Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 27 (4.7.1902)
- Article
- Generalversammlung und Jahresbericht der "Jewish Colonisation Association"
- Date
- 1902-07-04
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 „Die 2^ Welt" Nr.-27 Schöpfung in Woodbine fortgesetzt und haben seiner landwirtschaftlichen Schule neue Subvention gewährt. Wir fahren fort, die Handelsschule in New-York zu subventionieren, in welcher jenen Emigranten, welche nicht schnell genug ihren Lebensunterhalt verdienen können, Unterricht im Handelsfache erteilt wird. Die Regierung von Kanada hat über unser Ersuchen eine lnspektion der Hirsch-Kolonien veranlasst. Der Bericht konstatiert, dass die Majorität der Kolonisten wirkliche Ackerbauer und auf dem Wege sind, Erfolg zu haben. In Palästina war die Weinproduktion schwach. Die Kolonien, die sich ausschliesslich dem Weinbau widmen und an welchen wir interessiert sind (Wad-el-Chanin, Bechoboth und Katra) befinden sich in schwieriger Situation. Die Dürre, an welcher das Land litt, hat den Getreidebau sehr stark mitgenommen. Die Ernte der Kolonie •Misehmar-Hajarden war schwach und unser Unternehmen in Chedera hat ni. cht den Erfolg gehabt, welchen wir erhofften. Das Unternehmen ist jetzt vollkommn organisirt. Es erstrebt rationelle Methode und nützliche Verwendung der iüdischn Arbeiter. Die Anstrengungen, welche wir in Jerusalem gemacht haben, um die industrielle Arbeit zu fördern, geben nur langsam befriedigende Resultate. Der Kreditfonds, welchen wir dort Ende des Jahrs 1901 ggründet haben, scheint wirkliche Dienste geleistet zu haben, und die Vorschüsse werden regelmässig zurückgezahlt. Die Reformen, welche in den von Baron Edmund de Rothschild gegründeten Kolonien begonnen wurden, werden im Laufe dieses Jahres fortgesetzt werden. Es ist notwendig, den Kolonisten Felder zur Verfügung zu stellen, welche ihnen gestatten, weitere Zweige des Feldbaues zu kultivieren. Der administrative Dienst ist reduziert und die Kommunal-Lasten sind vermindert worden. Der Prostess der Weinbereitimg ist eingeführt und dem Weiuverkaufe eine rationelle Entwicklung gegeben worden. Die Niederlassung von Margo Chiflik auf . C y p e r n wird von den Mitgliedern der Ahavas-Zion-Gesellschaft in London, welche sie gegründet haben, successive verlassesn. Sie hat ihre 'Rechte unserer Gesellschaft übertragen, welche an ihrer Statt einige frühere Schüler der landwirtschaftlichen Schule der Alliance Israelite angesiedelt hat. AVir ziehen einen Plan in Betracht, welcher diesem Werke eine grosse Ausdehnung geben soll. Die Wein stocke in der Gegend von A x r in Kleinasie n sind dieses Jahr von Krankheiten heimgesucht worden, welche ihr Erträgnis beträchtlich vermindert haben. Ersatz von unseren Weinstöcken in Or Jehuda wird ihnen zukommen. Der Anbau von Cerealien lieferte eine Mittelernte, so dass wir mit dem Erträgnis dieses Grundkomplexes d u r cliaus nicht zufrieden sein können. Die Zöglinge der dort errichteten Schulen nehmen an allen auf den Feldern ausgeführten Arbeiten teil und erwerben so gleichzeitig mit elementaren Instruktionen wertvolle landwirtschaftliehe Kenntnisse. In R u s s 1 a n d set zen wir ein erspriessliches Werk fort. Unsere Agenturen verbreiten die besten Methoden dr Landwirtschaft unter den jüdischen Bauern im Xördwsten des Gouvernements Cherson und Bessarabien. Sie lehren den jüdischen Bauern den Gebrauch der modernen Werkzeuge und die Behandhing des Viehs. Sie zeigen ihnen an praktischen Beispielen die Wirkimg gewisser Prozesse. Sie lehren sie, ihre Felder zu durchräuchern, und Krankheiten, welche die Ernte angreifen, zu bekämpfen. Die russischen Behörden haben unseren Bestrebungen Gerechtigkeit angedeihen lassen und die Resultate derselben als vollendet anerkannt. Die Anstrengungen, welche wir in Russland zur Gründung von Cooprativ-Genossenschaften gemacht haben, weisen weniger Erfolg auf. Wir fördern wechselseitige Sparbanken- und Kredit-Genossenschaften und sind befriedigt von der Art., in welcher diese Institutionn arbeiten, und von den Diensten, welche sie der hauptsächlich daran interessierten Bevölkerung leisten. Die Kinder-Erziehung hat ebenfalls unsere Beachtung gefunden. Wir unterstützen in Russland und Russisch- Polen Elementar-, landwirtschaftliche und Handelsschulen. Unser Bestreben ist es, überall den Stand des Unterrichtswesens zu heben und wir hoffen, einmal eine Hochschule für Landwirtschaft und Gewerbe zu schaffen. Die Gesellschaft zur Errichtung wohlfeiler hygienischer Wohnhäuser, welche mit unserer Unterstützung gegründet wurde, hat noch nicht alle von ihr in Wilna errichteten Baulichkeiten vermietet. Die Zahl der vermieteten Wohnungen ist jedoch im Zunehmen begriffen. Die inclusrtielle Krisis hat die Gesellschaft für Spinnerei und Weberei gehindert, alle ihre Projekte auszuführen. Sie muss sich mit der Erbauung einer Weberei zufrieden geben, und wir hoffen, dass das Gebäude im Laufe des Jahres 1902 fertig werden wird. In Rumänien ist die Auswanderungsbewegimg, welche im vergangenen Jahre mit solcher Gewalt aufgetreten ist, in bemerkenswerter Weise organisiert worden. Die Auswanderungen finden alle in regulärer Weise statt. Wir in trassieren uns für die Familien, die das Land in Ordnung verlassen, indem wir ihnen eine neue Existenz in freien Ländern gründen helfen. Eine Anzahl dieser Emigranten sind als Kolonisten und landwirtschaftliche Arbeiter in unseren argentinischen Kolonien untergebracht worden; andere wurden durch die Mithilfe der kanadischen Regierung installiert; einige sind nach Australien gegangen. Wir haben in Rumänien die Unterstützung der Elementar- und gewisser Handelsschulen fortgesetzt. Um sieh unsere Hilfe zu sichern, müssen die Schulen jedoch das moderne und rationelle Programm, annehmen, welches wir ihnen vorgezeichnet haben. Der Darlehensfonds in G a 1 i z i e n fährt in seiner Arbeit in befriedigender Weise fort. Die von uns in diesem. Lande gegründeten industriellen Unternehmungen geben zahlreichen Familien Beschäftigung und sind dazu geeignet, Handwerker heranzubilden. Die Schule in Slobodka L e o n a erzieht zukünftige Landwirte. Die Schüler erhalten hier eirfe praktische Erziehimg und werden in methodischer Weise unterrichtet. Im Jahre 1901 sind wir wie im Vorjahre den landwirtschaftlichen und Handelsschulen der Alliance Israelite Universelle und ihren Elementarschulen in Persien beigestanden, Das sind unsere hauptsächlichsten Leistungen im Jahre 1901. Wir unterstützen noch mannigfache Institutionen, welche in einem besonderen Kapitel unter der Uebersehrift „Verschiedenes" in diesem Berichte znsammengefasst sind. Wir haben diese Uebersicht vorangehen lassen, um eine Generalidee unserer Tätigkeit zu geben. (Fortsetzung folgt.) Staatsrat Mordowzew über den Zionismus. Der russische Staatsrat Daniel Lukitseh Mordowzew zählt zu den erleuchtetsten Geistern des modernen Russland und zu den hervorragendsten Vertretern der russischen Literatur. Er hat die russische Literatur durch zahlreiche schöngeistige Werke bereichert, in denen viele Erscheinungen im sozialpolitischen Leben Russlands mit überwältigendem Talente und künstlerischer Vollendung geschildet wurden. Sein Roman „Die Zeichen der Zeit" ward das Evangelium der russischen Jugend der Siebziger- und Achtzigerjahre, weil in ihm nicht der Nihilismus, sondern