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Die Welt · 1902-06-27 · 26 (27.6.1902) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
26 (27.6.1902)
Article
New-York [Nachricht]
Date
1902-06-27
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die # Welt" Nr. 26 departement bei seinen Vorstellungen einen Rückhalt zu gewähren, leiten jetzt bekannte Juden eine kräftige Agitation ein. Die heutige Versammlung war die erste dieser Art, Es sollen ihr ehestens andere folgen. Eine Reihe bekannter Bürger anderer Konfession waren auf der Liste der Vize- Präsidenten und Dr. Slicer, ein bekannter Presbyterianer- Geistlicher, hielt eine Ansprache. Unter den anderen Rednern waren Oberrichter Greenebaum und Borough- Präsident C a n t o r. Personalnachrichten. Prof. Richard Gott heil, Präsident der „Federation of American Zionists" und Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees ist mit Frau und ochwägerin in Europa eingetroffen. * Basel. Herr ehem. Max Silberberg, i. a. B. der Wiener „Kadimah", wurde hier am 16. d. zum Dr. phil. promoviert. * Am 12. Juli findet in der Karlskirche in Wien die Trauung des Sohnes des Herrn Leopold P o 11 a k, Vorstehers der Wiener jüdischen Kultusgemeinde, mit Fräulein Zamarsky statt. .Wtlt-Qbroollt. Persien als Zion. Der „Jewish Chronicle" reproduziert unter diesem Titel eine Anregung des Londoner „Spectator": Die reichen Juden mögem mit Hilfe von Subsidien den gegenwärtig in Europa weilenden Schah dafür zu gewinnen suchen, die rumänischen Juden in seinem halbleerenReiche ansiedeln zu dürfen. Alles wäre den Anti-Zionisten als Surrogat für Zion willkommen — wenn nur an Zion selbst vergessen werden möchte. Der Nachfolger des Königs Ahasverus zählt ja schon jetzt einige tausend jüdischer Untertanen, aber ihre Lage ist noch trauriger als die — der rumänischen Juden, und das will schon etwas heissen. Geldstrafe für die Taufe. Der am 8. April v. J. in Wien verstorbene Millionär Baron Philipp v. Schey bestimmte letztwillig, dass jeder der von ihm bedachten Erben, der vom Judentum abfalle, den Anspruch auf das ihm vermachte Vermögen verliere und, falls er schon etwas erhalten habe, dies zurückstellen müsse. Seine beiden Neffen, der Private Viktor und der Rittmeister Paul Baron v. Schey, erbten jeder die Summe von 100*000 fl. Das Nutzniessungsrecht sollte beider Vater, Franz Baron v. Schey, haben. Drei Ta#e nach dem Tode des Erblassers liess sich der eine Neffe, Viktor, taufen. Seine Gläubiger, die 80.000 fl. zu fordern haben, brachten beim Wiener Landesgericht gegen das Baron Schey'sche Verlassenschaftskuratorium die Klage ein auf Feststellung, dass die Taufe des Barons Viktor Schey den Gläubigern gegenüber rechtsunwirksam sei, das Legat per 100.000 fl. nicht dem Bruder Paul, sondern den Gläubigern zufalle. Der Vertreter des Geklagten wandte die Inkompetenz ein, da es sich um einen Exekutionsakt handle, der vor das Exekutionsgericht gehöre. Die Bestimmung des Testamentes sei unanfechtbar, da ja bekannt sei, dass auch bei Fideikommissen des höchsten Adels für den Fall des Abfalles von der katholischen Kirche Rechtsverlust vorgesehen sei. Nach mehrstündiger Verhandlung stellte sich dis Nothwendigkeit heraus, den Vollzug des in Köln vorgenommenen Taufaktes amtlich festzustellen; der Gerichtshof beschloss aus diesen Gründen die Vertagung. Ein Uhrahne des Kriegsministers Ottolenghi. Anlässlich der Ernennung des Juden O t to 1 e n ghi zum Kriegsminister von Italien verdient der Umstand, dass der Ahne desselben in der Geschichte des Judenthums eine hervorragende Rolle spielt, Erwähnung. Joseph Ottolenghi, ein aus Deutschland (Oettlingen in Württemberg), nach Italien eingewanderter Talmudgelehrter, begründete um die Mitte des 16. Jahrhunderts zur Zeit des Papstes Paul IV. in Cremona ein Lehrhaus, das für das Judenthuui von umso grösserer Bedeutung ward, da es durch die Verbreitung jüdischer Wissenschaft den der Bekehrungssucht Pauls IV. entspringenden Umtrieben ein Ziel setzte. Unter dem Protectorate des Statthalters von Mailand gab er auch mehrere hebräische Schriften heraus, die grossen Absatz im Morgenlande, Polen und Deutschland fanden, da damals in jenen Ländern die Herausgabe jüdischer Bücher verboten war. Er erwarb sich gleich grosse Verdienste um Literatur und Wissenschaft. Rumänische Auswanderer in Budapest. Am 16.d.M. weilten im ßudapester Zentralbahnhofe vier Stunden lang zirka 200 rumänische Juden, die mit Weib und Kind nach Providence N. J., Philadelphia und San-Francisco (Amerika) reisen. Es waren zumeist intelligente Leute, Handwerker aus Bukarest, Jassy, Focsani, Berlad undBraila. Die armen Leute hatten ihr letztes Hab und Gut verkauft, damit sie den zu passierenden Orten nicht zur Last fallen sollen. Sie übergaben dem Bukarester Advokaten Dr. Löwenthal 30.000 Franks, damit er sämmtliche Spesen der Fahrt decke. Die Leute erzählten fürchterliche Dinge von den bestialischen Roheiten, denen sie in Rumänien ausgesetzt waren. Einer der Emigranten, Jankl R o v i s b a n, wies seinen Militärpass vor, in welchem es heisst, dass der Genannte ein heldenmütiger, tapferer Soldat war. Weinend erzählten die Leute, dass ihnen nichts so schmerzlich war als der Abschied von den Gräbern, wo ihre Teuren den ewigen Schlaf schlummern. Von den reichen rumänischen Juden erzählten sie die grössten Unbarmherzigkeiten, so z. B. liess der Berlader Bankier Berl Wechsler einen schönen Palast aufführen, beim Baumeister aber bedang er sich, dass ja kein jüdischer Arbeiter angestellt werde, denn er wolle ein treuer Sohn Rumäniens sein. „U. W." Ein nationaljüdisches Lehr- und Erziehungsinstitit. Mit Bezug auf unsere Notiz „Anerkennung eines zionistischen Instituts14 werden wir ersucht, mitzutheilen, dass auch das von Dr. B arnass geleitete Lehr- und Erziehungsinstitut in Pfungstadt bei Darmstadt seinen Schülern auf nationaler Grundlage eine hervorragend wissenschaftliche Ausbildung gewährt. Neben den erforderlichen hebräischen Disciplinen wird auch hebräische Conversation und Correspondenz gelehrt. Unser Gesinnungsgenosse Dr. Ch. Weizmann in Genf war eine Zeitlang an dieser Anstalt als Lehrer thätig. Der Director des Instituts ist ein bewährter, fürs höhere Schulfach staatlich geprüfter Pädagoge, der bei der Erziehung der Zöglinge neben dem religiösen auch das nationale Moment im Auge behält. Auf Wunsch wird auch russischer Unterricht er th eilt. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. „Was ist der Zionismus?" ist der Titel eines Artikels* welchen Rev. W. P r e s t o n, D. D. (Doktor of Divinity, Doktor der Theologie), Vikar von Raskeife, Easingwold, in der Juni-Nummer der englischen Monatsschrift „The Quiver" (Der Köcher) publiziert. Nach des Verfassers Ansicht ist der Zionismus zusehends in Ausbreitung begriffen und nähert sich eiligen Schrittes der Verwirklichung. Mit hoher Begeisterung tritt der christliche Verfasser für den Zionismus ein, zu dessen Unterstützung er seine Glaubensbrüder und Volksgenossen anruft. * Unter dem Titel: „Temperaturwechsel im Westen" bespricht „Hameliz" an leitender Stelle die Rede des Grossrabbiners von Frankreich Zadoc Kahn über den Zionismus anlässlich der Eröffnung der jüdischen Volksuniversität in Paris. „Wenn wir von der Ausbreitung des Zionismus im östlichpn Europa hören" — wird in df>m Artikel ausgeführt — „sind wir gar nicht erstaunt. Denn im Osten

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