Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 29 (18.7.1902)
- Article
- Die Beschuldigungen des Mainzer "Israelit"
- Date
- 1902-07-18
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Seite 9 Erklärung in der nächsten Nummer des „Israelit" an auffallender Stelle zu veröffentlichen. Herr Lehmann verpflichtet sich weiter, von dem Verfasser bezw. Einsender der gegen die Bank gerichteten Artikel keinerlei schriftstellerische Erzeugnisse, von dem Verfasser des anfangs des Jahres erschienenen Artikels „Der Zionismus und die Judenmissiona in Zukunft keinerlei gegen den Zionismus gerichteten Artikel zu veröffentlichen. Herr Lehmann verspricht ferner, in Zukunft in der Kritik der zionistischen Bestrebungen loyal vorzugehen. Er zahlt für einen von den Klägern zu bestimmenden Zweck eine Geldbusse, übernimmt auch sämtliche Kosten des Verfahrens einschliesslich der den Privatklägern erwachsenen notwendigen Auslagen. Die Privatkläger nehmen nach Veröffentlichung der Erklärung im „Israelit" die Klage zurück. V. g. u. gez. D. Wolffs ohn „ Dr. Schauer gez. Oskar Lehmann. „ Dr. Friede mann. Zwei Erklärungen des Mainzer „Israelit". Im „Mainzer Israelit" vom 14. Juli veröffentlicht die Redaktion dieses Blattes folgende Erklärung: „Mainz, 11. Juli. Wir hatten gestern eine hochinteressante Unterredung mit dreien der hervorragendsten Führer der zionistischen Bewegung. Mancherlei Missverständnisse wurden bei dieser Gelegenheit zwischen uns beseitigt. Auf vieles werden wir später noch zurückkommen; einstweilen möchten wir folgendes erklären: In Nr. 23 dieses Blattes vom 20. März 1902 war eine Korrespondenz, „Berlin, 16.März 1902", mit der Überschrift „Die Bilanz der Jüdischen Kolonialbank" abgedruckt. Nach Einsicht und Prüfung des uns auf unser Ansuchen zur Verfügung gestellten Materials haben wir uns davon überzeugt, dass die in genanntem Artikel enthaltenen Mitteilungen über die „Jewish Golonial Trust" jeglicher Begründung entbehren und bedauern es lebhaft, einer derartigen Zuschrift Raum gegeben zu haben. Wir werden von dem Einsender dieses Artikels, der uns falsch informiert hat, keinerlei Einsendungen mehr aufnehmen. In Nr. 12 und 13 vom 13. Februar 1902 unseres Blattes war von unserem damaligen Baseler Korrespondenten an leitender Stelle ein Artikel „Hinter den Kulissen der Kongresskomödie" veröffentlicht worden, der die Mitteilung enthielt, Dr. Max Nordau hctbe für sein Auftreten auf den Zionistenkongressen Entgelt erhalten. Wir erklären hiermit, dass uns weder bekannt ist, dass Dr. Nordau für sein Auftreten auf dem Kongresse ein Entgelt bekommen habe, noch besitzen wir irgendwelche Anhaltspunkte für eine derartige Unterstellung. Wir nehmen deshalb diese Behauptung mit dem Ausdrucke lebhaften Bedauerns zurück und erklären ausdrücklich, dass es uns ferne lag, der persönlichen Ehrenhaftigkeit des Herrn Dr. Nordau nahezutreten oder demselben unlautere Motive zu unterschieben oder unlautere Handlungsweise vorzuwerfen". Die Dezennialfeier des Maccabean Club in London. Oberst Goldsmid über den Zionismus. Montag den 7. Juli feierte dieser vornehmste jüdische Klub Londons seinen zehnjährigen Bestand durch ein Bankett im Great Central Hotel. Dabei wurde auch der seit dem Bestände des Klubs an dessen Spitze gestandener Präsident, der berühmte Maler Mr. Salomon J. Solomon, A. R. A. (Mitglied der königl. Akademie der Künste), der kürzlich zurückgetreten war, gefeiert. Den Vorsitz führte der neue Präsident Oberst Goldsmid, der aus dem Kriege, in welchem er Generalstabschef des General Kelly- Kenny war, glücklicherweise unversehrt heimgekehrt ist. 120 Personen nahmen an dem Diner teil, darunter von hervorragenden, auch ausserhalb Englands bekannten Notabilitäten Oberst David Harris, Sir H. HL Howard, Prof. J. Gollanez, Prof. Richard G otth eil, Präsident der amerikanischen „Federation\ Prof. D. P h i 1 i p p s o n, Israel Z a n g w i 11. Das Ehrenmitglied . des Klubs, Dr. H e r z 1, nahm seiner tiefen Trauer wegen an dem Bankett nicht teil Nachdem der Präsident denKönigstoast gesprochen, der mit gebührendem Respekt und in Hinblick auf des Königs Krankheit mit inniger Teilnahme aufgenommen wurde, brach Mr. H. S. Q. Henriques einen Trinkspruch auf die „Makkabäer" aus. Er gedachte der Gründung und Entwicklung des Klubs, seiner Mitglieder, welche die Geistesblüte der englischen Judenschaft darstellen, und seiner Schöpfungen: der jüdischen Kinderbrigade (Jewish Lads Brigade) und der jüdischen Athletic-Gesellschaft, welche in Amerika Nachahmung fanden. Präsident Oberst Goldsmid antwortete auf diesen Trinkspruch. Er sagte: „Im Laufe eines Menschenlebens gleichen gewisse Ereignisse den Wegweisern auf der Strasse. Ein solcher Wegweiser war der Augenblick vor mehr als zehn Jahren, da Mr. Oswald John Simon mir die Idee anvertraute, welche ihm und anderen gekommen war, einen Klub zu gründen, dessen raison detre die Sammlung der zerstreuten geistigen Elemente unserer Rasse in dieser Metropole sein sollte. Viele von diesen Elementen stammen aus der Provinz, und unsere Gemeinde lief Gefahr, sie zu verlieren, während sie dagegen durch gegenseitiges Kennenlernen, durch Austausch ihrer Ideen, betreffend die Interessen unserer Rasse und unseres Glaubens und durch gemeinsame Arbeit nicht nur sich selbst, sondern auch der Gemeinde Nutzen bringen konnten. Die Frage hatte gleich meine vollste Sympathie. Der Name „Makkabäer" wurde gewählt, in Erinnerung an die Renaissanze von Israel unter der unsterblichen Heldenfamilie, und in Hoffnung, dass das unvergängliche Beispiel, das wir uns vorgesetzt haben, uns aneifern würde, wenn auch in bescheidener Weise, für das Wohl und Gedeihen unserer Rasse zu wirken. Die ersten zehn Jahre unseres Bestandes waren unter der Präsidentschaft Mr. Salomon J. Solomons, des genialen Künstlers, wahrhaft nicht unfruchtbar. Keine Frage von Bedeutung für unsere Rasse ist aufgetaucht, ohne von uns erörtert worden zu sein, alle Ansichtsnuancen sind zum Ausdruck gekommen, und ich darf ruhig sagen, ohne einen Widerspruch befürchten zu müssen: Unsere Gesellschaft umfasste all Schattierungen unseres Volkes, vom extremsten Orthodoxen bis zum weitesten Freidenker, vom eifrigsten Zionisten bis zum wütenden Assiniilanten.