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Die Welt · 1902-08-15 · 33 (15.8.1902) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
33 (15.8.1902)
Article
In Angelegenheit der Palästina-Ethrogim
Date
1902-08-15
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr.: 88 JDie'"'$ W@8t6£S Seite 9 griechische Ethrogim nicht als palästinensische feilgeboten werden sollen, wie es leider von den Händlern seit Jahren innner häufiger und ausgedehnter praktiziert wird. Zum Schlüsse möchte ich die Aufmerksamkeit auf meinen soeben bei A. H. Zupnik in Drohobycz erschienene Flugschrift „Der Ethrog" (im Jargon) lenken, die sich zur Agitation in Sachen der Palästina-Ethrogim (ich darf dies wohl, ohne unbescheiden zu sein, sagen) recht gut eignet. An unseren Gesinnungsgenossen allerorten ist es, die Propaganda rechtzeitig und mit aller Energie zu betreiben und den Anregungen, die in der gesinnungsgenössischeln Pa-esfcse gegeben wjerdeni, Aufmerksamkeit zuzuwenden. * Jüdische Handelsangestellte! Kollegen! Abermals ergeht an Euch der Ruf zur Organisation Der „Verein jüdischer HandelsangesteMter', der nach der Sachlage von heute dazu berufen erscheint, die Führung der jüdischen Gehilfenschaft speziell auf dem so heiss umstrittenen Wiener Boden zu übernehmen, tritt demnächst als neuer Kämpfer auf den Plan, bereit, für Eure Interessen mit aller Umsicht, aller Energie und Tatkraft einzutreten. Nicht Ueberhebung ist es, was uns zur Gründung dieses neuen : Vereines veranlasste, nicht blosse Lust an leerer Vereinsmeierei, sondern die Liebe zur Sache selbst, insbesondere aber die Ueberzeug u n g, dass die jüdische Gehilfenschaft Wiens eines Sammelpunktes dringend bedarf, welcher jedem Kollegen, dem Volkstum und Standesehre kein leerer Schall ist, Aufnahme in unsere Reihen sichern soll. Der „Verein jüdischer Handelsang e s t e 1 i t e r<£ in Wien wird im engsten Anschluss an die Organisation in der Provinz unseren wirtschaftlichen Forderungen den grösstmögiichsten Nachdruck verleihen. Auf dem Gebiete der Stellenvermittlung wird dieser Verein besonders E r f o 1 greiches zu leisten imstande sein. Ferner werden die verschiedensten Vorteile für die Mitglieder geplant, zum Beispiel Rabattbewiligung bei Einkäufen, Begünstigungen beim Besuche von Theatern etc. Weiteis soll den Kollegen eine Stätte der Geselligkeit und Fortbildung, sowie unentgeltlicher R e c h t s s c h u t z geboten werden. Kollegen! Wenn unsere Bestrebungen wirklich von Erfolg gekrönt sein sollen, ist es notwendig, dass jeder jüdische Handelsangestellte den Verein durch seinen Beitritt stärkt. Jeder Kollege, der die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Oesterreich mit klarem Auge beobachtet, der sich sein Selbstbevvusstsein, seine Ehre erhalten möchte, der im schweren Kampfe als wirtschaftlich Schwächerer und als Jude zugleich brüderliche Unterstüzung und Kräftigung sucht, der sich noch etwas Liebe zu seinem jüdischen Volke bewahrt und dessen Not mitiindern will, wird und muss sich uns anschliessen. Einigkeit und Brudersinn führen uns zum Ziele hin! Der vorbereitende Ausschuss. Jüdische Zeitschriften werden um g efälligenNachdruckobigenAufrufes ersucht! An die verehrlichen Vorstände der jüdischen Vereine richten wir das ergebene Ersuchen um Bekanntgabe von Adressen ihrer Mitglieder, die im Handelsstande beschäftigt sind. Alle den Verein betreffenden Zuschriften (Beitrittserklärungen etc.) sind bis auf Weiteres zu richten an Kollegen Leo Wurmann, Wien, IL Bez., Scholzgasse 6. * Olmütz den 10. August 1902. Am 26. und 27. Juli hielten wir, die A. H. A. H. der akademischen Verbindung „Libanonia" in Wien, unseren ersten Konvent ab, dem unser lieber A. H. Doktor med. W o 1 f präsidierte. Das Referat erstattete A.H. Doktor Frey, zum Kassier wurde Assistent an der k. k. tierärztlichen Hochschule in Wien A. H. Dr. Wohlmuth gewählt. Wir beschlossen, uns an die gleichgesinnten Verbindungen Oesterreichs und der Nachbarstaaten behufs Gründung eines gemeinsamen A. H. A. H.-Verbandes zu wenden, um in wichtigen Verbindungsangelegenheiten, als auch in politischer und agitatorischer Beziehung gemeinsam vorzugehen und auf diese Weise auf die zionistische Entwicklung der jungen Verbindungsgeneration Einfluss zu nehmen, die A. H. Ä. H. der Verbindungen zur aktiven Betätigung der zionistischen Partei heranzuziehen, ein Mangel, der sich bisher sehr stark fühlbar machte, andererseits um in engerem Kontakte mit dem A. C. und unseren Führern zu stehen. Fritz Poll ak, A. H. d. „Liban onia". * P. T. Den Versuch, eine bedeutende Lücke in unserer zionistischen Propaganda auszufüllen, unternimmt der „Jüdische Verein jugendlicher Arbeiter in Wien". Im Auftrage dieses Vereines werden nämlich einzelne, sowohl bereits bekannte, als auch neue zionistische und j üdische Volksliederzu billigenPreiseu herausgegeben. Die erste Nummer dieser Liedersammlung erscheint am 25. August d. J. und enthält: „Auf, mein Volk!" in deutscher und „Od 1 o o w d o" (Hatikwoh) in hebräischer Sprache. Preis pro Exemplar (2 Lieder) 4 Heller, 100 Stück samt portofreier Zusendung 4 Kronen. Weniger als 100 Exemplare werden nicht'verschickt. Bestellungen gegen vorherige Einsendung des Betrages sind zu richten an Herrn Arthur Stefansky, Wien, IL, Nickelgasse 1. * Hilferuf! Am 1. August laufenden Jahres brach in unserer Gemeinde, die grösstenteils von Juden bewohnt ist, ein furchtbarer Brand aus, der sich zur schrecklichsten Katastrophe gestaltete. 80 Häuser wurden ein Raub der Flammen, und das Hab und Gut ihrer Bewohner wurde eingeäschert. Gewerbetreibende, die von ihrem Handwerke lebten, verloren ihre Einrichtung und ihr Werkzeug, und zugleich die Möglichkeit ihres weiteren Erwerbes. Kaufleute büssten ihre Waren ein, ohne solche irgend welcher Assekurranzgesellschaft versichert zu haben. Schrecklich ist das Unglück, furchtbar das Elend. Zirka 400 Seelen sind obdach- und brotlos geworden und haben weder Brot noch die notwendigsten Kleidungsstücke. Sollte nicht schleunigst Hilfe geschaffen werden, müssten die Unglücklichen zugrunde gehen. Das gefertigte Komitee erlaubt sich daher, alle edeldenkenden Menschen um Hilfe anzurufen, mit der dringendsten Bitte, zur Linderung der herrschenden Not und zur Steuerung des Elends ihr Scherflein beitragen zu wollen. Ist die ökonomische Lage unserer Stammesgenossen in diesem Lande im allgemeinen eine schreckliche, erreichte die Lage unserer Abbrändler hier den Kulminationspunkt. Rasche Hilfe ist nötig. „Bis dat qui cito dat". Burdujeni Jed. Bottuschani (Rumänien). Für das Hilfskomitee: Rabb. L. M. L a n d a u aus Bottuschani. Geldsendungen sind zu richten an Herrn Abraham Wechsler, Burdujeni Jed. Bottuschani (Rumänien). •* Aufruf! Bremen, Juli 1902. Infolge der täglich steigenden Zahl jüdischer Auswanderer, die aus Kussland., Galizien und Rumänien ihren Weg über Bremen nehmen, sieht sich das unterzeichnete Komitee veranlasst, die sehr ergebene Bitte an Sie zu richten: demselben etwaige abgelegte Kleidungsstücke jeglicher Art zum Zwecke der Verteilung an die armen Auswanderer und Durchreisenden gütigst zu überweisen. Seit dem Bestehen des hiesigen Hilfskomitees hat dasselbe neben Geldunterstützungen und Beköstigung armer Auswanderer hauptsächlich auch darauf sein Augenmerk gerichtet, dass die bedauernswerten Hilfsbedürftigen tunlichst anständige Kleidung erhalten., die sie dringend benötigen. Durch die Munifizenz edler Spender kannte das Komitee im vorigen Jahre nicht allein 1845 Personen beköstigen und Mk. 2688,50 an Reisezuschüssen gewähren, sondern auch 500 Personen konnten mit anständiger Kleidung versehen werden.

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