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Die Welt · 1902-08-15 · 33 (15.8.1902) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
33 (15.8.1902)
Article
Wien [Nachricht] / Ivri
Date
1902-08-15
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 ^Die $l Welte* Nr. 33 Arbeiter" veranstalteten am 3. d. M. einen gemeinsamen Ausflug nach Atzgersdorf. Das ungünstige Wetter brachte es mit sich, dass viele Mitglieder nicht teilnahmen. Trotzdem waren 112 Personen erschienen und nahm der Ausflug einen günstigen Verlauf. Im Saale des Restaurant K u b e t z wurden Vorträge abgehalten, von denen speziell die des Kollegen Wilhelm Quartner (Obmannstellvertreter des „Vereines jugendlicher Arbeiter") hervorgehoben werden müssen. Die Kollegen Eisler, Kohn, Schorr und Tepperberg brachten eine kleine Posse: „Der Impresario" überaus geschickt zur Aufführung und wurde auch jedem Darsteller reicher Beifall gespendet. Eine Juxlotterie, sowie amerikanische Auktion gingen flott vonstatten. Unter anderen gewannen zwei Kollegen je eine Bouteille Palästinawein, andere wertvolle Bücher, Porzellanvasen etc. Den Verkauf der Lose, ,sowie der Ansichtskarten (letztere mit Nationalfonds-Marken versehen) besorgten hauptsächlich die Mitglieder Fräulein Priefer und Fräulein Deutsch (vom „Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverein"). Abends* wurde unter den Klängen einer Musikkapelle dem Tanze gehuldigt. Auf dem Rückwege stimmten die Teilnehmer zionistische Lieder an. — Die gelungene Veranstaltung ergab ein namhaftes Reinerträgnis. Ivri. Wien. (Jüdische akademische Verbindung „Unitas".) Die Ferialleitung liegt in Händen des Bb.med. Philipp S ch ö n w a 1 d, X/3, Muhrengasse 30, an dessen Adresse alle Zuschriften zu richten sind. Nädas (Pressburger Komitat). Herr Adolf Reichenthal, Schuldirektor aus Tjrnau und Delegierter des V. Zionisten-Kongresses, hat am 2. d. M. hier einen ausgezeichneten Vortrag über das Wesen des Zionismus gehalten. Der Redner wurde von den zahlreichen Teilnehmern der Versammlung herzlich beglückwünscht. Es steht zu hoffen, dass seine begeisterten Worte nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen sind, indem wir beabsichtigen, unseren vor zwei Jahren gegründeten Verein „Beth Jacob Zion" mit dem neu zu gründenden Zionsvereine in. Tyrnau zu verschmelzen und die ins Stocken geratend Agitationsarbeit mit erneuten Kräften wieder aufzunehmen- A. S c h ü c k. Deutschland. Stuttgart. Am 27. Juli d. J. ist eine zionistische Ortsgruppe von 28 Mitgliedern hierselbst ins Leben getreten. Der Vertrauensmann HerrEmanuel Kaufmann begrüsste die Versammlung und erklärte die besondere Wichtigkeit des Schekels, durch dessen Abgabe wir dokumentieren, dass wir uns mit allen unseren Brüdern solidarisch fühlen, jederzeit ein warm fühlen des Herz und eine offene Hand für dieselben besitzen. Er gab seiner besonderen Freude Ausdruck, hier in .Stuttgart, wo die Assimilationssucht ihr Unwesen in solch starkem Massstabe treibt, das Banner des Zionismus aufpflanzen zu können, und sprach die Erwartung aus, dass die Assimilation swut durch unsere Bestrebungen verdrängt werde. Der Referent des Abends, Herr Lehrer Meyer, setzte in knapper Darbietung auseinander, was der Zionismus erstrebt. An einem passenden Beispiel aus dem täglichen Leben zeigte er, wie grosse Ziele sorgfältigster Vorbereitung bedürfen und dass ein Aufschieben und Zaudern keinesfalls am Platze sei, da man nie wissen könne, was der nächste Tag bringt. Die Schwierigkeit der Aufgabe darf nicht abschrecken, muss vielmehr anreizen. Der Zionismus hat zur Hebung gesunden Selbstbewusstseins und des Solidaritätsgefühls bereits in anerkennenswerter Weise gewirkt und ist geeignet, ein Einigungsband für die gesammte Judenheit zu bilden. Reicher Beifall folgte den Ausführungen des Referenten. Der Vorsitzende gab seinem Bedauern Ausdruck, dass der andere Referent des Abends, Dr. Mann in Ulm, durch Krankheit am Erscheinen verhindert war. (Er hat jedoch ein Referat nach erfolgter Genesung zugesagt.) Herr J. Wolf, ein älterer Stuttgarter Bürger, bekundete daraufhin noch in begeisterten Worten seine wärmen Gefühle für die zionistische Sache und übertrug diese Begeisterung auf alle Anwesenden. Redner bedauerte, dass die vielen Stuttgarter reichen Leute kein Interesse für die grosse Sache bekunden und dass so viele durch Abwesenheit glänzten. Der Vorsitzende bemerkte, dass die Einladungen nur an einen kleinen Kreis ergangen seien und dass grössere Agitationsversamralungen für den Herbst in Aussicht genommen seien. Hierzu haben bedeutende Redner ihre Mitwirkung bereits zugesagt. Endlich wies er auf die grosse praktische Bedeutung unseres Nationalfonds hin. Alle Anwesenden entrichteten den Schekel und beteiligten sich an einer Sammlung für den Nationalfonds. Mit dem Wunsche auf frisches Gedeihen und starke Fortentwicklung unserer jungen Ortsgruppe schloß der Vorsitzende die Versammlung. Der Vorstand besteht aus den Herren: E. Kaufmann-, Bodenheimer und J, Wolf. Nord-Amerika. , Cincinati (Ohio). Vor kurzem hielt der überaus begabte Jargonredner Herr L. H. Miller in unserer Stadt eine Reihe von ebenso fesselnden wie belehrenden Vorträgen über den Zionismus. Herr Miller, der erst 21 Jahre alt und vor kurzem aus Russland eingewandert ist, stellt entschieden alle zionistischen Volksredner, die wir bisher in Amerika gehört haben, in den Schatten. Seine Worte entflammten auch in unserer Stadt, wie überall, wo Herr Miller bisher sprach, die Zuhörerschaft zu heller Begeisterung und gewann unserer Idee viele neue Anhänger. Simon Hilf, Sekretär des Vereines „Ohave Zion". Südafrika. Bulawayo. Die halbjährige, unter dem Vorsitze des Präsidenten Mr. J. Joseph stattgehabte Generalversammlung der „Chovevi Zion" verlief sehr interessant. Rev. M. J. Cohen hielt eine Vorlesung, betitelt : „Der Zionismus und Bulowayo". Derselbe wird in einer von der „South African Zionist Federation" demnächst herauszugebenden Flugschriften-Serie publiziert werden. Der Bericht des Vorstandes skizziert die Tätigkeit der hiesigen Zionisten, auf welche diese stolz sein dürfen. Die von unserer Gesellschaft gegründete Lesehalle ist zum Mittelpunkte der jüdischen Bevölkerung geworden. Es wurde ferner beschlossen, sich der S. A. Federation vollkommen anzuschliessen und # 50 dem Nationalfonds zuzuwenden, ferner zur Förderung der Progaganda ein Damen-Subkomitee zu gründen, das wie folgt zusammengesetzt wurde: Präsidentin Mrs. A. J a c o b s, Vizepräsidentin Mrs. J. Falk, Schatzmeisterin Miss Franks, Sekretärin Mrs. P. Neve, Komitee Mrs. M. Horvicz und Mrs. J. Spafzon. ^euillefoi). Die Kleidermacherin. Eine Erzählung aus Russland. Mit teilweiser Benützung eines fremden Motives von N. Golant. (Nachdruck verboten.) (Schluss.) „Bravo! Bravo! Grossartig, Sophia Borissowna, herrlich, unvergleichlich!" rief eine Schar begeisterter Stimmen im Salon des Bankiers Schwarzmann. „Singen Sie, Sophia Borissowna, uns noch etwas vor, lassen Sie uns nochmals an dem süssen Klange Ihrer Stimme Gefallen finden," baten die Jünglinge, Sophia Borissowna umringend. Und wiederum erklangen die einschmeichelnden Töne eines reizvollen Liedes, die in der Nachtluft ein Echo fanden und im Erdgeschosse dumpf widerhallten. Noch waren die Toiletten des Fräuleins Schwarzmann nicht fertig. Die Schösse waren bereits genäht, die Leiber mussten aber erst gemacht werden. Wohl hatte Basja-Gitel noch zwei Tage Zeit, aber der heutige Tag konnte nicht recht gut als voller Arbeitstag verwendet werden. Es war nämlich der Kasttag Tischo-Beow, und Basja-Gitel musste ins Bethaus und auf den Friedhof gehen. O, dieser Friedhof! Dort lag ja ihr Chaim, der hier auf Erden keine Ruhe kannte, der bei Lebzeiten gehetzt wurde, der sogar mit unsäglichem Kummer im Herzen über die Hilflosigkeit der Seinen von diesem Leben Abschied nehmen musste.,. Und mühsam schleppte sich Basja-Gitel auf den Friedhof. Fast alle Bewohner der Judengasse pilgerten ohne Fussbekleidung nach dem Gottesacker, aber Basja-Gitel ging einsam dahin, als wollte sie in ihren traurigen Gedanken

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