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Die Welt · 1902-08-22 · 34 (22.8.1902) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
34 (22.8.1902)
Article
El Dorado [Nachricht]
Date
1902-08-22
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 34 Jftle 2*e Welt6' Seite 11 fest, sondern eine Macht, stärker noch als die, welche im Mittelalter seine Väter hinter Ketten wies, die des Dollars. Er ist zu arm, um in anderen Stadtteilen zu leben, als diesem ärmsten von New-York " Ein preisgekrönter jüdischer Komponist. Der von der englischen Zeitschrift „The Artist* ausgesetzte Preis von Pfd. Sterl. 100 (2500 K) für einen Krönungsmarsch für Orchester ist dem Komponisten Mr. J. D a vi s in Birmingham zuerkannt worden. Er ist dort Professor für Klavier an der Midland Institution of Music. Von den früheren Kompositionen Mr. Davis' fanden besonderen Beifall eine symphonische Dichtung „Die Cenci*, und das Vorspiel zu den „Blinden" von Maeterlinck. Die Oper „Die Kosaken" wurde vergangenen Winter in Antwerpen aufgeführt Mr. Davis ist in den DrMssigern. Die egyptiscfien Plagen. In der letzten Nummer der hochangesehenen Londoner populär - wissenschaftlichen Zeitschrift „Globe" erstattet Mr. W. St. Chad ßoscawen Bericht über einen Papyrus aus dem Jahre 74, welcher eine Kopie eines älteren Manuskriptes ist. Mr. ßoscawen zeigt, dass sich aus diesem Schriftstücke ganz merkwürdige Parallelen ergeben zwischen den Prahlereien der äthiopischen Magier über den Zauber, den sie von Egypten abgewendet haben und dem Berichte der Bibel über die Plagen, die Gott über Pharao und sein Land gesendet hat Konzert der Kolonisten von Rischon le Zion. Diejenigen, welche an der geistigen Entwicklung der palästinensischen Juden teilnehmen, werden sich freuen, zu hören, dass kürzlich in Jaffa ein Konzert der musikalischen Gesellschaft der Kolonie Iiischon le Zion stattfand. Unter den anwesenden Gästen befanden sich die Spitzen der Lokalbehörden, die Konsuln und alle Notabilitäten der Stadt. Die Darbietungen wurden mit grossem Beifall aufgenommen. Zur Aufführung gelangten Stücke aus folgenden Opern : „Karmen", „Robert der Teufel11, „Morituri", „fFannhäuser", „Faust", „Wilhelm Teil" und anderen. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Das Zentral - Organ der jungtschechischen Partei, die „Närodni Listy", bringt in seiner Nummer vom 13. d. M. einen streng sachlichen Bericht über die zionistische Bewegung in Russisch-Polen (Sionistä v ruskem Polsku), dessen Ziffern gute Information zeigen. Wir bringen ihn teilweise in folgendem übersetzt: „In Lodz wurde ein Parteitag der Zionisten (jüdischer Nationalisten) abgehalten, der mit einer deutschen Rede eröffnet wurde. Der Referent erstattete einen Bericht über den Aufschwung der zionistischen Bewegung' in Russland. In Lodz allein bestehen 21 zionistische Vereinigungen, von denen „Agudas Zion* es sich zur Aufgabe macht, für. den Zionismus Propaganda zu machen und ihm durch öffentliche Diskussionen mit Gegnern Anhänger zu gewinnen. Grosse Fortschritte hat auch der Zionismus in Kolo, Zaverzi, Sosnowice, Radom, Kaiisch, Noworadomsk und Bendin gemacht. Die eifrigsten Kämpfer des Zionismus sind die jüdischen Studenten, welche in allen Schichten der Bevölkerung den Boden „zur Rückkehr zum Judaismus" vorbereiten. Ein weiteres Referat behandelte die jüdische „Volksbank". Der Parteitag beschloss, dass die Verbreitung der Aktien dieser Bank zu den ersten Aufgaben der Zionisten gehöre. Am. 22. August wird in Minsk ein „Allrussischer zionistischer Parteitag" abgehalten werden." Dasselbe Blatt widmet der Bedeutung des verstorbenen jüdischen Bildhauers Antokolskij mehrere Spalten, etwas seltsam bei den antisemitischen Allüren des Blattes. Das „Baseler Volksblatt", Organ der Katholiken Basels, bespricht in einer Artikelserie die rumänische Judenfrage vollkommen objektiv und mit Sympathie für die unglücklichen Verfolgten. Das böhmische Distrikfcskomitee gab die Broschüre „Zionismus" von Dr. Max Nord au in böhmischer Sprache heraus. Eine instruierende Broschüre über den Zionismus in böhmischer Sprache war ein grosses Bedürfnis. Von der im Verlage „Tuschijah" erscheinenden neuen Jargon-Wochenschrift „jüdische Volkszeitung* liegen uns die ersten sechs Nummern vor. Das Blatt ist äusserst lebendig und volkstümlich redigiert; gemäss den Bedürfnissen der grossen Massen des jüdisch lesenden Publikums ist es durchgehends punktiert. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass diese neue periodische Publikation des Verlages „Tuschijah" gut zionistisch ist. Aus dem Inhalt der letzten drei Nummern verdient besonders die Artikelserie von Dr. Ch. D. Horowitz über das Wesen und die Aufgaben der Jüdischen Kolonialbank hervorgehoben zu werden. Ein Novum in der jüdischen Publizistik ist die ebenfalls vom Verlage „Tuschijah" herausgegebene Jargon- Wochenschrift „Jüdische Frauenwelt11. Sie will den jüdischen Frauen, die keine andere Sprache als den Jargon kennen, praktische Kenntnisse auf dem Gebiete des Hauswesens, der KinderpflegeundKindererziehungvermittelnund einen guten, von jüdischem Geiste erfüllten belletristischen Lesestoff bieten. Die Nummer 5 dieser Zeitschrift weist folgenden Inhalt auf: Sarah Zuckermann: An unsere Mütter. — Die Frauenwelt: 1. Allgemeine Nachrichten. 2. Jüdische Neuigkeiten. — Schalom Asch: Eine Mutter (Skizze). — S. Belenky: Frauen von Anno dazumal(Schluss.) — Wie sollen wir unsere Kinder vor ansteckenden Krankheiten bewahren? — Für die Hausfrau: Küchenrezepte für die „neun Milchtage". — Allerlei : Jüdische Frauenarbeit. — Feuilleton: WTer weiss? Roman von S c h a 1 o m- A1 e c h e m. (Fortsetzung.) Die vom Verlage „Achiasaf* in Warschau herausgegebene, vortrefflich geleitete Jargon-Wochenschrift „Der Jude" beschäftigt sich in ihrer Nr. 31 an leitender Stelle mit der Einvernahme Dr. Herzls durch die englische Fremdeneinwanderungs-Kommission. Der Artikelschreiber betont, dass der politische Zionismus durch die Tatsache der Einvernahme Dr. Herzls eine weitere Etappe auf dem Wege nach seinem Endziele zurückgelegt hat. Zum erstenmale wurde der Zionismus in die Debatten einer parlamentarischen Körperschaft hineingetragen und hat unter deren Mitgliedern lebhaftes Interesse geweckt. Das Interesse eines Parlaments aber, gar noch des englischen, ist für uns um vieles wichtiger als das Interesse einzelner Persönlichkeiten, im gewissen Sinne selbst als das Interesse gekrönter Häupter. Freilich ist's noch weit bis zu dem Zeitpunkte, da die europäischen Völker den Zionismus in Wirklichkeit und mit Nachdruck fördern werden; immerhin kann es uns mit Genugtuung und Zuversicht erfüllen, dass der Zionismus von hervorragenden englischen Parlamentariern als eine ernste, wohl zu beachtende Lösung der in den meisten europäischen Staaten als brennend empfundenen Judenfrage zur Kenntnis genommen wurde. Noch wichtiger als dieses Moment mag die Rückwirkung sein, die diese Anerkennung des Zionismus au£ die jüdische Oeffentlichkeit üben muss. Wenn das sogenannte „offizielle" Judentum erst die Ueberzeugung gewonnen hat, dass Politiker von Rang und Ansehen dem Zionismus reales Interesse entgegenbringen, wird es aufhören, unsere Bewegung mit einer verächtlichen Handbewegung abzutun. Schon damit sie nicht vor ihren christlichen Nachbarn beschämt dastehen sollen, werden diese Assimilanten sich dazu verstehen müssen, den Zionismus zu studieren. Und schliesslich werden sie zu uns kommen müssen, weil die Erfolge des Zionismus auch in ihnen, den Schwächlichen und Zaghaften, jüdische Lebenskraft und den Glauben an die Zukunft unseres Volkes wachrufen werden. $fas dei* Jie^egüoä* Gedenket des Schekels! Die erste allrussische Zionisten-Konferenz in Minsk. Wir haben bereits gemeldet, dass in Minsk am 22. d. M. die erste allrussische Zionisten-Konferenz zusammentritt. Da alle Vereine Russlands dem Organisations-Komitee schon jetzt ihre Tätigkeitsberichte eingesandt haben, so wird sich in nächster Zeit schon ein ziemlich klares Bild von der Lage des Zionismus in Russland geben lassen. Minsk ist zum Orte des Kongresses gewählt worden, weil die Stadt im Zentrum derjenigen Gegenden liegt, in denen der Zionismus die grösste Verbreitung gefunden hat. Nach dem bereits entworfenen Programm wird sich der Kongress mit folgenden sieben Fragen be-

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