Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 34 (22.8.1902)
- Article
- Die "St. James Gazette"
- Date
- 1902-08-22
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3315959-3315994-3323930--34180-3324072- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
m „Die & Weit» Seite 9 Gebiet des christlichen< Lebens von den Juden enorm viel entlehnt hat,, war ich doch darauf nicht vorbereitet, dass die Salbung Eduards VII.- so buchstäblich auf der Salbung unseres ersten jüdischen Königs Saul, des Sohnes des Kisch, begründet ist. Gleichzeitig mit der Verherrlichung der jüdischen Traditionen ist das Krönungsjahr Zeuge einer Bewegung, welche die Staffel einer parlamentarischen Kommission erreicht hat und darauf abzielt, die armen jüdischen Ausländer von dieser alten Stätte der Freiheit auszuschliessen. Aber ich meine, dass dieses grosse christliche Reich die Türen vor seinen eigenen edelsten Traditionen nicht schliessen kann, nicht dem Ideal untreu werden kann, für welches es in Südafrika gekämpft hat. Das grösste Reich der Geschichte sollte eher sein Anno Mirabilis, sein Wunder jähr, damit feiern, dass es der alten heimatlosen Rasse, dessen Sohne es das Gefühl seiner Weltmission verdankt* zur Erwerbung eines ständigen Heims Hilfe leistet. Und wenn es die Tragödie des ewigen Juden nicht zu Ende bringen kann, möge es wenigstens gegen die auswärtige Ungerechtigkeit protestieren, welche die heimische Anhäufung verursacht. Ist es keine Missachtung des Helden des Primeln-Tages *), dass es einem winzigen Staat wie Rumänien gestattet ist, den Berliner Vertrag zu verhöhnen und seine Juden langsam zu Tode zu quälen?" Zur Lage der Kolonisten in Argentinien. Ein russischer Reisender, der kürzlich Argentinien besucht hat, beschreibt in den „Odesskij Listok" die schlechte Lage der jüdischen Kolonisten daselbst. Bei seiner Ankunft suchten ihn eine Reihe derselben auf, glaubend, dass er im Namen des russischen Bundes gekommen sei, um ihnen Hilfe zu bringen. Sie waren arg enttäuscht, als er ihnen erklären musste, dass dies nicht der Fall und er ein blosser Tourist sei. Sie klagten bitter über ihre Verhältnisse. Wetterleuchten in England. Von den Gebirgsbewohnern ist es bekannt, dass sie eine gewisse Witterung für herannahende Stürme haben. Während noch der hellste Sonnenschein herrscht, und kein Wölkchen am Himmel sichtbar ist, erkennen sie an von Unkundigen kaum wahrgenommenen Erscheinungen ein herannahendes Gewitter. Wir am Kontinente, die wir überall die antisemitischen Gewitter schon wiederholt durchgemacht haben, wir haben für die Wetterzeichen geschärfte Sinne, und so nehmen wir mit tiefer Besorgnis in England gewisse Erscheinungen und Ereignisse wahr, über die heute in England gewiss die Mehrzahl der Christen noch ebenso lächelt wie die Mehrzahl der Juden. Wir aber lachen nicht über dieselben. So ist eine im Entstehen begriffene englische antisemitische Literatur nicht zu übersehen. Die Juden werden darin mit altenglischer Grobheit traktiert und betitelt. Ein anderes charakteristisches Moment: Im Londoner Vororte North Ward, St. Georges East, fand eine Nachwahl für den Bezirksrat statt. Der ganze Bezirk Stepney ist einer der am dichtesten von Juden bewohnten. Bei der Wahl wurde der Kandidat der britischen Bruder-Liga (lies: antisemitischer Kandidat) mit einer Mehrheit von 19 Stimmen gewählt... So fängt es immer an. Aus Bukarest meldet der „Jewish Chronicle" über eine Audienz des einstens aus dem Lande verjagten gegenwärtigen Oberrabbiners der portugiesischen Gemeinde in London Herrn Dr. M. Gaster beim König Carol im Schlosse Pelesch. Darnach hat sich der König mit Dr. Gaster über den Zionismus unterhalten. Was die zionistische Bewegung anbelangt, so war der König, welcher dieselbe für eine religiöse Bewegung gehalten hatte, befriedigt, zu erfahre», dass sie einen politisch-nationalen Charakter habe. Der König erklärte sich als Anhänger dieser von einem Ideale getragenen Bewegung und billigte die Bestrebungen für die Wiederherstellung des alten Vaterlandes der Israeliten. Der Bericht fügt hinzu, dass *der König Herrn Dr. Gaster ermächtigt habe, seine Worte zu wiederholen. Die fremden Staatsangehörigen Rumäniens überreichen durch ihre Vertreter geharnischte Proteste gegen das Handwerkergesetz. *) Benjamin Disraeli* LortJ Beaconsfield. Es ist wahrscheinlich, dass. sie Erfolg haben werden, denn, für die Fremd-Einheimischen, die Juden, lassen die Bojaren ihren Gelüsten die Zügel schiessen. Sturdza hat der Gesellschaft der Handwerker sagen lassen, man dürfe das Ausland nicht verletzen. Aber er gab sein Wort, dass das Handwerkergesetz zur Anwendung kommen wird. Die Wahl der Opfer dieses Gesetzes wird allerdings das Ausland nicht verletzen. Die Juden haben keinen Vertreter. PepsonalnacbHcbren« Wie uns aus Bad Kreuznach gemeldet wird, ist der dort weilende Präsident der „Federation amerikanisch er Z i o n i s t e n,"Herr Professor Richard G o 11 h e i 1 aus N e w - Y o r k, an Appendicitis schwer krank gewesen. Wir haben jedoch die grosse Freude, den zahlreichen Verehrern unseres ausgezeichneten amerikanischen Gesinnungsgenossen die Mitteilung machen zu können, dass Professor Gottheil, der von seinei Frau und deren Schwester Miss Leon gepflegt worden, sich bereits auf dem Wege entschiedener Besserung befindet Noch einige Wochen der Erholung im Schwarzwald, und unser trefflicher Gesinnungsgenosse wird hoffentlich völlig hergestellt die Rückreise nach Amerika antreten können. * Petersburg. (Zum Tode des ehemaligen Herausgebers des „W oskho d".) Die Juden in Russland haben durch den Tod Adolf Land aus, des Begründers und ehemaligen Herausgebers der Zeitschrift „Woskhod", einen schweren Verlust erlitten. Landau war em mutiger Kämpfer für die Rechte der Juden in Russland. Ursprünglich Assimilant von reinstem Wasser, scheint Landau in den letzten Jahren unter dem Einflüsse des Zionismus die Wertlosigkeit seiner papierenen Ideale eingesehen zu haben. Er zog sich deshalb vor wenigen Jahren von der Redaktion des „Woskhod" zurück, um neuen Männern Platz zu machen, welche den ethischen Wert der zionistischen Idee anerkennen und das Assimilantentum nicht um jeden Preis als Panacee hinstellen. Und den stärksten Beweis für die Lebensfähigkeit des Zionismus hat Landau dadurch geliefert, dass er vor dem Ansturm der zionistischen Idee die Waffen streckte, wiewohl er in seiner langjährigen publizistischen Tätigkeit nur für die Assimilation eintrat. f>ribüi)e. EINLADUNG zum gemeinschaftlichen Zionisten-Ausflüge nach Pressburg, Sonntag den 31. August 1902. In Pressburg wird seitens unserer Gesinnungsgenossen ein gross angelegtes Volksfest veranstaltet, dessen überaus reichhaltiges Programm (musikalische Vorträge, Lampion- und Blumen- Korso, Feuerwerk, Sacklaufen, Tombola mit wertvollen Preisen ele. etc.) den Teilnehmern rechtzeitig übermittelt werden wird. Für die Unterhaltung während der Fahrt ist bestens gesorgt. Die Ausgabe der Karten erfolgt nur bis Freitag den 29. d.M. abends. — Die Abfahrt nach Pressburg erfolgt präzise 7 "Uhr früh mit dem Postdampfer II. Klasse der D.-D.-S.-G. (Station Weissgärber), die Rückfahrt mit der Staatseisenbalin 7 Uhr 30 Minuten abends. Ankunft in Wien 10 Uhr 30 Minuten. Die Teilnehmerkarte, welche zur freien Fahrt hin und zurück, zur Teilnahme an dem Pressburger Volksfeste und an allen Festlichkeiten berechtigt, kostet fl. 1.10. Die vereinigten zionistischen Korporationen Wiens. Karten sind erhältlich: I. Bez.: Cafe zur Börse, WipplingerStrasse. II. Bez.: Cafe Orient, Praterstrasse. VI. u. VII. Bez.: Cafe Mariahilf, Mariahilferstrasse 89 a. Cafö Westend, Mariahilferstrasse 128. Restaurant Löbl, Sclimalzhofgasse 10. IX. Bez.: Administration der „WELT", Türkenstrasse 9. Cafö City, Porzellangasse 1. Restaurant Wendlingcr, Seegasse 7. X. Bez.: Restaurant Oczeretha Keplergasse 7.