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Die Welt · 1902-07-18 · 29 (18.7.1902) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
29 (18.7.1902)
Article
Prag [Nachricht]
Date
1902-07-18
Page
14 (sequence 1)
Language
German
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Seite 14 $>ie & Welt Nr. Berichte. Oesterreich-Ungarn. Prag. („B ar-Kochb a", Verein jüdischer Hochschüler in Prag.) Der Verein jüdischer Hochschüler „Bar-Koehba* theilt mit, dass die Wahlen für das XX. (Wintersemester 1902/3) Semester folgendes Besultat ergaben: JUC. Ernst Gütig, Obmann; JUC. Arthur B e r gm a n n, Obmann-Stellvertreter; med. Josef K o h n, techn. Emil Morgenstern, Schriftführer; jur. Leo B a s s, Kassier; phil. Hugo Bergmann, Bibliothekar; med. Georg Fische r, Zeitungsverweser; med. Alfred Capek, jur. Leop. Wertheimer, techn. Leo Kornfeld, Ersatzmänner. Wien. (Der Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter) berief für Sonntag den 13, d. M. im grossen Saale des Restaurants Josef Weissmann (Hannabräu- Kolosseum) eine öffentliche Vereinsversammlung ein, in welcher Herr Dr. Zweig über „National und International* referierte. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Laufer, Friedländer, Grünhut, Haas, Hahn, R e i s s und B a r o k. Der Zweck der Versammlung (Gründung der Ortsgruppe Brigittenau) wurde vollständig erreicht, indem alle'anwesenden Nichtmitglieder ihren Beitritt zur Organisation anmeldeten. Dem Referenten, Gesinnungsgenossen Dr. Zweig, wurde für seine Ausführungen der Dank der Versammlung ausgesprochen. Krakau. Die hiesige zionistische Orthodoxie hat die Notwendigkeit empfunden, einen Geselligkeitsverein zu errichten, wo sie mit vereinten Kräften für den Zionismus Propaganda zu machen imstande wäre. Zu diesem Behufe hat sie Sonntag den 6. d. M. im Lokale des zionistischen Vereines „Achdus" eine Versammlung mit der Tsgesordnung „Gründung eines zionistischen Bethauses" veranstaltet und es wurde ein Komitee gewählt, welches dieses Bethaus ins Leben rufen soll. Dieses Bethaus hat es sich schon im vorhinein zum Ziele gesteckt, eine jüdischnationale Schule zu errichten, wo die Lehrweise den Erfordernissen des Zionismus entsprechen soll, was bei den hier bestehenden, sehr vernachlässigten „Chedarim" von sehr grosser Wichtigkeit ist und daher auch in nichtzionistischen Kreisen grosses Interesse hervorruft. Deutschland. Marburg a. d. L Die hiesige zionistische Ortsgruppe veranstaltete am Sonntag den 22. Juni anlässlich des Schekeltages eine Feier, die sich einer lebhaften Beteiligung erfreute. Nachdem der Vorsitzende Herr Dr. S. Eichelb e r g die Gäste begrüsst hatte, erteilte er Herrn Oskar Nacht, der sich um die Propagierung der zionistischen Idee in Marburg verdient gemacht hat, das Wort zur Festrede. Die Ausführungen des Referenten über Zionismus und über die Bedeutung des Schekels wurden mit Beifall aufgenommen. Es folgten einige Toaste auf die Führer. Herr cand. ehem. B.Epstein hielt eine zündende Ansprache in perfektem Hebräisch, welche stürmischen Beifall entfesselte. Nach Schluss des offiziellen Teiles folgte ein gemütliches Beisammensein, das erst gegen zwei Uhr sein Ende nahm. Der Abend hatte einige Anmeldungen von neuen Mitgliedern und eine zahlreichere Beteiligung an der Zahlung des Schekels zur Folge. G. Russland. Lodz. Der halbamtliche „Warschawskij Dnewnik" enthält folgende interessante Einzelheiten über die in Lodz kürzlich abgehaltenen Zionisten-Konferenz, an deren Beratungen Vertreter aller Zionisten-Vereine des Weichsel- Gebietes teilnahmen. Folgende Resolution gelangte einstimmig zur Annahme : 1. Jeder Zionisten-Verein ist verpflichtet, einen Teil seiner Barmittel in den Marken des Nationalfonds anzulegen. 2. Alle Vereine müssen ihre Namen in das Goldene Buch eintragen, das heisst jeder Verein muss dem Nationalfonds 100 Rubel einzahlen. 3. Alles muss angewendet werden, um die wohlhabenden Juden in diesem Sinne zu beeinflussen. 4. Die Marken des Nationalfonds sollen in allen Geschäften aufliegen, um deren Verbreitung zu fördern. 5. Briefe der Vereine, sowie von Privatpersonen sollen mit Marken des Nationalfonds frankiert werden. G. Alle Spenden in den Bethäusern sollen in Marken gemacht worden. 7. Statt Gratulations-Depeschen sollen Spenden zugunsten des Nationalfonds gegeben werden. 8. Die Vereine verteilen unter den Geschäftsleuten und unter den Privatpersonen versiegelte Büchsen, um für den Nationalfonds Geldspenden zu sammeln. Belgien. Antwerpen. Der zionistische Verein „AgudathZion* eröffnete Mittwoch den 9. Juli eine Bibliothek für seine Mitglieder. Uebergang. Von Israel Zangwill. (Autorisierte U Übersetzung.) (Nachdruck verooien.; IV. „Ich glaube nicht, dass er an Rachel denkt/ „0! Wie kannst du so reden? Mich hat er zum Souper geführt/ „Unsinn! Er sinnt auf keine von euch; es ist bloss Höflichkeit gegenüber meinen Schwestern. Sagte er nicht, dass das Botiquet für mich sei?" „Sei nicht einfältig, Rebekka. Da weisst, du kannst ihn nicht bekommen. Die Äelteste muss den Vorzug haben." Dieser veränderte Ton bewies ihre bescheidene Haltung gegenüber dem jungen Manne, nachdem die Jahre vorübergegangen waren. Doch der erste junge Mann machte keinen Antrag, weder der Schwesterschaft en bloc, noch einer einzigen von ihnen. Und sein Beispiel wurde von seinen Nachfolgern befolgt. Eine Prozession von jungen Leuten passierte das Haus oder tanzte mit den Mädchen auf den Bällen, ohne dass eine einzige Werbung um eine dieser vielen Hände stattgefunden hätte. Und auf diese erste Saison folgte die zweite, auf die zweite die dritte und erzeugte höllische Qualen durch Vorspiegelungen von Heiraten, Bälle, Tanzpartien, Diners, eine Welt von nebelhaftem, mütterlichem Getriebe — aber keine Spur einer Verlobung in Sicht. Das Haar der Frau Peyser begann weiss zu werden. Sie rief heimlich den Schadehen herbei oder richtiger ergab sich seinem Ansturm. „Puh! Keinen Passenden finden?" erklärte er, seine Hände reibend. „Ich habe hunderte junger Männer in meinem Buche, just Ihre Art, wahre Gentlemen." Zuerst wiesen die Mädchen es zurück, auf solche Art kommende Bewerbungen in Betracht zu ziehen. Das sei nicht in ihren Wesen gelegen, sagten sie, Mrs. Peyser schnaubte skeptisch. „Ach, in der Tat! und fragt einmal, wie diese Rosenweiler-Mädel Gatten gefunden haben?" „O, die Rosenweilers!u Sie zuckten ihre Achseln; sie wussten, dass sie nicht das Misgeschick hatten, so hässlich zu sein wie diese. Nichtsdestoweniger liehen sie ihr Ohr den Anregungen des Agenten, die durch den Mund der Mutter zu ihnen kamen, wenn auch unter dem Vorwande, sie auszulachen. Aber der Tag kam, da dieser Vorwand über den Haufen geworfen war und gebeugten Geistes warteten sie begierig auf jede neue Möglichkeit. Und mit dem Vorbeifliessen der Jahre wurde auch der junge Mann älter. Er wurde kahler, weniger fein und ärmer. Einmal trat er sogar als ein artiger und wohlhabender Christ auf, aber da wurde er in einstimmigem schwesterlichen Schauder zurückgewiesen. Fünf träge Jahre vergingen, dann wechselte plötzlich das Glück. Ein wasserdichter Regenmantel-Fabrikant von der Lichtseite der Vierziger erschien am Plan — die lange Eiszeit war gebrochen und die erste Orangenblüte reifte im Peyser'schen Haushalte. Es war Rebekka, die Jüngste der jüdischen Gruppe, welche den Pionnier zum Trauhimmel abgab,

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