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Die Welt · 1902-08-08 · 32 (8.8.1902) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
32 (8.8.1902)
Article
Karlsbad [Nachricht]
Date
1902-08-08
Page
12 (sequence 1)
Language
German
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Seite 12 „Die # Welt" Nr. 32 Berichte. Oesterreich-Ungarn. Karlsbad. Am 8. Juli d. J. fand hier im Hotel „Terminus14 die erste der von den Karlsbader Zionisten zum Zwecke der Sommeragitation geplanten Veranstaltungen statt Der mit zionistischen Emblemen und Bildern geschmückte Saal war von über 150 Personen, fast lauter Kurgästen, dicht besetzt, jur. O. Teinowltz eröffnete im Namen der Karlsbader Zionisten die Versammlung. Nachdem hierauf jur. Rob. Neubauer zum Vorsitzenden und Teinowitz und F. Steiner zu Schriftführern gewählt worden waren, ergriff der Referent Dr. H. Benedikt aus Wien, Mitglied des Landeskomitees, das Wort zu seinem Vortrag „Das Wesen des Zionismus". Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. — An der hierauf folgenden Debatte beteiligte sich infolge der vorgerückten Stunde von der Gegenseite lediglich Herr Grünbaum aus Nürnberg, der das Heil der Juden einzig in der strengsten Orthodoxie erblickt. Ihm wurde sowohl vom Referenten, als von Herrn Postkontrollor Auerbach, der als religiöser Jude für den Zionismus eintritt, die gebührende Antwort zuteil. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen. Die Sammlung für den Nationalfonds ergab ein gutes Resultat. Kremsier. (Akademischer Ferialverein „Ossid".) Die Neuwahlen der Chargen ergaben folgendes Resultat: phil. Oskar Fr an kl, Präses; jur. Otto Müller, Vizepräses; techn. Max S c h w o n e r. Schriftführer. Mähr.-Ostrau. Die Chargen wählen der jüdisch-akademischen FerialVerbindung „Hessiana" ergaben folgendes Resultat : cand. jur. Rudolf Glücklich X, cand. ing. Ferdinand Löwy XX» cand, ing. Felix ZweigenthalXXX- Krakau. Das Distrikts-Komitee Westgaliziens hielt seine erste konstituierende Sitzung am 25. Mai d. J. in Krakau ab. Von Seiten der am II. Zionisten-Tage in Bielitz ernannten drei Herren D.-K.-Mitglieder werden weitere vier Herren kooptiert und besteht sohin dasD.-K. aus folgenden Herren, di« gemäss § 9 des österreichischen Original- Statutes vom L.-K. bestätigt werden; Adv.-Kand. Dr. Ludwig Goldwasser, Ob n ann; Simon Pelz, Kaufmann, Obmann-Stellvertreter; Adv.-Kand. Dr. Hermann Syrop, 1. Sekretär; Paul R i e s e r, Bankbeamter, IL Sekretär; stud. med. Heinrich Hi 1 fs t ein, Kassier; Heinrich Baudet, Privatbeamter, Kassier-Stellvertreter; Adv.-Kand. Doktor Michael L e h r fr e u n d. Nach Annahme einer Geschäftsordnung wurde gemäss den Bestimmungen derselben die Bildung von fünf Sektionen des D.-K. beschlossen und übernehmen die diesbezüglichen Aufgaben folgende Herren: Als Referenten des D.-K. Dr. Syrop und Dr. Lehrfreund; Broschüren und Press-Sektion Rieser; Agitation und Olganisation Hilf stein und Baudet; Finanzen Pelz und Dr. Goldwasser, Wirtschaftliches Dr. Goldwasser und Dr. Lehrfreund Statistisches. Die einzelnen Sektionen werden durch Kooptation ausserhalb des D.-K. ergänzt und sind beratende, sowie Vollzugsorgane des D.-K. Es wurde schliesslich beschlossen, ei^en Aufruf an alle Vereine und Vertrauensmänner des Distriktes auszusenden, beziehungsweise in einzelnen Ortschaften Vertrauensmänner zu ernennen und damit den ersten Schritt zur Organisation der Provinz vorzunehmen. Kossow. Die hiesigen Zionisten hatten vor kurzem einen recht frohen Tag. Ihr tätiger Anführer und Vereinsobmann Herr David Eltiss wurde fast einstimmig zum hiesigen Bürgermeister gewählt. Die Beliebtheit dieses Mannes machte dessen Wahl zur Freude aller Volksschichten. Es muss aber auch hervorgehoben werden, dass er dieses schwere, das strengste Gewissen erfordernde Mandat erst nach vielem Zögern und Beraten anzunehmen sich entschlossen habe. Wir hoffen, diesen unseren lieben Zionsführer bei der nächstens stattfindenden Kultuswahl auch als unseren Kultusvorstand zu begrüssen. S am. A. Häusler. Wien. Der „Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter" hielt am 27. Juli im Kongressbureau seine dritte ordentliche Generalversammlung ab. Der bisherige Obmann G r ü n h u t eröffnete die überaus stark besuchte Versammlung und besprach den Stand des vor einem Jahre gegründeten Vereines. Aus dem Rechenschaftsberichte ist u. a. zu entnehmen, dass die Organisation gegenwärtig 105 Mitglieder zählt, 21 Vereinsabende, 3 grosse öffentliche Versammlungen, eine Purimfeier, zwei Ausflüge und eine Exkursion im letzten halben Jahre veranstaltet hat. Der Verein beteiligte sich an allen zionistischen Veranstaltungen und war auf dem österreichischen Zionistentage in Bielitz durch einen Delegierten vertreten. Vereine jüdischer jugendlicher Arbeiter wurden nach Wiener Muster gegründet in Warschau, Brünn, Olmütz, in Gründung begriffen sind solche in Prasr, Mähr.-Ostrau, Brody, sowie im IX., XVI.., XVII. und XX, Bezirke in Wien. Die Einnahmen betrugen K 156-30 (davon K 70.— Mitgliedsbeiträge ä 20 Heller monatlich), Ausgaben K 151. . In die Vereinsleitung wurden mit grosser Majorität gewählt: Obmann Kollege Julius K ö r p n e r; Stellvertreter Wilhelm Quartner; I. Schriftführer Siegmund Jellinek (neu); II. Schriftführer Emil W o 11 n e r (neu); Kassier Wilhelm Lustgarten; Bibliothekar Markus Schwalb; Ausschussmitglieder ohne Funktion Bernard G r ü n h u t, Saul L ö f f 1 e r, Gabriel Reiss (neu) und Hermann Str auss (neu): Kassarevisoren Bernhard Aschkenas (neu) und Nathan Blaukopf (neu); Proponenten für die Ortsgruppe Ottakring Adolf Morgenstern, Otto Simm, Karl Weiss; für die Ortsgruppe Brigittenau Wilhelm Eis 1 er, G§za Klinger und Moriz To 1 c zin e r. Zuschriften sind bis auf weiteres an Koll. Julius K ö r p n e r, II, Novaragasse 17, zu richten. .....t. Schweiz. Zürich. In diesen Tagen fand hier — für die Schweizer Juden ein Novum atque inauditum — in einer Synagoge eine zionistische Volksversammlung statt. Der Vorstand der Synagoge des Stadtteiles Aussersihl gewährte der zionistischen Ortsgruppe in seinem Gotteshause Gastrecht. Herr Dr. Pinczower, der die Versammlung eröffnete, dankte dem Synagogen-Vorstande für seine Bereitwilligkeit. Wir Zionisten pflegten sonst nicht in den Schatten der Synagoge zu flüchten. Denn gerade mit der falschen Vorstellung wollten wir brechen, dass die Synagoge der einzige Ort sei, an welchem wir uns als Juden fühlen sollten. Andererseits aber scheuten wir uns nicht, an diesen heiligen Ort zu kommen. Wir seien stolz darauf, behaupten zu können, dass wir auf den Schultern derjenigen stehen, die die grossen Lehrer unserer Religion waren, und keiner falschen Disputierkunst werde es gelingen, zwischen den Lehren unserer Religion und den Ideen des Zionismus einen Gegensatz zu konstruieren. Wo käme besser die Idee der Gemeinbürgschaft, der Stammeszugehörigkeit aller Juden zum Ausdruck, als in dem uralten Gebet, das ergreifend um „Befreiung aus Not und Gefangenschaft für alle unsere Brüder, das ganze Haus Israel" fleht. — Darauf nahm Herr Dr. Farbstein das Wort, um in meisterhafter Art Entstehungsgeschichte, Wesen, Ziele und Institutionen des Zionismus klarzulegen. Er bewies, wie aus den vielen misslungenen Versuchen der Klein-Kolonisation die Lehre abstrahiert wurde, dass nur in der planmässigen, von den gesetzgebenden Faktoren gebilligten, unter Beachtung der Resultate, die die Sozialwissenschaft gezeitigt, durchgeführten Besiedlung Palästinas im grossen, ein Weg zur Lösung der Judenfrage gefunden werden könne. Daran knüpften sich Erörterungen über die Einrichtungen der zionistischen Partei, die Organisation, den Schekel, die Bank und den Nationalfonds. Dr. Farbstein schloss seine mit grossem Beifall aufgenommene Rede mit einem Appell zur allgemeinen werktätigen Teilnahme an den Arbeiten des Zionismus. Angesichts des herannahenden Taanith-Zibur (17. Tamus) möge man sich jener anderen echten „Gemeinde-Festtage" erinnern, Festtage, die buchstäblich von ganzen Gemeinden des Ostens „gehalten6' würden, weil unseren dortigen Stammesgenossen trotz des schweren Ringens versagt bleibt, für sich und ihre Kinder das tägliche Brot zu erlangen. An der nun folgenden Diskussion beteiligte sich Herr Malinski, Vorstand der Aussersihler Synagoge, der auch seinerzeit die Gemeindemitglieder zum Beitritt zur zionistischen Ortsgruppe aufforderte. Die Versammlung bedeutete einen grossen inneren und äusseren Erfolg. Russland. Rostow a. Donn. Vorige Woche besuchte der ausgezeichnete Jargonredner Herr Jewserow unsere Stadt und sprach durch vier Abende in der Handwerker-Synagoge und an einem Abend in der Soldaten-Synagoge über den Zionismus. Die Synagogen waren totz der tropischen Hitze übervoll und der Redner sprach jedesmal länger als vier Stunden unter gespanntester Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft. Um Herrn Jewserow unseren herzlichsten Dank auszudrücken, hat das hiesige Komitee 3 Rubel zu Ehren des Herrn Jewserow für den Jüdischen Nationalfonds gespendet und beschlossen, Herrn Jewserow durch die „Welt* und durch „Hameliz" den herzlichsten Dank der hiesigen Zionisten und des Zentral-Komitees auszusprechen. S. K e i n a r s k y, Sekretär des Zentral-Komitees,

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