Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-07-11 · 28 (11.7.1902) · p. 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
28 (11.7.1902)
Article
Hameliz [Rezension]
Date
1902-07-11
Page
11 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3315988-3322813--33427-3322890
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 28 «Die 2*s Welt" Seite 11 ins Ungemessene steigen, so dass es fast unmöglich würde, grössere Grund.komplexe zu erwerben, und der Boden, die Grundlage des grossen nationalen Bauwerks, das wir in Palästina aufführen wollen, in fremden Händen bliebe. Hierdurch würden wir, ebenso wie in der Diaspora, in ein abhängigkeitsverhältnis zu unserer Umgebung geraten. Aber auch abgesehen davon, wollen wir ja in Palästina die Wiedergeburt des jüdischen Volkes herbeiführen, wollen ein neues, gesundes und bodenständiges Geschlecht heranziehen, dass alle Unrast des Golus abstreifen soll und mit unlösbaren Banden an die neue Heimat geknüpft sei. Welcher Wirtschaftszweig kann nun ein solches Geschlecht züchten, der Ackerbau oder die Industrie? Ohne Zweifel ist hierzu nur der Ackerbau geeignet. Der Artikelschreiber stellt sich die zweckmässige Entwicklung der jüdischen Besiedelung Palästinas folgendermassen vor: In erster Linie müsse die legale Basis für eine Kolonisation in grösstem Masstabe durch eine Urkunde öffentlich-rechtlichen Charakters, mag diese nun „Charter" oder „Amr el Sultan" heissen, geschaffen werden. Zweitens müsse man an die „Auslösung des Bodens" im weitesten Sinne des Wortes schreiten. Ein Teil dieser Arbeit könne schon vor der Erlangung des Charters verrichtet werden. 'Sämmtlicher verkäufliche Boden müsse nach und nach in jüdisches Besitztum umgewandelt werden. Je mehr wir uns damit beeilen, desto leichter werden wir diese Aufgabe durchführen können. Den ganzen südlichen Landstrich von Judäa, dessen Boden sich im Besitze einzelner arabischer Scheichs befindet, könnten wir zu verhältnismässig sehr geringem Preise an uns bringen. Aber auch im Norden Judäas und in Galiläa, in der Ebene Jesreel, zwischen Cäsaräa und Chaifa etc. gibt es eine ganze Menge grosser und fruchtbarer Grundkomplexe, in deren Besitz wir mit Leichtigkeit gelangen könnten. Hier öffnet sich dem Jüdischen Nationalfonds und der Kolonialbank, aber auch einzelnen Zionisten und zionistischen Privatgesellschaften ein weites Tätigkeitsgebiet. Sodann stünde uns die eigentliche Besiedelungsarbeit bevor, die, auf gesunden landwirtschaftlichen Prinzipien aufgebaut und von allen Mängeln des Bevormundungssystems frei, ganz gewiss gelingen müsste. Erst in vierter Reihe käme die Begründung von Industrien, insbesondere die Verarbeitung der Bodenprodukte und sonstigen Rohstoffe. Nur einfc derartige natürliche Entwicklung der Dinge könnte uns die Gewähr bieten, dass wir unser Ziel erreichen. $\us der JSe^egunS* Basel. Das Landes komiUe des Schweizerischen Zionistenver bände s, in welches jeder Verein einen und die grösseren Gruppen auf je 50 Mitglieder einen Delegierten entsenden, versammelte sich zum zweitenmale in diesem Jahre am 29. Juni in Bern im grossen Saale der Viktoria-Halle. Von dem Anwachsen der zionistischen Bewegung in der Schweiz legt die G r ü ndung von vier neuen Vereinen in Baden (Aargau), Freiburg, Bern (Zionistenverein) und Basel (Verein „Zion") beredtes Zeugnis ab. Dem Landesverbände gehören nunmehr 14 Vereine an, die sich durch 19 Delegierte hatten vertreten lassen. Der Präsident des Geschäftsausschusses, Herr Joel Weil, gab in seinem Eröffnungsworte der Freude über das stete Fortschreiten des Zionismus Ausdruck und hiess besonders die zum erstenmale anwesenden Vertreter der neuen Vereine willkommen. Das Tagesbureau wurde bestellt aus den Herren Dr. Camille L e vy (Biel), Präsident; Sigm. V eit (Basel), Vizepräsident; Moritz Levy (Basel) Aktuar. Aus der reichhaltigen Traktandenliste seien nur einige Punkte erwähnt. Der allgemeine Geschäftsbericht sowie der Kassabericht des Ausschusses, letzterer einen bescheidenen Ueberschuss aufweisend, wurden gutgeheissen. Auf Antrag Dr. Färb st ein (Zürich) wurde eine Kommission von vier Mitgliedern gewählt, welche die Frage näher prüfen soll, wie in der Schweiz den Palästina weinen besserer Absatz geschafft werden könne und ob zu diesem Zwecke nicht eine Genossenschaft zu gründen sei, welche aus Zionisten und Mchtzionisten bestehen könnte. Der Kommission gehören an: Dr. Farbstein (Zürich), Dr. Pasmanik (Genf), Dr. Levi (Biel), J. Meyer CBasel). Eine besondere Kommission, Joel Weil (Basel) Veit (Basel), Eiss (Zürich) und Salkind (Bern), soll dahin arbeiten, den Palästina-Ethrogim schon in diesem Jahre Eingang in die Schweiz zu verschaffen. Ueber eine eingelangte Resolution des Inhaltes, in den zionistischen Vorträgen sei das jüdische Volkstum mehr zu betonen? wurde, nachdem festgestellt wurde, dass solches stets in vorzüglicher Weise geschehen sei, zur Tagesordnung übergegangen. Zur Propagierung des Jüdischen Nationalfond sind einheitliche Büchsen in den zionistischen Farben nebst einer entsprechenden Aufschrift angefertigt worden, die in Synagogen, Vereinslokalen, Restaurationen und anderen öffentlichen und auch privaten Lokalen aufgestellt werden sollen, was zu einem grossen Teile bereits geschehen ist. Einige andere, die Förderung des Nationalfonds bezweckende Anregungen fanden Anklang. Die praktischen Resultate der für den Nationalfonds gemachten Anstrengungen sind recht erfreuliche, indem seit dem Frühjahr in der Schweiz über Frcs. 1000.— eingingen. Das Geld soll in Checks auf London an die „ Welt" abgeführt werden. Des Nationalfonds wurde aber nicht nur in Worten gedacht: am Mittagstiscb wurde das „Benschen" versteigert und auf diese Art, die gleichzeitig als Anregung gelten mag, von den Delegierten Frcs. 36.— gespendet. Um auch für die Kolonialbank mehr wirken zu können, wurde beschlossen, auf Errichtung einer Zahlstelle in der Schweiz hinzuwirken. Zu einem neuen Organisationsstatute lagen zwei Projekte vor, welche jedoch Zeitmangels halber nicht mehr in Beratung gezogen werden konnten und deshalb einer fünfgliedrigen Kommission, Dr. Farbstein (Zürich), Dr. Levy (Biel), Dr. Pasmanik (Genf), Chissin (Bern), M. Levy (Basel) überwiesen wurden, welche dem demnächst, im Oktober, wahrscheinlich in La-Chaux-de-Fonds sich versammelnden Landeskomitee ein Einigungsprojekt vorlegen soll. — Am Abend versammelten sich die meisten Delegierten sowie ein zahlreiches Publikum aus Bern zu einem von der jüdisch-nationalen Studentenverbindung „Kadimah" veranstalteten Festkommers, bei welchem Anlasse noch manch treffliches zionistisches Wort gesprochen wurde. M. L. * Voranzeigen. Wien. (Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein.) Sonntag den 13. d. M. findet ein Ausflug nach Purkersdorf-Hochrahmalpe statt. Abfahrt präcise halb 2 Uhr nachmittags. Stadtbahnstation Schottenring. Mitglieder zahlen keinen Regiebeitrag. Wien. („Verein jüd. jugendlicher Arb eit er.") Zahlstellen: IL, Rembrandtstrasse 18 (Kuhns Gasthaus), Vereinsabend jeden Mittwoch. IX., Türkenstrasse 9, Th. 28, Vereinsabend jeden Mittwoch, zugleich Bücherausgabe für alle Zahlstellen. XX., Klosterneuburgerstr. 33 „Weilandhof, Vereinsabend jeden Dienstag. — Juli-Programm. Veranstaltungen der Zentrale : Sonntag den 13. Juli öffentliche Versammlung im „ Weilandhof*, XX., Klosterneuburgerstr.33. Beginn 10 Uhr vormittags. Tages-Ordnung : I.Organisation, 2. Gründung einer Ortsgruppe für den XX. Bezirk, 3. Eventuelles. Referent Dr. Zweig. — Sonntag den 20. Juli Excursion auf die Sternwarte (Hohe Warte). Abmarsch vom Restaurant Kühn um 8 Uhr vormittags. — Sonntag den 27. Juli III. ordentliche Generalversammlung im Privatlokale IX., Türkenstrasse 9, um 2 Uhr nachmittags. Tagesordnung: 1. Berichte, 2. Wahlen, 3. Eventuelles. Berichte. Oesterreich-Ungarn. Prag. Der Verein absolvierter jüdischer Handelsakademiker „Fraternitas" veranstaltete am 28. Juni d. J. in Heines Grand-Restaurant einen Absolventen-Abend. Der Vorsitzende Kollege S c h ö n fe 1 d begrüsste vor allem das Mitglied des Aktionskomitees Herrn Karl Reze k, die Vertreter der Prager zionistischen Vereine und schliesslich die Abiturienten der Prager Handelsakademie. Gleichzeitig widmete er dem dahingeschiedenen Kollegen O. Wahrhaftig einen tiefempfundenen Nachruf, wobei sich die Anwesenden zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben. Sodann ergiff der Obmann des Vereines,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.