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Die Welt · 1902-07-11 · 28 (11.7.1902) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
28 (11.7.1902)
Article
Jaffa
Date
1902-07-11
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 28 „Die Weit" Seite 9 wenn sie keine oberflächliche sein soll, in erster Linie statistische Daten über die sittliche und materielle Lage des Arbeiters, ihre Leistungen und Verwendbarkeit, erheischt. Behufs Erlangung solcher Kenntnisse mussten wir alle Kolonien bereisen, die lokalen Zustände in Augenschein nehmen, uns von jedem Arbeiter einen formulierten Fragebogen unterschreiben lassen. Ferner gab jeder Arbeiter separat seine Meinung ab über die Art, wie die Arbeiternot zu beheben sei. Hier die Abschrift des Fragebogens: 1. Alter? 2. Familienmitglieder und deren Alter? 3. Beschäftigung im Geburtslande? 4. Aufenthaltsdauer An Palästina? 5. Bisherige Tätigkeit, jetzige Tätigkeit und wo? 6. Tag- oder Monatslohn? 7. Ob derselbe die Bedürfnisse deckt? 8. Ob der Befragte irgend einen Mobilien- oder Immobilienbesitz aufzuweisen habe? 9. Ob er eine Privatunterstützung während der Zeit erhielt? 10. Ob und wieviel Miete er bezahlt. 11. Seine Meinung über die Zukunft? Nachdem wir im Besitze dieses Materials waren, gingen wir zur Arbeit über. In den nächsten Sitzungen folgen unsere Arbeitsprospekte, worüber wir Ihnen berichten werden." Die Resultate der kleinen Kolonisation. - Geehrte Redaktion! Unter dem Titel „Die Resultate der kleinen Kolonisation" brachten Sie in Ihrer letzten Nummer eine ]STotiz3 aus der der Leser den Eindruck gewinnen musste., dass die Kolonie Maclmajim,, wenn sie überhaupt noch bestellte aufgelassen "werden müsste, weil schon bei der Gründung ihr Bankerott vorauszusehen Avar. Nun, mit dem traurigen Schicksale dieser „mit Applomb und Lärm" gegründeten Kolonie scheint sich die kompetente öffentliche. Meinung überhaupt zu wenig zu beschäftigen, insbesondere muss der Indifferentismus jener Herren auffallen, die dem hiesigen Vereine „Ahawas Zion" zum Ausbaue der Kolonie grössere Beträge zur Verfügung stellten. In Wien ist man über das Los der bedauernswerten Kolonisten, die ihre letzte Rabe verkauften und den Erlös dem Vereine „Ahn was Zion" übergaben, mangelhaft unterrichtet und muss es auffallen, dass weder von Seiten des Präsidenten des genannten Vereines, der bis jetzt offiziell zu existieren nicht aufgehört hat, noch des gewesenen Verwalters von Maclmajim ader die Kolonisten, unbekümmert um ihre Zukunft, sich selbst überHess, auf die Birminghamer Notiz von Nr. 20 der „Welt" bis jetzt reagiert wurde. Der Vorsitzende der Chovevi Z.-Association in Birmingham, Rev. (I. »J. Emanuel, erwähnte in der Jahressitzung, es sei ihm von einem aus Palästina heimgekehrten Herrn mitgeteilt worden, dass etwas wie Veruntreuung in der Verwaltung der Kolonie Machnajim vorgekommen sei und kündigt eine Untersuchung der Angelegenheit an. Ich, der ich dem Ausschüsse des „Ahawas Zion" eine Zeitlang angehört habe und aus demselben austrat, als in mir Bedenken über diei Korrektheit in der Verwaltung auftauchten, TTie sich unmöglich kontrollieren Hessen, würde es mit besonderer Genugtuung begrüssen, wenn die Untersuchung des Rev. Emanuel die Wahrheit ans Tageslicht bringen würde. Hochachtungsvoll Dr. A. A. Budapest. In der am 524. Juni abgehaltenen Sitzung des neugegründeten „ComiteszurUnterstützung verfolgter Juden* ergriff zum Schlüsse der journalistische Vorkämpfer des Antizionismus in Ungarn, Herr Max Szabolcsi. das Wort zu einem dreisten demagogischen Ausfall auf den Zionismus. Er wolle die Aufmerksamkeit darauf lenken — sagte er — dass, während die Kommission über die Herbeischaffung neuer Geldspenden für die rumänischen Juden berät, in einer wohlverschlossenen Kassa in London Millionen lagern, die von den Pfennigen armer Juden zu Kolonisationszwecken zusammengeschossen wurden, an die man aber nicht rühre (Rufe : „Zionisten"), mag die Not der rumänischen Juden noch so gross und brennend sein. Das Geld halten eben diejenigen fest, die es sich zur Aufgabe gemacht hätten, Männer, wie diese, herabzuzerren, welche hier beratschlagen. Wie „Egyenlöseg", das Blatt des Herrn Szabolcsi, berichtet, liessen die Versammlungsteilnehmer den Redner nach Beendigung seiner von Sachkenntnis und Billigkeitserwägungen ungetrübten Auslassungen hochleben. „Männer, wie diese", scheinen von ihrer Tätigkeit für das jüdische Volk, die in der Versendung „diskreter" Schnorrbriefe an jüdische Finanzgrössen (vgl. die Zeitschriftenrundschau unserer vorigen Nummer) besteht, eine gar hohe Meinung zu haben und quittieren die Anstrudelung für diese grossartige „Aktion" mit Eljen-Rufen. Etwas mehr Bescheidenheit wäre da sicherlich am Platze. Die Zionisten aber werden sich's nicht nehmen lassen, diese armselige AlmosenpolLtik und deren Vertreter auch weiterhin „herabzuzerren*, die mit ihrem ganzen planlosen Kraftaufwand es nur dahin bringen können — wir zitieren die Worte unseres verehrten Gesinnungsgenossen Israel Z a n g w i 11 — dort wo früher ein Schnorrer war, zwei grosszuzüchten, Was nun die „Jüdische Koloniaibank" betrifft, so wird sie sich wohl hüten, ihre Kapitalien, die den Zwecken einer vernünftigen territorialen Konzentration des jüdischen Volkes in der alten Heimat dienen sollen, zu weiterer unsinniger Zersplitterung, zu einer Vergrösserung des Golus und seiner Notstände zu verwenden. Es hat sich ja gezeigt, was die „Ica" und die verschiedenen Allianzen mit ihrem System- und ziellosen Ueberleiten der notleidenden Juden nach Argentinien und Kanada erreicht haben. Der grösste Teil der rumänischen Auswanderer, die vor zwei Jahren von den jüdischen Wohltätigkeitsgesellschaften nach verschiedenen Teilen Amerikas verfrachtet worden waren, ist bekanntlich nach Rumänien zurückgekehrt, das sie noch immer den kanadischen und argentinischen Wüsteneien vorzuziehen scheinen. Kurz und gut: die Herren Almosenpolitiker in Budapest und anderwärts werden uns Zionisten schon gütigst gestatten, ihre Methode der Judenhilfe zum alten Eisen zu werfen und unsererseits modernere und vernünftigere Wege zur Abhilfe einzuschlagen. Z. Assimiiations-Blüten. Wir erhalten folgende Zuschrift: M.-Sziget, den 6. Juli 1902. Zu welchen Verwerf lichkeiten sich kriecherische Assimilanten hergeben können, mag folgender Fall illustrieren: In der heutigen Nummer des „Magyarorszäg", eines judenfresserischen Tagblattes, wird von Dr. Alexius Neuwirth aus K aschau, einem Juden, ein Brief veröffentlicht, in welchem er seiner Verwunderung darüber Ausdruck gibt, dass die Regierung, wie auch die ungarische Gesellschaft noch gar keine Schritte gemacht hat, um den Umtrieben der „Chazaren" (antisemitische Umschreibung für Juden, speziell die der nordöstlichen, an Galizien grenzenden Komitate), welche Nikolaus Bart Ii a in seiner antisemitischen Schmähschrift „Kazärföldön* als Blutsauger und Ausbeuter der armen Gebirgsbauern schilderte, ein Enie zu machen. Er bestätigt die Anklagen Barthas und sagt, dass dieser mit den „Chazarena noch zu sanft umgegangen sei, da sie noch viel schlimmer seien und alle ausgerottet zu werden verdienen. Doch unser jüdischer Magyare begnügt sich nicht mit seiner herostratischen Leistung, sondern sucht in seiner heldenhaften Selbstverleugnung nach einem Zeugen, den er auch findet in der Person eines Fabrikanten, namens Nikolaus U n g a r, welcher, um nur seinen ehrenwerten Namen in einer Zeitung gedruckt zu sehen (vielleicht um auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege seinen Erzeugnissen Reklame zu machen), seine eigenen Brüder der schmählichsten Verbrechen beschuldigt und mit seinem Geifer besudelt. Ueber die armen Ruthenen, deren Mark die vermaledeiten „Chazaren" aussaugen, weint er Krokodiltränen. Um seinem Werke die Krone aufzusetzen, denunziert er die harmlose Hilfsaktion für auswandernde rumänische Juden als staatsgefährlich und erklärt es für unzulässig, solcherart den Bemühungen Egans entgenzuwirken. Solche Blüten reift die Assimilation! Indem ich noch die Namen der wackeren Herren der Beachtung aller edeldenkenden Juden empfehle, zeichneich mit Hochachtung und Zionsgruss Eduard Fuchs. Personalnachrichteti. Todesfall. Am 4. Juli verschied in Baden im 87. Lebensjahre Herr Simon M i c h 1 u p, der Schwiegervater des Herrn Dr. Ernst Franz Weisl.

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