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Die Welt · 1902-07-25 · 30 (25.7.1902) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
30 (25.7.1902)
Article
Das jüdische Leben in Budapest
Date
1902-07-25
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die # Weit" Nr. 30 stadt, der wohl vorläufig keinen zionistischen Namen führt, aber grösstenteils aus Zionisten besteht. Ein eifriges Mitglied desselben, Herr Ch. Schey, hat eine zionistische Broschüre geschrieben. — Der „Verein jüdischer Studenten", in dem die Antizionisten vielleicht ihnen gefallige Tendenzen vermuten, sich aber sehr täuschen, ist ebenfalls in schönster Blüte begriffen und zählt derzeit 500 Mitglieder. Der Verein hält wohl seine Sitzungen in den Sälen der Pester israelitischen Religionsgemeinde, dennoch begrüssen die Budapester Zionisten denselben mit wärmster Sympathie. * Wien. Unter Vorsitz des Gemeindepräsidenten Herrn M. Russo fand am Sonntag den 29. Juni 1. J. im Winterbethaussaale des türkisch-israelitischen Tempels die Jahresprüfung der Zöglinge der türkisch-israelitischen Schule statt. Anwesend waren mehrere Honoratioren,' Mitglieder der türkisch-israelitischen Gemeinde und die Eltern der Zöglinge. Geprüft wurde nach nachfolgendem Programme : 1. Gebet. 2. Biblische Geschichte. 3. Hebräische Sprache. 4. Spaniolische Sprache. 5. Lesen in Verbindung mit deutscher Unterrichtssprache. 6. Rechnen. 7. Naturgeschichte und Naturlehre. 8. Geographie und Geschichte. 9. Gesang, türkische Volkshymne. 10. Ansprache eines Schülers. 11. Ansprache des Direktors. 12. Oesterreichische Volkshymne. 13. Schlussgebet. Die Kinder beantworteten die an sie gestellten Fragen mit Sicherheit und Schlagfertigkeit. Freudig überraschten die Kenntnisse der Zöglinge aus der hebräischen und spaniolischen Sprache. Ebenso angenehm berührten die Kenntnisse der Kinder aus der Geographie von Palästina und Zionisten hätten ihre helle Freude daran wie die Schüler und Schülerinnen präzise Aufklärungen über die Ansiedlungen in Palästina gaben. Am Schlüsse der Prüfung ermahnte der Direktor der Anstalt, Herr Ignaz Weber, die Kinder, der Pflichten der Dankbarkeit gegen Eltern, Lehrer und Gemeirde. welch letztere die Schule nur unter Aufbringung schwerer Opfer erhält, stets eingedenk zu sein. Am 26. Juni 1. J. wurde die Anstalt eingehend vom k. k. Bezirks-Schulinspoktor und Schulrat J. M. Hinterwaldner inspiziert. Dieser Vertreter der Unterrichtsverwaltung sprach sich dem Direktor gegenüber in sehr anerkennender Weise über die erzielten Unterrichtsresultate aus, namentlich belobte er die Lehrgeschicklichkeit und die eifrige Wirksamkeit der Lehrerin Fräulein Franziska Auspitz. Im Verlaufe seiner Rede sprach der Herr Direktor sein lebhafter Bedauern darüber aus, dass viele Gemeinden seinerzeit ihre gut geleiteten Schulen aufliessen und sind die Verheerungen und Zerstörungen, die hierdurch namentlich in den unteren Schichten des Judentums angerichtet wurden, aufs tiefste zu beklagen. Soll es da besser werden, so müssen jüdische Schulen wieder errichtet werden. Denn selbst in den Zeiten des schwersten Druckes waren die Schulen die Brennpunkte, von welchen aus das Judentum Leben erhielt. Hiermit schloss diese schöne und würdige Feier. Bielitz. Am 15. Juli veranstalteten die hiesigen Abiturienten einen grossartig angelegten Fest-Kommers. Der Abend nahm einen glänzenden Verlauf. Nach einer Ouvertüre der B.-B. Stadtkapelle hielt Herr Leo Citrin eine kernige,von zionistischemGeiste getragene Begrüssungsrede. Die Bielitzer jüdischen Abiturienten begrüssen den Moment, in welchem sie sich vor aller Welt als Zionisten erklären. Und so glauben sie denn ihren Eintritt ins öffentliche Leben nicht schöner, nicht besser beginnen zu können als mit einem Treuschwur an die zionistischen Führer. Anhaltender Beifall folgte diesen Worten. Hierauf hielt Gg. Herr H. Stapler eine mit Beifall aufgenommene zionistische Festrede. Nach Absingung der Vereinslieder des B.-B. jüd. Turnvereines toastierten : Herr Dr. Haas, Vorstand des jüd. Turnvereines, H. Herszlikiewicz als Vertreter der jüd.-akad. Ferialverbindung „Emunah", Herr P. Braff im Namen des zion. Vereines „Haschachar", Frl. Schembeck, Präsidentin der zion. Mädchensektion, Herr Thieberger als Vertreter der „Maccabaea* (Wien), Herr Sternlicht vom Vereine jüd. Studenten (Berlin-Charlottenburg), und endlich Herr Stapler auf die Damen. Aus der Akademie seien hauptsächlich hervorgehoben der Cello-Vortrag des Herrn Lub owsky, die Eezitationen des Herrn M. Steuer, sowie der Violin Vortrag des Herrn Alfred Kraus. Ein animiertes Tanzkränzchen folgte. A. G. Wien. (Hu m an itär er Verein „ßikur-Chaulim".) Mittwoch den 2. Juli d. J. fand im Restaurant Guth eine Versammlung behufs Beschlussfassung zur Gründung des humanitären Vereines „Bikur-Chaulim" statt, nachdem die Gemeinschaft einiger Mädchen nach mehrmonatlicher probeweiser Tätigkeit im allgemeinen Krankenhause die Notwendigkeit der Gründung eines solchen Vereines einsah. Trotz schlechter Witterung war die Versammlung gutbesucht.NachderErkiärung derTendenz des Vereines bietet derselbe den jüdischen Mädchen und Frauen ein neues Feld für die Betätigung ihres jüdischen Sinnes. Armen, leidenden Schwestern und Brüdern soll Trost und Labung zuteil wer d en .Nach Verl esun g d erStat uten wurd e einKomitee gewählt, das mit der Führung der Agenden bis zu der für Ende September 1. J. in Aussicht genommenen konstituierenden Generalversammlung betraut wurde. In das Komitee wurden gewählt: Fräulein Gisela Kohn als Obmännin, Fräulein Anna Korall als Obmännin-Stellvertreterin, Fräulein Helene Goldbaum und Frau Erna Bienenfeld als Schriftführerinnen, Fräulein Paula Schallinger ais Kassierin und die Fräuleins Regine Kauftheil, Malvine Kor all, Therese Kornmehl und Lotte.R a n d. ' O.K. Skole. (Hebräische Mädchenschule „H adasa*.) Ist es nicht beschämend, dass jüdische Mädchen, die ihren ganzen Stolz dreinsetzen, fremden Zungen und Sprachen nachzulallen, und die mit den Producten moderner Schriftsteller vertraut zu sein bestrebt sind, vom Geiste der hebräischen Poesie keinen Hauch verspüren, ja nicht einmal die allerbescheidensten Kenntnisse vom Wesen des Judenthums, dem sie entstammen, besitzen? Die jüdische Geschichte, deren resultierende Lehren so erziehlich wirken, bleibt einem grossen Theile unserer Jugend ein Buch mit sieben Siegeln. Der Einwand, der von vielen erhoben wird, es. könne das jüdische Mädchen unmöglich das schwierige Hebräisch erlernen, schwindet vor der Thatsache, dass dort, wo man bereits den Versuch gemacht, die Mädchen mit den Elementen der hebräischen Sprache bekannt zu machen, glänzende Resultate erzielt wurden. — In unserem kleinen Skole existiert seit November v. J. eine hebräische Mädchenschule, die, obwohl nur von 25 Mädchen frequentiert, doch die Erweiterung derselben mit Rücksicht auf ihre vorzüglichen Leistungen als bestimmt voraussetzen lässt. Hier die Genesis dieser Schule: Im Pommer 1901 hatten Zionisten aus Lemberg, die Herren °L i p s c h ü t z und Reizes, die hier auf Sommerfrische feilten, die Anregung zur Gründung einer hebräischen j^rivatschule für Mädchen gegeben. Diese Idee fand hier nur kühle Aufnahme. Nur die hiesigen Lehrer, mit denen die genannten Herren sich diesbezüglich ins Einvernehmen setzten, fassten die Sache entschlossen vom idealen Standpunkte auf und rechtfertigten vollauf das in sie gesetzte Vertrauen. Ernst und taktvoll wussten sie allen Hindernissen zu begegnen, das Ziel zu erreichen. Sie verstanden es, ihren Unterricht so leicht fasslich, so interessant vorzutragen, dass die jungen, lebhaften Mädchen diese Disciplin mit Begeisterung aufnahmen, wovon die letzte öffentliche Prüfung zeugte. Als Lehrbuch für Hebräisch ist der a^^M p eingeführt; zweimal wöchentlich jedoch werden nach Grazowskis „Reschith limude sefath eber" Gespräche geführt. Auch die jüdische Geschichte wird sorgsam gepflegt. Und so werden die jüdischen Mädchen mit allem Wissenswerten aus dem Geistesleben des Judenthums bekanntgemacht. Es wäre zu wünschen, dass die jüdische Cultusgemeinde, an deren Spitze ein intelligenter und wohlwollender Mann steht, dieser neuen Schöpfung mehr Aufmerksamkeit widme und den Lehrern, die ohne irgend welchen Nutzen an der Sache arbeiten, wenigstens ein entsprechendes Local zur Verfügung stelle. Möge diese Schule, die einem wahrhaften Bedürfnisse abhilft, wachsen und gedeihen. A. K. Deutschland. In Frankfurt a. 0. und Freiberg i. B. sind jüdische Turnvereine gegründet worden. Marburg. Sonntag veranstaltete unsere hiesige Ortsgruppe eine Versammlung, für die Herrn Dn Gronemann- Hannover übernommen hatte, einen Vortrag über den Zionismus zu halten. Der hiesige Gemeindeälteste Herr K. Strauss legte dar, dass wohl niemand die Grossartigkeit des zionistischen Gedankens leugnen könne. Es sprachen noch andere Redner, die sich zum Teil für, zum Teil gegen den Zionismus aussprachen. Es meldeten sich hierauf noch mehrere Mitglieder zur Ortsgruppe an. Wenn wir uns auch nicht verhehlen wollen, dass der Zionismus hier mit vielem Miss- und Unverstand zu kämpfen haben wird, so können wir doch jetzt schon mit Befriedigung konstatieren, dass durch unsere Ortsgruppe ein gewaltiges Interesse für unsere Idee bei der hiesigen Gemeinde wach-

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