Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 30 (25.7.1902)
- Article
- Bern [Nachricht] / J. K.
- Date
- 1902-07-25
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Die £ Weif Nr. 30 die Gelegenheit haben, zu konstatieren, dass es keine Stadt in der Schweiz gibt, in der diese gefährliche Bewegung nicht Anhänger besitzt» J. K. Rumänien. Vaslui. (Verein „Jerusalem".) Wir haben bis jetzt zirka 6000 Lei für Aktien an die „Jewish Colonial Trust" geschickt, für den Nationalfonds haben wir bereits 510 Lei gesammelt und sind zweimal in das Goldene Buch eingetragen. Einmal unter dem Namen des Vereines und das anderemal unter dem Namen „Communitate Israelita". Wir sammeln bei jeder Gelegenheit für den I Nationalfonds und wir haben auch Gratulations-Telegrarnmformulare eingeführt, welche sehr einträglich sind, denn jeder gratuliert gerne durch unseren Verein statt durch die i Post, nur aber muss man die Leute dazu bewegen und nicht aus den Augen lassen. Es wäre wünchenswert, dass jeder Verein solche Telegramme einführte. England. In Grimsby fand Sonntag den 13. Juli eine vom hiesigen zionistischen Vereine einberufene Volksversammlung statt, welche ausserordentlich stark besucht war und welcher Mr. Berman präsidierte. Reverend Regensberg aus London sprach über die zionistische Bewegung und ihre bisherigen Resultate, worauf die Versammlung ein- stimmig in einer Resolution den Wunsch aussprach, dass ■ alle Synagogen vorstände und Rabbiner Zionisten sein sollten. Zahlreiche Shares und Nationalfondsmarken wurden : verkauft. Manchester. Im kürzlich gegründeten „Hebrew Circle" ehielt vergangenen Sabbath Nachmittag Rabbiner Dr. Landau einen Vortrag unter dem Titel: ,Hebräisch eine lebende Sprache". Die grosse Halle der „Manchester Zion Association* 3 war zum Erdrücken voll. Dr. Landau sprach hebräisch und seine Meisterschaft in der heiligen Sprache zeigte sich in der Leichtigkeit und dem Fluss, mit welchem ihm die -Worte aus dem Munde kamen. Der Vorsitzende. Mr. Jerome 'Jacob s, legte Nachdruck auf den historischen Moment, da wohl zum erstenmale in Manchester die Sprache des heiligen Buches nicht bloss gelesen, sondern gesprochen •:ward. Mr. Wassilowski beantragte ein Dankesvotutn an den Vortragenden. Mr. J. Kafo io vich legte das Programm des Zirkels dar. Die Verhandlungssprache des ganzen Abends war ausschliesslich Hebräisch. Sheffield. Die dritte Jahresversammlung des hiesigen Zions-Vereines fand letzten Sonntag statt. Der Bericht und die Bilanz wurden genehmigt, sodann ein Beileidsvotum|für Dr. Herzl angenommen. Rev.B. Tarshisch hielt einen ■\ Vortrag über die religiösen, nationalen und politischen Aussichten des Zionismus. Die Neuwahlen des Ausschusses hatten folgendes Ergebnis: Präsident Mr. S. B. Harris, Vizepräsident Mr. L. Aarons, Schatzmeister und Sekretär Mr. L. Abrahams, dessen Stellvertreter Mr. W.Cohen, Komitee: Messrs. H. Stone, M. Yaffe, M. Cohen, S. Spira, Rev. Klein, L. Isaacs, M. Wigrarn, A. Rainer, B. Resser, G. Yaffe, N. Lasky, H. Susmann, L. Cavonie, A. Light und J. Robinson. Die verlassene Braut/) (Jüdisches Volksmotiv.) Von H. 0. Nomberg (Warschau). Aus dem Jüdischen von Alex. Feldstein. Brettlein kauf ich mir für Geld, Ein Sehifflein draus mir baue; Dann fahre ich ins Meer hinaus, Ins grosse Meer, ins blaue. Ich mache einen langen Weg In Gottes Welt, die weite; Ich spanne mir ein Segel aus VTon grosser Läng' und Breite. Spann' ich mir das Segel aus, Weht dann der Wind gelinde. Du guter Wind, trag 's Schifflein mein, Trag es zum Strand geschwinde. *) „Der Jude« Nr. 48 v. J. 1900. An dieses grossen Meeres Strand Ist eine Stadt zu seien, , Dort einen blonden Jüngling sieht Man froh spazieren gehen. Er spricht und frohlockt, hüpft und lacht Und singt in Lebensblüte. O! wüsst* er doch, wie schwer mein Herz, Wie traurig mein Gemüte! Die Nacht geht hin, es graut der Tag . . , Kommt 's Schifflein zum Gestade. Ich seh': mit einem Mägdlein macht Der Jüngling Promenade. Und als er mich erschaut, rief er: „O! Röchele, mein Schätzchen!" Und lief und sprang ins Schifflein flink, Nahm neben mir das Plätzchen. Er koste, küsste und umschlang Mich wild in Liebesgluten, Da kam die Maid und stürzte um Mein Schifflein in die Fluten. Wir fielen in das Meer hinein, Ein Fisch verschlang uns beide. Das Schifflein schwamm allein hinweg, Allein, in tiefem Leide. Es wandert einsam Tag und Nacht. Die, Winde stürmisch jagen . . . Und wer mein armes Schifflein sieht Soll betend Kadisch sagen. Uebergang» Von Israel Zangwill. (Autorisierte TJebersetzung.) (Nachdruck verboten.) V. Der armen stattlichen Mrs. Peyser war es nicht gegönnt, die Ernte ihres Glückes lange Jahre hindurch zu geniessen. Diese Jahre aber waren ein überschäumender Becher mit nur einem einzigen bitteren Tropfen darinnen: ihrer Florence Gleichgiltigkeit gegen „den" jungen Mann. Umgeben, von den sechs Haushaltungen, welche sie geschaffen hatte, atmete Mrs. Peyser mit vollen Zügen jene Atmosphäre des Säuglingsalters, welche ihren jüdischen Nüstern so wohl tat. Fast jeder zweite Monat brachte ein Kind. Die religiösen Zeremonien, welche mit den rundbackigen Neu-Ankömmlingen im Zusammenhange standen, oder ärztliche Verordnungen für ihr körperliches Wohl absorbierten die Grossmuttcr gänzlich. Aber ihre stolze Grossmutterschaft erlitt regelmässig einen Stoss in den Sommermonaten, wenn die Kinder an die verschiedensten Strandorte verschickt wurden. So kam es, dass., als eine böse Erkältung sie eines Sommers in London erfasste, sie nur Daniel und Schapsie an ihrer Seite hatte. Und bevor noch die anderen berufen werden konnten, ging Mrs. Peyser in Frieden hinüber — im alten Portsmouther Bett, über dem das alte jüdische Bild hing, das aus dem Londoner Speisezimmer verbannt worden war. Es war ein merkwürdiges Ende. Sie wusste nicht, dass sie im Sterben war, aber Daniel war ängstlich, sie könnte hinweggerafft werden, bevor sie die uralte Proklamation der Einheit hergesagt haben würde; dabei aber, zögerte er, sie durch die Aufforderung zu erschrecken. Er weinte erbärmlich, gab sich aber die grösste Mühe, sein Schluchzen zu verbergen. Die ersten Tage seines Kampf es kanten ihm ins Gedächtnis, die ersten Wochen des