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Die Welt · 1902-08-15 · 33 (15.8.1902) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
33 (15.8.1902)
Article
Das Wirken der "Alliance" nach dem letzten Jahresberichte
Date
1902-08-15
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 33 *Die # Welt" Seite 3 zur Voraussetzung. Daher auch die Eevolutionskriege. Sollen die Juden ihre Kechte als Menschen gemessen, so müss! in erster Linie dafür gesorgt werden, dass ihre Eechte als Nation anerkannt und gewahrt werden. Den Hechten und den Wünschen der jüdischen Nation trägt die Alliance keine Rechnung; den Juden als Angehörigen eines jüdischen Volkes w i 11 sie nicht helfen, daher kann sie auch nicht den Juden als Menschen zu ihren Rechten verhelfen. Der Zionismus, der die Juden als eine Nation betrachtet, kann deshalb auch das Werk zu Ende führen, das der Alliance misslingen musste. Bs wird nicht auf Grund von Experimenten die Judennot zu heben suchen, sondern auf Grund der Erfahrung, dass die Wohlfahrt des einzelnen im allgemeinen von der Wohlfahrt seines Volkes abhängig ist. Der Zionismus lehrt die Juden nicht, wie Herr Leven im diesjährigen Jahresbericht ergreifend meint, „abgesondert zu leben, in einer kaum bestimmten Gegend einen Staat zu gründen, in dem sie tatenlos existieren könnten". Er lehrt sie nicht, sich von den anderen Völkern zu isolieren, sondern sich von ihnen zu differenzieren oder wenigstens different zu bleiben; er fordert sie auf, als Nation zu handeln, denn nur als Nation werden sie mit Aussicht auf Erfolg für Freiheit, Recht und Zivilisation eintreten können, der gesamten Kulturwelt, aber auch sich selbst zum Heil. Der Zionismus und die Christenheit. Von Josef Michaelsen (Kopenhagen). Die sogenannte „Innere Mission" hier zu Lande ist die äusserste Kechte der lutherischen Orthodoxie. Dieselbe ist also keine Sekte, geriert sich aber als solche und liegt in fortwährendem Streite mit der Hochkirche, welche sich vergebens bemüht, ihre Streiche zu parieren. Die Mission hat einen grossen Zulauf, namentlich — doch keineswegs allein — von den niederen Klassen des. Volkes, sie hat Kolporteure in Menge, zahlreiche Versam.mlungshäuser, sowie bedeutende Einnahmen und ist auf dem besten Wege, gine Macht zu werden. Die Hauptstadt selbst, die lange ihre Pforten vor jenem Eindringling verschlossen hatte, hat dieselben jetzt öffnen müssen und die Mission hat daselbst eine Tageszeitung „Christeligt Dagblad" gegründet, die zur Zeit ihren 6. Jahrgang erlebt. In eben diesem Blatte, das unbeirrt von den bald ernsthaften, bald ironischen Angriffen der Gegner seinen Weg geht, hat ein ebenso strenggläubiger wie feingebildeter, humaner und toleranter Christ, Pastor emer. Aschlund einen Artikel über die „Wiederaufrichtung des Judenvolkes" geschrieben, in welchem er den Zionismus als eine eminent christliche Aufgabe proklamiert. Ein derartige Thesis seitens eben dieser Eichtung verdient unseren Gesinnungsgenossen nicht vorenthalten zu werden. Der christliche Prediger schreibt, wie folgt: Die Wiederherstellung des Judenvolhes. „Dass das jüdische Volk wieder erstehen wird in seiner Eigenschaft als Volk, darüber dürfte vermutlich weder bei Juden, noch bei Christen der geringste Zweifel obwalten. Sollte dies dennoch der Fall sein, so ist dieser Umstand einzig und allein eine Folge eines unseligen Unglaubens, der den Glauben an Moses und die Propheten erschüttere. Man glaube aber oder nicht, es wird dennoch so geschehen und warum? „Weil Gott es will!" — Als der Euf: „Gott will es!" zum erstenmale auf dem Kirehenkonvent zu Clermont laut wurde, ward die ganze Christenheit von Begeisterung ergriffen, die Ausdruck fand in den gewaltigen, welthistorischen Ereignissen, die wir die Kreuzzüge nennen. Damals war man aber auch so weit davon entfernt, an eine Wiederaufrichtung des Judenvolkes zu denken, dass die Christenheit gerade diese Zeit zu den grausamsten Misshandlungn der Juden benützen durfte. — Wie wäre es doch zu wünschen, dass Juden und Christen von ähnlicher Begeisterung ergriffen würden, wie jene in Clermont zum Ausdruck gekommene Begeisterung, für eine Sache, von welcher wir mit ungleich grösserer Gewissheit die an und für sieh masslos dreisten Worte aussprechen dürfen: Gott will es! Gott will die W i e d e r a u f r i c htung des Judenvolkes als Nation! Soll dies aber geschehen, soll das jüdische Volk nicht allzeit ein Volk ohne Land sein, so muss es wieder in den Besitz eines eigenen Landes kommen, und welchen Landes denn, wenn nicht des seiner Väter? In Verfolg dieses grossen Zieles unter den Juden ist eine gewaltige Bewegung entstanden, die wir unter dem Namen „Zionismus" kennen, eine Bewegung, der aber die Juden Dänemarks bisher leider gänzlich indifferent gegenüberstehen. Doch scheint das Eis auch hier schon in Aufbruch zu kommen. Vor mir liegt eine Nummer (Nr. 15) des zionistischen Hauptorgans „Die Welt% in der u. a. ein Artikel über die Juden Dänemarks aus der Feder des ehemaligen Postmeisters . Joseph M i c h a e 1 s e n enthalten ist. Es scheint aus diesem Artikel hervorzugehen, dass nicht nur er selbst die Sache mit Begeisterung erfasst hat, sondern dass er die Hoffnung hegt, dass dasselbe über kurz oder lang der Fall sein wird mit vielen anderen seiner Glaubensgenossen hier zu Lande, z. B. Moses Melchior, Georg Brandes u. a. m. Möchte doch eine ähnliche Begeisterung das Christenvolk ergreifen! Nun, Gott sei gelobt, es fehlt nicht an Zeichen, die den kommenden Frühling verheissen. — In Frankreich hat Gustav Krüger schon seit vielen Jahren dem Zionismus das Wort geredet in der von ihm redigierten Monatsschrift „Le Eeveil d'Israel". Dasselbe ist der Fall in der Schweiz. Ich erinnere nur an Prof. He man in Basel, namentlich dessen vorzügliche Schrift: „Des Erwachen der jüdischen Nation", an Pastor D o 1 m a n in Wandsbeck und seine Monatsschrift: „Die Hoffnung Israels". — Weiter habe ich vor mir liegen eine andere Nummer der „Welt" (Nr. 16) mit einem ausserordentlich interessanten Artikel mit dem Titel: „Wie uns andere sehen", in welchem die rühmlichst bekannten Schriftsteller ßidder Haggar d und Charles Kead für die grosse Bewegung beredt das Wort ergreifen." Soweit der Verfasser, der glücklicherweise mit Leichtigkeit viele andere der gläubigen und nichtgläubigen Christen hätte nennen können, die dem Zionismus mit der grössten Wärme das Wort geredet haben. Wenn nun aber spezifisch orthodox-1 utherische Kreise der Wiederherstellung der jüdischen Nation, der sie ihr Bestes schuldig sind, sich mit dankbarer Sympathie zur Seite stellen, wenn es sieh bewahrheitet, was ich aus den allerbesten Quellen zu behaupten imstande bin, dass die obersten Leiter der katholischen Kirche dem Zionismus gegenüber sich neutral zu verhalten entschlossen sind, so bietet sich hier ein Prospekt vor den Augen, der uns Zionisten mit freudevoller Hoffnung erfüllen muss: Erstens ist ja jeder Anschluss an den Zionismus seitens der christlichen Welt von der allergrössten Bedeutung für die endliche Lösung unserer grossen Aufgabe, da doch u. a. die Regierungen der Grossmächte, deren Beistand und Garantien für die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina wir nicht entbehren können, eben derselben christlichen Welt angehören. Ein solches aktives Eingreifen aber seitens der Regierungen ist von einer starken öffentlichen Meinung bedingt, und alles muss daher eingesetzt werden, um eine solche öffentliche Meinung wachzurufen, wie auf der anderen Seite jede Andeutung davon,

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