Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 30 (25.7.1902)
- Article
- Die chinesischen Juden
- Date
- 1902-07-25
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 30 ,Die & Welt6! Seite 9 ihr Gotteshaus einst gestanden hat, Vor, vier Jahren haben sie bei den Behörden eine Eingabe eingereichtihnen den während der Taiping-Rebellion verloren gegangenen Besitztifcel auf den Boden der zerstörten Synagoge zu erneuern. Die Bitte wurde jüngst erfüllt und ein auf den Namen der sieben Stämme lautender Besitztitel ihnen ausgestellt. Sie waren nicht imstande, irgendwelche Bücher, Handschriften oder Thora-Rollen mitzubringen. Einige von ihnen wünschen baldigst in die Heimat zurückzukehren. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Büchereinlauf, Wird das Gute belohnt? Erläuterung zur Lehre des Antigonos aus Socho. Aus einem Zyklus von Vorträgen über die „Sprüche der Väter*, gehalten in der Synagoge der Vereines „Liwias Chen" (Wien, IL, Obere Donaustra^se 89) von Rabbiner Dr. Armand Kaminka. Vom Vorstande des Vereines dem Druck übergeben. Reinertrag zum Besten der j£ranken-Unterstützungskasse. Wien 1902. Verlag des Vereines „Liwias Chen". — Moritz Waizner & Sohn, IX. IX. Jahresbericht der israelitisch-theologischen Lehrans'alt in Wien. Für das Schuljahr 1901/1902. Voran geht das Synedrion in Jerusalem und das grosse Beth-Din in der Quaderkammer des jerusalemischen Tempels. Von Prof. Doktor Adolf B ü chl er. Wien. Verlag der israel.-theol. Lehranstalt. 1902. Die jüngste Nummer des „Egyenlöseg" bringt eine Entgegnung" auf die Budapester Korrespondenz in Nr. 28. der „Welt" Endlich hätten die Zionisten Farbe bekannt, ruft „Egyenlöseg" triumphierend aus. Sie hätten selbst zugestanden, dass sie „gar nichts für die rumänischen Juden tun wollen*. In diesen bösen Zionisten sei kein Funke von Humanität, sie kennten nur eine Sache: zionistische Parteipolitik, die ebenso öde und herzlos, sei, wie jede andere Parteipolitik. Nachdem dann noch den gläubigen Lesern die intei eseante Münchhausiade aufgetischt wird, die „Ica" hätte 40.000 vaterlandslosen Juden (Ei, ei! Gibt's auch solche?) ein Heim und eine Existenz verschaffe,*) um uns Zionisten desto schwärzeren Undankes zu zeihen und uns als Nörgler und Kritikaster bösester Art hinzustellen, kündigt uns die Redaktion des „Egyenlöseg* den letzten Rest von Achtung auf, worüber wir hiermit unsere aufrichtige Genugtuung aussprechen. — Es ist ein recht undankbares Beginnen, mit Leuten zu polemisieren, die — wir variieren einen talmudischen Ausspruch — „die Wahrheit kennen und sich absichtlich gegen sie auflehnen". Unser Gesinnungsgenosse Dr. Rönai hat vor Jahr und lag in einer Artikelserie in der „Welt" aktenmässig nachgewiesen, welchen bedeutenden Anteil die Zionisten an der Hilfsaktion hatten, die aus Anlass der rumänischen Auswanderung im Jahre 1900 eingeleitet wurde. Wir könnten dem „Egyenlös£g" mit weiteren Daten über die diesbezügliche Tätigkeit der Wiener Zionisten im Jahre 1900, dienen speziell über das Wirken der zionistischen Aerztekommission zu einer Zeit, da die „Israelitische Allianz4* die Auswanderer noch ihrem Schicksale überliess; allein wir werden uns durch die Ausfälle des „Egyenlöseg" nicht zu kleinlichen Ruhmredigkeiten hinreissen lassen. Es genügt, wenn wir auf die ständigen Spendenverzeichnisse der „Welt" hinweisen, so zum Beispiel auf das in der heutigen Nummer, abgedruckte Verzeichnis, das allein für die rumänischen Juden den Betrag von mehr als 1500 K ausweist. Was wir immer wieder hervorheben, ist nur, dass durch diese und ähnliche Sammlungen und Wohltätigkeits-Aktionen weder die Judenfrage im allgemeinen, noch auch nur ein so kleiner Teil der Judenfrage, wie das Problem der rumänischen Juden, der Lösung nähergebracht werden kann. „Egyenlöseg" und die gesamte jüdische Assimilantenschaft mag sich noch so sehr erbosen: Durch blosse „Philanthropie" ist und bleibt es unmöglich, den ungezählten Tausenden jüdischer Heimatsloser eine gesicherte Heimstätte und eine feste, friedliche Existenz zu schaffen. Erheiternd wirkt es übrigens, dass „Egyenlösög" die bekannte jüdische Anekdote von dem Schnorrer, den ein mild gesinnter „Balbos" hinauswerfen lässt, mit der Begründung, er breche ihm *) Vgl. demgegenüber unseren heutigen Leitartikel, das Herz — auf uns Zionisten anzuwenden versucht. Diese Anekdote ist dejq.^n^arisc^en.,.A6similatioxiBjuden geradezu auf den Leib geschnitten« Sie betonen ja bei jeder Gelegenheit, dass sie sich gegen eine Niederlassung rumänischer Juden in Ungarn ebenso entschieden wehren müssten wie die „christlichen Mitbürger", Vielmehr werfen sie die rumänischen Juden planlos nach Kanada und Argentinien hinaus. DieArmen! Sie brechen dem edlen jüdischen Magyaren das Herz ... M. Z. Mit dem Verhältnis der orthodoxen Rabbiner zum Zionismus beschäftigt sich ein bemerkenswerter Artikel in einer der jüngsten Nummern der Londoner hebräischen Zeitschrift „Hayehcodi". „Wir, die wir in Westeuropa lebenu,führt der Artikelschrei ber aus, „sehen den Niedergang desJudentums und das Schwinden der Thorakenntnis bei unseren Kindern. Wir sehen mit Schmerz, dass die jüngeren Kräfte des Volkes Xins Tag für Tag den Rücken kehren, dass unsere Söhne und Töchter sich anderen Völkern hingeben und wir sehen auch, dass der Zionismus das einzige Heilmittel für diese furchtbare Krankheit ist. Er allein hat die Kraft, der Untreue und Fahnenflucht entgegenzuwirken. Können dies aber auch die Rabbiner in den kleinen Städten Polens einsehen? Auch sie fühlen wohl einen Temperatur Wechsel im Judentum, auch sie sehen, dass die „Jüdischkeit" abnimmt und schwächer wird, dass der und jener einzelne religiöse Vorschriften und Bräuche aussei acht lasst, allein sie sehen nicht, was aus den jungen Leuten ihrer Städte wird, wenn sie nach den überseeischen Ländern oder nach Westeuropa kommen, wie sie in das Lager der Sozialisten etc. übergehen und dem Judentum ganz entfremdet werden, alle Bande der Volkszugehörigkeit lösen. Diese kann einzig und allein der Zionismus zum Volke zurückführen; nur er kann diese Strauchelnden aufrichten, diese Verirrten und Verstreuten wieder sammeln. Möge also kein Streit zwischen uns sein, Brüder; seien wir vielmehr bestrebt, den Gesichtskreis unserer Rabbiner zu erweitern. Seien wir bestrebt, sie erkennen zu lehren, dass das, was dem Judentum in Frankreich, dem Lande der Tossaphiten, und in der Heimat der „deutschen Thoraweisen" widerfahren ist, auch dem Lande' des Chassidismus, Polen, bevorsteht. Die Hochflut des Lebens überschwemmt die Gebiete der Religion — noch ein Vi^rteljahrhundet, noch eine Spanne Zeit und das ungebundene, gesetzlose Leben Westeuropas wird auch die kleinsten Ortschaften Polens erreicht haben. Es ist albo gut, sich beizeiten vorzusehen, vorbeugende Massregeln zu ergreifen, ehe es zu spät wird. Ich weiss wohl, dass auch diese meine Worte unseren Rabbinern unverständlich, rätselhaft vorkommen werden; sie werden uns nicht anhören, weil sie uns nicht verstehen. Aber sollen wir sie deshalb bekämpfen? Lasst uns Mitleid haben mit denen, die der Herr geschlagen, die da Ohren haben und hören nicht. Den zionistischen Brüdern jedoch rufe ich zu: ,,Lasset keinen Streit sein zwischen uns!-' Man lasse die Rabbiner immerhin gewähren, wenn sie sich auch in ihrem Unverstand wider uns wenden. Schliesslich dürfen wir nicht vergessen, dass diese Leute aus ehrlicher Ueberzeugung, wenn auch in tiefer Verblendung handeln. Unsere Bewegung ist keine Eintagsbewegung, aber die Rabbiner der alten Generation sind Eintagsmenschen; der Zionismus wird sie vernichten, nicht umgekehrt Die Rabbiner des neuen Geschlechtsalters haben einen weiteren und klareren Gesichtskreis — dies sehen wir täglich an manchen Beispielen. Wozu also unsere spärlichen Kräfte in einem unnützen Kampfe vergeuden, der mit der Zeit von selbst aufhören wird l^us dei* J|e^egui)ä- Gedenket des Schekeis! Berichte. Oesterreich-Ungarn. Das jüdische Leben in Budapest beginnt einen erfreulichen Aufschwung zu nehmen. Nach Begründung des hiesigen Zionistenvereines, bildete sich hier jetzt ein Zweigverein desselben, der unter den Namen „Achdus" jüdische Arbeiter in sich vereinigt und bereits seinen Aufruf, sowie Sammelbögen an Gesinnungsgenossen versendet. Dieser Verein zählt schon jetzt über 300 Mitglieder. — Auch ein jüdischer Rudererverein existiert schon hier in der Haupt-