Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 31 (1.8.1902)
- Article
- Echo Sioniste "Jewish World" [Kommentar] / Herzl, Theodor
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 12 ,Dle & Wdt( Nr. 31 Die Julinummer des „Echo Sioniste" beschäftigt sich in ihrem Leitartikel mit der "Aussage Dr. Herzls vor der Fremdeneinwanderungs-Kommission in London. Dieselbe habe drei Tatsachen ins volle Licht gestellt: 1. dass alle bisher angewendeten und vorgeschlagenen Mittel das EUnd der Masse der Juden nicht zu vermindern vermocht haben; 2. die Zurückweisung der Beschuldigung durch die englischen Patrioten, welche die Kommission bilden, dass ein eifriger Zionist nicht auch zu gleicher Zeit ein guter und treuer Bürger seines Landes sein könne, und endlich 3. dass die Mitglieder der Kommission unserer zionistischen Bewegung mit grosser Sympathie begegnet sind und der Ansicht des Führers d*r Bewegung grosse Bedeutung beilegten. Das einzige jüdische Mitglied dieser Kommission, Lord Rothschild, ist nicht Zionist. Wenn man aber das Kreuzverhör durchliest, ist man versucht zu sagen : „Lord Rothschild ist noch nicht Zionist!" . Er war es, der durch seine geschickte Fragestellung dem Dr. Herz 1 Gelegenheit gegeben hat, das Programm des Zionismus und seine wahren Tendenzen darzulegen. Es ist auch kein blosser Zufall, dass am selben Tage, als sich das Ereignis vor der englischen Kommission abspielte, einer der hervorragendsten englischen Juden, Oberst Goldsmid, dem Zionismus seine begeisterte Huldigung darbrachte. Die englischen Juden beginnen eben die Bedeutung unserer ehrlichen und aufrichtigen Bewegung, unserer loyalen Bemühungen den Leidenden unseres Volkes Hilfe zu bringen, anzuerkennen und zu würdigen. Darum ist die Aussage Dr. Herzls vor der Kommission von historischer Bedeutung. * Es dürfte von allgemeinem Interesse sein, zur Aussage Dr. Herzls vor der Fremdeneinwanderungs-Kommission noch einen kurzen Auszug aus dem Artikel nachzutragen, den der „Jewish World4 diesem Ereignis widmet: ... Es ist kein Zweifel, dass die Worte und Ideen Dr. Herzls auf jedes Mitglied der Kommission grossen Eindruck machten. Das Verhör in einem Saale von Westminster muss als einer der Triumphe im Leben des Mannes betrachtet werden, der aus Oesterreich berufen wurde, um in einer streng grossbritannischen Frage seine Ansicht auszusprechen. Die Vorladung an ihn würde nicht ergangen sein, wenn die Kommission aufsein Zeugnis nicht Gewicht gelegt hätte, und es ist anzunehmen, dass jeder von ihnen der Einladung zustimmte. Wenn der zukünftige Geschichtsschreiber die Geschichte der englischen Juden von heute zu schreiben sich anschicken wird, wird er es schwer verständlich finden, wie ein Mann von den hervorragenden Eigenschaften des Führers der Zionisten bei mannigfachen Gelegenheiten nach England kommen konnte, ohne von Seiten der Führer unserer jüdischen Gemeinden praktische Beachtung zu finden. Es ist seinen privaten Freunden und der Demokratie überlassen gewesen, den zu verstehen und zu ermutigen, der die Eignung hat, ein Fürst unter seinen Genossen zu sein. Lord James v. Hereford, ein Kabinettsminister und die Mitglieder einer königlichen Kommission haben einen viel korrekteren Stand eingenommen. Sie haben nicht gezögert, von der Existenz desjenigen Kenntnis zu nehmen, der grossen EinÜuss auf die Hoffnungen und Ideen seiner Brüder in allen Ländern ausübt. . . * f{as der JSe^e3üi)§. Gedenket des Sehekels! Die Zionisten-Konferenz in Nischnij-Nowgorod. In Nischnji- Nowgorod, der berühmten Messstadt an der Wolga, fand vor kurzem eine Zionisten-Konferenz statt, dei für die Entwicklung der zionistischen Idee in den inneren Gouvernements Russlands besonders charakteristisch ist. An dieser Zionisten-Konferenz nahmen Anteil Vertreter der Zionisten- Vereine von Astrachan, Saratow, Wladimir, Kasan, Nischnij- Nowgorod. Murom, Kostroma, Kineschma, Perm, Tambow, Jarosslawl, Orenburg, Peusa, Rybinsk, Zarizyn, Tscheljabinsk und Alexandrow. Der gesunde Samen des Zionismus hat also in allen an der Wolga liegenden Gebieten feste Wurzel gefasst. Aus den auf der Konferenz zur Verlesung gelangten Referaten und Berichten ergab sich ein überwältigendes Bild der immer an Umfang und Intensivität zunehmenden Entwicklung der zionistischen Tätigkeit im Wolga-Rayon> wo den Juden im allgemeinen der Aufenthalt verbotet! istl Dies muss hervorgehoben werden, um zu begreifen, dass die Träger und Verbreiter der zionistischen Idee in diesem Gebiete der jüdischen Intelligenz angehören, welche durch akademische Bildung das Wohnrecht in diesen Gebieten erworben haben. Von Interesse sind daher die von der Konferenz in Nischnij-Nowogorod gefassten Beschlüsse, weil sie die Tätigkeit der Zionisten im Gebiete deutlich illustrieren. Es wurde beschlossen : 1. Ein Postzentrum zu errichten, dessen Briefe einen ernsten Agitationscharakter tragen sollen. 2. Den Wolga-Rayon in kleine Distrikte einzuteilen, um den Zentraldienst zu organisieren. Die fünf Hauptdistrikte sind Nischnij, Kasan, Samara, Saratow und Zarizyn. 3. Jeder Verein soll einen Vorschussfonds zur Belehnung von Aktien der Kolonialbank begründen, um den Wert dieser Aktien in den Augen des Publikums zu heben. Gleichzeitig wurde konstatiert, dass der Verkauf von Aktien mit grossem Erfolge geführt wird. 4. Die Vereine müssen der Odessaer Palästina-Gesellschaft als Mitglieder beitreten; gleichzeitig wurde konstatiert, dass die. Sammlungen für den Nationalfonds erfolgreich betrieben werden. 5. Für die jüdischen Schulen im Rayon sollen nur Lehrer zionistischer und nationaler Gesinnung engagiert und den Schülern Unterricht in hebräischer Sprache erteilt werder. Gleichzeitig wurde konstatiert, dass Vorlesungen über den Zionismus überall im Rayon gehalten werden. Auch Bibliotheken bestehen überall im Rayon. Jüdische Buchhandlungen, welche für die Beschaffung aller nötigen Bücher sorgen, sind überall im Gebiete von den Zionisten-Vereinen eröffnet worden. Zum Zwecke der Nationalisierung der heranwachsenden jüdischen Jugend wurden folgende Beschlüsse gefasst: 1. Ueberall sind Jugendvereine aus Schülern und Schülerinnen der Mittelschulen zu organisieren, welche sich mit dem Studium des Zionismus und seiner Aufgaben beschäftigen sollen. 2. Das Studium der jüdischen Geschichte soll obligat überall eingeführt werde. 3. An nationalen Festtagen sollen Kinder-Abende veranstaltet werden, weil die Wirkung dieser Abende in erziehlicher und agitatorischer Hinsicht erprobt wurden. 4. Es sollen unter der Jugend nationale Literatur und Musik propagiert und verbreitet werden. Die Konferenz, welche vier Tage währte, schloss mit der Absendung einer Begrüssungs-Depesche an Dr. Herzl. Bei der Abfahrt der Delegierten wurden Reden in hebräischer Sprache gehalten, welche unter den vielen anwesenden Zionisten Begeisterung hervorriefen. Zum erstenmale ertönten auf der Wolga jüdische Lieder. Die auf dem Dampfer abreisenden Zionisten trugen die jüdische Nationalhymne vor und die Anfangsstrophe .,Od lo owdo" (Noch ist nichts verloren) tönte noch lange herüber zu den im Hafen Zurückgebliebenen, welche den Volksgenossen auf dem Dampfer „Hedad" (Hurrah) begeistert nachriefen. Gt. Prag. Das Distrikts-Komitee für Böhmen hat sich folgendermassen konstituiert: Obmann Herr Carl ß e s e k, Obmann-Stellvertreter JUC. Ernst Gütig, Schriftführer H. S i n g e r, Ausschuss-MitgliederFrau SofieR o bitschek, die Herren Emil J e 11 i n e k, Philipp Lebenhart, Emil übemik, Moritz W e 1 i s c h, Siegfried Wolf. Voranzeigen. Wien. Sonntag den 3. August findet in L. Diamants Garten, V., Margarethenplatz 7, eine Garten-Unterhaltung mit Tanzkränzchen, veranstaltet von dem Damen-Komitee des jüd.-nation, Arbeiter-Vereines, statt. Regiebeitrag 40 h. Beginn 6 Uhr abends. Wien. (Der „Allgemeine jüdische Ar beiter- V er ein") veranstaltet Sonntag den 3. August einen Ausflug nach Atzgersdorf, Die Zusammenkunft der Teilnehmer erfolgt zwischen 1 und 2 Uhr mittags bei der Station Schottenring, von wo präzise 2 Uhr die Abfahrt erfolgt (Fahrpreis 20 Heller.) Programm: 1. Erfrischung im reservierten Garten des Restaurateurs Kubetz, Atzgersdorf,