Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 30 (25.7.1902)
- Article
- Nachwort zur Versammlung des deutschen Rabbinerverbandes
- Date
- 1902-07-25
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3315959-3315990-3323110--33593-3323219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 30 „Die # Welt4* Seite 3 empfanden, sieh mit den „Bestrebungen sogenannter Zionisten" — wie die bekannte Protesterklärung des Rabbinerverbandes sieb schnurrig ausdrückt — klar auseinanderzusetzen. Dieser Umstand ist im Angesichte der allgemeinen Trübsal, die die Versammlung dem Beobachter darbietet, immerhin tröstlich und lässt uns den Zweiundzwanzig zurufen: Vivant sequentes! M. Z. Jahresbericht der „Jewish Colonisation Association". (Fortsetzung.) I. Argentinien« Die Herren S. Hirsch und D. Cazes stehen immer noch an der Spitze unserer Institutionen in Argentinien und leiten dieselben mit der gleichen Hingebung wie früher. Zweiunseier Kolonien, Mois esville und Mauricio, gedeihen. Die Kolonislen erweisen dort ihre Tatkraft und Initiative; wirkliches Leben erfüllt diese zwei Zentren. Käufer kommen und gehen und verhandeln mit den Kolonisten wegen Erwerbung ihrer Produkte, wie Klee, Eier, Hühner, Vieh u. s. w. Die Kolonisten in Entre Rios sind nicht in gleich befriedigender Lage; sie haben sich noch nicht alle dem Boden angepasst, den sie bebauen sollen. Nach dem Zensus, der am Jahresschlüsse aufgenommen wurde, haben wir in Argentinien 1080 Kolonisten, um welche 1373 Familien, aus 7125 Seelen bestehend, gruppiert sind. Die bebaute Fläche beträgt rund 47.000 Hektar. Die Bauern haben gute Häuser, besitzen reichliches Material und verfügen über 43,000 Stück Vieh. Ausser diesen Kolonisten gibt es noch 340 ungelernte Arbeiter, welche in der Kolonie Moisesville beschäftigt sind. (Das Kapitel, welches sich mit dieser Kolonie beschäftigt, reproduziert einen Brief des Gouverneurs der Provinz Santa Fe an den Administrator von Moisesville nach dem vom Minister der Domänen der Kolonie abgestatteten Besuche.) Kolonie Moisesville. Am 31. Dezember 1900 gab es in dieser Kolonie 130 Kolonisten. Im Laufe des Jahres 1901 wurden zwei neue Gruppen installiert. Die eine ist in Bialystok in Russland gebildet worden und umfasst 30 Kolonisten, die zweite in Rumänien 42 Kolonisten. Nachdem eine Familie aus der ersten Gruppe die Kolonie verlassen hat, beträgt die Totalzahl der Kolonisten in Moisesville gegenwärtig 201, 327 Familien mit 1832 Seelen repräsentierend, so dass die Zahl der Seelen seit 1900 um 575 zugenommen hat. Ausserdem sind noch 187 Personen als Arbeiter zugelassen, so dass Moisesville eine Bevölkerung von mehr als 2000 Seelen aufweist. Die bebaute Fläche hat nicht in gleichem Masse mit der Bevölkerung zugenommen, nachdem die beiden neueren Gruppen zu spät zum Anbau der ihnen zugewiesenen Parzellen gekommen sind. Das Totale des bebauten Bodens ist 15.367 Hektar (Weizen, Flachs, Korn und Klee), gegen 13.766 Hektar im Jahre 1901. Die Zunahme ist zum grossen Teile der Wawelberg-Gruppe zu danken, welche im vergangenen Jahre angesiedelt wurde. Weizen und Flachs haben unter der andauernden Dürre, welche die ganze Provinz Santa Fe verwüstet hat, viel gelitten. Die Resultate der Bebauung waren deshalb ausserordentlich schwach: Von 7000 Hektar Weizenfeld und 3500 Hektar Flachsfeld konnte bloss ein Viertel bebaut werden und die Ernte überschritt nicht zwei Zentner per Hektar. Es ist tief zu bedauern, dass die Bemühungen der Kolonisten so schlecht belohnt worden sind, aber sie haben andere Einnahmsquellen, besonders Klee. Der Anbau von Klee rentiert sich auch weiterhin und besonders in diesem Jahre leistete er den Kolonisten grosse Dienste, indem er ihr Vieh rettete, welches die Dürre dezimiert hatte. Er lieferte der Mehrzahl der Kolonisten genügende Einkünfte, um ihre Bedürfnisse damit zu decken. Die mit Klee bebaute Fläche, welche 1901 1400 Hektar betrug, stieg deshalb auf 4500 Hektar. Davon sind nahezu 3000 Hektar voll produktiv. Der Verkauf bietet keine Schwierigkeiten und die Preise sind gut, indem sie einen Nettogewinn von 3 und 4 Dollars per Tonne ergeben. Im Jahre 1901 wurden 3000 Tonnen nach Buenos Ayres und eine beiläufig gleiche Quantität nach Santa Fe gesendet. Man schätzt, dass im Jahre 1902 bei 20.000 Tonnen verkauft werden können. Der Mais wird in Moisesville auf grossen Flächen angebaut und dient dazu, das Vieh zu veredeln. Mit seiner Hilfe sind die Kolonisten auch in der Lage, ihre Hühnerhöfe zu entwickeln. Der Verkaufspreis ist sehr günstig. Die mit Mais bebaute Fläche betrug 1901 1600 Hektar. Die Küchengärtnerei hat sich seit Ankunft der Wawelberg-Gruppe sehr ausgebreitet. Die Kolonie bringt verschiedene Gemüsearten hervor. Die Kolonisten haben Azederac- und Eukalyptusbäume gepflanzt. Die erstgenannten Bäume sind durch die Dürre umgekommen, ihre Anpflanzung wird im Jahre 1902 wieder begonnen, und Fruchtbäume, insbesondere Pfirsiche, werden vermehrt werden. Die Kolonisten verfügten vergangenes Jahr über 7000 Stück Vieh, zu Ende des Jahres 1901 über 10.600, und zwar Kühe, Ochsen, Stiere und Pferde. Davon gehörten 3700 der Gesellschaft und 6900 wurden Eigentum der Kolonisten. Die Kolonisten allein besitzen gegen 200 Halbzucht-Milchkühe, welche fast alle Durhams sind, die anderen 2600 Kühe sind einheimischer Rasse, geben aber wenig Milch. Hieraus erklärt sich, dass in den besten Zeiten der Ertrag an Milch nur 3600 bis 4000 Liter (im Winter gar nur 1000 Liter) per Tag ausmacht. Einige Kolonisten erzeugen Käse und Butter, welche sie leicht an den Mann bringen. Die landwirtschaftlichen Geräte, welche die Kolonisten während des Jahres erwarben, umfassen 200 doppelte Pflugscharen, 100 Eiseneggen, 150 vierräderige Wagen, 30 Säernaschinen, 70 Antriebmaschinen u. s. w. Diese Zahlen beweisen, dass die Kolonisten leicht grössere Summen spenden, um ihre Geräte zu ergänzen. Die Wawelberg-Kolonisten haben den ausgezeichneten Eindruck gerechtfertigt, welchen sie bei ihrer Ankunft im Lande gemacht haben. Die Gruppe, welche den Namen „Zadoc Kahn" angenommen hat, wurde in Bialystok gebildet; sie hatte grosse Schwierigkeiten beim Lichten des Landes, das ihn zugewiesen worden war, zu überwinden. Die rumänischen Kolonisten, welche im Dezember angekommen waren, sind in der Nachbarschaft von Palecios Station angesiedelt worden, und sie machten sich ans Werk, ohne einen Augenblick zu verlieren* Die ihnen überwiesenen Häuser sind gut gebaut. Im Laufe des Jahres sandten die Kolonisten von Moisesville Herrn Katzovitch nach Europa, der die Familien ausgesucht hatte, welche gegenwärtig in Wawelberg angesiedelt sind. Er wurde von ihnen angewiesen, gegen hundert Familien auszusuchen, welche geneigt wären, auf ihre Kosten nach Argentinien zu gehen, und sich in den Kolonien anzusiedeln. Die erste Gruppe dieser Familien verliess Europa im Jänner,