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Die Welt · 1902-07-11 · 28 (11.7.1902) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
28 (11.7.1902)
Article
Prag [Nachricht]
Date
1902-07-11
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die £ Welt" Nr. 98 Kollege Emil Obernik, das Wort zur Tendenzrede, in welcher er das Wesen unserer Gegner krass beleuchtete. Dieser Rede folgte stürmischer Beifall, worauf die Vertreter der Vereine ihre Sympathien für den jungen Verein kundgaben. Der Aufforderung zum Beitritt, gesprochen vom Kollegen S c h w arz, folgten 21 Anmeldungen. Aus dem gemütlichen Teile des Abends seien hauptsächlich hervorgehoben die Gedichte des Kollegen H. Klein, vorgetragen vom Kollegen Kaminski, die Liedervorträge des Herrn Bloch, die Rezitationen des Herrn Hönigstein etc., die ungeteilten Beifall fanden. Erwähnt sei hier, noch, dass von den zirka 80 jüdischen Absolventen?der hiesigen Handelsakademie 21 dem Vereine beitraten. Deutschland. Leipzig. (Zionistische Volkslesehalle und Bibliothek.) Der jungjüdische Abend, der am Sonnabend den 26. Mai im „Krystallpalast" veranstaltet wurde, hatte trotz des heftigen Regens einen überaus zahlreichen Besuch. Die Mitglieder des Theater- und Gewandhaus- Orchesters, die Herren E. Kolb (Konzertmeister), H. Denk, O. v. Berlepsch und A. K1 u d t ernteten durch ihre Vorträge sehr reichen Beifall. Der Klavier-Vortrag von Frau v. Berlepsch wurde ebenfalls mit stürmischem Beifalle aufgenommen. Die Klavierbegleitung des musikalischen Teiles übernahm freundlichst Herr Kapellmeister E. Buch. Die „Zionide" von Jehuda Halevy und „Also sprach Jesaja" von B. v. Münchhausen, vorgetragen vom Mitgliede des hiesigen Stadttheaters, Herrn J. Feistel, gefiel dem Publikum ausserordentlich. Herr Feistel musste noch ein Gedicht von Heine vortragen. Mit grosser Spanuung lauschte das Publikum den jüdischen Volksliedern, wie: „Das Alef Beiss", „Das Trauerlied", „Des Miliners Thrären", sowie den syrisch-palästinensischen Melodien. „Od-lo-owdo" und „Nudu lamjaleles", die von der Opernsängerin Frl. Otty Severra, Berlin, mit Innigkeit vorgetragen wurden. Der Künstlerin wurde unter stürmischen Beifall ein Lorbeerkranz mit blauweissen Schleifen überreicht. Zum Schlüsse ereichte die Begeisterung des Publikums den Höhepunkt durch das Bruchsche „Kol-Nidrei", von Herrn Josef Schwarz, Wien, meisterhaft gesungen. Bis 4 Uhr morgens unterhielt sich das Publikum in den schönen, mit jüdischen Bildern dekorierten Sälen mit Ball, Tombola und Juxpost Um das Zustandekommen des Abends machten sich besonders verdient die Herren Studenten L. Burst ein und Busslik. Schweiz. Freiburg. Dank den Bemühungen der Herren J. M. Salkin d und F.Brunschwig von der Berner „Kadimah" welche am Donnerstag den 25. Juni einen Agitatationsabend in Fre iburg (Schweiz) abgehalten haben, ist dort eine zionistische Ortsgruppe gegründet worden, der fast die ganze dortige jüdische Gemeinde angehört. Die Versammlung war stark besucht, auch von den Damen der Gemeinde. Russland. Proskuroff. Am 10./23. d. M. fand hier eine Generalversammlung der hiesigen Vereine „Zion", „Pirchei Zion" und „Chajute Zion* statt. Es wurden Vorträge gehalten über „Die Allgemeine Geschichte desZionismus" (Cheleme r). „Die Geschichte der zionistischen Bewegung in Proskuroff*' (Berger), „Die Missverständnisse unten den Kultur- und politischen Zionisten" (hebräisch, J. G r ü n b e r g) u. a. Auf Antrag des Herrn D. Rapaport wurde beschlossen, L die Mitglieder des grossen A.-C. und den Distrikts- Bevollmächtigten Herrn Bendersky zu befragen, warum nicht für einen Parteitag in Russland gesorgt wird, ± dem A.-C. das Vertrauen auszudrücken, 3. dem Herrn Doctor H e r z 1 anlässlich seines schweren Verlustes das Mitgefühl auszudrücken. Schag (Russland). Unsere Stadt liegt ganz nahe an der Grenze ^Preussens. Sie zählt mehr als 500 jüdische Familien, deren Beschäftigung Kleinkrämerei und der Hausierhandel sind. Es sind hier mehr Verkäufer als Käufer und man kann sich leicht denken, in welchen Formen der Kampf ums Dasein sich hier entwickelt. Man hätte glauben können, dass die Propaganda für die Idee des Zionismus auf eine abgestumpfte Masse treffen werde; im Gegenteil hat dieselbe hier guten Boden gefunden und tiefe Wurzel geschlageu. Vor drei Jahren wurde hier ein zionistischer Verein unter dem Namen „Agudath Hazionim" gegründet, der auf dem Baseler Programme fusst und beinahe 200 Mitglieder zählt. Dank den Bemühungen der Herren S. Löwenstein und J. S c hm u elo vitz sind bis jetzt mehr als 100 Shares verkauft werden. Am 15. Juni hielt der Verein im Kultuslokale eine seiner Versammlungen ab, in der Herr Jodide (als Gast) das Wort ergriff und über Zionismus und die Kolonialbank sprach. Es wurden noch 20 neue Shares gezeichnet und eine neue Organisation gegründet. An dieser Stelle drücken wir Herrn Jodido unseren besten Dank aus. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Herr J. Löwenstein, Präsident, Herr S. Schmuelovitz, Sekretär, S.Wal ler st ein, Kassier. Es wurden Sammler für die Zahlung der Schekel und Shares bestimmt. Es ist auch bei uns durch die Initiative und Leitung der Schreiberin dieser Zeilen vor 3 Jahren ein Mädchen-Verein ,Benoth Zion" ins Leben gerufen worden, der 70 Mitglieder zählt und ausser der Schekelsammlung auch die Verbreitung der zionistischen Idee, der Kenntnis der jüdischen Geschichte und allgemeiner Bildung bezweckt; dazu] richtete der Verein eine Bibliothek aus russischen Büchern zionistischen Inhalts ein. Der Verein veranstaltete mehrere Abende, deren Reinerträgnis stets den jüdischen Arbeitern Palästinas und dem Nationalfonds gewidmet war. Ich denke, dass man uns in den benachbarten Städten nachahmen sollte. Eugenie Eiger. Rumänien. Bukarest. Herr Gabriel Schapira gründete am 29. April 1901 mit seinen Freunden die Sektion „D r. R ü lf" und es gelang ihnen im Laufe eines Jahres, mehr als 700 Mitglieder zu gewinnen. Die Einkünfte wurden für zionistische Zwecke verwendet, und zwar: 60 Perzent für Kolonialbank-Aktien, 20 Perzent für Schekel an das rumänische Zentralkomitee, 3 Perzent für Spesen an das rumänische Zentralkomitee, 17 Perzent für Vereinsspesen, Inkasso, Konferenzen, Propaganda etc. Im Laufe dieses Jahres sandten wir an die Kolonialbank 1260 Frcs. für 48 Aktien, die wir jeden Monat auslosten und an die Gewinner verteilt haben. (Jeder muss eine Aktie gewinnen.) Ausserdem sandten wir noch 947*10 Frcs. an die Bank für von verschiedenen Leuten teilweise bezahlte 61 Aktien. Für Schekel 500 Frcs. An das rumänische Zentralkomitee 78*79 Frcs. Summe 2785.80 Frcs. ausser unseren eigenen Spesen. Wir haben auch in unserer Kassa 153 05 Frcs. für den Nationalfonds. Folgende Herren wurden in das Komitee gewählt: Gabriel Schapira, Präsident; Leopold Hascalovici und Heinrich Marcus, Vizepräsidenten; Rudolf Sc hör und M. Schönberg, Sekretäre; Heinrich Buiumovici und Achil Braunstein, Kassiere; Leon Weintraub und Lupu Haimovici, Zensoren; Zalman Finkelstein, Josef Neidmann, Nathan Kamiel, Emil Kamerling, Salomon Marcus und Julius B er man, Beisitzer. Psalm 45. „Mein Herz dichtet ein feines Lied . . ." Aus meinem Herzen steigt und klingt Ein Lied wie edler Harfenton, Von eines Königs Herrlichkeit Auf Davids altem Königsthron. Dir jubelt Juda, wenn du kommst, Gekrönt mit Macht und Siegerruhm, Und baust mit wundervoller Kraft Den Tempel und das Königtum! Du kommst als rechter Friede-Fürst, Und Segen strahlst du nah und weit, Das g'rade Zepter deines Reichs Ist Weisheit und Gerechtigkeit. In Kezia und Myrrhenduft, In Glanz und Schönheit gehst du hin, Und lieblich dir zur Rechten geht Holdselig deine Königin. Du bettetest die Väter einst Zum letzten Schlaf in fremder Erde, O dass aus deiner Königin Der Retter uns geboren werde! --Aus meinem Herzen steigt und klingt Ein Lied von neuen Israel, Ein Sehnsuchtsschrei nach dir, nach dir, — Immanuel! Berlin. Dolorosa.

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