Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 27 (4.7.1902)
- Article
- Das Schekel-Fest in Bulgarien
- Date
- 1902-07-04
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr, 27 „Die 2> Wem6 Seite 7 des Landeskomitees, wurde der J o m-H aschekel ebenso feierlieh begangen, wie iri deü anderen zwei Metropolen Bulgariens: Sofia und Philippopel. Die Herren Dr. Nahimsohn und Rabbiner Behmoaros hielten die Festreden. In Ferdinand Pro vadia, Kasanlik und anderen Städten mit jüdischer Bevölkerung, wurde mit kleinen Variationen das Nationalist mit grosser Feierlichkeit begangen. In den Herzen aller Jaden und Bulgaren hat dieser Tag die denkbar günstigsten Eindrücke zurückgelassen. Die zionistische Organisation in Bulgarien hat mit diesen Manifestationen wahrhaft gezeigt, dass sie eine der besten in der Zionistenwelt ist und dass sie mit Wort und Tat für das Baseler Programm arbeitet. Zur Frage jüdischer Namen. Von Dr.'R. Bierer (Lemberg). Die Nr. 24 der „Welt* brachte uns einen sehr lesens- und beherzigenswerten Aufsatz unter dem Titel: „Welche Namen sollen wir unseren Kindern geben?*, in dem eine wichtige nationale Frage ohne besonderen Aufwand von Temperament, in aller Ruhe besprochen wurde. Oeffneten Sie, geehrte Redaktion, das Ventil unseres zionistischen Sprachrohres dem einen, dürften Sie es hoffentlicht einem anderen nicht verschliessen. Daher bitte auch ich um das Wort in dieser Frage. Dass diese Frage in ihrer ganzen Wichtigkeit von unseren Altvordern, den Talmud weisen, erkannt wurde, geht aus einem talmudischen Ausspruche hervor, der besagt, dass Israel sich durch drei Dinge der Erlösung aus Egypten würdig erwiesen habe: dass es festgehalten habe an seinen Namen, seiner Sprache und seiner Kleidertracht. Das Festhalten an den Namen unserer Vorfahren trägt dazu bei, uns teils mit dem beseligenden Gefühle, berechtigten Ahnenstolzes, das uns zur Zeit abhanden gekommen zu sein scheint, aufs neue zu erfüllen, anderseits den Zusammenhang ganzer Geschlechtsreihen festzuhalten. War es ja geheiligter Brauch, die Namen der Urgrosseltern auf den Urenkel zu vererben. Andere Gesichtspunkte hat bereits der Verfasser des ersten Artikels, Herr S ei d em an n inPrijedor, entwickelt, denen ich vollkommen zustimm«. Wollen wir aber die Kehrseite dieser Münze betrachten und die Falschmünzerei der Nomenklatur in Betracht ziehen? Was fesselt uns denn an die Heidennamen, welchen Gewinn bringt uns die Beilegung von Namen alter Raubritter, Keulenschläger und sonstiger arischer „Heroen"? Hat unser Volk irgend eine Beziehung zu jenen fremdgeschichtlichen Menschenschlächtern? Ja wohl: vielleicht die Erinnerung der zahllosen jüdischen Ganz- und Brandopfer ad majorem Dei gloriam. Wenn unsere Assimilationshelden an dem Blutgeruch, welcher derlei Namen arischheidnischen Ursprunges anhaftet, Wohlgefallen finden — habeant sibi. Es gibt aber unter den Juden eine leider grosse Anzahl besorgter Eltern, welche ihren Kindern klangvolle slavische, deutsche etc. Namen beilegen, um ihnen den Lebenskampf zu erleichtern. Diesen Spekulanten in arischen Namen möchten wir entgegenhalten, dass der Antisemitismus untrügliche Auskunftsmittel besitzt, um das Judentum des Bertram und Reinhold, des Miecislaw und Boguslaw herauszufinden. Selbst das Taufwasser besitzt gar oft nicht die Macht, einen Exjuden mit seinem arischen Namen vor Injurien zu schützen. Im übrigen sieht man bei unserem Volke eine Art Umkehrung der Begriffe. Christliche Völker, Angelsachsen wie Slaven, legen sich echt jüdisch-biblische Namen bei — wir Juden aber lesen die rostigen Abschnitzel aller Barbarei als Muster für modern-wohlklingende Namen auf — De gustibus non est disputandum. Gegen windschiefe Geschmacksrichtungen lässt sich nicht ankämpfen — Juden, denen ihre 3000jährige Geschichte etc. was gilt, Zionisten, denen echtes, altes Judentum eine Durchzugsstation zum lebensvollen Judentum der Zukunft bedeutet, werden die Unverfälschtheit ihrer Namen in Verbindung mit ihrer Bassenreinheit zu würdigen wissen. Wie immer das Golus unseren Volkskörper in Stücke zu reissen strebt, unsere hebräischen Namen sammeln und einigen uns wieder. Der jüdische Beduine in Arabien und der jüdische Gentlemen aus London reichen einander die Hand. Es versteht sich von selbst, dass wir nicht unterlassen dürfen, korporativ gegen jede Zurücksetzung und Herabsetzung zu kämpfen, die uns aus dem Titel Mosche, Abraham, Jizchak, Jakob erwachsen. Jedoch möchte ich eine kleine Purifikation der durch die Diaspora eingeschleppten Fremdnamen und Fremdbetonungen des Hebräischen wünschen und vorschlagen. So z. B. müssten alle Wolf, Leib, Gittel, Süssel, Anschel etc. oder Luser, Sumer, Schosche u. s. w. verschwinden und durch wohlklingende historische ersetzt werden, statt Luser das richtige Eleasar, statt Froim Efraim, statt Jossei Jossef, Schie Joschua, Godel Gedalja, Zalei Bezalel, Psachie Pethachia, statt Schaje Jeschaja und dann statt des Missbrauchs zweier verkrüppelter Namen lieber einen in einem reinen Hebräisch. Doch lässt sich all diese zionistische Hilfsarbeit verrichten, wenn es uns gelingt, die assimilierten Namen aller Namen Schänder in gut jüdische umzusetzen. Ein gewaltiger Missbrauch der Namentaufen und Namensverkrüppelung wird leider in dem Lemberger jüdischen Matrikelamt sub auspieiis der jüdischen Behörde betrieben und den neugeborenen jüdischen Kindern werden polnische Namen beigelegt. Die Kühnheit dieser besoldeten Namenschänder verursacht Proteste und Aufregung bei den Konservativen — allein es macht nichts; — die jüdischen Namen werden verbannt. Es erübrigt uns noch, auf die Spaniolen, die echten, nicht etwa die „Alliance"-Modelle, hinzuweisen, welche auf den Höhen ihres Lebens sich nicht ihres alten hebräischen Namens schämen. So mögen es auch die Aschkenazim halten! ^fib(ii)e. Freiberg i. Sa., den 28. Juni 1902. Am 5., 6. und 7. Juli 1. J. findet in Freiberg i. Sa. ein Kongress der jüdisch-akademischen Vereine zionistischer Tendenz, deren Mitglieder aus Rumänien stammen, statt. Der Hauptzweck dieses Kongresses ist: 1. Beschlussfassung, auf welche Weise die akademischen Vereine dazu beitragen können, den Bildungsgrad des jüdischen Proletariats in Rumänien zu erweitern, und 2. die Bildung eines Kartells dieser Vereine, um sich auf diese Weise gegenseitig zu unterstützen. I. A. d. a. V. „Unitas«: Josef M. G o 111 i e b, Daniel Sternberg, dzt. Vorsitzender. dzt. Schriftführer. Anregungen für den Nationalfonds. Jeder Zionist sammelt die Briefmarken aller ihm zugehenden Briefe und übergibt dieselben seiner Ortsgruppe. Die Ortsgruppe übergibt wiederum die auf diese Weise erhaltenen Marken der Landeszentrale. Da nun bekanntlich selbst die gebräuchlichsten Briefmarken in anderen Ländern für Sammler einen, wenn nur kleinen Wert repräsentieren und die zionistische Organisation die gesammte Welt