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Die Welt · 1902-07-18 · 29 (18.7.1902) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
29 (18.7.1902)
Article
Odessa [Nachricht]
Date
1902-07-18
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die # Welt" Nr. 29 machung erfährt man zum erstenmale, dass den Absolventen der Nikolai-Handelsakademie zu Odessa das Wohnrecht im ganzen Reiche entzogen wurde ... * Warschau. Ueber eine für die ökonomische Lage der Juden im Weichselgebiete äusserst charakteristische neue Schöpfung berichtet das halbamtliche „Warschawskij Dnewnik" folgendes: Die Zier-. Gemüse- und Obstgärtner von Warschau und Umgebung haben den Beschluss gefasst, die jüdischen Verkäufer und Vermittler vom Warschauer Markte gänzlich zu verdrängen. Zu diesem Zwecke haben sie einen Ring geschlossen, wonach den Juden von diesen Artikeln nichts verkauft werden darf. Die Verwaltung der neuen Gesellschaft, an deren Spitze die reichen Obstgartenbesitzer Janowski, Domanewski und Zaikowski stehen, haben in Warschau bereits Niederlagen errichtet, wohin sie ihre Ware dirigieren werden. * Petersburg. Soeben ist eine neue Verordnung des Kultusministeriums erflossen, wonach die Aufnahme von Juden in das polytechnische Institut von Petersburg eine neue, bedeutende Beschränkung erfahren hat. Die Zahl der neueintretenden Juden darf drei Perzent der Gesammtzahl der christlichen Hörer des Polytechnikums nicht übersteigen; bis jetzt aber war dieser Perzentsaiz mit 10 festgesetzt. * Libau. Die Aufnahme von Juden in das Gymnasium zu Libau wurde heuer, wie amtlich bekanntgegeben wird, völlig eingestellt. In den letzten zwei Jahren wurde die Zahl der neuaufgenommenen Juden äusserst beschränkt, durch die nunmehr erflossene Verordnung aber den Juden der Zutritt in das Gymnasium gänzlich versperrt. * Warschau. Einer Mitteilung des halbamtlichen „Warschawskij Dnewnik" zufolge bietet der Wiener Bahnhof zu Warschau täglich ein herzbewegendes Bild. Gruppen von Juden mit Weib und Kindern, auf deren Gesichtern der Kummer tief eingegraben ist, verlassen ihre Heimat, um nach Südafrika auszuwandern. Diese Unglücklichen, welche in ihrer Heimat, dem Weichselgebiete, ihren Lebensunterhalt nicht finden können, hoffen, in Transvaal ein neues Leben zu gründen. # Odessa. Die Frage der Nationalisierung der jüdischen Schulen in Russland, über welche das Odessaer Komitee zur Verbreitung von Bildung unter den Juden im Zarenreiche neulich beraten hat, ist nun, wie die „Juschnoje Obosrenje" (Südliche Rundschau) meldet, in ein neues Stadium getreten. Der Vertreter des Petersburger Komitees zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in Russland, Herr Günzburg, hat sich nach Odessa begeben, um mit dem Odessaer Komitee und mit den Führern der nationalen Bewegung, Achad-Haam und Dubnow, Rücksprache über die Gründung eines Institutes für jüdische Lehrer in Odessa zu pflegen. Verschiedene Anzeichen sprechen dafür, dass das Petersburger Komitee die Sache der Gründung des jüdischen Lehrerseminars den Führern der nationalen Bewegung anvertrauen will. Das Odessaer Komitee hat dem Petersburger Bevollmächtigten erklärt, dass es zwar für die Gründung des Institutes sei, dass es aber niemals darein willigen würde, die Führer der nationalen Bewegung mit der Leitung dieser Angelegenheit zu betrauen. Der Fortschritt in dieser Sache liegt jedoch schon darin, dass das Odessaer Komitee sich nunmehr für die Schaffung eines jüdischen Lehrerinstitutes ausgesprochen hat. Man wird ihm hoffentlich noch die Ueberzeugung beibringen, dass die Führer der nationalen Bewegung am berufensten sind, die Leitung zu übernehmen . . . Rumänisches. Loudoti. (Die englische Regierun g und Rumänien.) Auf die Anfrage des Abgeordneten für Pancras, des Hauptmanns Herbert Je s sei, welche Vorstellungen die englische Regierung an Rumänien wegen der Befolgung der Bestimmungen des Artikel 44 des Berliner Vertrages (Gleichstellung der Juden mit den übrigen Rumänen) gemacht habe, hat Lord Cranborne im Namen des Auswärtigen Amtes geantwortet, dass die rumänische Regierung für die Befolgung der erwähnten Bestimmungen den Unterzeichnern des Berliner Vertrages verantwortlich sei. Die rumänische Regierung habe stets behauptet, dass keines ihrer Gesetze auf die Verschiedenartigkeit des Glaubens gestützt sei, und dass daher die Bedingungen des fraglichen Artikels befolgt worden seien!! Die englische Regierung habe jedoch der rumänischen Regierung Vorstellungen gemacht, um eine vollständige und praktische Interpretation des Artikels zu sichern und sie werde fortfahren, solche Schritte zu thun, die sie für am meisten geeignet zur Erreichung des Zweckes halte. Das Auswärtige Amt habe keinen Grund zu glauben, dass die übrigen Unterzeichner des Berliner Vertrages eine gemeinsame Aktion mit Bezug auf diese Sache günstig ansehen würden. Basel. (Die alte Postfiliale des Zentraibahnhofes als Wartesaal.) Die stete Zunahme der Äuswanderungstransporte rumänischer Juden drängte dazu, den Auswanderern die Räume der alten Postfiliale am Zentralbahnhof als Aufenthaltsort anzuweisen. DieEmigranten nehmen gewöhnlich während eines ganzen Tages hier Aufenthalt. Es konnte deshalb mit Rücksicht darauf, dass der Bahnhof der für solche Transporte nötigen Räumlichkeiten entbehrt, kaum anders gedient werden. Wien. Fast täglich befördert die Nordwestbahn kleinere Trupps rumänischer Emigranten. Personalnachrichten. Unser Gesinnungsgenosse Bernhaid Fuchs wird Samstag den 19. d. M. an der Wiener Universität zum Dr. phil. promoviert. — Die jüd.-akad. Verbindung „Ivria" in Wien teilt mit, dass die Promotion ihres i. a. B. Edmund Weitzmann zum Doktor der Medizin am Montag den 21. d. M. und die Promotion ihres i. a. B. Emil Krasny zum Doktor dar Rechte Dienstag den 22. d. M. im Festsaale der Wiener Universität stattfindet. —Die jüd.- akad. Verbindung „Kadimah" teilt mit, dass Bb. Max Bernhardt Dienstag den °1% d. M., zum Doktor der Rechte promoviert wird. Sonntag den 20. d. M. findei in Braila die Trauung der Tochter useres bekannten Gesinnungsgenossen H. J. Agent, Fräulein Ida Agent mit Herrn David Edelstein stait. Vtfelt-iSbPopik. Bildhauer Markus Antokolskij. Durch den im Bade Homburg vor der Höhe am vorigen Mittwoch erfolgten Tod des russisch-jüdischen Bildhauers Markus Antokolskij hat nicht nur die russische, sondern auch die europäische Kunst einen schweren Verlust erlitten. In allen Kunstzentren der Welt ward Antokolskij bereits seit vielen Jahren als einer der grössten und originellsten Künstler des XIX. Jahrhunderts anerkannt. Er gehörte keiner europäischen Schule an, sondern schlug selbständige Bahnen ein, die überall Bewunderung hervorriefen. Alle seine Schöpfungen zeichneten sich durch Energie und Ausdruck aus, an kühner Komposition und Lebenswahrheit waren und blieben sie unübertrefflich. Der jüdische Geist, dem Antokolskij niemals entfremdet wurde, drückte auf alle seine Schöpfungen sein Gepräge: das tiefe Empfinden und das reiche Gemüt der jüdischen Rasse spiegelten sich in seinen Meisterwerken wieder. Als Sohn armer jüdischer Eltern im Jahre 1842 zu Wilna geboren, wurde

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