufs zionistischer Propaganda ab. Zahlreiche Sefardim fanden sich ein und Herr Kalef, Redakteur des „Haschofar" aus Philippopel, führte in zwei begeisterten Reden die Bedeutung, Wesen, Zweck und Entstehen des Zionismus aus. Die Jüdische Kolonialbank und der Nationalfond wurden besprochen und das Publikum verfolgte mit regem Interesse diese Ausführungen. Dank den Vorarbeiten unserer Gesinnungsgenossen Herrn Bankbeamten Rosenzweig und Herrn Abraham S a 1 o m, hat sich jetzt, von Herrn Kalef angeregt und von Herrn Rosenzweig unterstützt, ein provisorisches Komitee gebildet, welches den Verkauf von Aktien der Bank und von Nationalfondsmarken, sowie eventuell Gründung eines Zion Vereines in Aussicht genommen hat. In dieses Komitee wurden gewählt: Herr Adolf M i 111 e r, Vorstand der h. o. österr.-ungar.- israel. Kultusgemeinde, Herr Rafael Doljokan, Herr Abraham Salom und Bankbeamter Rosenzweig. Zum Schlüsse wurden Natiohalfondsmarken verkauft, und war ein ziemlicher Vorrat daWm in wenigen Minuten vergriffen. Krakau. Am 16. August (Schabath Nachmu) wurde unter zahlreicher Beteiligung das Bethaus „Schaarei Zion" feierlich eingeweiht. (Wie bekannt, haben die Krakauer orthodoxen Zionisten beschlossen, behufs regerer Agitation unter den orthodoxen Juden eine neue Agitation ins Leben zu rufen und zu diesem Zwecke ein Bethaus unter den Namen „Schaarei Zion" gegründet.) Vor der Thora-Verlesung ergriff unser Gesinnungsgenosse