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Die Welt · 1902-08-08 · 32 (8.8.1902) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
32 (8.8.1902)
Article
Ein Exzess gegen Juden in New-York
Date
1902-08-08
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 32 „Die # Welt" Seite 9 warfen sich viele im Schmerz vor den Wagen. Die Polizei konnte nur mühsam dem Zuge den Durchlass verschaffen und viele Unglücksfälle kamen vor. Als der Kondukt dann zu den Druckmaschinen-Werken der Firma Hoe gelangte, warfen antisemitische Angestellte Kübel voll Wasser auf die Teilnehmer des Leichenzuges, Die entrüsteten Juden stürmten die Fabrik und demolierten das untere Stockwerk, während die Angestellten mit Hilfe der Feuerspritze die oberen Geschosse verteidigten. Weitere Verwirrung entstand, als die Polizei eingriff. Ein entsetzliches Handgemenge entstand, wobei hunderte zu Boden geworfen und getreten wurden. Viele Verwundete mussten zum Spital getragen werden. Zwei Polizisten und mehrere Juden wurden tödlich verletzt. Die Firma Hoe sprach ihr tiefes Bedauern über den von ihren Angestellten verschuldeten Zwischenfall aus. Zur Frage der Einwanderung in Südafrika wird folgende offiziöse Depesche veriautbart: Der Kommandant von Durban gibt bekannt, dass Passagiere in Laurenco-Marquez nicht landen dürfen, wenn sie nicht 20 Pfund Sterling deponieren; sie müssen einen Erlaubnisschein zum Betreten Transvaals haben oder sich binnen acht Tagen eine Beschäftigung verschaffen, widrigenfalls sie ausgewiesen werden. Zionistisches Tennis-Turnier. In Philadelphia findet gegenwärtig ein Tennis-Match statt, an dem sich nur Zionisten beteiligen dürfen. Bravo! Die Fruchtbarkeit der Rassenkreuzungen. „In den Ehen zwischen „arischen" Männern und jüdischen Frauen kommen auf eine Eheschliessung nur 1*70 bis 183 Geburten, in solchen zwischen jüdischen Männern und arischen Frauen sogar nur 1*52 bis 1*58 Geburten, während auf eine rein arische Eheschliessung 4*68 bis 4*40, und auf eine rein jüdische 4-57 bis 377 Geburten im Jahresdurchschnitt fallen. Die Rassenkreuzungen sind also weniger fruchtbar." (R u p p i n, Jahrbuch für Nationalökonomie und. Statistik. 23. Band, 2. Heft, Seite 374.) Jüdisches Theater in London. Der Osten von London, der Sitz der jüdischen Volksmassen, hat bekanntlich sein eigenes ständiges jüdisches Theater in der Vorstadt Hackney. Nun ist auch im noblen Westen das Princess-Theater in der Oxford Street [für den 2., 4%, 5. und 1). August von einer „Jüdisch-orientalischen Opern- und Theater-Gesellschaft" gemietet worden, um unter A. Goldfadens Leitung an diesen Tagen dessen folgende Stücke zur Aufführung zu bringen: „Bar Kochba", „Rebekka oder ein Funke Judentum", „Der Held" und „Korans Schätze". Rumänische Emigranten in Wien. Der Durchzug der jüdischen Auswanderer ans Rumänien durch Wien findet noch immer seine Fortsetzung, und wenn man sich an manchen Vormittagen.in den Gepäcksraum des Nordwestbahnhofes begibt, so kann man dieses ergreifende Stück menschlichen Elends dort immer von neuem beobachten. Eine düstere Schar, die der Jammer und die Not aus ihren Schlupfwinkeln getrieben und gezwungen hat, einen neuen schweren Kampf ums Dasein zu beginnen, findet man dort versammelt. Aus den Augen mit dem erloschenen Glänze, aus den hohlen Wangen und abgezehrten Mienen spricht der Hunger und das Elend. Hier ist die erste Etappe dieses jammervollen Menschenzuges. Nach einer kurzen East geht es dann fort, immer weiter und weiter in die Ferne, ins Ungewisse. Zusammengepfercht in den Eisenbahncoupes, eingezwängt zwischen kleinen Kindern und Gepäckstücken, setzen die Auswanderer die Reise in heisser Sonnenglut und ohne Aufenthalt stunden- und tagelang fort. Eine solche Mitleid erregende Truppe war auch Montag vormittags auf dem Nordwestbahnhofe zu finden. Die Auswanderer waren morgens um 6 Uhr auf dem Staatsbahnhofe angelangt und wurden dort von dem Vertreter der „Alliance israelite", Herrn Jellinek, erwartet. Derselbe brachte sie in Stellwagen auf den Nordwestbahnhof, labte und speiste sie, versorgte sie mit Fahrkarten bis nach Rotterdam und überwachte ihre. Abfahrt. Nur wenige Männer waren bei dieser Gruppe, es waren fast durchwegs Frauen und Mädchen und dabei Kinder bis zum zartesten Säuglingsalter. Ermattet und erschlaffe von der Nachtfahrt, sassen die Frauen auf ihren Gepäcksbündeln, mit stumpfen, stieren Blicken vor sich hinstarrend; die harmlos spielenden Kinder um sie herum bildeten dazu einen ergreifenden Kontrast. Die meisten Frauen hatten Gatten und Brüder in den Vereinigten Staaten, in Chicago, in Philadelphia und in New-York, manche auch in Kanada; hilf- und schutzlos hatten die Männer vor zwei Jahren ihre Frauen und Kinder zurücklassen müssen und diese waren inzwischen oft dem Verhungern nahe gewesen. Durch rastloses Bemühen war es den Männern endlich gelungen, über dem grossen Wasser Erwerb zu finden; denn sie sind nüchterne, tüchtige Handwerker. Jetzt rufen sie nun ihre Familien aus der Heimat, welche auf diesen Ruf schon voll Sehnsucht gewartet haben. Doch nicht allen ist dies bessere Los beschieden, viele ziehen mit, weil es ihre letzte Zuflucht ist, da man ihnen in Rumänien jeden Boden für eine Existenz gewaltsam entzogen hat. Zu diesen Unglücklichen gehörten in der Montag hier angekommenen Schar zwei Greise, die nicht mehr weit von den Siebzig entfernt sind. Sie haben ihr redliches, ehrliches Handwerk bis jetzt ausgeübt und sich davon genährt; der unduldsame Zwang der Fremdengesetze hat nun ihre Existenz vernichtet und zerschlagen. Sie müssen auf ihre alten Tage den Wanderstab in die zitternden, morschen Hände nehmen, weil ihnen sonst der Hunger die Kehle zuschnürt. Diese Greise mit den silberweissen Barten, die nun hinausziehen müssen, um am Rande des Grabes ein neues Leben zu gründen, boten ein besonders ergreifendes Bild. Um halb 11 Uhr kommt plötzlich Bewegung in die ungefähr 100 Personen zählende Gruppe. Das Tor. zum Perron wird geöffnet. Mit schweren Bündeln beladen, sieht man Frauen und Kinder in übergrosser Hast den Waggons zustürzen. Ein Jammern und Schreien erfüllt den Raum, und bald sieht man längs des Zuges Mütter und Kinder hin- und herlaufen, da sie in der Verwirrung und Aufregung einander verloren haben. Endlich sind sie einwaggoniert, und der Zug setzt sich in Bewegung. Bücher und Zeitschriften-Rundschau. Jüdischer Voikskalender für das Jahr 5663. (Verlag „Jüdische Volksatimme" in Brünn. Preis 70 Heller exkl. Porto. — Einziger zionistischer Kalender in deutscher Sprache.) Inhalt: Bilder : Dr. Th. Herzl; Dr. MaxNordau; Kalendarium; Geleitwort. Von Ing. Robert Stricker; Der Ruf. Gedicht von Ernst Müller; Die hebräische Sprache und Literatur. Von Dr. M. Ehrenpreis; Mai. Gedicht von Th. Zlocisti; „Deborah". Illustration; Bonze hat geschwiegen. Von Th. Zlocisti; Der jüdische Bauer. Von Dr. Alex. Marmorek; Die Eisenbahnen in Palästina. Von Ob.-Ing. Jos. Lau; Das Dreschen in „Mikweh Israel". Illustration; Ein vergessener offener Brief von Moses Hess. Von Dr. med. Th. Zlocisti; Wuhin? Gedicht von Morris Rosenfeld; Moses auf dem Berge Awarim; Ein elsässischer Vorläufer des Zionismus. Von Dr. Elias; Aus den Judenliedern. Gedicht von Adolph Donath; Doch einmal geweil t. Von David Pinsky; JudaMakkabi. Illustration; Frühling. Gedichte von Otto Äbeles; Das Volk will es. Von Jul. Upfimny; Mein Li ed. Gedicht von E. R.; Zeitklänge. Von J. L. Perez. Nach dem Hebräischen von Moriz Zobel; Leon Pinsker. Mit Bild. Von Jakob Schorr; Dem Falter gleich ich dich. Gedicht von B. Tag; Die Hygiene der jüdischen Nerven. Von Dr. Jeremias; AckerndeSchüler in Mikweh Israel. Illustration; Jüdische Turnvereine. Von Dr. L. Werner. Mit i Illustrationen; Wandel. VonTh.Zlocisti; Kongresskarte.Illustration; Das gelobte Land. Von Isr. Zangwill. Mit Bild; Ein jüdisches Theater in Wien. Von Di\ J. Marmorek;

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