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Die Welt · 1902-07-25 · 30 (25.7.1902) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
30 (25.7.1902)
Article
Charlottenburg
Date
1902-07-25
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 „Dte & Welt* Nr. 30 Das Kartell umfasst diejenigen akademischen Vereine, deren Mitglieder aus Rumänien stammen; es bef uht auf zionistiL scher Basis. Die Tätigkeit des Kartells nach aussen besteht in Stellungnahme zu allen Fragen innerhalb des Judentums, im besonderen des rumänischen, Einwirkung auf die jüdischen Kreise durch Broschüren, Flugschriften und Vorträge, Beeinflussung der Gemeinden und anderer jüdischer Institutionen, wie auch der Presse in Rumänien. Für das nächste Jahr wurde für die Vereine folgende Arbeitsverteilung getroffen : „Unitas", Veröffentlichung und Vertrieb von verschiedenen Broschüren, die vom zionistischen Zentral-Komitee in Galatz erscheinen; „Ivria", jüdische Arbeiterfrage und jüdische Statistik in Rumänien;?Erez Israel", Auswanderungsfrage, ferner Organisation der jüdischen Gemeinden in Rumänien; „Society sioniste des etudiants d'Anvers", Nationalökonomie und Kolonialpolitik in ihrer Anwendung auf Palästina. — Ausserdem macht sich das Kartell zur Pflicht, in Rumänien für die Verbreitung der Kenntnisse der Geographie Palästinas, sowie für die Gründung einer jüdischen Ackerbauschule in Palästina nach dem Projekte von Israel Beikind einzutreten. Zu dem diesjährigen internationalen Studenten-Kongresse („Corda Fratres"), der vom 23. bis 30. September d. J. in Budapest stattfindet, entsendet das Kartell einen Delegierten. Der nächste Kartelltag findet in Charlottenburg statt. Die Kartellvereine erklären sich bereit, jede Information in Studienangelegenheiten zu erteilen. Mit Zionsgruss: I. A. d. Präsidial-Vereines „Ivria" Jancu GrünbergX cand. ehem. .* Anregungen für den Nationalfonds. Bustenari, 9. Juli 1902. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich war einigemale inPloesti (eine grosse Stadt) und wollte N. F.-Marken kaufen, konnte aber im Kreise meiner Bekanntschaft nicht erfahren* wer die Mitglieder des Komitees sind und wo die Marken zu bekommen sind. Getreu meinen Prinzipien, muss ich immer — wenn sich mir eine Gelegenheit zum Gratulieren bietet — anstatt der Nationalfonds-Marken einfache Postmarken auf das Glückwunschschreiben kleben, mit dem Ersuchen, für den Wert dieser erstere zu kaufen und an Stelle der letzteren anzubringen. Wie leicht wäre es aber jedem, wenn man die Nationalfonds-Marken, sowie Blankette für Telegramme, Visit- und Postkarten in einer Ansichtskartenhandlung finden könnte. Mit Zionsgruss Carl Reinhorn. Jüdischer Nationalfonds Das goldene Buch. „Tikvath Zion Association8 in Ceres (Südafrika) 10 Pfund Sterling und 3 Shares ä 5 Pfund der Jüdischen Kolonialbank, zusammen 600 Kronen. „B'n ai Zion Association" in Leeds 10 Pfund Sterling. Zionistische Ortsgrupp e„FrancisMontef i o r e* in P i t e s c i 250 Francs. Israel Beikind (anlässlich des am 20. Sivan begangenen 20jährigen Jubiläums seiner Tätigkeit in Palästina) 100 Rubel. Am Todestage und zum Andenken des vor einem Jahre verstorbenen Wolf Goldblatt aus Riga 253 Kr. S. Bergmann in Wien 240 Kronen. Direktor S. J.Leszynsky in Berlin 240 Kronen. „Berliner Zionistische Vereinigung" 240 Kronen. „Cercul de Lectura Zionista" in Piatra 240-57 Kronen. Zum Andenken an den verewigten Herrn Moses D. Alkalay, Chacham und Prediger in Wien 10 Pfund Sterling. W^'Sh**1)*!*- Patriotismus der Vertrieben««. Wie das „Bukarester Tageblatt" schreibt, wurde in Montreal (Kanada) von den aus Rumänien ausgewanderten Juden eine Schule gegründet, welche bereits mehr als 400; Zöglinge zählt Unter anderem wird an dieser Schule auch Unterricht in rumänischer Sprache erteilt. Warum sie das Rumänische unterrichten, ist wirklich nur von Juden zu verstehen. Rituelle Küche auf dem Schiffe. Unter den verschiedenartigen Passagieren, welche am 11. Juni auf dem deutschen Schiffe -„Breslau" in Philidelphia ankamen, befanden sich auch 182 Juden aus Russland. Bis Bremen begleitete sie ein Rabbiner, welcher mit der Schiffsgesellschaft und dem Kapitän das Abkommen traf, dass diese Reisenden während der Reise Koscherfleisch und rituell zubereitete Speisen verabreicht erhalten. Zwei von der Reisegesellschaft hielten ununterbrochen Inspektion in der Küche. Der Kapitän stellte den Juden am Samstag einen abgesonderten Raum zur Abhaltung des Gottesdienstes zur Verfügung. Ein grosser Teil der Auswanderer wird sich in Baltimore niederlassen. Die „Breslau" ist der erste Dampfer, der den Juden nach dieser Richtung entgegenkommt, obgleich viele hunderte russische Juden im Jahre nach Amerika reisen. Die chinesischen Juden. Wie wir vor längerer Zeit berichtet haben, hat sich in Shanghai ein »Verein zur Rettung der chinesischen Juden* gebildet, auf dessen Veranlassung zum vorjährigen Pessach-Feste zwei Juden aus Kai-föng-fu, und zwar Vater und Sohn, nach Shanghai kamen, und dort einige Wochen verweilten. Die ihnen von Seiten der europäischen Juden zutheil gewordene gute Aufnahme trug sehr viel dazu bei, das Misstrauen der eingeborenen chinesischen; Juden gegen ihre in Shanghai lebenden europäischen Stammesgenossen zu zerstreuen, und so kam es, dass am Montag den 10. März d. J. acht eingeborene chinesische Juden aus Kai-föng-fu in Shanghai eingetroffen sind. Sämmtliche Gäste wurden von dem Vereine in einem eigens für sie gemieteten Hause untergebracht und ein Lehrer begann sofort, ihnen hebräischen Unterricht zu ertheilen. Gleichzeitig wurden Vorbereitungen getroffen, die beiden jüngsten Mitglieder der Expedition baldigst in den Bund des Judenthums aufzunehmen. Eine Unterredung, die der 21jährige jüdische Kaufmann und Gelehrte Mr. E. J. Esr a, welcher das Chinesische vollkommen beherrscht, mit den Gästen gehabt hat, ergab, dass die Juden von Kai-föng-fa vor zwei Jahren ein hebräisch und chinesisch gehaltenes Schreiben der jüdischen Gemeinde von Shanghai empfangen haben. Das Hebräische konnte kein einziger von ihnen lesen. Die Juden von Kai-föng-fu leiten ihren Ursprung von sieben verschiedenen Stämmen her, und die acht Gäste waren Abkömmlinge von vier verschiedenen Clans, Ihr jüdisches Wissen wurde von Geschlecht zu Geschlecht immer geringer und als in dem berühmten Taiping-Aufstand ihr letzter Lehrer ermordet wurde, war keiner mehr da, der in der jüdischen Religion irgendwie Bescheid wusste. Sie wussten nur noch, dass sie keine Ehe mit Heiden oder Mohammedanern eingehen, kein Schweinefleisch geniessen und bei Hochzeitsfeierlichkeiten keine heidnischen Musikinstrumente verwenden dürfen. Ihre Nachbarn nennen sie „Tiao King Kiao" (das heisst die Secte die die Sehne ausreisst). Die im 21. Regierungsjahre des Kaisers Tao Kwang hereingebrochene Hochflut hat sie vollends zugrunde gerichtet und in eine völlig hoffnungslose Lage gebracht, in der sie sich noch jetzt befinden. Sie haben keinen Lehrer, keine Synagoge, nicht die mindesten religiösen Kenntnisse und keiner von ihnen beobachtet irgendwelche religiöse Vorschrift des Judenthums. Ihre Synagoge sei schon vor vielen Jahren zerstört worden und nur noch ein einziger Stein bezeichnet die Stätte, auf der

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