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Die Welt · 1902-06-27 · 26 (27.6.1902) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
26 (27.6.1902)
Article
Cassel [Nachricht]
Date
1902-06-27
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. m „Die Welt" Seite 13 Stützung. Hierauf erstattete noch Herr Dr. Koref einen kurzen Bericht über den Verlauf des Mannheimer Delegiertentages. Er forderte die Mitglieder auf, intensiv zu arbeiten. Herr L. Katz dankte im Namen des Vereines Herrn Dr. Koref für die Vertretung in Mannheim. Herr Rieh. Goldberg berichtet über den Etat für das laufende Semester. Herr Dr. Koref beantragt, der Verein solle dem zionistischen Verlag beitreten, einerseits um die gute Sache zu fördern, dann aber auch um für verhältnismässig wenig Geld für den Verein gute, insbesondere zionistische Lektüre zu beschaffen. Zum Schluss wurde noch L. Heimberg zum Bibliothekar gewählt. Russland. Rostow a. D. Montag den 3. Juni fand hier mit polizeilicher Bewilligung eine zionistische Versammlung statt. Trotz der tödlichen Hitze war die Soldaten-Synagoge übervoll. Die Begrüssungsansprache hielt Hr. Dr. Guttermann, worauf Hr. G. Schereschewky an der Hand der Geschichte die Notwendigkeit des Zionismus bewies und zu intensiver Arbeit aufforderte. Hr. L. Münz sprach über Nationalfonds und Bank. Hr. Rabbiner Dr. Aisenstadt hielt eine feurige Agitationsrede für den Nationalfonds. In der Versammlung wurden viele Nationalfondsmarken verkauft. Dem hiesigen Zentralkomite und dessen Vorsitzenden M. R a b inowi t s ch, welcher es verstanden hat, treue und energische Mitarbeiter im „Vereine der aktiven Arbeiter", welcher zugleich als Centralcoraite funktioniert, zu vereinigen, ist der starke Fortschritt der Sache hier zu verdanken. S. K. Mitau. In der letzten Zeit ist der Zionismus auch hier auf feste Füsse gestellt worden. Wir haben bereits eine Lesehalle eröffnet, ein jeder hat dort freien Zutritt. In der Lesehalle befinden sich alle Zeitungen jüdischen Inhaltes, auch einige nichtjüdische. Die Arbeit der Schekelsammlunggehtrasch vorwärts. Actien und Marken werden verkaufe. Die Lesehalle wurde gegründet vom Reinertrage des Vortrages Dr. N u r o k s- Neftel und einige andere junge Leute haben die Agitationsarbeit in die Hand genommen. Jekaterinoslaw. Wie die ,,Petersburgskija Wjedomosti" melden, finden die vom Zionistenkongress ausgegebenen Marken für den NationaJfonds unter den Juden in Russland reissenden Absatz. Alle Briefe und Karten werden nebst der staatlichen Postmarke mit einer Nationalfondsmarke frankiert. Die russischen Blätter sagen, dass die Marken sehr hübsch ausgeführt sind. Schweiz. Basel, 17. Juni 1902. Die zionistischen Vereine von -Freiburg im Breisgau und Basel hatten Sonntag den 15. Juni eine gemütliche Zusammenkunft in dem prächtig gelegenen Kurorte Badenweiler veranstaltet. Beim Mittagsbankett in dem mit zionistischen Farben festlich geschmückten Saale des „Hotel Elsässerhof" wurden verschiedene, sowohl ernste, wie heitere Reden zionistischer Tendenz -gehalten. Das „Benschen" kam zugunsten des Nationaifonds an eine Auktion", welche etwas über 60 Francs ergab. Aehnliche gemeinsame Veranstaltungen, die zu gegenseitigem Gedankenaustausch vorzüglich geeignet sind, werden bei uns des öftern wiederholt werden und dürften auch anderswo Anklang finden M. L. England. Aus Birmingham (England) wird berichtet: Die Jahresversammlung der „Chovevi Zion Association", Zelt 20, fand Sonntag den 15. Juni unter Vorsitz des Kommandanten Rev. G. J. Emanuel statt. Der Vorsitzende legte den Rechenschaftsbericht vor und verlangte das Absolutorium für die Bilanz, welche Total-Einnahmen von £ 82, 9 sh. V, d. aufweist, von welchen ä£ 40 dem Hauptquartier abgeführt wurden. Interessant sind einige Bemerkungen des Berichtes. Die Mitgliederzahl zeigt eine stetige Verminderung und es ist eine traurige Tatsache, dass die Gesellschaft in dem Wettbewerb mit dem politischen Zionismus nicht bestehen könne, sondern den Boden unter den Füssen verliere. Der Vorsitzende erzählt, es sei ihm von einem jüngst aus Palästina heimgekehrten Herrn mitgeteilt worden, dass etwas wie Veruntreuung in der Verwaltung der von der „Chovevi Zion" protegierten Kolonien Safed und Machnajim vorgekommen sei. Das wird untersucht werden und die nächste Generalversammlung, welche bald stattfinden werde, würde sich mit der Frage zu beschäftigen haben, ob es wert sei, diese Organisationen zu erhalten. Die Samaritaner. W. Mit der Geschichte der Juden ist ziemlich verquickt die der Samaritaner, wenn man überhaupt von einer samaritanisehen Geschichte reden kann. Auf jeden Fall sind die Etappen ihrer historischen Entwicklung von einer minimalen Bedeutung. Interessant sind die Samaritaner nur da" durch, dass sie chronologisch die erste jüdische Sekte sind, und in gewissem Sinne als Vorläufer der Karaitcn betrachtet werden können. Die Entstehungszeit der samaritischen Sekte konnte trotz vieler bedeutender Arbeiten auf diesem Gebiete nicht genau fixiert werden. Sie scheint den alten Gegensatz zu verkörpern, der seit jeher zwischen dem herrschenden Stamm Juda und dem ehrgeizigen Ephraim existierte. Denn lange Zeit rivalisierten Sichern und Jerusalem, bis es um die Mitte des 10. Jahrhunderts zum endgiltigen Risse kam zwischen dem südlichen Eeiehe Juda und den anderen 10 Stämmen im Norden. Für ihren Namen geben die Samaritaner eine ethymologisehe Erklärung, er sei eine Korruption von „Schomrim", d. h. Wächter des Gesetzes. Viel wahrscheinlicher ist, dass ihr Name von der Landschaft Samaria entlehnt ist, in der ihre Hauptstadt Sichern Avre der dieser Sekte besonders werte Berg Garizim gelegen sind. Ethnologisch sind die Samaritaner ein Mischvolk, das aus Chuthäern, die in Sanr ballat ihren geistigen Führer hatten, aus Ammonitern (um Zobia) und aus Arabern (um Gaschmu) entstanden ist. Ihre Sprache ist einKauderwich aus fremdartig klingenden Elementen. In der späteren Zeit bedienten sich die Samaritaner nur des Arabischen zur Abfassung ihrer Schriftwerke. Eine Pentateuch-TJebersetzung, einige liturgische Stücke, etwas vom Buche „J osua" und den „Richtern" sind die einzigen literarischen Erzeugnisse der Samaritaner in samaritanischer Sprache. Die samaritanische Paraphrase des Pentateuch, welche wahrscheinlich von verschiedenen Autoren herrührt, ist mit der Uebersetzung des Onkelos und der Paschita auffallend ähnlich. Im grossen und ganzen ist die samaritanische Sprache ein chalcläisches Idiom, dem eine Anzahl unsemitischer Wurzeln beigemischt ist, welche von den Linguisten „Kuthäische Wurzeln" genannt werden. Noch heutzutage, nach mehr als zweieinhalb" tausend Jahren bewahren die Samariter in Nablus, wo sie 110 Seelen stark sind, in ihrer alten Synagoge eine Pentateuch-Rolle auf, die ihres Erachtens die einzige echte ist. Auch rühmt sich ihr Hohepriester daselbst, in gerader Linie von Ahron abzustammen. Pietro della Valle erzählt in seinen „berühmten Reisen", dass die Samaritaner nicht, wie sie selbst angeben, vom Stamm Ephraim'abstammen, sondern wahrscheinlich Nachkommen der assyrischen Bewohner einer vom assyrischen Könige Salmanassar in der Gegend Saniarias gegründeten Kolonie seien. Da aber Samaria nach der assyrischen Gefangenschaft (72& v. Chr.) längere Zeit unbewohnt war, so wurde die junge Kolonie von Löwen der Wüste heimgesucht, deren sie sich nicht erwehren konnte. Dem Aberglauben jener Zeit zufolge war dieses ein Racheakt des Lokalgottes, der sich gekränkt fühle, dass man ihn nicht verehre. Um nun die Gunst des Gottes Israels zu erlangen, liess Salmanassar einige Priester aus dem Geschlechte Ahrons kommen, welche den jüdischen Kultus einführen sollten. Doch die Kolonie wollte nicht ganz vom Polytheismus lassen, und aus der Mischung beider Anschauungen ist der samaritanische Glaube entstanden, der sich aber immer mehr und mehr dem jüdischen näherte, so dass später Mischehen eingegangen wurden. Nehemia

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