Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 31 (1.8.1902)
- Article
- Wien [Nachricht]
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 Die # Welt" Seite 13 Breitenfurterstrasse Nr. 348. Auf der Wiese: 1. Ernste, heitere Gesangs- und Violin vortrage. 2. Preis-Wettlaufen für Damen und Herren, I. und IL Preis. 3. Amerikanische Versteigerung von wertvollen Büchern und sonstigen Utensilien. 4. Coriandoli- und Serpentinwerfen. 5. Gesellschaftsspiele. 6. Tanzunterhaltung in einem prachtvollen Tanzsaale in Begleitung eines Streichquartetts. Die Rückfahrt erfolgt um 8 Uhr abends. An die geehrten Vereinsmitglieder und deren Bekannte, sowie an alle Freunde unseres Vereines überhaupt ergeht die herzliche Einladung zur Teilnahme an diesem voraussichtlich genussreichen Ausfluge. Im Falle ungünstiger Witterung findet der Ausflug Sonntag den 10. August zur gleichen Stunde nach dem gleichen Ziele statt. Berichte. Oesterreich-Ungarn. ' Wien. Die „Vereinigung zionistischer Hochschüler* macht hiermit die Mitteilung, dass sie zu Ferialleitern die Kollegen med. Jakob Schorr, IX.,Pelikangasse 7/14, und phiL Ernst Müller, XVIIL, Dittesgasse 6, gewählt hat. Bielitz. Am Anfang des vorigen Monats wurde in Bielitz ein zionistischer Frauen- und Mädchenverein gegründet, der unter dem Schutze des „Haschachar" steht. Der Verein, der eine rege Tätigkeit entwickelt und dessen Mitgliederzahl sich auf 50 beläuft, hält jeden Samstag abends im Vereinslokale des „Haschachar" seine Versammlungen ab, bei welchen Vorträge und Deklamationen zum Vortrag gebracht werden. — Am 13. d. M. unternahm der junge Verein einen Ausflug nach Koczalkewitz, der einen gemütlichen Verlauf nahm. Eine rührige Tätigkeit entwickelt die Präsidentin des Vereines Fräulein Eugenie Schembeck. Den übrigen Ausschuss bilden die Damen: Amalia Löwinger, Aurelie Felix, Aurelie Stern, Rosa Diamant, Fanni Löwy und J enny M e r o r i e. Göding. Die jüd.-akad. Ferial-Verbindung „Gamala", die im Jahre 1897 in Lundenburg gegründet wurde, hat ihren Sitz nach Göding verlegt. Die vorgenommenen Chargen wählen ergaben nachstehendes Resultat: ehem. R. Stern lieh t dz. X? jur. J. Kornfeld dz. XX? med. M. Rosenzweig dz. <XX- - Deutschland. Breslau. Die zionistische Verbindung „Makkabäa", die am Ende des Sommersemesters 1902 auf einen siebenmonatlichen Bestand zurückblickt, hat während dieser Zeit die Aufgabe, ihre Mitglieder mit der zionistischen Idee vertraut zu machen und den jüdischen Volksgedanken zu verbreiten, nach Kräften erfüllt An den auch von Gästen zahlreich besuchten Makkabäer-Abenden wurden folgende Vorträge gehalten: cand. phil. Becker „Zionismus und Akademiker"; Vbrd. cand. phil. Boschwitz „Strömungen im modernen Judentum"; Herr Davis Trietsch „Der Juden Heimat in Vergangenheit und Zukunft*4; cand. phil. Sonderling „Die Gegner des Zionismus" und „Jüdische Feste"; Herr Fritz Sondheimer (Frankfurt a. M.) „ Weltfriede"; Vbrd. stud. jur. Heilborn „Emanzipation und Zionismus"; Vbrd. stud. jur Auerbach „Die Entstehung des modernen Zionismus*» An die Vorträge schlössen sich meistens lebhafte Diskussionen. Ein Geschichtskursus wurde eingerichtet und eine Vereinsbibiothek angelegt. Für das Winter-Semester ist ein hebräischer Sprachkursus in Aussicht genommen. Zu Chargierten wurden gewählt: stud.jur. Auerbach X» stud. med. JereslawXX» stud. med. D omhin XXX- Etwaige Zuschriften sind zu richten an stud. jur. Auerbach, Ra witsch (Provinz Posen.) Auskunft über Universitäts- und Lokalverhältnisse den jüdischen Studenten, die in Breslau zu studieren beabsichtiger, ist A. H. Zahnarzt Hugo Schachtel, Breslau, Ohlauerstrasse Nr. 64, zu erteilen gern bereit. England. Cardiff. Eine enthusiastische zionistische Versammlung fand hier vergangenen Sonntag in der zionistischen Halle statt. Mr. Jack Lewis führte den Vorsitz und Eabbi Gr. Silberston e aus Belfast hielt das Referat. Leeds. Der zionistische Junge Männer-Verein widmete seinem scheidenden Secretär Mr. Max Lipschitz für seine Verdienste einen silbernen Ehrenbecher. Es wurde ferner beschlossen, £10 für den Nationalfonds behufs Eintragung ins goldene Buch zu widmen. Kanada. Clarence de Sola schreibt: Im Besitze Ihres Zirkulars vom 10. d. M. sandten wir Ihnen am selben Tage Schekel für 1008 Mitglieder, die Sie gewiss schon erhalten haben. Wir erwähnten bereits im vorigen Briefe, dass wir viel mehr Mitglieder besitzen; sohin müssen die weiteren Schekelzahlungen auf das Konto des nächsten Verwaltungsjahres gesetzt werden. Zur Statistik unserer Organisation bemerken wir, dass in folgenden Städten Kanadas zionistische Männer-Vereine existieren: Montreal, Toronto, Ottawa, Winipeg, Hamilton, Quebec, St. John (New-Brunswick), London (Ontario), Kingston, Glac Bay (Cape Breton), Brandon und Vancouver (British Columbia). Damen-Vereine sind in den Städten Toronto, Hamilton, Ottawa und Montreal. Im ganzen zählt die kanadische Federation 16 Vereine mit einer Mitgliederzahl von nahezu 2000 und hoffen wir, im kommenden Ver waltun gsjahr noch weitere Fortschritte zu erzielen. Uebergang» Von Israel Zmgivill. ( Autorisierte Uebersetzung.) (Nachdruck verboten.) IX. Es war zwischen ihnen vereinbart worden — um endlosen Eamilienberatungen auszuweichen — den Schwestern den Tag der Trauung nicht mitzuteilen und die Zeremonien so intim als möglich zu gestalten. Der Archidiakon hatte versprochen, die Trauung selbst in der Kirche eines anderen seiner Söhne in Chalk Farm vorzunehmen. Nach einem kurzen Honigmond würde Daniel zu den Neuvermählten nach Whitechapel ziehen; sie wollten im Mittelpunkte ihrer Arbeiten leben. Der arme Daniel versuchte in dem Gedanken Trost zu finden, dass Whitechapel ein jüdischer und daher traulicherer Bezirk sei als Highbury. Aber der nicht trauliche Eindruck, den sein letzter Schwiegersohn auf ihn machte, neutralisierte alles. Alle seine anderen Schwiegersöhne hatten mehr oder weniger Ehrfurcht vor ihm, aber unter aller Ehrfurcht rann ein Strom von Brüderlichkeit. Mit diesem Alfred war er im Umgang von eisiger Kälte, welche alle des jungen Mannes aufgewendete Herzlichkeit nicht zum Auftauen zu bringen vermochte. „Bist du sicher, dass du mit ihm glücklich werden wirst, Kkun-Schapsie?" fragte er ängstlich. „Du teurer alter Quäler!" „Aber wenn es nach der Hochzeit einen Streit geben wird, wird er dir immer vorwerfen, dass du eine — " „Und ich werde ihm vorwerfen, dass er ein Christ ist und nicht streiten soll." Er schwieg. Aber in seinem Innern dankte er Gott, dass seinem teuren alten Weibe die kommende schwere Prüfung erspart geblieben war. „Gamsu Ftauwu,"*) murmelte er für sich. So rückte der tragische Tag immer näher heran. X. Eine kurze Woche lag noch dazwischen, als Daniel — durch den immer näher kommenden Termin ganz betäubt — in der Umgebung herumschlenderte. Ein unheiliger Trieb zog ihn nach Chalk Farm, wo er die Kirche anstarrte, in welcher die gottlose Verbindung vollzogen werden sollte. Vielleicht sollte er seine Scheu überwinden und zum erstenmale in seinem Leben in solch ein Gebäude hineingehen, ebenso die Furcht, sich während der gegenwärtigen Zeremonien zu verraten. Als er dem Gebäude näher kam, erblickte er ein gestreiftes Vordach, Wagen, eine sich drängende neugierige Menschenmenge. Eine Hochzeit! Das war ein seltsamer Zufall; da war kein Zweifel: er musste hineingelien, er musste sich diese unbekannte Zeremonie in dem unbekannten Gebäude ansehen. Es würde eine Art Generalprobe sein und dazu beitragen, ihn für den *) Auch das führt zum Guten.