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Die Welt · 1902-08-22 · 34 (22.8.1902) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
34 (22.8.1902)
Article
Eine Handelsgesellschaft in Palästina
Date
1902-08-22
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „Die & Welt" Nr/34 Der Exporfc ist ein sehr wichtiger Faktor der Landwirtschaft, da dadurch der Preis der Produkte auf dem richtigen Niveau gehalten wird. Im richtigen Preise findet eben der Landwirt den Lohn für seine Mühe und wird zum weiteren Schaffen angespornt. Es ist auch von sehr grosser Wichtigkeit, dass der Landmann seine Waren exportieren kann, ohne dieselben erst durch eine ganze Serie von Vermittlern wandern zu lassen, da doch jeder Vermittler dabei seinen Nutzen haben will und muss, welcher doch auf Kosten des Landwirtes geht. Wir werden den Kleinwirt erleichtern, indem wir direkt von ihm die Produkte zum Export nach Ländern übernehmen werden, wo der Absatz uns am gesichersten erscheinen wird. Das Beispiel der Karmel-Weine zeigt uns schon, wie wichtig für die Bevölkerung in Palästina der Exporfc ist; wenn der Absatz gesichert ist, wird die Arbeit, lohnend, und immer mehr und mehr Leute finden Beschäftigung. Wir hoffen also, durch das zu gründende Agentur- Geschäft Hand in Hand der Landwirtschaft wie der Kleinindustrie grosse Dienste zu leisten. Beruhigende Aufklärungen. In Rumänien ist eine Wortfabrik. Bestellte oder freiwillige Neugierige forschen in den Ministerpalais nach dem Stande der Judenfrage und die offiziellen Persönlichkeiten wirken wie Automaten: man wirft eine Frage hinein und eine „beruhigende Aufklärung" kommt heraus. Es ist eine altbewährte rumänische Unterhaltung: Auswärtige Journalisten bekommen beruhigende Aufklärungen, die inländischen Juden Prügel. Die „beruhigenden Aufklärungen" beruhigen merkwürdigerweise nur die Juden, nicht die rumänischen zwar, die Aufklärungen nicht essen können, aber die westeuropäischen Gemeindeobersten. Diese sind jederzeit bereit, für ihr „gutes Judentum" zu sprechen. Für ihr gutes Judentum zu zahlen, kommt ihnen zu teuer. So schnappen sie gierig nach jeder Nachricht, die zwischen ihrem Geiz und ihrem jüdischen Gefühl vermittelt. Ihr Gewissen ist ein schläfriges Ding. Kaum ist es vom Notschrei jüdischer Brüder geweckt, lässt es sich auch schon von den leeren Phrasen eines rumänischen Offiziosus, der eine humane Auslegung des Gesetzes verspricht, sanft wieder einschläfern. Es wird schon besser werden — mit dieser abgestandenen Phrase der Satten betäuben die Juden ihre bessere Ueberzeugung. Es wird schon besser werden! — das ist die gequälte Ausrede der Juden vor sich selbst wegen ihrer stumpfen Gleichmütigkeit — trotz aller tönenden Worte. Eine Nachricht der letzten Zeit dürfte wohl geeignet sein, den Blinden den Star zu stechen. Die „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht zwei Leitartikel über ein Interview mit dem derzeitigen Ministerpräsidenten Rumäniens. Der Verfasser dieser Artikel Dr. Hugo Ganz ist ein Schriftsteller von Ruf, und auch er hat von Herrn S t u r d z a beruhigende Aufklärungen erhalten. Sturdza sagte: „In Rumänien kennt man keinen Fremdenhass, es kann hier jeder ungestört seinem Glauben, seinen Sitten und Gebräuchen leben. Niemand wird geächtet, verfolgt oder auch nur belästigt." Dr. Ganz war aber nicht nur neugierig auf die Worte, sondern auch auf die Taten der Regierung und ihrer Organe, denen er nachforschte. Diese Beobachtungen haben ihn zu dem Satze geführt: „Die rumänische Politik und insbesondere die des Herrn Sturdza hat überhaupt nur ein Ziel: das, die Juden auszurotten". Der Jude darf nicht einmal die Erde bebauen, er wird von jeder Arbeit verdrängt, er so 11 nicht existieren können, er soll verhungern Von jeder Erwerbsgelegenheit wird er systematisch ausgeschlossen, er wird ausgehungert." Dr. Ganz spricht weiter davon, dass die Juden Steuern zahlen müssen zur Erhaltung derselben Schulen, in die sie dann nicht hineingelassen werden; dass man ihnen keine rumänische Bildung zukommen lässt, weil sie Juden sind, und ihnen darm keine Bürgerrechte gibt, weil sie keine rumänische Bildung haben. Er fährt fort: „Herr Sturdza betrachtet das jüdische Element in seiner Gesamtheit mit einer Abneigung, mit einer abergläubischen Furcht, die jede Art von Grausamkeit rechtfertigt. Diesem fremden Volkskörper gegenüber schweigt sein moralisches Gefühl vollständig und es geht ihm dessen Not nicht nur nicht nahe, sie erfüllt ihn sogar mit Befriedigung. Es war wohl Patriotismus, der den Minister bestimmte, die antisemitischen Krallen tief in den Samt der Pfötchen einzuziehen. Ein Minister spricht in seinem Hause nicht Wahrheiten, sondern Politik, nicht für den Besucher wohl aber zum Fenster hinaus. Das Kabinett Sturdza braucht Geld; Grund genug, seinen Antisemitismus wohl nicht ausser Kraft zu setzen, aber zu verleugnen. Diese Schlüsse fand Dr. Ganz, trotzdem ihm Sturdza gar viel von einer systematischen Hetze ausländischer Blätter gegen seine Regierung und von seiner persönlichen Freundschaft für die Juden erzählt hatte. Diese Schlüsse sind eine schlagende Antwort für diejenigen jüdischen Kreise, die mehr oder minder verhüllt die Ansicht verbreiteten, dass die Auswanderungen rumänischer Juden nicht allein auf die Not, sonden auch hauptsächlich auf zionistische Agitation zurückzuführen sei, die durch das Eindringen östlichen Judenelends in Westeuropa ihre Rechnung finde. Auch Herr Sturdza hat dieser Ansicht Ausdruck gegeben. Alledem gegenüber sei hier festgestellt, dass das gerade Gegenteil der Fall ist. Unsere Kreise haben von einer Auswanderung stets abgemahnt und gewarnt. Jedermann hatte die Gewissenhaftigkeit, von einem Wege abzuraten, dessen furchtbares Elend unsere Mittel nicht lindern können und dessen Ziel, die amerikanischen Schwitzbuden*), uns gar nicht so lockend schien. Aber der Hungrige hat nur einen Ratgeber, das ist der Magen. Und der trieb die Verzweifelten zu Fuss aus dem Kerker. Wir Zionisten spielen weder mit Gewaltstreichen, noch arbeiten wir für eine Partei, sondern unsere ganze Befriedigung schöpfen wir aus dem Wohle des jüdischen Volkes. Diejenigen aber, die dasselbe behaupten, können unmöglich andere Wege gehen als wir, wenn sie weitsichtige Politik treiben wollen. Die paar hilfsbereiten Juden des Westens könnten alle ihre unglücklichen Brüder aus dem Osten nicht beherbergen, pflegen und weiterbringen. Nur der Zusammentritt aller Juden, die nationale Selbsthilfe, ist dem Unglück gewachsen und sie hat ihr vorgestecktes Ziel. Die Anforderungen zu schweren Opfern dauern so lange, als die Wanderungen der Juden dauern. Diese haben aber noch nie aufgehört, seitdem die Juden ihre Heimat verloren haben. U. Zur Lage des jüdischen Proletariats in Mohilew am Dnjepr. Von Sara Rabinowitsch (Freiburg i. B.) (Schluss.) Demselben Menschenüberfluss begegnen wir auch auf dem Gebiete der Güter Produktion. Es genügt nur, die Art der Arbeitsvereinigung zu betrachten, welche hier durch die Not geschaffen wird. Ich wende mich wieder an meine Enquete. Da- *) Siehe Weltchronik: El Dorado.

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