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Die Welt · 1902-07-18 · 29 (18.7.1902) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
29 (18.7.1902)
Article
Die Dezennialfeier des Maccaean Club in London
Date
1902-07-18
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die Weit" Nr. 29 Der freie Ausdruck unserer innersten Gedanken hat kein Arg getan, im Gegenteil: indem wir uns gewöhnt haben, jede ehrliche Ueberzeugung und den ehrlichen Willen, für das Wohl unseres Volkes zu wirken, auch da zu respektieren, wenn dieselben von unseren eigenen Ansichten abweichen, haben wir auch unsere eigenen Anschauungen zu kritisieren gelernt. Und nicht bloss die Mitglieder unseres Klubs, sondern die britische Judenschaft hat durch das Medium der Presse aus dem Studium unserer Debatten, an welchen sich britische und fremde Juden, sowie auch Christen betheiligten, beträchtliche Vorteile gezogen/1 Der R.edner gedachte dann im Anschluss an die ideale Bedeutung des Klubs dessen realer Schöpfungen. „In der Regel beurteilen uns die anderen Völker nach unseren schlechtesten, nicht nach unseren besten Volksgenossen. Die Masse der Menschheit ist gedankenlos und nie logisch. Es nutzt nichts zu erweisen, dass die Laster, welche sie verdammt, den ungerechten Gesetzen zu verdanken sind, welche' sie geschaffen haben. Finstere und drohende Wolken ziehen über unserem Volke herauf. Mit Ausnahme von Großbritannien, Italien und Holland erhebt sich überall die Hydra des Antisemitismus und droht die Rasse von Israel zu zermalmen. Sein vergiftender Athem verpestet die reine Luft der Freiheit. Des Bürgerrechtes nicht teilhaftig, des Rechtes, einen ehrlichen Beruf zu ergreifen und seine Kinder frei zu erziehen, beraubt, infolgedessen gezwungen, das Fortkommen oft auf minder ehrenhaftem Wege zu finden, geht unser Volk nicht bloss physisch, sondern auch moralisch zugrunde. Das Uebel wächst täglich, untergräbt kontinuierlich die Lebenskraft unserer Rasse. Ich glaube, der beste Dienst, welchen wir Makkabäer unserem Volke leisten können, ist, die Aufmerksamkeit der Gesamtheit und der einzelnen auf die Notwendigkeit vereinigter Aktion zu lenken. In der Zahl der Beratenden liegt Weisheit und darum sollten wir alles, was in unserer Macht steht, daran wenden, eine Konferenz der grössten jüdischen Gemeinden, Gesellschaften und Vereine zustande zu bringen, um über die nötigen Schritte zu beraten, die Existenzbedingungen unseres Volkes zu verbessern. Die Missgriffe, welche in den ersten Stadien jüdischer Kolonisation gemacht wurden, werden von unschätzbarem Werte sein. Wenn dieselbe künftighin auf geschäftlicher Basis und in Ländern, welche auf freiheitlichem Rechtsstandpunkte stehen, begründet werden wird, wird sie eine sicherere Kapitalsanlage sein, als die Gründling jüdischer Wohltätigkeitsstiftungen. Ich spreche als ein Mann, der sich persönlich davon überzeugt hat. Die hauptsächlichen Ursachen des Misslingens der ersten jüdischen Kolonisation waren: l. Die Unvorbereitetheit der Urheber, 2. ihre Unerfahrenheit, 3. der Mangel an passenden Kolonisten, 4. die Kolonisation erfolgte auf der Basis der Wohltätigkeit statt auf geschäftlicher Basis und demoralisierte diejenigen, denen sie wohltun wollte, 5. der Mangel an fähigen Administratoren und Pionnieren. Alle diese Gründe und viele andere, welche Z a n g w i 11 und andere Kritiker bemängelten, sind heilbar und ich kann nur auf das Beispiel der „Ica"- Kolonie Moisesville hinweisen, was eine Kolonie durch einen energischen Administrator werden kann. Alle die früher genannten Fehler sind in Moisesville nun beseitigt und diese Kolonie kann nun als Muster dienen. Um jenen Juden, deren Leben total unerträglich und äusserst demoralisierend geworden ist, rechtzeitigRettung bringen zu können; ist meines Erachtens die einzige Methode, Siedlungen in hierzu geeigneten Ländern vorzubereiten. in Anbetracht der körperlich befähigten Individuen, die als Kolonisten ausgewählt werden sollen, muss im Auge behalten werden, dass sie nicht aus Juden bestehen sollen, die all ihr Geld verloren haben. Ich glaube, dass es viel wichtiger ist, alles, was in unserer Macht steht, zu tun, um zu verhindern, dass solche, die noch nicht alles verloren haben, ganz zugrunde gehen, als Millionen für den oft hoffnungslosen Plan zu spenden, die ganz zugrunde Gegangenen mit Kapital zu versehen. Passende Landstücke in der Nähe leicht erreichbarer Marktplätze sollten erwarben und alles vorher vorbereitet werden und wenn, sagen wir, fünfzig Farmen völlig fertig sind, sollten fünfzig Familien hingesendet werden, um von ihnen Besitz zu ergreifen. Sie müssten ihre Ueberfahrt allein bezahlen und einen Vertrag unterzeichnen, worin sie sich verpflichten, alle Auslagen mit Zinsen in 15- oder 20jährigen Annuitäten zurückzuzahlen und als Garantie hierfür die erste Rate im voraus zu erlegen. Was die körperlich Tauglichen betrifft, die ganz mittellos dastehen, so müssten sie als Arbeiter mit anständigem Lohn Verwendung finden. Ein Teil dieses Lohnes sollte zurückgehalten werden, um sie in die Lage zu versetzen, nach einigen Jahren eine Farm selbst zu erwerben. Man wird vielleicht fragen, wie ich, der ich ein ausgesprochener Zionist bin, mit ausgesprochenem Glauben an die Verwirklichung des Zionismus, dazu komme, von der Kolonisation in anderen Ländern zu sprechen. Eben weil ich ein Zionist bin, tue i c Ii e s. Ich sehe, dass aus verschiedenen Ursachen die unmittelbare Verwirklichung des zionistischen Planes sich verzögert und mein Projekt zielt darauf hinaus, die künftigen Bürger eines jüdischen Staates nach meinem besten Wunsche und unter meiner ernstesten Mitarbeiterschaft zu erziehen. In mancher der argentinischen Kolonien ist der zionistische Geist eine lebendige Kraft. In Karinel wurde ich von fünfundzwanzig Reitern auf ungesattelten Pferden erwartet; jeder von ihnen trug die zionistische Flagge. Die Jugend dieser Kolonien, von Kindheit auf an die Arbeit gewöhnt, kernig und mannhaft, gibt ein viel aussichtsreicheres Material für eine Nation ab, als die in den Ghetto-Spelunken geborenen Kinder. Aus diesem Grunde hoffe ich, die „Jüdische Kolonialbank" mit der „Ica" Hand in Hand arbeiten zu sehen, zu welchem Zwecke der Zionismus a u c Ii nicht ein Jota von seinen Endzielen abzuweichen braucht. Stürmischer Beifall folgte dieser bedeutsamen Rede. ^pFibäiK* Tlumacz. In unserer Stadt mit einer Einwohnerzahl von mehr als 10.000 Seelen, Sitz der politschen Behörde, in einem der bedeutendsten Bezirke Galiziens, ist die Stelle eines Arztes vakant geworden. Es ist umsomehr eine fühlbare Lücke auszufüllen, als der Bezirk?arzt sich fast nie mit Privatpatienten abgibt und alles auf den Stadt-

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