Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 29 (18.7.1902)
- Article
- Bildhauer Markus Antokolskij
- Date
- 1902-07-18
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 29 „Die & Welt66 Seite 13 er von seinen Eltern ursprünglich für das Studium des Talmud bestimmt. Bis 1862besuchte A n t o k o 1 s k i j auch fast ausnahmslos speziell jüdische Lehranstalten von Wilna. Aber der Gottesfunke des grossen Künstlers, welcher in ihm geglimmt hatte, loderte plötzlich auf: eine von ihm gemachte Holzschnitzerei, eine Szene aus dem Leben der Juden in Wilna darstellend, lenkte die Aufmerksamkeit eines polnischen Magnaten auf sich, der alle Mittel anwendete, um An to k o 1 skij nach Petersburg zu schicken. Nicht ohne Schwierigkeiten traf'Antokolskij 1863 in Petersburg ein. Ein Jahr später eroberte er durch seine zwei ersten Arbeiten die Aufmerksamkeit der Petersburger Akademie und die Gunst der russischen Kunstkritik. Diese zwei Arbeiten waren seine Meisterwerke: „Der jüdische Schneider" und „Der jüdische Geizhalz". Dem Umfang nach waren diese zwei Schöpfungen klein, aber Inhalt, Form und Ausdruck nach unerreichbar gross» Sie legten den Grund zu der realistischen Richtung in der russischen Kunst. Diesen zwei Arbeiten folgten alsbald viele Skizzen in Ton, komische und tragische Szenen aus dem Leben der Juden darstellend. Unter diesen Arbeiten ragte die Skizze „Ein Talmudstreit" besonders hervor. Alles an dieser Skizze ist von überwältigender Lebenswahrheit und tiefer Kenntnis der jüdischen Seele. Von bleibendem Werte war jedoch sein grosses Bild „Der Kardinal-Inquisitor, welcher die Verhaftung der in einem Keller das Passahfest feiernden Juden vornimmt" betitelt- Ein Stück aus der Leidensgeschichte der Juden im Mittelalter wurde hier mit überwältigend schöpferischer Kraft entrollt. Das könnte man als geistreiche Fortsetzung des „Rabbi von Bacharach" von Heine betrachten. Neu, originell und erschütternd, lenkte diese Arbeit die Aufmerksamkeit der Grossfürstin Maria Nikolajewna, der damaligen Präsidentin der kaiserlichen Akademie der schönen Künste in Petersburg, auf sich und sie Hess diese Szene, in grossem Massstabe für sich anfertigen. Von dieser Zeit angefangen begann Antokolskij die russische Kunst mit Meisterwerken zu bereichern, welche überall Bewunderung hervorriefen und auf allen Ausstellungen in Europa und Amerika mit den höchsten Auszeichnungen prämiiert wurden. Das an schöpferischer Kraft hervorragende Standbild des Zaren Iwan des Grausamen, welches Antokolskij 1871 in Petersburg ausstellte, brachte dem Verstorbenen den Rang eines Akademikers und einen kolossalen Erfolg ein. Alexander II. liess ein Exemplar dieser Statue aus Bronze für die Eremitage anfertigen, während das Kingstown-Museum zu London sie in Gips erwarb. Von 1872 angefangen beschenkte er die russische Kunst mit den wertvollen Statuen „Peter I." (die beste vorhandene Darstellung dieses grossen Zars), „Jaroslaw der Weise", „Dmitrij Donskoj" und „Joann III/ Sein 1874 fertiggestelltes Standbild „Christus vor dem Volksgericht" (die bemerkenswerteste Statue von Christus unter allen Schöpfungen dieser Art), welches A1 e x a n d er II. für seine Privatgalerie erwarb, begründete den Weltruf Antokolskijs als hervorragendsten Bildhauer der Neuzeit. Die von dem Verstorbenen in Paris gemeisseltencharakteristisch-dramatischen Statuen „Sokrates* Tod", „Der letzte Seufzer'* und „Johann des Täufers Haupt" brachten Antokolskij die Ehrenlegion ein. Sein Weltruf steigerte sich nach der Ausstellung seines berühmten Standbildes „Spinoza", das. wie ein berühmter Kritiker sagte, die ganze Weltanschauung dieses Denkers wiedergab. Von ebensolcher Lebenswahrheit und schöpferischer Kraft sind seine Standbilder „Jermak", der Eroberer von Sibirien, und „Nestor", der erste russische Chronist. Die letzte Arbeit des genialen Bildhauers war das Standbild „Inquisition", das jedoch unvollendet blieb. Durch den Tod Antokolskij s haben aber speziell di<* Juden einen Verlust erlitten. Antokolskij hatte niemals aufgehört, sich als Jude zu fühlen und an den Geschicken seiner Brüder warmen Anteil zu nehmen. Der berühmte russische Kunstkritiker W. Stassow, ein Freund Antokolskijs, könnte vieles darüber erzählen. Den Publikationen Stassows über das Leben Antokolskijs muss man deshalb mit Spannung entgegensehen. N. Golant, Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Büchereirclauf. bwaa "V *n*6 *ppj nmrb ^dkö ♦pin ♦aw aiwrin wbv isd ^patpiKnan (Hagoren. Abhandlungen über die Wissenschaft des Judentums. Redigiert von S. A. Horode zky, III. Buch, Berdyczew 1902, 8°, 225 S. Preis Rbl. 1.15 [Hebräisch].) «VKttati b'amwfcö Diro w ♦parunan .* .v ♦stD-in arcwna (S. A.Horodezky^Rabbi Nachtun von Tschernobul und seine Nachkommen. Berdyczew 1902, 8°, 55 S. Preis 40 Kopeken [Hebräisch].) ♦TOßnjH m pBD"3$f?$p nsa mb-nr^^na^^ *ijh ^•ni swbbsw ♦& Dwina* ps &T&p*n;n ,J3K:nrw nwviat ♦awn rw (Landarbeiter-Kalender für Kolonisten und Gärtner, 5662 (1901/2), IL Jahrgang. Redigiert von Agronomen M. Weller, Wilna, 1902, 8°, 265 S. [Jargon].) Denes Tibor: Päriäk. Regeny, Budapest 1902. Grill Käroly es. es kir. udv. könyvkereskedese. (Tibor Denes: Parias. Roman. Budapest. 1902.K. u. k. Hofbuchhandlung Karl Grill, 8°, 203 S. [Ungarisch].) Die Judenfrage in Rumänien. Eine Aktensammlung, vorgelegt dem Brüsseler Kongress „pro Armenia" vom 17. und 18. Juli 1902. * Der „Jewish-Comment" in Baltimore macht in seiner Nummer vom 4. Mai Mitteilung von einer grossen Bewegung, die in den Vereinigten Staaten entstanden sein soll und darauf hinzielt, der nächste Zionisten-Kongress möge in irgend einer Stadt der Vereinigten Staaten statfinden. Die „Deutsch-Israelitische Gemeindezeitung" schreibt zu unserer grössten Verwunderung: Wer jemals in Palästina war, dem ist noch stets aufgefallen, dass die eben eingewanderte Generation jene schwachen Gestalten mit den eingedrückten Brüsten hat, wie sie typisch für die talmudischen Schulen der osteuropäischen Länder sind, dass aber die im Lande geborene und grossgewordene Generation an den freien Beduinen erinnert, dessen Lebensverhältnisse sie einigermassen teilen. In der freien, frischen Luft und unter dem sonnigen Himmel von Palästina ist jene gesunde und blühende Dorfjugend von Rechobot, Katra, Beer-Tobiah und den vielen anderen Kolonien erwachsen, die in nichts mehr an das Ghetto erinnern. Die Arbeit in der freien Gottesluft hat diese besten Zionisten zu dem kraftvollen Menschenschlag heranwachsen lassen, die wir bewundern konnten, als sie genöthigt waren, mit Karst und Spiess und Sense die Angriffe der Beduinen abzuwehren, die in vielfacher Ueberzahl gekommen waren, ihnen mit Gewalt das Besitzrecht an ihrer Hufe streitig zu machen. Die jungen Burschen von Beer-Tobiah und ihre Kameraden in den anderen Judendörfern haben gezeigt, dass die Schwäche ein Akzidens war, das der jüdische Stamm verliert, sobald er gesunde Lebensbedingungen findet. Der II. Band der „Jüdischen Enzyklopädie" (The Jewish Encyclopaedia, im Verlage von Funk & Wagnells, New- York) ist soeben ausgegeben worden. $fas dei* J$e^egut)g. Gedenket des Schekels! Der für den 27. d. M. nach Prerau einberufene Delegiertentag der mähr.-schles. Zionisten findet erst im Monate August statt. Die näheren Daten werden später bekanntgegeben werden. Das Distrikts-Komitee. Voranzeigen. Wien. (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter.) Sonntag den 20. Juli findet im Kongressbureau, IX., Türkenstrasse 9, um halb 2 Uhr nachmittags, eine Vereins Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Humoristische Vorlesung, 2. Besprechung von Vereinsangelegenheiten etc. Kollegen, erscheinet vollzählig und pünktlich!