Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 30 (25.7.1902)
- Article
- Marburg [Nachricht] / O. N.
- Date
- 1902-07-25
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 30 ,Dte Weit01 Seite 11 gerufen worden ist, der Zionismus bildet das Gespräch des Tages und bei seiner grossen Werbekraft kann es nicht ausbleiben, dass die Zahl unserer Freunde sich in kurzem noch weiter vermehren wird, O. N. München. Am 28. Juri sprach in der hiesigen Ortsgruppe Herr Sternlieb über die Lage der rumänischen Juden. Dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrage folgte eine lebhafte Diskussion, iD deren Verlauf unter anderem die Angriffe anwesender rumänischer Studenten mit gebührender Schärfe zurückgewiesen wurden. Darauf ersiattete Herr Eugen Mayer das Referat über den Mannheimer Delegiertentag. Berlin. In der Generalversammlung der Berliner zionistischen Vereinigung vom Mittwoch den 24. Juni 1902 erstattete Herr Rechtsanwalt Dr. Hantke den Jahresbericht, welcher Zeugnis von d^r intensiven Arbeit der Vereinigung während des letzten Jahres gab. Der Vorstand bestand aus 9 gewählten und 9 kooptierten Mitgliedern und hielt 19 Sitzungen ab. Die Vereinigung mit ihren Untergruppen wies folgende Mitgliederzahl auf: „Berliner Zionistische Vereinigung* ' 218, „Ahawath Zion" (Ausländer- Gruppe) 126, „Jüdisch-nationale Frauenvereinigung* 80, „Akademische Gruppe" 45, zusammen 469. Die Zahl der Schekelzahler betrug im vorigen Jahre, dem V. Kongressjahre, 421, in diesem Jahre bis jetzt 275 ausser den organisierten Vereinigungen, das vorjährige Resultat wini also sicher überschritten werden. Der „Share-Klub", verkaufte 200 Sharebücher und 3330 Marken, davon seit 27. Jänner 1902 1260 Marken. Ebenso wurde eine ganze Anzahl von Aktien verkauft, deren Anzahl jedoch nicht zu bestimmen ist. weil die Käufer sich verschiedener Wege bedienten. Die Sammlungen für den Nationalfonds innerhalb der Vereinigung sind, abgesehen von erfreulich grossem Markenabsatz, so weit gediehen, dass die Eintragung in das goldene Buch dieser Tage stattfinden wird. Eine Anteilname an den Wahlen für die „Alliance Israeiite" konnte nicht in Szene gesetzt werden, da es nicht möglich war, die Liste der„Alliancea-Mitglieder festzustellen. Ausserdem Schekeltag, der Makkabäer-, der Purim- und der Sederfeier wurden 9 öffentliche Volksversammlungen abgehalten, in welchen die Herren : Dr. K a tz, Rabbiner Dr. . Wohlberg, D.r.Z 1 o c i s t i, Dr. Friedemann, Dr. Klee, Dr. Mose s- Mannheim, Rabbiner N o b e 1-Halberstadt und Hr. Doktor Bodenheimer sprachen. Ausserdem fanden 7 Vereinsversammlungen statt, so dass im ganzen Jahre 20 Versammlungen abgehalten wurden. Innerhalb des Jahres wurde die Ausländer-Gruppe „Ahawath Zion", dank der eifrigen Tätigkeit unseres Freundes Engländer gegründet, welche eine grosse und eine Reihe kleinerer Versammlungen bereits abhielt und an Mitgliedern zunimmt. Ebenso wurde die Studentenverbindung „Hasmonaea" gegrüi det und damit endlich eine häufig empfundene Lücke in der Berliner zionistischen Organisation ansgefüllt. Desgleichen entstand noch der „Verein jüdischer Kaufleute", dem es jedoch bisher nicht gelungen ist, den zionistischen Gedanken zum aussschlaggebenden zu machen, jedoch stünden für die Zukunft die Aussichten günstig. Auch der vor Jahren begründete jüdische Turnverein „Bar Kochba" ist nicht erklärt zionistich. Dagegen ist der „ Jüdisch-nationale Frauenverein" durch Statuten Veränderung ausdrücklich zionistisch geworden. Der Verkauf an Broschüren ergab seit dem 1. Februar eine Verkaufs zahl von 3600, darunter 2200 Broschüren von Prof. Mandelstam m-Kiew, 900 von Dr. Nordau, und 500 von anderen Autoren (namentlich die HerzTsche Kongressrede und eine Broschüre von d'Avigdor). Weiters wurden 2000 Ansichtspostkarten und 420 Kongressprotokolle verkauft. Die Zionisten haben sich zum erstenmale an der Gemeindewahl beteiligt und wenn bei der verspäteten Zeit sie auch noch keine grosse Stimmenzahl auf sich vereinigt haben, so hätten sie doch allenthalben in Berlin in grossen Massenversammlungen Gelegenheit genommen, ihre Ideen in die breite Masse zu tragen, die bisher noch nicht genügend mit den zionistischen Bestrebungen vertraut war. Die Anteilnahme an den Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde würde weiter stets lebhaft beachtet werden. Die hebräischen Sprachkurse haben in bisheriger Weise stattgefunden. Die Frage der Toynbee-Halle werde im Herbst wieder angeschnitten und wohl in schnellerem Tempo als bisher, wo sie durch nichtzionistische Kreise in die Hand genommen worden war, zur Entwicklung gebracht werden. Eine Vorschusskasse nach Art der in Prag floriernden wird sehr bald ins Leben treten, die Statuten sind in der Ausarbeitung begriffen. Das B e 1 k i n d'sche Projekt „Kiriath Sefer" habe Anklang gefunden, es sei zur Verfolgung desselben ein Spezial-Komitee eingesetzt, das demnächst mit einem Aufruf sieh an weitere Kreise wenden werde. Die „Israelitische Rundschau" sei ganz und gar in zionistischen Besitz übergegangen. Die Redaktion befindet sich in den bewahrten Händen des Herrn Dr. Heinrich L o e w e. Die Bedeutung des Besitzes eines eigenen Organ es habe sich in Berlin bei den Repräsentanten wählen gezeigt, die Zeitung nahm von Tag zu Tag an Abonnenten zu, treue Mitarbeit nach jeder Hinsicht sei aber Pflicht aller deutschen Gesinnungsgenossen. — Herr Wa gn e r erstattete hierauf den Kassenbericht, laut welchem an Einnahmen aus Mitgüederbeitägen, Schekelgeldern, Broschüren, Versammlungs-Eintrittsgeldern ein Betrag von zirka 1900 Mark vorhanden ist. An Ausgaben stehen gegenüber Schekelgeldern und Parteisteuer zirka 460 Mark, 1200 Marie für Agitationszwecke etc. 300 Mark ausgeliehene Vorschüsse etc., so dass ein Kassenbestand von 45 Mark verblieb. Der Berichterstatter betonte, dass es weniger darum zu tun wäre, bei d^r Kassenführung Gelder anzusammeln, als vielmehr die eingelaufenen Beträge im Interesse einer fruchtbaren Agitation für unsere Sache zu verwerten. Nach Erteilung der Decharge sprach Hut Dr. Klee dem bisherigen Vorstande im Namen der Mitglieder der Berliner Vereinigung und, wie er glaubt, berechtigt zu sein, auch im Namen des deutschen Zentral-Komitees den Dank aus für die geleistete treue Arbeit. Ein von Herrn Dr. Richard Löwe eingebrachter Antrag all jähr lieh eine offen tlicheOedenkfeierzuTischah b'ab abzuhalten, wurde angenommen; für die Feier wurde nach Antrag des Herrn Behr die Zeit vor Tiohah b'ab innerhalb der neun Trauertage bestimmt. Dieser Beschluss wird sicherlich auch in den anderen zionistischen Gruppen in und ausserhalb Deutschland Nachahmung finden. Desgleichen wurde ein Antrag angenommen, den kooptierten Vorstandsmitgliedern volles Stimmrecht zu gewähren. Die stattfindenden Vorstandswahlen ergaben folgendes Resultat: Herr Dr. Klee, erster Vorsitzender, Herr Dr. Katz, zweiter Vorsitzender, weiter Herr Rechtsanwalt Doktor Hantke. Herr J. H. Wagner, Herr Dr. Z 1 o c i s t i, Herr Wilhelm Levy, Herr T r i e t s c h, Herr Samson, Herr Dr. Simonsohn. Die Versammlung war mit Rücksicht auf die heisse Jahreszeit und die Abwesenheit vieler Mitglieder von Berlin verhältnismässig recht zahlreich besucht und gab Zeugnis von dem Geiste, von welchem die Vereinigung beseelt ist L. B. Schweiz. Bern. Dank der Tätigkeit der jüdisch-nationalen Studentenverbindung ,K a d i m a h" in Bern, insbesondere aber der Herren J. M. S a 1 k i n d und F. Brunschwig, hat der Zionismus in der letzten Zeit eine Reihe von Erfolgen in der Schweiz zu verzeichnen. Vergangenen Donnerstag besuchten die genannten Herren La C h a u x-d e-f o n d s, ein Dorf, dass durch seinen ausgedehnten Uhrenhandel weit und breit bekannt ist, und in dem 200 jüdische i amilien wohnhaft sind, die sich einer sehr guten Situation erfreuen und durch Intelligenz auszeichnen. Die Agitationsversammlung, welche von Herrn Bio ch geleitet wurde, fand, über Genehmigung des Gemeindevorstehers Herrn M.Bloch, in der Synagoge statt, ein Umstand, der in Westeuropa als Unikum zu bezeichnen ist. Vor einem grossen Publikum entwickelte Herr Salkind in seinem Vortrage das Wesen des Zionismus undforderte die Judenschaft vonChaux-de-fonds auf, sich der Bewegung anzuschliessen. Hierauf ererriff Herr Brunschwig das Wort und erklärte, warum ein Schweizer Jude nicht nur Zionist sein darf, sondern es sein muss. Eine Kollekte zugunsten des Jüdischen Nationalfonds, die von den oben genannten Herrer, wie von den Herren Max Seligson, einem dortigen treuen Anhänger unserer Sache, und Wurzelmann (Kadimahner) vorgenommen wurde, ergab ein reiches Resultat. Es werden auch Anstalten getroffen, um in Chaux-de-fonds eine Ortsgruppe ins Leben zu rufen, die sicherlich zu keiner der kleinen schweizerischen Ortsgruppen gezählt werden dürfte. Samstag den 22. d. M. waren hier die Vertreter einiger jüdischen Gemeinden der Schweiz zur Besprechung der Gründung eines schweizerischen Gemeindebundes versammelt. Herr Dr. Guggenheim, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Zürich, benützte diese Gelegenheit, zu erklären, dass er den Zionismus für eine „gefahrliche Bewegung" halte. Zu der Sitzung wie auch zu dem Bankett waren die Herren Götz und Salkind als Vertreter der „Kadimah" von unserem verehrten Gesinnungsgenossen Herrn Bär, dem Parnes der hiesigen Gemeinde, eingeladen. Die Herren unterliessen es auch nicht, in ihren kurzen Ansprachen auf dem Bankette den Herrn „Anti" eines besseren zu belehren. Der Herr Dr. G. wird in aller Bälde