Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 32 (8.8.1902)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1902-08-08
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaction und Administration: KB EN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscrlpte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction täglich von 7J2—72l Uhr. Pnist der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Der Inseratentheü wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.-—, halbjährig E. 3.50, vierteljährig R, 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17,—-, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig DolL —.85 Nr. 32. Wien, 8. August 1902, 6, Jahrgang Wie n, 7. August. Nach zehntägigem Aufenthalte in Konstantinopel sind die Herren Dr. H e r z 1, Präsident des Zionisten- Kongresses, und D. Wolffsohn, Präsident desJewish Golonial Trust, zurückgekehrt. Die Herren Dr. Herz! und W olffsohn waren am 22. Juli nach Konstantinopel gefahren; Dr. Herzl hatte eine telegrapMsche Einladung Sr. Majestät des Sultans erhalten. Er wurde mit der grössten Auszeichnung behandelt und war 7 während der ganzen Dauer seiner Anwesenheit Gast des Sultans. Die Verhandlungen . wurden von türkischer Seite diesmal durch Se. Hoheit den Grossvezier Said Pascha, sowie durch Ihre Exzellenzen, den ersten Sekretär des Sultans, T ah sin B e y, den Ober- Zeremonienmeister und Dragoman des kaiserlichen Divans, Ibrahim Bey, und den Kämmerer des Sultans, A a r i f Bey, geführt. Herr Dr. Herzl hatte zwei lange Konferenzen mit dem Grossvezier und jeden Tag im Yildiz-Kiosk eingehende Besprechungen mit den Vertretern des Sultans. Für den Sultan arbeitete Dr. Herzl in diesen Tagen mehrere Exposes in französischer Sprache aus und liess sie durch seinen eigenen Uebersetzer in das Türkische übertragen, worauf sie dem Sultan unmittelbar vorgelegt wurden. In diesen Exposes führte Dr. Herzl den Standpunkt der Zionisten aus und formulierte die Bedingungen der jüdischen Ansiedlung in einem zusammenhängenden Teile von Palästina und in noch anderen Gebieten Kleinasiens auf der Grundlage eines Charters. Diese Propositionen wurden von türkischer Seite in Erwägung gezogen. Der Sultan liess durch seine Vertreter zunächst seine vollen Sympathien für das jüdische Volk erklären, aber die Zugeständnisse, die Se. Majestät einer jüdischen Ansiedlung zu machen sich bereit erklärte, konnten nicht als ausreichend nach unserem zionistischen Programm erkannt werden. Die Verhandlungen sind somit auch diesmal ohne Resultat geblieben. Indessen liess der Sultan Herrn Dr. Herzl seiner Achtang und Sympathie versichern. Die Verbindung ist keineswegs abgebrochen. Wir dürfen vielmehr hoffen, dass der Vorteil, welchen eine geordnete und rechtlich gesicherte Ansiedlung der Juden nach unserem Programm bedeutet, von der türkischen Regierung noch im vollen Umfang eingesehen werden wird. Für diesen Zeitpunkt müssen sich die zionistischen Organisationen vorbereiten; die Agitation muss unablässig betrieben, und die materiellen Mittel müssen gesammelt werden. Je leistungsfähiger unsere Bewegung sein wird, umso schneller und sicherer wird sie ans Ziel kommen, Zum neunten Ab. Von Arthur Schwarz (Wien.) Von den Siegen Roms ist dieser Tag des Judentums geblieben — in diesem Faktum gipfelt die Geschichte unseres Exils. Und man braucht nur an ihm das äussere Verhalten eines Juden zu betrachten, . um das ganze Golus kennen zu lernen mit seinen Tränen und mit seiner Trauer. Will man aber wissen, was vor dem Golus war und was nach ihm kommen mag, dann muss man heute in unsere Seele schauen. Der neunte Ab, für lange Jahrhunderte das Ende unseres historischen Eigenbestandes, ist der geschichtlichste aller unserer Gedenkfeiern. Der Tag,, an dein einst unserem Sein und unserem Empfinden die tiefsten Wunden geschlagen wurden, ist der jüdischste . von allen Tagen. Er ist es gewesen im Geiste von Männern, die hinter den Sklavenmauern des eigenen Daseins den Heldentraum ihrer Enkel träumten. Er ist es geworden im nüchternen Sinn der Generation von heute, für die das Zukunftsschicksal unseres Volkes aufgehört hat, eine Fata morgana zu sein. Denn an ihm werden die folgenschwersten Fragen des Judentums lebendig.