Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 27 (4.7.1902)
- Article
- Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1902-07-04
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 Die £ Welt66 Nr. 27 gangen waren und die einen würdigen Verlauf nahm. Herr cand. jur. S. Schwarzschild hob in seiner Begrüßungsrede hervor, dass man zu einer friedlichen Auseinandersetzung und Erklärung der zionistischen Idee hierhergekommen sei und erteilte sodann das Wort Herrn Fritz Sondheimer zu dessen Referat: „Jüdische Nationalität und Kunst", Mit sichtlichem Interesse folgte die Versammlung den interessanten Ausführungen des Herrn Referenten, die mit allseitigem Beifalle aufgenommen wurden. Herr Dr. Fuchs, Redakteur des „Hamagid", der auf der Durchreise zufällig hier weilte, hielt mit hinreissender Begeisterung einen Vortrag in hebräischer Sprache, in welchem er die Notwendigkeit des Zionismus betonte und die Richtigkeit der nationalen Auffassung aus der Bibel nachwies. Der Vor atzende der hiesigen Zionistischen Vereinigung Herr J. L. Goitein hob mit beredten Worten die Bedeutung des „Schekel* hervor. Da sich nach mehrmaliger Aufforderung kein Gegner zum Werte gemeldet hatte, schloss Herr Schwarzschild gegen Mitternacht die Sitzung. Es erfolgten mehrere Einzeichnungen von neuen Mitgliedern und zahlreiche Beteiligung an der Zahlung desSchekels. Der Abend hat in den hiesigen nichtzionistischen Kreisen allgemeinen Beifall gefunden. Es gereicht uns zur grossen Freude, konstatieren zu könnren, wie gerade hier in Frankfurt a. M., wo der Zionismus vo noch ganz kurzer Zeit so viele „prinzipielle Gegner" hatte, sich die allgemeine Stimmung in eine unserer Bewegung sympathischere umgewandelt hat. Durch weitere Versammlungen hoffen wir, der zionistischen Idee auch hier immer mehr und mehr Freunde und Anhänger zu gewinnen. England. London. Eine öffentliche, allgemein zugängliche Volksversammlung veranstaltete Sonntag den 22» Juni die „West- ZentralZionistSociet y". Mr. G.Lyons, der Ehrensekretär der Gesellschaft, der den Vorsitz führte, musste mitteilen, das der angekündigte Vortrag nicht stattfinden könne, indem der Vortragende im letzten Augenblicke am Kommen verhindert worden sei. Er bat Mr. S. Lennox Loewe vom Stegreif zur Versammlung zu sprechen. Mr. Loewe kam der Aufforderung des Vorsitzenden nach und führte in längerer Rede aus, was der Zionismus für das Judentum bereits geleistet habe, was vo i denZionisten erwartet werden dürfe, was diese aber auch von den Nicht- oder Antizionisten vorauszusetzen das Recht haben. Die Tagung der Fremdeneinwanderungs-Kommission, die Lage der Juden in Russland und Rumänien waren Vorgänge, die allen Juden die Augen öffnen und sie belehren sollten, dass etwas geschehen müsse, wenn einer Katastrophe vorgebeugt werden sollte. Er erwähnte auch des Zusammengehörigkeitsgefühles und der Sympathie, welche der Zionismus unter denaufder ganzen Erde verstreuten Juden gekräftigt habeund forderte die Anwesenden auf, sich df»r mächtigen Renaissance- Bewegung im Judentum anzuschliessen. Lebhafter Beifall lohnte den Redner. Dann wurde noch ein Beileidsvotum für Dr. H e r z 1 anlässlich des schweren Verlustes, der ihn betroffen, beschlossen. . Die Westend - Zionsvereine planen für den September eine grosse öffentliche Versammlung im Westend, dem Sitze der reichen englisch-bürtigen Juden. Manchester. Der Zionismus macht in unserer Stadt sehr grosse Fortschritte. Bekanntlich haben sich die sämtlichen bisherigen Zions-Vereine jüngst in einen einzigen Verein fusioniert, für dessen Unterbringung ein geeignetes Gebäude gemietet wurde, das jedoch auch nicht ganz seinem Zwecke übergeben ist, da verschiedene Reparaturen durchzuführen sind. Die feierliche Eröffnung des ganzen Hauses wird Sonntag den 7. August durch Mr. Jakob Moser, Stadtrat und Friedensrichter in Bradford, stattfinden. Der Lesesaal und die Bibliothek sind jedoch schon sehr in Anspruch genommen. Ein hebräischer Sprach-Klub ist im Vereine gegründet worden und hält jeden Samstagabends seine Versammlungen ab. Jeden Samstag-Nachmittag findet ein Vortrag statt und insbesondere die Reverends Dr. Landau, Dagutzky und W o o 1 f, sowie Mr. M. Simon haben sich freudigst und willigst in den Dienst des Volkes gestellt. Letzten Samstag hielt Mr. M. Simon einen Vortrag über „die Juden von Alexandrien". Nächste Woche wird Mr. Berkovitz über „Nathan den Weisen" sprechen. Sonntag den 20. Juli findet im Comedy Theater, das die Staatsverwaltung gütigst zur Verfügung gestellt hat, ein vom Zions-Vereine einberufenes Massen-Meeting statt, in welchem der eigens aus Bonn herüberkommende Patriarch des Zionismus Rabbiner Dr. Rülf eine Ansprache halten wird. Den Vorsitz wird Stadtrat Dr. Charles Dreyfus, Präsident unseres Vereines, führen. Dr. Herzl, Dr. Gast er und andere hervorragende Zionisten haben ihreTheilnahme an dieser Volksversammlung in Aussicht gestellt. Bristol, Sonntag den 22. Juni fand in dem Sitzungssaale der hiesigen Synagoge die Generalversammlung der „Zionist Assoziation" unter dem Präsidium des Mr. L. Goldberg statt. Die Statuten des Vereines wurden mit den Satzungpn der englischen Federation in Uebereinstimmung gebracht. Unter lebhaftem Interesse wurde ein Share der Jüdischen Kolonialbank ausgespielt. Einstimmig wurde beschlossen, eine Kondolenz-Adresse an Dr. Herzl abzusenden. Nordamerika. Boston. Anlässlich der heuer nach Boston einberufenen Convention amerikanischer Zionisten publiciert das Mai-Heffc unseres Bruderblattes „The Maccabaean" eine Geschichte des Zionismus in Boston, dem wir folgende Mittheilungen über die zionistischen Vereine in Boston entnehmen: Boston ist eine Stadt, welche sammt den Vororten (Gross-Boston) eine halbe Million Einwohner zählt. Es bestehen in dieser Stadt 11 zionistische Vereine, und zwar: 1. „The Hebrew National Association", ca. 100 Mitglieder; junge Männer aus allen Gesellschaftsclassen. Diese Gesellschaft unterhält die Zionistenhalle, das Hauptquatier der Zionisten der Stadt, und eine jüdische Bibliothek, welche auch von Nichtzionisten stark frequentiert wird. Jede zweite Woche veranstaltet der Verein öffentliche Vorlesungen über jüdische Themata, die sehr beliebt siud. 2. „Dorshe Zion Nr. 1«, ca. 600 Mitglieder; ältere Herren, Geschäftsleute. 3. „Dorshe Zion Nr. 3", ca. 100 Mitglieder; ebenso. 4. „Dorshe Zion of Boston", ca. 150 Frauen, die eine sehr rege Thätigkeit entfalten. Der Verein hat soeben eine Samstagschule für Mädchen gegründet. 5. „Dorshe Zion of Chelsea* (einer Vorstadt von Boston), ca. 75 Mitglieder; meist junge Mädchen. Sehr thätig. 6. „Daugthers of Zion" (Zionstöchter), ca. 75 junge Mädchen, die die Propaganda mit grosser Lebhaftigkeit betreiben. 7. „Sons of Zion" (Zionssöhne), ca. 70 Hochschüler, Erst kürzlich gegründet und vielversprechend. 8. „Dorshe Zion Anshe S*phard"v Es ist dies die als Zionsverein constituierte gesammte ehassidische S/nagogengemeinde „Anshe S'phardB; ca. 80 Mitglieder. 9. „Zionistische Husaren", eine Organisation von Zionisten auf militärischer Basis mit grosser Strammheit. Circa 125 Mitglieder. 10. »Knights of Maccabeans" (Makkabäer-Ritter). Eine Organisation nach Art der Orden; ca. 50 Mitglieder. 11. „Sons and Daughters of Zion", ca. 200 Mitglieder aus den verschiedenen Schulen. Dieser Verein enthält die besten Elemente der Bostoner jüdischen Jugend. Entfaltet eine ebenso energische wie fruchtbare Thätigkeit sowohl durch Abhaltung von Volksbildungs-Cursen als auch durch Agitation s- und Volks-Versammlungen. Das erfreuliche an dem Stande des Zionismus in Boston ist, dass derselbe nicht bloss die eingewanderten russischen, sondern auch die altansässigen amerikanischen Juden umfasst und eine grosse Bedeutung im jüdischen öffentlichen Leben bereits besitzt, die immer mächtiger wird. Süd-Afrika. Capstadt. Sonntag den 18. Mai fand in der „Dorsch ei Zion-Halle" die jährliche Generalversammlung statt, in welcher die Executive Rechenschaft über ihre Thätigkeit und die finanzielle Lage abstattete und verschiedene wichtige Vorschläge zur Berathung vorlegte. Herr J. Schwartz präsidierte. Die Versammlung wurde um 4 Uhr nachmittags eröffnet und der Honor.-Secr. Herr J. Turbo witz verlas den Bericht über die Thätigkeit der Executive. Die Neuwahl ergibt folgendes Resultat: Präsident J. Schwartz. Vicepräsident S. Stern, Schatzmeister J. Zuckermann, Honor.-Secretär J. Turbowitz, Honor. assist. Secretär M. Cohn; Beisitzer J. Schach