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Die Welt · 1902-07-04 · 27 (4.7.1902) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
27 (4.7.1902)
Article
[Ohne Titel]
Date
1902-07-04
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 »Dfie Welt*4 Nr. 27 umfasst, so wäre nichts einfacher, als* dass die obige Ortsgruppe die gesammelten Briefmarken an eine Zion-Gruppe eines anderen Landes, ja sogar Erdteiles schickt und diese die Marken an ein Geschäft oder an Sammler zugunsten des Nationalfonds verkauft. Auf diese Weise könnten dem Fonds jährlich grössere Summen zugeführt werden, was sich bei der geringen Arbeit wohl lohnt. Jüdischer Nationalfonds Das goldene Buch. Verein „Comunitate Israilita' in Vaslui 252 Lei. ...... Zionistenverein in Gorodej a 100 Rubel. Zionist Society of Montreal (Kanada) 50 Dollars. Richtigstellung. In Nr. 23 soll es heissen: „Wilnaer zionistischer literarischer Verein" 95 Rubel. Correspondenzen und Telegramme. Dr. Herzl vor der Alien-Kommission. Die Einvernahme Dr. Herzls durch die kgl. Kommission zum Studium der Frage der Fremden-Einwanderung in London ist für Montag den 7. Juli angesetzt. Herr Dr. Herzl hat sich zu diesem Zwecke am 2. Juli nach London begeben. Die Resultate der „kleinen Kolonisation". Eine kurze Notiz, die in der vorwöchentlichen „Welt" zu lesen war, verdient ein paar Worte der Erörterung. Es war dies der aus Birmingham kommende Bericht der dortigen „Chovevi Zion\ Als der politische Zionismus entstand, waren unter den vielen Gegnern dieser neuen Idee, welche für kleine Geister zu gross war, auch die sogenannte Kiein-Kolonisatoren zu finden, welche den politischen Zionismus als ideale Chimäre verlachten, sich dagegen „praktische Zionisten" nannten und die Ansicht vertraten, es könne dasselbe Resultat, wie es der politische Zionismus, angeblich vergebens, anstrebe, auf dem Wege der „Infiltration" in Palästina durch Gründung möglichst vieler Kolonien erreicht werden. Dass einem notleidenden Volke von zehn Millionen Köpfen auf diesem Kärrnerwege nicht geholfen werden könne — vielleicht ist diese Einsicht, und Erkenntnis auch bei den „Praktischen41 aufgedämmert. Nun aber müssen sie es eingestehen, dass die mit so viel Applomb und Lärm gegründete Kolonie Machnajim wert sA, dass sie ganz aufgelassen werde. Wir begreifen den Schmerz, den diese Erklärung verursacht . . . Noch ein anderes Wort des Präsidenten der „Chovevi Zion" verdient hervorgehoben zu werden: das Geständnis, dass die „Chovevi Zion" neben dem das Judentum mit Sturmschritt erobernden politischen Zionismus täglich an Mitgliederzahl abnehmen und an Boden verlieren. Das ist das ewige Los der halben Ideen und Taten auf Erden. Argentinische Kolonisationserfolge. Aus Buenos-Aires berichtet man russischen Blättern, dass 130 Kolonisten, die aus Bialystok stammen und seinerzeit in Moisesville angesiedelt worden waren, nunmehr ihre ganze Habe zu Geld gemacht haben und sich anschicken, nach Russland zurückzuwandern. „Hameliz" veröffentlicht ein genaues Namensverzeichnis der zurückwandernden Familien und bemerkt hierzu, diese Tatsache bedürfe keiner Glosse. Jeder könne sich mit Leichtigkeit all die Widerwärtigkeiten vorstellen, die diese unglücklichen Leute erduldet haben müssen, ehe der Entschluss in ihnen reifte, nach so weiten Wanderungen in das Land zurückzukehren, dem sie — wahrlich nicht aus Uebermut — den Rücken gekehrt haben ... Die Juden in Russland. Petersburg. Das Departement für Handel im russischen Finanzministerium hat in einem Zirkular an [die[Kameralhöfe des Reiches das Recht der ausländischen Handlungsreisenden in Russland folgendermassen geregelt: Handlungsreisende aus dem Auslande, welche in Russland keine Vertretungen haben, müssen nach eingeholter Erlaubnis der drei Ministerien, des Ministeriums des Innern, des Aeussern und der Finanzen, Handelszertifikate im Werte von 150 und 50 Rubeln lösen, ausserdem andere Steuern in der Höhe von 50 Perzent der gezahlten Taxe für die Zertifikate entrichten. Vertreter ausländischer protokollierter Firmen, welche mit von russischen Konsulaten vidierten Pässen versehen sind, können auch ohne Erlaubnis der drei Minister reisen, zum Betriebe ihres Handlungsreisendengewerbes, jedoch müssen sie ein Handelszertifikat für 550 Rubel lösen. * Smolensk. Im „Smolenskij Wjestnik" ist die Verordnung des Stations-Vorstandes von Smolensk wiedergegeben, wonach Juden der Aufenthalt in den Wartesälen I. und II. Klasse des Bahnhofs strenge untersagt wird, sogar wenn die jüdischen Fahrgäste Fahrkarten I. und II. Klasse besitzen ... * Proskurow (Gouvernement Podolien). Bekanntlich befinden sich im Niederlassungsbiete bei jedem Gemeinderate speziell jüdische Geldsummen zur Bestreitung der Kosten speziell jüdischer Wohlfahrtseinrichtungen. Der Gemeinderat von Proskurow verweigert seit dem 1. Jänner l. J. die Ausfolgung der bereits angewiesenen Gelder zur Erhaltung der „Talmud-Thora" in Proskurow. Alle Versuche der Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Proskurow* die angewiesenen 2750 Rubel zu erlangen, scheiterten an der Hartnäckigkeit des Bürgermeisters, welcher den Juden das Geld nicht ausfolgen will. Unlängst weilte in Proskurow der Vice-Gouverneur von Podolien, Gounod Eyler, und die Juden fassten den Entschluss, sich bei ihm zu beschweren. Er verfügte zwar die Ausfolgung eines Teiles der angewiesenen Summe, der Bürgermeister jedoch fand noch immer nichtige Vorwände, um die zur Erhaltung der „Talmud-Thora" nötige Summe ihrer Bestimmung nicht zuzuführen. * Berdytschew. Der hiesige Agent der Verlagsfirma „Achiasaf", Finkelstein, stand unlängst vor dem Bezirksgerichte unter der Anklage, die Jargonzeitschrift „Der Jude" in. Berdytschew verbreitet zu haben. Da jedoch nachgewiesen wurde, dass „Der Jude" in Russland gelesen und verkauft werden darf, so endete der Prozess mit dem Freispruche des Herrn Finkeis tein. * Poltawa. Eine Rede, welche der dem Ministerium des Innern nunmehr zugeteilte Gouverneur von Poltawa Kammerherr Bellegarde, vor seiner Abreise aus Poltawa gehalten hat, wird in Russland vielfach besprochen. Man ersah aus der Rede, dass die gewöhnlich gegen die Juden erhobenen Anklagen unstichhältig sind. Bei Entgegennahme einer ihm von der jüdischen Gemeinde von Poltawa überreichten Adresse sagte Kammerherr Bellegarde: „Ich danke der jüdischen Gemeindevon Poltawa. Die Adresse ist mir sehr wertvoll, weil ich während meiner sehsjährigen Amtsthätigkeit in Poltawa über die Poltawer Judenschaft nichts als Gutes sagen kann. Ich habe immer die Bedürfnisse der Juden erfüllen wollen, wenn es mir dennoch nicht gelang, so ist es nur aus Gründen, welche nicht von mir abhingen '. . ."

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